Fidel Castro zeigt sich zu seinem 90. Geburtstag in der Öffentlichkeit

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Fidel Castro zusammen mit Nicolás Maduro vergangenen Samstag im Karl-Marx Theater (Quelle: Cubadebate / Flickr)

Er hat im Laufe seines Lebens immer wieder für Überraschungen gesorgt. Eine der größten lieferte Fidel Castro vergangenen Samstag mit dem Erreichen eines Alters von 90 Jahren. Nicht selten hat Kubas „Lider histórico“ Zweifel geäußert, ob er ein solches Alter je erreichen würde. Wohl keine andere Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts kann auf eine Biographie blicken, die so sehr von Mordanschlägen und Todesgerüchten gleichermaßen geprägt ist – bis heute. Noch vor wenigen Monaten kursierten Gerüchte über das Ableben des „Comandante en jefe“, nun zeigt sich dieser zusammen mit 5.000 geladenen Gästen zu einer Feier in Havannas Karl-Marx Theater.

Bereits während seiner Studienzeit glaubten seine Kommilitonen nicht, dass Fidel Castro alt werden würde. Im Rahmen der Studentenproteste, an denen er 1948 sogar in Kolumbien teilnahm, machte sich der ehrgeizige Jurastudent Castro bereits in jungen Jahren viele Feinde. Er überlebte nicht nur den Sturm auf die Moncada-Kaserne 1953, bei dem die Mehrzahl seiner Mitstreiter den Tod fanden, sondern kann neben der Begnadigung durch den Diktator Batista auch immer wieder auf glückliche Zufälle zurückblicken, die ihm das Leben retten.

Ebenso bei der Landung der „Granma“ an der kubansichen Ostküste im Jahr 1956. Mit 82 Mitstreitern gelang es Castro aus dem mexikanischen Exil heraus den bewaffneten Kampf gegen die Batista-Diktatur zu organisieren. Die Ankunft des Schiffes sollte der geheime Startschuss für die Revolution werden. Die Landung wird jedoch frühzeitig von den Batista-Truppen erkannt, die Aktion endet fast als Fiasko. Wieder sterben dutzende, darunter enge Freunde und Weggefährten des Revolutionärs. Fidel, sein Bruder Raúl, Camilo Cienfuegos und Che Guevara schaffen es jedoch, sich im anschließenden Guerillakrieg nicht nur militärisch zu behaupten.

Auch nach dem Sieg der Revolution konnte dem bärtigen Staatschef so schnell nichts anhaben. Die Invasion in der Schweinebucht 1961, deren Zurückschlagung er persönlich leitete, überstand er unversehrt. Genauso wie über 600 Mordanschläge, die im Laufe der Jahre durch den CIA und exilkubanische Gruppen geplant wurden. Selbst als er sich 1994 in Zeiten der schwersten Wirtschaftskrise vor eine wütende Menge von Demonstranten stellte, schien ihm nichts und niemand etwas anhaben zu können. Castro vermochte es, selbst seine Gegner milde zu stimmen.

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Fidel Castro bei seiner Festnahme nach dem gescheiterten Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba 1953 (Quelle: FidelCastro.cu)

Doch mit rückläufigen Mordanschlägen nahmen die Todesgerüchte zu. Bereits seit den 1980er Jahren gab es Spekulationen über den Gesundheitszustand von Fidel Castro, damals war von einer Parkinsonerkrankung die Rede. Nach seinem Rückzug aus der Politik in Folge einer Not-OP im Jahr 2006 begannen die Spekulationen auszuufern und mündeten schließlich in immer wiederkehrenden Gerüchten über den Tod des „Comandante“, die vor allem im Netz unter exilkubanischen Kreisen regelmäßig zirkulieren. Diese werden dann von Kubas Staatsmedien gelegentlich und scheinbar ganz nebenbei durch öffentliche Kurzauftritte oder neue Fotos mit ausländischen Staatsgästen widerlegt. Zuletzt wurde vor dem Obama-Besuch über Castros Tod spekuliert, bis dieser kurz darauf eine Kolumne in der Parteizeitung „Granma“ veröffentlichte.

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Fidel Castro 1984 bei einem Auftritt im Karl-Marx Theater (Quelle: FidelCastro.cu)

Auch zu seinem 90. Geburtstag meldete sich Castro zu Wort und bedankte sich bei allen Gratulanten, wozu zahlreiche ausländische Staatschefs zählen. Neben Russlands Präsident Vladimir Putin beglückwünschte ihn auch die argentinische Präsidentin Cristina Fernández. Währenddessen wurde natürlich auch in Kuba gefeiert. In der Nacht zum Samstag tanzten tausende Kubaner zu einem Salsa-Konzert auf der „Antiimperialistischen Tribüne“ entlang der Uferpromenade Malecón. Ein kubanischer Tabakbauer rollte anlässlich des runden Jubiläums eine 90 Meter lange Zigarre. Diese präsentierte er stolz Vertretern der britischen Botschaft, welche sich um den Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde kümmerten.

Ansonsten fielen die Feierlichkeiten eher bescheiden aus. Unter dem Motto „Fidel entre nosotros“ (Fidel unter uns) wurden in einigen staatlichen Einrichtungen Fotoausstellungen eröffnet und Veranstaltungen durchgeführt. Das Nachrichtenportal „Cubadebate“ schaltete die Webseite www.fidelcastro.cu online, die mit zahlreichen Informationen und Bildern über das Leben des ehemaligen Präsidenten aufwarten kann. Doch wieder einmal sorgte Castro selbst für die größte Überraschung. Diesmal mit seinem öffentlichen Auftritt vergangenen Samstag im Karl-Marx Theater, dem ersten seit April. Zusammen mit seinem Bruder Raúl und Venezeulas Präsident Nicolás Maduro verfolgte der 90-jährige dort seine Geburtstagsgala, bei der auch Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal mitwirkte.

Auch wenn vor 10 Jahren wahrscheinlich nicht einmal er selbst daran geglaubt hätte: Fidel Castro konnte am 13. August 2016 seinen 90. Geburtstag feiern und scheint dabei in guter Verfassung zu sein. „Er hat mehr Leben als tausend Katzen“, sagte der Journalist Fernando Ravsberg über den ehemaligen kubanischen Staatschef. Dem scheint sich Castro durchaus bewusst zu sein. „Wenn ich wirklich einmal sterbe“, sagte er noch vor einigen Jahren gegenüber ausländischen Journalisten, „wird es wahrscheinlich niemand glauben.“

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