Neue Studie analysiert Fortschritte in Kuba: Langsam, aber stetig

Ohne Titel

Cover der Studie von Carmela Mesa-Lago

In einer jüngst veröffentlichten Studie der Universität Pittsburgh, hat der kubanischstämmige Ökonom Carmelo Mesa-Lago den Stand der Umsetzung der 2011 beschlossenen Leitlinien zur Aktualisierung des kubanischen Systems überprüft. Mesa-Lago gilt als einer der besten Kenner der kubanischen Wirtschaft. Die Studie trägt den Titel: „Institutional Changes of Cuba’s Economic-Social Reforms: State and Market Roles, Progress, Hurdles, Comparisons, Monitoring and Effects“ und versucht die Erfolge und Probleme der kubanischen Wirtschaftspolitik in den vergangenen drei Jahren zusammenzufassen.

Der Studie zu Folge entwickle sich Kuba insgesamt in eine positive Richtung, wenn auch langsam. Zu den wichtigsten Reformen gehörten dabei die Einführung von Mikrokrediten und Großmärkten in der Landwirtschaft, sowie die Verpachtung von Böden und die bessere Registrierung der Eigentumsverhältnisse bei den Wohnungen durch die Einführung von Besitzurkunden. Die größten Probleme seien nach wie vor die fehlende Preis- und Währungsreform mit einem realistischen Wechselkurs des Peso Nacional sowie das Ausbleiben einer umfassenden Reform des Bankensektors.

Die kubanischen Institutionen hätten sich dem Autor zu Folge in den letzten Jahren zwar in einen Reformprozess begeben, dennoch seien die konkreten Ergebnisse in Form von Wirtschaftswachstum noch nicht eingetreten und viele Kernprojekte stünden gerade erst am Anfang. Dies mache es schwierig, den von Raúl Castro selbst festgesetzten Zeitplan noch zu erreichen. Die Umsetzung der Lineamientos werde so auf jeden Fall bis 2018 dauern.

Erfolge sieht Mesa-Lago in der Landwirtschaft bei der Verpachtung von brachliegendem Land an Kleinbauern. Seit der Ausweitung der maximalen Fläche auf 67 Hektar im Jahr 2012 und der zunehmenden Verknüpfung mit staatlichen oder genossenschaftlichen Farmen, seien bereits erste Resultate sichtbar. Dennoch sei der unter Marktpreisen liegende Ankaufpreis des staatlichen Monopolabnehmers „Acopio“ ein negativer Anreiz für die Produzenten. Die schrittweise Auflösung von Acopio will die kubanische Regierung 2015 angehen.

Dabei schlägt der Ökonom auch konkrete Maßnahmen vor, um das Wirtschaftswachstum zu fördern: Selbstständige sollten Mesa-Lago zu Folge auch akademische Jobs ausüben dürfen und die Errichtung von mittleren Kooperativen sei von staatlicher Seite stärker fördern. Auch die Senkung der Steuern für private Unternehmer, die Ausweitung des Kreditprogramms sowie die Einrichtung von Großmärkten für den Privatsektor werden vorgeschlagen, um den derzeitigen Reformprozess zu beschleunigen.

Das 26-Seiten dicke Paper wurde für eine Reihe von Expertenworkshops der Lateinamerikainitiative des Brookings-Institut in Zusammenarbeit mit der Universität von Havanna in Auftrag gegeben und lässt sich hier als PDF (englisch) herunterladen.

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