Telekommunikation in Kuba wächst – Pläne für kommendes Jahr

Seit dem am 4. Juni im ganzen Land 118 neue Internetcafés eröffneten, haben in den ersten 15 Tagen bereits über 11.000 Kubaner von dieser Option gebrauch gemacht. Das waren durchschnittlich über 5.500 pro Woche. Mit dem neuen Geschäftsmodell Nauta, bietet der staatliche Telekomunikationsdienstleister ETECSA für den Preis von 4,50 CUC eine Stunde Internetzugang sowie die Einrichtung eines eMail-Accounts an. Die selbe Zeit im kubanischen Intranet kosten 0,60 CUC. Obwohl diese Preise sehr hoch sind, plant man durch die Einnahmen langfristig dringend notwendige Investitionen zu tätigen.

Hierzu gehört beispielsweise die Eröffnung von zehn weiteren Nauta-Zugangspunkten in den Provinzen Pinar del Río, Ciego de Ávila, Camagüey und Havanna bis zum Ende des laufenden Jahres. Derzeit haben rund 1,7 Millionen Kubaner Zugang zum Internet, das entspricht etwa 15 Prozent der Bevölkerung. In den letzten Jahren war jedoch ein stetes Wachstum zu verzeichnen, zwischen 2010 und 2011 lag es bei über 31 Prozent.
Jorge Legrá, Direktor des strategischen Programms von ETECSA erklärte neulich gegenüber Juventud Rebelde, dass künftig auf (für Kuba) neue Technologien wie WiFi gesetzt werde, und man die Modemnetze des Landes durch moderne ADSL-Verbindungen ersetzen wird. Ende 2013 wird es seinen Angaben zu Folge über drei Millionen Telefonleitungen in Kuba geben, davon werden über zwei Millionen auf Mobiltelefone entfallen (2012: 1,79 Millionen).

Wachstum und Kostensenkung bei der Telefonie

Dies ist ein gewaltiger Anstieg wenn man bedenkt, dass kurz nach der Legalisierung von Mobilfunkverträgen 2008 gerade einmal 223.000 Kubaner ein Handy angemeldet hatten, 2010 wurde erstmals die Zahl von einer Million Kunden erreicht. Während die Eröffnung eines Handyvertrags vor fünf Jahren noch 111 CUC kostete, belaufen sich die Kosten heute auf 30 CUC, betonte Legrá. Daneben wurden im Laufe der Jahre viele weitere diversifizierte Angebote wie z.B. R-Gespräche sowie starke Senkunden der Gesprächskosten eingeführt. Derzeit deckt das kubanische Handynetz mit seinen über 400 Sendemasten gut 75 Prozent der Landesfläche ab. In einigen ländlichen Gegenden mit niederiger Netzauslastung im Westen und Osten der Insel läuft derzeit ein Versuchsprogramm mit reduzierten Gebühren für Gesprächsminuten. Dieses soll 2014 auch auf andere Gegenden mit ähnlichen Bedingungen ausgedehnt werden, um die Nutzung der Mobiltelefonie zu stärken.

Auch in Zukunft soll der jährliche Zuwachs von 300.000 neuen Nutzern bei der Mobiltelefonie gehalten werden. Dennoch sei die derzeitige Telefonabdeckung mit etwa 25 Prozent der Bevölkerung noch unzureichend, räumte der Vertreter von ETECSA ein. Der Ausbau und die schnelle Modernisierung des kubanischen Telefon- und Internetnetzes sei mit hohen Kosten verbunden, betonte der Ingenieur. Die Grundlage für das schnelle Aufholen bildet nun das ALBA-1 Unterseekabel aus Venezuela, das 2012 in Betrieb ging und seitdem die Internetkapazität der Insel um mehrere tausend Prozent gesteigert hat. Auch bei der Telefonie macht sich dies positiv bemerkbar: Statt 19.000 können nun bis zu 32.000 gleichzeitige Telefongespräche von der Insel ausgehen, 97% aller Munizipios werden dabei vom Kabel profitieren können.

Private Internetanschlüsse ab 2014

Mit einer spektakulären Ankündigung sorgte Legrá zudem erst neulich für Aufsehen: Die für den „langfristigen“ Zeitraum angekündigten privaten Internetanschlüsse für kubanische Haushalt könnten nun doch schneller als gedacht kommen: Bis zum Ende des Jahres 2014 soll das Angebot in den dafür ausgerüsteten Gegenden verfügbar sein. Das mobile Datennetz für Handys wird voraussichtlich ebenfalls im kommenden Jahr starten.

Das Jahr 2014 verspricht wichtige Akzente für den Internetzugang der Kubaner zu setzen. Zwar werden die neuen Möglichkeiten erst einmal nur wenigen, zahlungskräftigen Kubanern zu Verfügung stehen – wenn man jedoch die Preissenkungen bei den Handyverträgen von über 80 Prozent in fünf Jahren mit in Rechnung stellt, könnte sich hier eine analoge Entwicklung anbahnen. Schließlich bedeuten mehr Kunden für ETECSA auch immer neue Investitionsmöglichkeiten und zudem schaffen die neuen Kunden die nötigen Amortisationen für Preissenkungen um noch mehr Kunden anzulocken.

Trotz der hohen Startpreise dürfte nun kein Zweifel mehr daran bestehen, dass die massenweise Ausdehnung des Internets in der kommenden Dekade für Kuba ein ernstes Projekt ist. Die oft unterstellten politischen Motive für eine Vorenthaltung des Internetzugangs scheinen nun ein mehr als fadenscheiniger Vorwurf zu sein. Für private Internetanschlüsse, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären, existiert jetzt zumindest ein ungefährer Termin in naher Zukunft. In wenigen Jahren könnte so eine kleine Revolution in der Telekommunikation der Insel beginnen, die einem gigantischen und schnellen Aufholakt auf diesem Gebiet gleichkäme.

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Leichte Entspannung im Verhältnis mit den USA

Am Dienstag wurde bekannt, dass zum ersten Mal seit Verhängung der US-Blockade vor über 50 Jahren Gespräche über die Wiederaufnahme des direkten Postverkehrs mit den USA geführt werden sollen. Zu diesem Zweck haben sich in diesen Tagen Regierungsbeamte beider Länder getroffen. Während die Kubaner jedoch ihre hochrangigsten Diplomaten in Washington mit dem Thema beaufragten, schickten die Vereinigten Staaten nur einen Beamten der Postbehörde aus der mittleren Ebene in die Gespräche.

Während die Kubaner betonten, dass reibungsloser Postverkehr zwischen beiden Ländern erst mit der Aufhebung des Embargos möglich sei, bekräftigten die USA ihren Standpunkt, der keine Änderung in der Politik gegenüber Kuba vorsieht. Soweit so bekannt; das angespannte diplomatische Verhältnis zwischen beiden Ländern hat sich in den letzten Jahren kaum verbessert, mit der Festnahme des US-Spions Alan Gross im Jahr 2011 erreichten die Beziehungen sogar einen relativen Tiefpunkt. Obwohl die Kubaner den Austausch von Gross gegen die vier verbliebenen kubanischen Geheimdienstagenten in Miami angeboten haben, scheint eine schnelle Entspannung der Situation nicht in Sicht.

Dennoch müssen auch die USA die Veränderungen anerkennen, welche derzeit in Kuba stattfinden und durch das neue Reisegesetz seit Januar 2013 ihre bedeutende Bestätigung finden. Doch ausgerechnet an dieser Stelle entstand überraschend ein Anknüpfungspunkt für weitergehende Gespräche: Am Mittwoch kündigten die USA neue Gespräche über das Einreisegesetz für Kubaner an. Die kubanische Seite bezeichnete die erste Gesprächsrunde als fruchtbar. Durch die neue Möglichkeit für Auslandsreisen können Kubaner nun unkompliziert in die USA reisen – wo sie auf Wunsch sofort die Staatsbürgerschaft erhalten. Auf diese neue Situation muss man auch in Washington reagieren, denn obwohl kein massenhafter Exodus bevorsteht, könnte das neue Reisegesetz für den Arbeitsmarkt in den USA ebenso empfindliche Auswirkungen haben wie für den Fachkräftepool in Kuba.

Die Gespräche wurden für den 17. Juli angesetzt, etwas mehr als eine Woche nach der angekündigten Sitzung des kubanischen Parlaments am 6. Juli, bei der sicherlich auch mit der ein- oder anderen Überraschung zu rechnen ist. Obschon die Politik sich langsam für ihre Sommerpause bereit macht, könnte die langsame Entspannung im Kubanisch-US-amerikanischen Verhältnis bereits in diesem Jahr erste Früchte tragen. Dennoch ist Vorsicht angebracht, sowohl verbliebenen Miami Five als auch der US-Spion Gross müssen noch langjährige Haftstrafen absitzen, was das Verhältnis beider Länder weiterhin belastet. Die mehrmalige Verschärfung des Embargos und die beinahe Verunmöglichung seiner Aufhebung durch das Helms-Burton Gesetz 1996, ebenso wie das illegale Folterlager in Guantánamo Bay werden noch lange für Irritationen im Verhältnis mit den USA sorgen.

Menschenrechte in Kuba

Zum immer wieder gern benannten genannten Kritikpunkt der Menschenrechte in Kuba gäbe es viel zu sagen – und noch mehr zu benennen, das sich in den letzten Jahren verändert hat. Es ist zu beobachten, dass es der Regierung in letzter Zeit durch verschiedene Maßnahmen immer besser gelingt, ihren Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das beste Beispiel hierfür ist das neue Reisegesetz.

Das sich einiges verändert hat, stellten in jüngster Zeit zwei unverdächtige Beobachter ziemlich eindeutig fest, die ich im nachfolgenden unkommentiert wiedergeben möchte (Kommentare erwünscht!):

  1. Internetzensur in Kuba?
    Yoani Sánchez, bekannteste Dissidentin und Bloggerin zu den neuen Nauta-Internetcafés: „In various tests performed — undetected, so far — none of the pages considered political were censored.“ (Huffington Post, 05.06.2013)
  2. Politische Gefangene in Kuba?
    Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär im Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit der BRD: „Man muss sehen, dass Kuba auch nach den letzten Berichten von Amnesty International keinen einzigen politischen Gefangenen mehr hat.“ (Tagesschau, 07.06.2013)

Ministerrat beschließt neue Landwirtschaftspolitik

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Sitzung des kubanischen Ministerrats am 31. Mai 2013 (Quelle: Granma).

Am vergangenen Freitag, dem 31. Mai hielt der kubanische Ministerrat unter Vorsitz Raúl Castros seine reguläre Sitzung ab, um Maßnahmen zur Lösung ökonomischer Dysfunktionalitäten vor allem auf dem Gebiet der Landwirtschaft zu beschließen.

Dieses Thema wurde von Marino Murillo angesprochen, dem Verantwortlichen für die Umsetzung der mit dem VI. Parteitag 2011 beschlossenen Leitlinien für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. „Derzeit ist das Volk, repräsentiert durch den Staat, Eigentümer von 80% des Landes, während 70,5% der landwirtschaftlichen Nutzfläche von Kleinbauern oder Kooperativen bewirtschaftet wird, entweder durch Besitz oder durch Pacht“, erklärte Murillo auf der Sitzung. Er fuhr fort: „Ohne Zweifel haben die Maßnahmen, welche seit Dekaden auf dem Gebiet des Landmanagements in Kraft sind, nicht zu der notwendigen Erhöhung der Produktion geführt“.

Murillo erklärte, es sei notwendig die Störungen zu beseitigen, die die wirtschaftlichen Ergebnisse auf diesem Gebiet beeinträchtigt haben, sowie „gleiche Bedingungen für alle Produzenten herzustellen, die Produktivkräfte zu entfesseln und ihre Effizienz zu begünstigen.“ Dies spielt auf die seit Jahren mangelhaften Ergebnisse in der kubanischen Landwirtschaft an, die heute nicht wesentlich mehr produziert als noch im Jahr 2005. Zwar gab es immer wieder ein leichtes Wachstum, gerade in strategisch wichtigen Bereichen wie dem Reisanbau, dennoch lässt sich das Gesamtergebnis trotz zahlreicher neuer Gesetze in den letzten Jahren, wie z.B. die Überlassung von staatlichem Land zum Nießbrauch an Kleinbauern seit 2008, deutlich zu wünschen übrig. Der Staat muss nach wie vor den Großteil der im Land benötigten Lebensmittel zu teuren Weltmarktpreisen importieren, eine wirtschaftliche Bremse die sich in anderen Bereichen bemerkbar macht.

Deshalb dürfen staatliche kubanische Farmen, die nun ebenfalls auf vertraglicher Basis mit dem Staat arbeiten, ihre Überschüsse frei verkaufen. Bauernmärkte sind in Kuba nichts neues, allerdings dürfen nun explizit auch staatliche Unternehmen an ihnen Teilnehmen – und sogar an Zwischenhändler verkaufen (jede natürliche Person). Damit wird erstmals seit Dekaden das staatliche Distributionsmonopol für Lebensmittel durchbrochen, bisher durchgesetzt durch die Handelsgesellschaft Acopio. Vor allem Staatsfarmen in den Schlüsselbereichen von Zitrusfruchtanbau, Anbau geschützter Pflanzen, Herstellung von Saatgut und anderen sollen von der neuen Regelung profitieren, die auch alle anderen Eigentumsformen betrifft.

In den Kooperativen der verschiedenen Typen, von UBPC, CPA und CCS sollen die Formen der Kapitalverwaltung (konkret das Management von Input- und Output sowie der Finanzen) vereinheitlicht werden. Diese dürfen nun untereinander sowie mit staatlichen Farmen und Kleinbauern Handel treiben. Sie sind fortan autorisiert, Geschäftsbeziehungen mit natürlichen und juristischen Personen auf dem Gebiet der Versorgung mit Rohstoffen, Dienstleistungen und fertigen Erzeugnissen herzustellen. Die bisherige staatliche Zuweisung der Mittel hat sich als ineffizient und mangelhaft herausgestellt. Das jüngste Beispiel hierfür beschreibt der BBC-Korrespondent Fernando Ravsberg in einem Artikel: Eine Firma des Landwirtschaftsministeriums habe 66 Bewässerungseinrichtungen auf Lager gehabt und für über ein halbes Jahr aufgrund bürokratischer Vorgaben deren Verkauf verhindert. Künftig soll die Versorgung der Produzenten mit Inputressourcen vor allem durch einen freien, nicht-subventionierten Großhandel erfolgen.

Die stärkere Kommerzialisierung des Agrarsektors scheint der einzige Weg aus dem Produktionsdilemma, dennoch birgt er das Risiko einer Inflation oder drastischer Preissteigerungen. Um dem entgegenzuwirken seien „Maßnahmen ergriffen worden“, sagte Murillo auf der Sitzung ohne näher ins Detail zu gehen. Da man kein Risiko eingehen will, wird die ausschließliche Versorgung durch den Großmarkt zunächst ab 2014 auf der Insel der Jugend, einer Sonderverwaltungszone mit 84.000 Einwohnern, erprobt werden. Erst dann werden die Märkte schrittweise auf das ganze Land ausgedehnt werden.

Ein weiteres wichtiges Thema auf der Ministerratssitzung war der Umgang mit der Ressource Wasser, der in Kuba aufgrund der niedrigen Preise Probleme entstehen lässt.
Inés María Chapman Waugh, Vorsitzende des nationalen Instituts für Wasserwirtschaft, erklärte dass 22% des Trinkwassers der kubanischen Haushalte unterwegs verloren gingen, vor allem aufgrund des schlechten Zustands der Infrastruktur. Zusätzlich gebe es verschiedene illegale Aktivitäten, wie das Anzapfen der Leitungen oder die Hortung von Wasser. Deshalb wird eine neue Politik in diesem Bereich erarbeitet, die die Verschwendung von Wasser weniger lukrativ erscheinen lässt, ohne diese grundlegende Ressource zu kommerzialisieren.

Insgesamt warf diese Ministerratssitzung den Blick schon ein wenig auf das kommende Jahr voraus, in dem viele grundlegenden Leitlinien umgesetzt werden sollen. Die neue Agrarpolitik war längst überfällig, viele der genannten Probleme, gerade was die Ausstattung mit Ressourcen angeht, sind schon seit Jahren bekannt. Da jedoch alle bisherigen Maßnahmen keine durchgreifenden Erfolge erzielten, war dies der logische nächste Schritt in der langen Kette des „Trial and error“ der kubanischen Landwirtschaftspolitik.

Kuba und das Internet – eine Analyse

Kuba erweitert den öffentlichen Internetzugang

Von
via: amerika21.de (01.06.2013 06:00)

Havanna. Ab dem 4. Juni werden in allen kubanischen Provinzen neue Internetcafes zu Verfügung stehen. Zudem werden die Tarife gesenkt. Dies gab am Montag das Kommunikationsministerium parallel zur Veröffentlichung eines entsprechenden Gesetzblattes bekannt.

Unter der Marke „Nauta“ stehen im nächsten Monat vor allem in Provinzhauptstädten die insgesamt 118 neuen Räume zur Verfügung. Dort kann sowohl im Internet, als auch im kubanischen Intranet gesurft werden. Die Gebühr für eine Stunde Internetzugang beträgt 4,50 Konvertible Peso (CUC) und ist damit um 25 Prozent günstiger als bisher. Für eine Stunde im kubanischen Intranet werden 0,60 CUC verlangt, bei gleichzeitigem internationalen E-Mail-Zugang 1,50 CUC. Jeder Kubaner hat zudem die Möglichkeit, sich ein E-Mail-Postfach mit einer „@nauta.cu“-Domain einzurichten, von dem aus E-Mails mit einer Größe von bis zu 25 Megabyte gesendet und empfangen werden können.

Außerdem sieht das neue Geschäftsmodell den Erwerb einer Zeitkarte vor. Diese wird 30 Tage lang gültig sein. Eine Alternative ist eine wiederaufladbare Dauerkarte. Die neuen Leistungen stehen künftig in allen Niederlassungen der kubanischen Telefongesellschaft ETECSA zur Verfügung und sollen schrittweise auf alle Teile des Landes ausgedehnt werden. Am Dienstag erklärte der Vizeminister für Kommunikation, Wilfredo Gónzalez, gegenüber der kubanischen Tageszeitung Granma, dass man in „relativ naher Zukunft“ zudem ein Datennetz für Mobiltelefone im Land einführen werde, ebenso ist mittelfristig mit Privatanschlüssen für kubanische Haushalte zu rechnen. Diese sind bisher Personengruppen wie Ärzten, Wissenschaftlern oder Journalisten vorbehalten. Das Hauptproblem sei Gónzalez zu Folge der gigantische Investitionsbedarf in die technologische Binneninfrastruktur des Landes, der erst langsam umgesetzt werden könne. Dann sei auch mit einer weiteren Senkung der neuen Preise zu rechnen.

Obwohl nach wie vor der Großteil des Datenstroms via Satellit übertragen wird, war die Voraussetzung für die neuen Lokale die erfolgreiche Aktivierung des ALBA-1 Unterseekabels mit Venezuela in diesem Januar. Vor wenigen Wochen wurde der letzte Teilabschnitt des Kabels aktiviert, der Kuba mit Jamaika verbindet. Jedoch besteht weiterhin großer Investitionsbedarf, der durch die Nutzungsentgelte schrittweise gedeckt werden soll. Des Weiteren wurde vom kubanischen Zollamt der Import von Computerausrüstungen für nicht kommerzielle Zwecke zugelassen. Diese werden nun auch in den Devisenländen des Landes verstärkt angeboten.

Soweit die Fakten zu den neuesten Entwicklung des Internets in Kuba. Diese Maßnahmen wurden Anfang letzter Woche bekannt und traten heute in Kraft. Sie sind ein erster Schritt in der Ausweitung der Netzinfrastruktur der Insel, die vor vielen Jahren den Anschluss an die Entwicklung des Internets verloren hat und nun versucht, schrittweise aufzuholen. Doch in welchem Kontext stehen diese Neuerungen und wie hat sich die Rolle des Internets in Kuba historisch entwickelt? Will man die Gründe für die schleppende Entwicklung verstehen, die durch das ALBA-1 Kabel nur langsam in Schwung kommt, muss man diesen Fragen nachgehen.

Dynamischer Beginn

Die ersten zwei Computer verrichteten in Kuba schon vor der Revolution ihren Dienst, es waren amerikanische Modelle. In den 1960er Jahren wurden erstmals verstärkt Computer (hierbei sind naturgemäß Großrechner gemeint) aus der Sowjetunion und Frankreich importiert. Bereits 1969 machte das Innenministerium von rechnergestützter Datenverarbeitung gebrauch, auch in der Wirtschaftsplanung kamen Computer zunehmend zum Einsatz. Während der 1970er und 1980er Jahre hatte Kuba mit Hilfe aus der DDR und der Sowjetunion die Möglichkeiten erlangt, Minicomputer in Kleinserien für den eigenen Bedarf und Export herzustellen.

Die bis dato größte Zäsur für das Land erfolgte im Jahr 1983: Damals wurde die Insel zum ersten Mal mit einem internationalen Netzwerk verbunden. Via Satellitenverbindung nach Moskau hing Kuba fortan am sozialistischen IASnet, mit einer Geschwindigkeit von 4800 bps und bis zu 485 Nutzern. Im selben Jahr wurde auch das kubanische Netzwerkinstitut CENIA gegründet, das Anfangs aus einer Gruppe von drei Spezialisten bestand, die bis 1989 auf 80 Personen anwuchs. 1984 war Kuba mit 360 Verbingsstunden der stärkste Nutzer von IASnet, das auch Länder wie die DDR, Vietnam, Finnland und die USA einschloss. Die Möglichkeiten des Netzes waren vielfältig und reichten von eMail-Services und Telefonkonferenzen bis zum Datenbankaustausch.

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Die JCCs (Joven Club de Computación y Electrónica) auf der Informática-Messe 1992 in Havanna. (Quelle: The Internet in Cuba.)

1987 wurden auf Initiative Fidel Castros die Joven Club de Computación y Electrónica (JCC) gegründet. Diese  Jugendcomputerclubs (frei übersetzt) sollten zu einer gleichmäßigen Ausdehnung von PC- und Internetkenntnissen auf der gesamten Insel dienen, sie hatten zu Beginn Niederlassungen in 130 Städten aller Provinzen des Landes und boten unter anderem Programmierkurse an.

Das Zeitalter des Internets begann in Kuba im Jahr 1991, als zum ersten Mal eine Modemverbindung ins kanadische Toronto hergestellt wurde. Damals entwickelten sich die Dinge rasch, nicht zu Unrecht wurden die Leute von CENIA von amerikanischen Computerexperten die damals auf der Informatikkonferenz in Havanna zu Gast waren, als „hoch motivierte Spezialisten“ beschrieben. 1992 hatten bereits 30 der JCCs Internetzugang via Modem und es gab für kubanische Jugendliche die Möglichkeit, sich eine kostenlose eMail-Adresse einzurichten. Dies gelang nicht zuletzt durch die hohe finanzielle Ausstattung der JCCs mit über 500.000 US$ pro Jahr. Für alle anderen war der Service damals kaum verfügbar, geschweige denn erschwinglich. Ein fest installierter monatlicher Internetzugang kostete 40 US$. Pro Minute waren 0,53 US$ fällig, sowie weitere 0,53 US$ pro übertragenem Kilobyte bei einer Geschwindigkeit von 0,12 Kilobyte pro Sekunde.

Wirtschaftskrise und Ausweitung des Zugangs

Dennoch begann sich das Internet auf institutioneller Ebene schnell auszubreiten, bis 1995 wurden vier landesweite Netzwerke geschaffen, drei von ihnen waren für Forschungsinstitute, eines für die JCCs und Privatnutzer. 1995, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, gab es in Kuba 2.595 eMail Accounts. Der amerikanische Analyst Larry Page schrieb rückblickend 2011:

By 1995, Cuba was among the networking leaders in the Caribbean. CENIAI and three other networks with international UUCP links were transferring over 60 Mbytes of international email and had nearly 2,600 users.

Obwohl zu dieser Zeit viele Inseln der Karibik durch Unterseekabel mit dem Netz verbunden waren musste Kuba aufgrund des US-Embargos allle externen Telefon- und Internetverbindungen über Satellitenschüsseln abwickeln, was große Kosten mit sich brachte. 1996 erfolgten weitere Investitionen, darunter die Aufrüstung auf den neuesten IP-Standard und die Ausdehnung des Internetzugangs für Touristen um weitere Devisen zu erwirtschaften. Dies markierte für Kuba den Beginn des Internets, wie wir es heute kennen (mit HTML-Websites und HTTP-Standard). In diesem Jahr gab es in Kuba 62.757 Computer und etwa 3.000 eMail Accounts. Bereits damals geriet das Land im regionalen Vergleich mit der Dominikanischen Republik und Jamaica ins Hintertreffen. Je größer die Probleme auf dem Gebiet der Hardware und Infrastruktur waren, desto kleiner war das Problem der Software zu lösen: Durch das Embargo sind alle Urheberrechtsvereinbarungen mit den USA ungültig, keine amerikanische Firma könnte Software an Kuba verkaufen, selbst wenn sie wollte. Aus diesem Grund sind illegale Windowskopien auf kubanischen Rechnern eher die Regel als die Ausnahme, ählich verhält es sich bekanntermaßen bei amerikanischen Filmen, die im Kuba häufig kurz nach dem Kinostart im staatlichen Fernsehen zu sehen sind.

Die Insel verlor langsam aber sicher den Anschluss an die weltweite Entwicklung. Das im Juni 1994 aus einem Joint-Venture mit einem mexikanischen Unternehmen und der italienischen Telekom gegründete Unternehmen ETECSA, welches als staatliche Telekommunikationsgesellschaft fungiert, versuchte während dieser Zeit an Mittel zu bekommen um in die Infrastruktur zu investieren, scheiterte aber, da der mexikanische Partner aus der Fusion ausstieg. Auch die Verabschiedung des Helms-Burton-Act 1996, eine Erweiterung der Blockade, die nun auch Tochterunternehmen US-amerikanischer Gesellschaften betraf, trug zur Verschärfung der Lage bei, weshalb der Konzern 1997 in einer Liquiditätskrise steckte. In den folgenden Jahren begann ein langsamer Investitionsprozess in die veraltete Infrastruktur des Landes, der Internetzugang in den JCCs, öffentlichen Einrichtungen sowie Unternehmen wurde schrittweise ausgeweitet.  Die touristische Nutzung des Internets mit ihren hohen Gebühren von 6 CUC pro Stunde trug wesentlich zur Refinanzierung bei, so dass bis 2011 schließlich alle ausländischen Anteile von ETECSA durch den kubanischen Staat zurückgekauft werden konnten.

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Fiberoptisches Netz in Kuba 2003. (Quelle: The Internet in Cuba).

Im Jahr 2006 gab es landesweit bereits 600 JCCs mit über 7.000 Computern von denen alle an das kubanische Intranet, gut ein Viertel an das Internet angeschlossen waren. Die Zahl der Computer in Kuba wuchs von 250.000 im Jahr 2002 auf 783.000 im Jahr 2011 an. Davon sind gut 60 Prozent an das kubanische Intranet angeschlossen. Dieses spielt in Kuba eine nicht unbedeutende Rolle, mangels günstiger Zugangsmöglichkeit zum weltweiten Netz versuchte man eigene Parallestrukturen zu schaffen, um das Wissen im Land zu verbreitern. Diese Strategie ist bereits aus den frühen 1990er Jahren bekannt, als die Anfänge des kubanischen Intranets mit den Forschungsdatenbanken führender Institute des Landes ihren Lauf nahmen.

Die 2000er: Renaissance des Intranets, Stagnation bei der Infrastruktur

Zu den erfolgreichsten Projekten des kubanischen Intranets zählt beispielsweise die 2010 gestartete kubanischen Enzyklopädie „EcuRed„, die heute über 100.000 Artikel verfügt und damit größer als manches Wikipedia ist. 2011 startete mit RedSocial das erste innerkubanische soziale Netzwerk. Der Zugang zum kubanischen Intranet ist noch immer nicht allgemein kostenlos (heute 0,60 CUC pro Stunde), denn auch hier musste vorher kräftig in die Infrastruktur investiert werden. Dennoch haben sich auch die freien Zugangsmöglichkeiten in Schulen, Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Einrichtungen in den letzten Jahren deutlich erweitert. Auch der Internetzugang wurde in den 2000ern gerade im Bildungssektor stark gefördert: Von den 35.484 Computern die 2007 in kubanischen Universitäten vorhanden waren hatten 18.201 Zugang zum WWW. Einer Umfrage der kubanischen Statistikbehörde ONE zu Folge hatten knapp 60% der Internetbenutzer im Jahr 2009 Zugang durch eine öffentliche Bildungseinrichtung. Bemerkenswert ist auch, dass die Investitionen in die Netzinfrastruktur gleichmäßig in allen Provinzen erfolgten, ohne bestimmte Regionen zu bevorzugen. Diese Strategie wird weiter fortgesetzt: Nur 12 der 118 neuen Nauta-Zugangspunkte befinden sich in Havanna.

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Internetbenutzer in Kuba pro 1.000 Einwohner, 2002-2011. (Quelle: ONE).

Für die starke Bedeutung des Intranets spricht auch der langsame Anstieg der .cu-Domains. 2003 gab es 1.100, bis zum Jahr 2007 wurden es lediglich 1.431. Erst 2008 erfolgte ein sprunghafter Anstieg auf 2.168, 2011 sind es 2.285. Trotz der partiellen Ausweitung des Zugangs in den 2000er Jahren ist die Infrastruktur bis heute technisch weitgehend auf dem Stand der 90er Jahre, viele Regierungswebseiten bestehen aus veralteten HTML-Improvisationen, die diese Zeiten erinnern. Von modernen „Web 2.0“ Anwendungen wie YouTube bleiben Kubaner weitgehend ausgeschlossen.

Dennoch begannen sich Ende der 2000er Jahre wieder Veränderungen abzuzeichnen: Die Dissidentin Yoani Sánchez startete ihr Blogprojekt im Jahr 2007, viele taten es ihr nach und gründeten ebenfalls Blogs. Ein Jahr darauf legalisierte die kubanische Regierung den Verkauf von Mobiltelefonen und Computern. Der große Anstieg in der Statistik 2010 auf 2011 kann nur durch starke Investitionen in die Infrastruktur erklärt werden, womöglich in Vorbereitung auf die jetzt erfolgte Nutzung des Unterseekabels. Auch die angekündigte Geschwindigkeit in den Nauta-Zugangspunkten von bis zu 2 Mbps (250 KB/s) lässt diesbezüglich aufhorchen. 2010 war die Gesamtkapazität aller kubanischen Satellitenverrbindungen bei 209 Mbps Upstream und 379 Mbps Downstream, was in Deutschland nicht einmal für eine Kleinstadt ausreichen würde. Mit dem Kabel soll sich die Kapazität um den Faktor 3.000 erhöhen.

2010er: Langsamer Netzausbau und neue Möglichkeiten

Ein 2011 ausgehandelter Deal mit China enthielt nicht näher spezifizierte Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur des Landes, darunter auch die Umstellung auf digitales Fernsehen. Diese erfolgt nun in den kommenden Wochen versuchsweise in einem Teil Havannas, China hat den Kubanern die ersten Empfangsboxen geschenkt, so dass die involvierten Familien für 7 kubanischen Peso pro Monat an dem Projekt teilnehmen können. Dies deutet in übergeordnetem Kontext alles auf eine mittelfristig angelegte Modernisierung der kubanischen Infrastruktur hin. Eine Voraussetzung hierfür, die Digitalisierung des Telefonnetzes, ist seit einigen Jahren im wesentlichen abgeschlossen.

Dennoch bleibt viel zu tun: Bisher durchzieht sich das kubanische Netz von fiberoptischen Leitungen (die Voraussetzung für Internet in DSL-Geschwindigkeit sind) nur durch die großen Städte der Provinzen, auch wenn die aktuellste Darstellung aus dem Jahr 2003 stammt. Es herrscht, gerade was die lokale Infrastruktur angeht, noch sehr viel Investitionsbedarf der nur Schritt für Schritt gedeckt werden kann.  Das große Dilemma ist jedoch vor allem die Disproportionalität der benötigten Investitionssummen in Relation zur abschöpfbaren Kaufkraft. Selbst wenn der Internetzugang nun 25% günstiger ist als vorher, sind 4,50 CUC für die meisten Kubaner einfach zu viel für eine regelmäßige Nutzung. Würde das Internet jedoch zu einem stark subventionierten Preis angeboten, könnte sich ETECSA keinen weiteren Netzausbau leisten und die bestehenden Einrichtungen wären rasch überfüllt und verschlissen. Die einzige Möglichkeit aus diesem Dilemma zu entkommen ist die schrittweise Senkung der Kosten einehergehend mit einem proportionalen Ausbau der Infrastruktur. Die Erleichterung des Imports elektronischer Ausrüstung ist hierfür ebenso ein Schritt zur Belebung des Internets wie die Errichtung eines Datennetzes für den Mobilfunk und die Förderung von WLAN. Durch chinesisches Know-How, sowie dank der günstigen und zuverlässigen Technik aus der Volksrepublik sind die Möglichkeiten für Kuba seine Infrastruktur zu erneuern heute besser denn je.

Fazit

Nach dem enthusiastischen Start in den 1990er Jahren, der Kuba damals durchaus internationale Anerkennung von Seiten der Experten einbrachte, verebbte der weitere Netzausbau zum Ende des Jahrtausends aufgrund der Wirtschaftskrise, des US-Embargos und des Mangels an Investoren. Festzuhalten bleibt jedoch, dass gerade der Zugang für junge Menschen und in der Forschung ein Feld blieb, das durchweg eine gewisse Priorität genoss. Erst Mitte der 2000er Jahren konnte wieder, sicher nicht zuletzt dank venezolanischer Hilfe, ein konstantes jährliches Wachstum des Netzzugangs erreicht werden. Dennoch sind diese Jahre auch von einer gewissen Planlosigkeit gekennzeichnet, weitergehende Verbreitung des Internets oder gar die Ankündigung von Privatanschlüssen waren nicht vorgesehen. Mit der Inbetriebnahme des ALBA-1 Kabels im Januar 2013 und der angekündigten Einführung eines mobilen Datennetzes tun sich neue Möglichkeiten auf. Der wirkliche Durchbruch steht jedoch erst noch bevor, denn erst jetzt ist ein perspektivischer Plan vorhanden, der mittelfristig zu einer kleinen Internetrevolution in der Karibik führen könnte.

Quellen:

Anhang:

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Infografik der ETECSA über die neuen Tarife.