Der Papst zu Besuch in Kuba

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Tausende waren im Convenio San Carlos, um dem Treffen des Papstes mit der kubanischen Jugend beizuwohnen

Havanna im Ausnahmezustand: Geschlossene Geschäfte, Buslinien die nicht wie gewohnt funktionieren und abgesperrte Straßen die menschenleer wirken. Das letzte Wochenende war vom Besuch des argentinischen Papstes geprägt, der wie keiner seiner Vorgänger Verzückung in den Augen vieler Kubaner hervorrief.

Minutiöse Berichterstattung im kubanischen Fernsehen

Nach der Ankunft am internationalen Flughafen José Martí in Havanna richteten Gastgeber Raúl Castro und Papst Franziskus kurze Ansprachen an die Presse und das anwesende Begrüßungskomitee. Während Castro den humanistischen Charakter der kubanischen Revolution betonte und Zahlen über die medizinischen Dienstleistungen hervorhob, die Kuba jedes Jahr in aller Herren Länder anbietet, stand für Franziskus die Botschaft der Versöhnung und des gegenseitigen Respekts im Vordergrund. Beide schienen dabei positiv bewegt von den Reden ihres Gegenüber zu sein. Raúl Castros positives Verhältnis zum jetzigen Papst lässt sich am besten anhand eines Zitats nach seinem Vatikanbesuch vor einigen Monaten festmachen: „Wenn der Papst so weitermacht, trete ich wieder in die Kirche ein.“

Die kubanischen Medien folgten dem Spektakel minutiös: Die 18 Kilometer lange Fahrt durch die Stadt wurde per Hubschrauber gefilmt und live auf im kubanischen Fernsehen sowie auf Telesur ausgestrahlt. Am nächsten Tag folgte eine große Messe auf dem Revolutionsplatz, der laut Reuters etwa 100.000 Kubaner beiwohnten. Anschließend traf Franziskus auf Fidel Castro, mit dem er neben einigen warmen Worten auch Bücher austauschte. Am Nachmittag dann wieder Autokolonne Richtung Havanna Vieja, vorbei an meiner Straße, an deren Rändern sich hunderte Kubaner säumten.

Franziskus und die kubanische Jugend

In Habana Vieja wurde ich zum ersten Mal Zeuge einer päpstlichen Rede. Trotz des Regens trat Franziskus ohne Schirm auf die Tribüne des Klosters, sprach mit leisen Worten – aber dennoch deutlich. An eben jenem Convento San Carlos richtete sich der Argentinier direkt an die kubanische Jugend, wobei er explizit die nichtgläubigen erwähnte. Er kritisierte die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa und rief die Jugendlichen zu Respekt, Toleranz und Einheit auf. Über ideologische Grenzen hinweg müssten soziale Freundschaften geknüpft werden, man solle das gemeinsame gegenüber dem trennenden vorziehen, wobei auch Differenzen geklärt werden müssten. Worte, die gut ankamen bei der Generation der 20 bis 30-jährigen Kubaner.

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Der Papst in Habana Vieja

Obwohl sich nur eine Minderheit der Kubaner als katholisch definieren lässt, scheinen die Leute hier ganz verrückt nach Franziskus zu sein. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach einer charismatischen Führungspersönlichkeit, die viele junge Leute so vom derzeitigen Papst schwärmen lässt. Andererseits nimmt es kein Wunder: Der erste amerikanische Papst, der zudem eine wichtige Rolle im Annäherungsprozess an die USA gespielt hat – wie sollte so jemand nicht in der Gunst der Kubaner stehen?

Der Papst wählte seine Worte mit bedacht und verstand es, den richtigen Nerv vieler Leute zu treffen. Sorgsam gewichtete er die Aussagen seiner Predigten, wobei er vor allem der katholischen Kirche innerhalb Kubas den Rücken stärken wollte und Konflikte mit dem Gastgeber vermiet. Internationale Themen, wie die Annäherung zwischen Kuba und den USA, kamen in seinen Reden nur am Rande vor. Dabei verstand es der Argentinier seine Botschaft der Versöhnung in humorige Momente zu verpacken. So wunderte es kaum dass die Menge laut lachte nachdem Franziskus zuletzt am Ende seiner Rede vor dem Konvent noch einmal ans Mikrofon trat, so als hätte er etwas wichtiges vergessen: „Ich hoffe, dass auch die Nichtgläubigen unter euch mir zumindest keine schlechten Dinge wünschen.“

Von Marcel Kunzmann, berichteaushavanna

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