Kuba und das Öl

Kuba deckt heute etwa die Hälfte seines Eigenbedarfs an Erdöl. Das Land verfügt bereits seit den 1980er Jahren über eigene Raffinerien, in denen das zu Vorzugskonditionen gelieferte sowjetische Erdöl weiterverarbeitet wurde. Heute erhält Kuba vergünstigtes Öl aus Venezuela. Sich allerdings auf die Hilfe der Freunde im Ausland zu verlassen, kann keine dauerhafte Lösung sein, zumal die Zukunft von Hugo Chávez angesichts der anstehenden Wahlen und seines Gesundheitszustands äußerst ungewiss ist. Und vor allem: Selbst wenn er die aktuellen Wahlen gewinnt, er kann nicht ewig Präsident sein und es besteht immer die Gefahr eines Putsches. Ein Land wie Kuba kann sich solch einen Unsicherheitsfaktor bei der Primärenergieversorgung nicht leisten. Deshalb kam im Januar die aus chinesischer Produktion stammende Ölbohrplattform „Scarabeo 9“ vor Kuba an.

Auf der Karte ist ersichtlich, welche Ölkonzerne bereits die Rechte für die Bohrung in bestimmten Gebieten erkauft haben. Ganz vorn mit dabei sind Venezuela, Brasilien und Russland. Im Januar lief Scarabeo 9 schließlich aus und bohrte für die spanische Betreiberfirma Repsol in der Floridastraße nach Öl. Das Ergebnis: negativ. Das Unterfangen kam die Firma allerdings nicht ganz billig, immerhin hat der Ölkonzern 150 Millionen US$ in die Bohrungen investiert und ging leer aus. Außerdem musste ein großer Aufwand betrieben werden, um die Plattform zu fertigen, da wegen des Embargos nicht mehr als 10% der verwandten Teile und Ausrüstungskomponenten aus den USA stammen durften. Die USA äußerten natürlich als erste Umweltbedenken und bestanden auf einer Inspektion wegen möglicher Sicherheitsrisiken.

Die Inspektion hat Scarabeo 9 schon vor den ersten Bohrungen bestanden und derzeit wird an anderer Stelle für Russland und Malaysia nach Öl gebohrt, mit ersten Ergebnissen rechnet man im Juli. So soll die der italienischen Firma „Saipem“ gehörende Scarabeo 9 in den nächsten Jahren noch weiter von Investor zu Investor gereicht werden (als nächstes kommt Venezuela), bis schließlich an der richtigen Stelle ein Fund erzielt wird der sich wirtschaftlich erschließen lässt. Nun kommt allerdings überraschend noch eine weitere Bohrstation dazu: Die russische Ölbohrinsel „Songa Mercur“, gebaut 1986 und generalüberholt 2006, soll für zusammen mit einer Malaysischen Erdölgesellschaft und Gazprom in diesem in Sommer ankommen und ab November nach Öl suchen. Die jährlichen Kosten sind mit 88 Mio US$ deutlich günstiger als die von Scarabeo 9. Allerdings muss sich Songa Mercur mit künstennäheren Regionen zufrieden geben, da die Station nur bis Tiefen von etwa 365 Meter ausgelegt ist. Scarabeo 9 hingegen schaft Tiefen von bis zu 1,8 Kilometer.

Im Unterschied zu Scarabeo 9 ist die neue russische Ölbohrplattform allerdings mit US-amerikanischer Technologie ausgestattet und verletzt damit das Embargo. Russland lässt sich dennoch nicht von den Bohrungen davon abhalten und die USA haben ohnehin keine Handhabe dagegen. Für Kuba sind das alles gute Nachrichten, denn die Suche nach dem Öl dürfte für das Land kaum schnell genug gehen können. Niemand weiß, wie lange die Subventionen aus Venezuela noch fortgesetzt werden und zwei Bohrinseln vor der Küste machen Hoffnung auf die baldige Erschließung der eigenen Vorräte, die etwa 9 Milliarden Barrel Rohöl betragen sollen. Damit hat Kuba etwa gleich große Ölreserven wie die USA und liegt weltweit auf dem 20. Platz. Durch die Erschließung dieser Vorkommen könnte das Land zum Nettoexporteur von Rohöl werden.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, selbst nach dem Fund würde es noch einige Jahre dauern, bis die kommerzielle Förderung beginnt. Aber durch die zweite Plattform wird ein solcher Fund immer wahrscheinlicher.

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