Kuba diskutiert Gesetz über Auslandsinvestitionen

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José Luis Toledo, der Vorsitzende der Arbeitskommission des Parlaments, (Quelle: „Cubadebate„).

Havanna. Mehrere Kommissionen des kubanischen Parlaments haben in den Provinzen des Landes ihre Arbeit aufgenommen, um über einen neuen Gesetzesentwurf für ausländische Investitionen zu diskutieren. Das Gesetz wird die bestehende Regulierung von 1995 ersetzen und soll am 29. März auf einer Sondersitzung des kubanischen Parlaments verabschiedet werden.

Der Entwurf sieht künftig größere Garantien für ausländische Investoren vor. Außerdem sollen fast alle Sektoren der kubanischen Wirtschaft für Auslandsinvestitionen geöffnet werden, wobei der Fokus auf der herstellenden Industrie liegt. Bisher galt dies nur für ausgewählte Schlüsselsektoren. Vor seiner Verabschiedung soll der Entwurf allerdings noch angepasst werden: „Es ist ein Arbeitsstil, der das Gesetz in einem umfangreichen und detaillierten Weg den Abgeordnete und Experten vorlegt, um Aspekte zu klären, die der Überarbeitung bedürfen“, erklärte José Luis Toledo, Vorsitzender der Arbeitskommission des Parlaments, den Prozess gegenüber dem kubanischen Nachrichtenportal Cubadebate.

Zusammen mit dem Gesetz soll ein Portfolio mit möglichen Investitionsobjekten erstellt und der Genehmigungsprozess entbürokratisiert werden. In wichtigen Bereichen wird es künftig Steuererleichterungen und niedrigere Importzölle für ausländische Unternehmen geben, um deren Aktivitäten zu begünstigen. In den Diskussionen des Parlaments kamen allerdings auch Bedenken in Bezug auf die Rechte der kubanischen Arbeiter in Joint-Ventures, die Dauer der Investitionen und den Schutz von kubanischem Eigentum zum Ausdruck.

Derzeit wird der Entwurf in den verschiedenen Provinzparlamenten diskutiert, wobei auch eine EMail-Adresse für anonyme Vorschläge außerhalb der Meetings eingerichtet wurde. Das neue Gesetz werde Toledo zu Folge „mit absoluter Achtung vor der nationalen Souveränität“ entstehen. Der Schutz der natürlichen Inselbedingungen und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen hätten auch ihren Niederschlag im aktuellen Entwurf gefunden.

von Marcel Kunzmann / Amerika21.

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Kuba erhöht Löhne für 440.000 Arbeiter des Gesundheitswesens

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Sitzung des kubanischen Ministerrats, unter Vorsitz von Präsident Raúl Castro, am 21. März 2014, (Quelle: „Cubadebate„).

Der kubanische Ministerrat hat heute eine großflächige Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter des Gesundheitswesens beschlossen, meldete die Granma. Der Monatslohn für bestimmte Berufsgruppen erhöht sich teilweise um über 100 Prozent, zugleich wird ein neues Lohnsystem für den Sektor geschaffen. Die Maßnahmen werden ab dem 1. Juni dieses Jahres in Kraft treten. Derzeit arbeiten 440.000 Personen im kubanischen Gesundheitswesen, wobei 50.000 Fachkräfte gegen Bezahlung im Ausland eingesetzt werden.

Die Umsetzung der Lohnsteigerung fußt auf den vom VI. Parteitag beschlossenen „Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Marino Murillo, der für ihre Umsetzung verantwortliche Ökonom im Politbüro, erklärte auf der Sitzung, dass dies ein erster Schritt bei der graduellen Steigerung der Löhne sei. Dabei betonte er, dass von der Lohnerhöhung besonders Ärzte profitieren würden, deren Lohn durchschnittlich um 890 bis 970 Peso (ca. 35 bis 38 US$) aufgestockt wurde (siehe Tabelle). Den geringsten Anstieg gab es bei einfachen Krankenschwestern, die ab Juni immerhin 275 Peso (ca. 11 US$) mehr in der Tasche haben werden. Das Einstiegsgehalt für einen Arzt wird von 425 auf 1100 Peso steigen, von 17 auf 44 US$. Spezialisierten Ärzten, mit mehreren Jahren Berufspraxis, werden künftig statt 500 bis 600 Peso (ca. 20 bis 24 US$) zwischen 1400 und 1600 Peso (ca. 56 bis 64 US$) monatlich ausbezahlt.

Gleichzeitig wurde die Anzahl der Gehaltsgruppen vereinfacht und eine Reihe von Bonuszahlungen gestrichen. Stattdessen wird künftig die Nachtarbeitszeit mit doppeltem Stundenlohn vergütet, das betrifft neben den Ärzten auch die Magenspezialisten, Krankenschwestern, Techniker und andere Arbeiter des Gesundheitswesens. Auch ihre Kollegen im Ausland werden von den Maßnahmen profitieren. Bisher wanderten 80 Prozent der 4.100 US$, die Brasilien für einen kubanischen Arzt bezahlt, direkt an den Staat. Während die kubanischen Ärzte im Ausland monatlich etwa 350 US$ erhalten, werden weitere 500 US$ auf Konton in Kuba für ihre Familie aufbewahrt. Trotz dieses Systems nutzten viele Kubaner die Möglichkeit, sich in die Gastländer abzusetzen, wobei keine genauen Zahlen über das Ausmaß der Fluchtbewegung bekannt sind. Deshalb soll der Monatslohn für kubanische Ärzte im Ausland nun auf 1.200 US$ steigen, wobei das Geld wohl direkt ausbezahlt wird.

Dabei kann sich Kuba die Lohnerhöhungen derzeit gut leisten. Neben einem steigendem Nickelpreis gelten auch die kräftigen Deviseneinnahmen aus dem Tourismus und dem Ärzteexport als positive Indikatoren für 2014. Die 50.000 kubanischen Ärzte, welche in 66 verschiedenen Ländern im Einsatz sind, machen 64 Prozent der Einnahmen aus dem kubanischen Dienstleistungssektor aus, erklärte Murillo. Für die 30.000 Ärzte in Venezuela erhält Kuba 92.000 Barrels Öl pro Jahr, mit einem Wert von jährlich 3,2 Milliarden US$.
Insgesamt rechnet die kubanische Regierung dieses Jahr mit Einnahmen von 8,2 Milliarden US$ aus den Ärztemissionen.

In Kuba selbst wird derweil das Gesundheitswesen umstrukturiert, zwischen 2010 und 2013 reduzierte sich die Zahl der Angestellten im Gesundheitsseektor um 109.000, was für den Staat Einsparungen von jährlich etwa 23,5 Millionen US$ bedeutet. Verteilt man diese Summe auf alle Angestellten die in dem Sektor heute arbeiten, erhält man die Zahl von 5 US$ pro Monat. Man kann also feststellen, dass nicht nur die Einsparungen weitergegeben wurden, sondern der Staat zusätzliche Mittel für die Lohnerhöhungen bereitgestellt hat. Trotz des Stellenabbaus soll Murillo zu Folge die Qualität des Gesundheitswesens erhalten bleiben und weiter ausgebaut werden. Derzeit investiert das Land zusätzliche Mittel in die Restaurierung seiner Altenheime.

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Tabelle: Ausgewählte Beispiele für die Lohnerhöhungen. Linke Spalte: derzeitiger Lohn, mittlere Spalte: neuer Lohn ab 1. Juni, rechte Spalte: Differenz. 25 Peso Nacional = 1 CUC = 1 US$ (Quelle: „Cubadebate„).

Kuba nimmt Gespräche mit Frankreich auf

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Kubas Außenminister Bruno Rodríguez traf seinen französischen Amtskollegen Laurent Fabius in Paris, (Quelle: Embajadacuba).

Paris. Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez hat unlängst seinen französischen Amtskollegen Laurent Fabius in Paris getroffen. Bei den Gesprächen ging es um die Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und der Europäischen Union (EU) sowie um die Vertiefung der Wirtschafts- und Kulturbeziehungen beider Länder. Der sozialistische Karibikstaat hatte zuvor am 6. März der Wiederaufnahme des Dialogs mit der EU zugestimmt.

In den vergangenen Monaten hat in Europa ein Umdenken in der Kubapolitik stattgefunden. Seit 1996 belastet der „Gemeinsame Standpunkt“ der EU das Verhältnis zu Kuba. In diesem sprach sich die Staatengemeinschaft in Abstimmung mit den USA für einen Systemwechsel auf der Insel aus, was von Kuba wiederholt als Einmischung in innere Angelegenheiten zurückgewiesen wurde. Die Aufhebung dieser Politik wurde von einer Minderheit der EU-Mitgliedsstaaten lange verhindert, zuletzt gaben Polen und Tschechien ihren Widerstand gegen eine Annäherung an das sozialistische Land auf.

Das Treffen am Freitag markierte einen Wendepunkt in der Neugestaltung der diplomatischen Beziehungen mit der EU, es waren die ersten Gespräche seit Jahrzehnten auf der Ebene der Außenminister. In den kommenden Monaten soll die Erarbeitung eines bilateralen Abkommens vorangetrieben werden, das den „Gemeinsamen Standpunkt“ ablösen wird. Die EU ist nach Venezuela der zweitwichtigste Handelspartner Kubas.

von Marcel Kunzmann / Amerika21.

2 Millionen Kubaner sind Handynutzer

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Die Damen und Herren hinter dem kubanischen Internet- und Telekommunikationssektor. Pressekonferenz mit Vertretern des staatlichen Telekommunikationsunternehmens ETECSA am 11. März in Havanna, (Quelle: „Cubadebate„).

Bis zum 10. März dieses Jahres verfügten knapp zwei Millionen Kubaner über ein Prepaid-Handy, gab die staatliche Telefongesellschaft ETECSA bekannt. Damit hat sich die Nutzerzahl seit 2010 verdoppelt, als es noch eine Million Handynutzer auf der Insel gab, Ende 2011 gab es immerhin schon 1,3 Millionen. Die Meldung ging einher mit einer Pressekonferenz in Havanna, auf der das Unternehmen seine neuen Pläne für das laufende Jahr vorstellte. In Kuba gibt heute 1,6 Mal so viele Handys wie Festnetztelefone, wobei Prepaid-Verträge mit der staatlichen Telekom die ausschließliche Nutzungsform der Mobiltelefone sind. ETECSA bestätigte, dass ab dem zweiten Quartal mobiles Internet für kubanische Handynutzer verfügbar wird. Der Anfangspreis von 1 CUC pro Megabyte soll künftig sinken. Seit dem 4. März können Kubaner allerdings schon über eine von ETECSA vergebene „@nauta.cu“-Adresse eMails senden und empfangen.

Bis dato machen bereits 1.900 Kunden von der neuen Möglichkeit gebrauch, die bisher nur in Havanna verfügbar ist, berichtet ETECSA. Während die Kosten für mobiles Internet für die meisten Kubaner unerschwinglich sein dürften, könnte sich der neue eMailservice bald größerer Beliebtheit erfreuen: Für den Versand einer fünfseitigen Mail, oder eines mittleren Fotos (100 Kilobyte) fallen lediglich 0,1 CUC an, etwa zweieinhalb Peso in nationaler Währung. Ab sofort lässt sich außerdem ein kubanisches Prepaid-Konto vom Ausland aus aufladen, über die Website www.ezetop.com darf künftig die Verwandtschaft in Miami die kubanischen Handyrechnungen direkt bezahlen. Gleichzeitig wurden die Preise für Festnetztelefonie und internationalen SMS-Versand um 30 Prozent gesenkt, auch MMS werden deutlich günstiger.

Die Mindestsumme für die Aufladung einer Internetkarte in den 2013 eingerichteten Nauta-Internetcafés wurde von zwei auf 0,50 CUC reduziert. Die WiFi-Netze in den Hotels sollen künftig verstärkt ausgebaut werden. Mit temporären Sonderangeboten will ETECSA zudem die rasche Nutzung der neuen Services fördern, denn die Preise sind noch immer zu hoch für viele Kubaner mit einem Monatslohn von umgerechnet 20 CUC. Das Staatsunternehmen ist sich des Problems dabei durchaus bewusst: „Jeden Tag entwickelten sich die Preise ein wenig Näher an die Möglichkeiten des Volkes heran, das wird auch weiterhin der Trend und die Intention bleiben. Aber um das zu beschleunigen, brauchen wir Investitionen.“, sagte Hilda Arias Pérez, Leitering der Mobilfunksparte.

Um die Verbreitung ihrer Angebote zu stärken hat die Firma, wie bereits angeküngt, 9.300 private Franchisenehmer im Verkaufssektor „auf eigene Rechnung“ unter Vertrag genommen. Sie haben bis zum März 2.400 SIM-Karten verkauft. Mit der Errichtung von 1500 neuen Telefonzellen will ETECSA weiterhin das kubanische Telefonnetz stärken, diese sollen im Laufe dieses Jahres installiert werden. In Kuba stehen damit alle Zeichen auf einen Ausbau der Telekommunikations- und Internetinfrastruktur. Zwar sind die Preise für viele noch zu hoch, jedoch lässt sich über die letzten Jahre hinweg eine stetige Reduzierung der Entgelte beobachten, wofür auch die gestiegenen Nutzerzahlen sprechen. Mit der Inbetriebnahme des mobilen Datennetzes macht ETECSA ein großes Versprechen aus dem letzten Jahr wahr; wann jedoch die ebenfalls angekündigten privaten Internetanschlüsse „en casa“ kommen, bleibt noch offen.

„Granma“ stellt neue Homepage vor

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Vorstellung der neuen Granma-Homepage durch die Redaktion (Quelle: „Granma„).

Die größte Tageszeitung des Landes, das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Kubas „Granma“, hat heute seine neue Homepage im Rahmen einer Pressekonferenz in Havanna vorgestellt. Seit Oktober 2013 hat eine Gruppe junger Leute aus der Redaktion unter ihrem neuen Chefredakteur Pelayo Terry Cuervo an einem zeitgemäßen Neustart des Internetauftritts der Zeitung gearbeitet. Damit folgt das Leitmedium Kubas dem Beispiel der zweitgrößten Zeitung „Juventud Rebelde“, bei der Cuervo bis dato als Chefredakteur tätig war. Auch die Nachrichtenagentur ACN hat neuerdings mit einer modernen Homepage für Aufmerksamkeit gesorgt.

In der ersten Phase des Redesigns ging es den Autoren zu Folge zunächst um die Festlegung der Grundzüge des neuen Layouts, erst danach folge die konkrete technische Umsetzung. Die drei Kernelemente des neuen Designs wurden mit den Schlagworten Partizipation, Zuständigkeit und Hingabe zum Projekt definiert. Während die alte Homepage ein stets unfertig wirkendes Frontpage-Projekt der 90er Jahre war, basiert die neue Website auf einem Content-Management-System (CMS), wie es auch beim Internetauftritt westlicher Medien zum Einsatz kommt. Dies führt zu einer vereinfachten Pflege und Aktualisierung des Portals. Damit konnten nun auch eine Kommentarfunktion sowie Bildergalerien und Multimediainhalte endlich realisiert werden. Neu ist auch eine mobile Version, die die Homepage speziell auf Smartphones korrekt darstellt. Aufgrund des erwarteten größeren Andrangs hat die Granma auf einen leistungsfähigeren Server umgesattelt.

Die neue Website wird auch großen Einfluss auf die künftige journalistische Arbeit der Redaktion haben. Im Interview mit Cubadebate erklärt der Chef der „Internetgruppe“ der Granma, Oscar Sánchez Serra: „Die neuen Möglichkeiten der Website erlauben uns, Nachrichten zeitnah zum Ereignis zu publizieren, die Interaktivität der Nutzer und die Verbindung der Journalisten zur Plattform zu stärken. Das alles sollte die Veröffentlichung neuer Materialien für das Internet fördern, nicht nur Texte, sondern auch Multimediainhalte.“ Der jetzige Informationsfluss von der Printausgabe zum Internet könnte sich Serra zu Folge in Zukunft umkehren, indem Inhalte zuerst auf der Website erscheinen und danach in Druck gehen. Auch die Integration sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter soll dabei nicht zu kurz kommen, hierfür wird die Redaktion in Zukunft einen „Community Manager“ benennen. Die fremdsprachigen Versionen der Website verwenden bisher noch das alte Design, wann ihre Umstellung geplant ist, ist bisher nicht bekannt.

Passend zur neuen Website hat die Granma-Redaktion bereits ein kurzes Video veröffentlicht, das den neuen Internetauftritt kurz vorstellt:

Währungsreform in Kuba: „Schneller als erwartet“

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Der Peso Cubano, in wenigen Jahren Kubas einzige Währung (Quelle: „Progreso Weekly„).

Nachdem wir bereits im letzten Jahr die historischen Ursachen des dualen Währungssystems sowie die Pläne zu seiner Abschaffung näher beleuchtet haben, hat die kubanische Regierung nun mit einem neuen Gesetz zur Anpassung der Preise im März erste Fakten geschaffen. In einem längeren Interview mit der Zeitschrift „Progreso Weekly“ stand der kubanische Ökonom Pavel Vidal, der als einer der besten Kenner der kubanischen Wirtschaft gilt, nun ausführlich Rede und Antwort zu den laufenden Veränderung. Die wichtigsten Fakten aus dem Gespräch sollen im Folgenden kurz zusammengefasst werden.

  • Wie wird die Währungsreform durchgeführt?
    Zunächst erklärt Vidal, dass die Währungsreform durch eine Abwertung des CUC  zustande kommen wird, an deren Ende seine Abschaffung steht. Zur Erinnerung: der offizielle Wechselkurs zwischen CUC (Peso Convertible) und CUP (Peso Nacional) beträgt für die Bevölkerung 1:25, während er im Staatssektor 1:1 beträgt. Der Ablauf erfolgt in mehreren Phasen. In diesem Jahr wird zunächst im Staatssektor angesetzt. Aus dem Gesetz folgert Vidal, dass die staatlichen Betriebe in den kommenden Wochen ihre CUC-Bestände an die kubanische Zentralbank verkaufen werden, um im Austausch dafür kubanische Peso zu erhalten. Für die Bevölkerung wird es dann einen „Tag Null“ geben, an dem jeder seine gesparten CUC gegen kubanische Peso eintauschen kann. Die Regierung hat ausdrücklich die Sicherheit privater Spareinlagen garantiert. Ein ähnliches Vorgehen erfolgte bereits bei der Entdollarisierung der Wirtschaft im Jahr 2003, als der CUC in den Staatsbetrieben erstmals Einzug hielt. Im darauffolgenden Jahr wurde der Dollar auch in der Bevölkerung umgetauscht.
  • Wann findet die Währungsreform statt?
    Wann genau dieser im Gesetzestext explizit erwähnte „Tag Null“ eintritt, ist nicht bekannt. Pavel Vidal sagte jedoch: „Nach Lektüre der Resolution 19, scheint es, dass die Dinge schneller als erwartet voranschreiten.“ Der Zeitplan der 2011 beschlossenen „Leitlinien zur Wirtschafts- und Sozialpolitik“ reicht fünf Jahre. Dazu passt auch, dass kubanische Unternehmen zu Beginn des Jahres aufgrund der Währungsreform bei ausländischen Geldgebern um einen zweijährigen Aufschub der Zahlungen gebeten haben. Während die Reform in den nächsten 24 Monaten vor allem innerhalb der staatlichen Unternehmen stattfinden wird, gelangt sie erst am Ende bei der Bevölkerung an. Der Tag, an dem der CUC endgültig aus der Zirkulation verschwindet, wird also wohl irgendwo im Jahr 2016 liegen.
  • Welche Chancen und welche Risiken bringt die Währungsreform mit sich?
    Mit der Einführung des neuen Peso, der konvertibel sein wird, multiplizieren sich nicht nur die Gewinne, sondern auch die Schulden der Betriebe, was strukturelle Anpassungen erfordert. Konkret heißt das, dass manche Firmen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können und schließen müssen. Deshalb werden derzeit verstärkt mittlere Staatsbetriebe in Kooperativen umgewandelt. Allein im März wurde die Bildung von 228 neuen Kooperativen genehmigt, damit hat sich ihre Anzahl binnen weniger Wochen fast verdoppelt. Auch werden ohne Frage Inflationseffekte entstehen, sowohl die Preise als auch die Löhne werden Vidal zu Folge steigen. Wichtig sei, dass der Staat in der Übergangszeit den Unternehmen mit Krediten und Subventionen zur Seite steht.

    Dem Ökonomen zu Folge würden die Vorteile der Währungsreform die möglichen Risken deutlich ausstechen. Spätestens in vier bis fünf Jahren kämen die positiven Effekte der Reform für jeden zum Vorschein: Die Kaufkraft der Kubaner dürfte mittelfristig deutlich steigen. Transparenz, Effizienz und Vorbeugung von Korruption werden durch die Einführung einer einzigen Währung begünstigt, was auch bei Joint-Ventures von Vorteil ist. Es wird dann erstmals wieder möglich sein, die genaue Größe der kubanischen Wirtschaft zu bemessen, was Planung, Steuersystem und Statistik wesentlich vereinfacht und die internen Reibungsverluste reduziert. Durch eine kurzfristige Inflation werden die Preise stärker dem Weltmarkt angepasst, was auf makroökonomischer Ebene ebenfalls positiv ist. Vidal sieht durch die strukturierte Vorgehensweise der Regierung keine großen Risiken für eine andauernde Inflation.

Kubanische Landwirtschaft wächst um 6,6 Prozent

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Einer der neuen Bauernmärkte auf genossenschaftlicher Basis in Havannas Stadtteil Vedado (Quelle: Cubadebate).

Die kubanische Landwirtschaft konnte ihre Produktion vergangenen Jahr um 6,6 Prozent steigern, wie aus einer Veröffentlichung der nationalen Statistikbehörde ONE hervorgeht. Demnach wuchs die Landwirtschaft (ohne Zuckersektor) im Jahr 2013 um 5,9 Prozent, die Viehwirtschaft um 7,9 Prozent. Während der Anbau von Zitrusfrüchten um 18,7 Prozent zurückging, konnte die Produktion wichtiger Grundnahrungsmittel wie Reis (+16,3 Prozent), Mais (+20,3 Prozent) und Gemüse (+15,4 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr bedeutend gesteigert werden. Damit erbrachten die im Jahr 2012 vertieften Reformen der Landwirtschaft erste Ergebnisse. Die Änderungen der Landwirtschaftspolitik spiegeln sich auch in der Statistik wieder: Wurden 2012 noch 42,8 Prozent aller Erzeugnisse an das für seine Ineffizienz bekannte staatliche Distributionsnetz Acopio abgegeben, sank dieser Anteil im darauf folgenden Jahr auf 38,2 Prozent.

Die bereits im März vergangenen Jahres festgestellte positive Tendenz in der Viehwirtschaft konnte sich durch das gesamte Jahr hinweg manifestieren: Von Januar bis März 2013 wuchs sie bereits um 16,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, exakt die selbe Zahl konnte für das gesamte Jahr gehalten werden. Die Produktion von Schweinefleisch stieg um gut 10.000 Tonnen auf 41.300 Tonnen an. Erstaunlicherweise geht dieses Wachstum vor allem auf die staatlichen Farmen zurück, die knapp 80 Prozent des im Land verbrauchten Schweinefleichs herstellen. Sie konnten im vergangenen Jahr große Erfolge bei der Intensivierung aufweisen: der seit Jahren durchschnittliche Ertrag von 80 Kilogramm pro Schwein konnte in einem Jahr auf 89,6 Kilogramm gesteigert werden. Trotz anhaltender Schwierigkeiten bei der Viehhaltung, konnte sich der Bestand im vergangenen Jahr gut erholen.

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Milchproduktion Kubas, 2002 bis 2013 (Quelle: ONE).

Probleme gibt es allerdings bei der Herstellung von Milch. 2013 konnten 503,6 Millionen Liter erreicht werden, 12,7 Millionen weniger als im Jahr zuvor. Auch der durchschnittliche Ertrag pro Kuh ging leicht zurück. Sowohl Milch- als auch MIlchpulver müssen oftmals importiert werden, da die derzeitige Produktion nicht ausreichend zur Deckung des heimischen Bedarfs genügt. Bessere Neuigkeiten gibt es dagegen bei der Herstellung von Eiern, denen ebenfalls eine große Bedeutung auf dem kubanischen Speiseplan zukommt. Ihre Produktion konnte um 14,3 Prozent auf gut 2 Millionen Stück gesteigert werden.

Vor wenigen Tagen machte Landwirtschaftsminister Gustavo Rodríguez weitere Angaben zur finanziellen Situation der Landwirtschaft: Demnach erlitten im vergangnen Jahr 86 Staatsbetriebe Verluste von insgesamt 210 Millionen Peso (ca. 8,4 Mio. US$), während die Kooperativen meist profitabel waren. Acopio machte 2013 einen Verlust von 70 Millionen Peso (ca. 2,8 Mio. US$). Dennoch konnten die Verkäufe um 10,4 Prozent angehoben werden, wobei neben den staatlichen Bauernmärkten vor allem der Privatsektor an Bedeutung gewann. Die auf eigene Rechnung arbeitenden Transporteure konnten ihre Verkäufe um 17,6 Prozent steigern. Sie spielen allerdings noch immer eine marginale Rolle und kommen für lediglich 13,8 Prozent der Gesamtumsätze aus. Die neuen Bauernmärkte auf genossenschaftlicher Basis spielten mit unter 2 Prozent noch eine unbedeutende Rolle, was auch an den anhaltend hohen Preisen liegt, die ihre Waren für viele unerschwinglich werden lässt.

Insgesamt also mal wieder durchwachsene Signale von der kubanischen Landwirtschaft, allerdings diesmal mit deutlich positiverer Tendenz. Während das „Rückgrat der kubanischen Wirtschaft“ im Jahr 2012 unter den Schäden von Hurrikan „Sandy“ litt und um lediglich 1,3 Prozent zulegen konnte, war 2013 wieder ein gutes Jahr für Kubas Bauern. Der letzte große Wachstumsschub erfolgte 2011 mit 8,7 Prozent, während im Jahr 2010 sogar ein Rückgang von 4,2 Prozent erfolgte. Die Entwicklung ist also noch alles andere als stetig. Dennoch nähren die zahlreichen Reformen der letzten Jahre die Hoffnung, dass es künftig konstant bergauf geht. Dies ist auch dringend notwendig, schließlich hat man gerade einmal das Niveau von 2007 erreicht, bei steigenden Weltmarktpreisen für Importe. 2013 mussten 1,74 Milliarden US$ für Importe ausgegeben werden, 102 Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor. Doch die Produktionsresultate des letzten Jahres lassen auch das Planziel für 2014 nicht ganz unrealistisch erscheinen, das ein Wachstum von sieben Prozent vorsieht.