Havanna pausiert die Ausgabe von Lizenzen für private Restaurants

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Paladar „San Cristóbal“ in dem auch US-Präsident Barack Obama während seines Kuba-Besuchs speiste (Quelle: incubatoday)

Die Stadtverwaltung der kubanischen Hauptstadt Havanna hat die Ausgabe neuer Lizenzen für private Restaurants zeitweise gestoppt und kündigte verschärfte Kontrollen an. Die auch als „Paladares“ bekannten Gaststätten haben sich in den letzten Jahren im Zuge der Legalisierung des privaten Kleingewerbes verbreitet, mittlerweile gibt es landesweit mehr als 1.700 von ihnen.

„Wir alle dehnen die Regeln, wir haben kaum eine Wahl“

In den letzten sechs Wochen wurden viele Besitzer der Paladares zu Meetings bei den lokalen Behörden zitiert wo häufigere Inspektionen angekündigt wurden. „Ich dachte, dass das Meeting sehr angespannt verlaufen wird, aber so war es nicht“, sagte Niuris Higueras, die Chefin des bekannten Paladers „Atelier“ in Vedado. „Sie waren sehr gesprächig und haben uns auch gesagt, dass unsere Geschäfte wichtig für die Wirtschaft sind. Zudem wird man Verstößen nicht nur bei den privaten, sondern auch bei staatlichen Einrichtungen stärker nachgehen.“

Auf den Meetings wurde den Besitzern eine Reihe von Gesetzesbrüchen vorgeworfen. So würden viele private Restaurants die maximale Bestuhlungsgrenze von 50 Sitzplätzen überschreiten. Andere dehnten die Öffnungszeiten auch nach drei Uhr aus und würden unter Restaurantlizenz als Bar funktionieren. Weitere Vorwürfe waren Verwicklung in Geldwäsche, Drogenhandel, Prostitution, Steuerhinterziehung, Einkäufe auf dem Schwarzmarkt und die Verwendung öffentlicher Parkplätze für ihre Kunden.

„Natürlich haben sie technisch gesehen recht, wir alle dehnen die Regeln, wir haben kaum eine andere Wahl“, erklärte der Besitzer eines bekannten Restaurants gegenüber Reuters unter der Bedingung der Anonymität. „Sie waren bei dem ganzen sehr höflich und sagten nicht, was sie vorhaben aber wir gehen davon aus, dass eine große Inspektionswelle bevorsteht.“

Engpässe in der Hochsaison befürchtet

Die Ausgabe neuer Lizenzen soll nach den Worten eines Regierungsvertreters gestoppt werden, bis die Probleme und Illegalitäten beseitigt sind. Die Paladares stellen sich derweil auf die neue Situation ein. „Wir überprüfen alles, machen einen kompletten Audit, versuchen herauszufinden was wir tun müssen wenn wir keinen Kassenbon für einen Teil der Einrichtung oder vier sehr teuere Schnapsflaschen haben“, sagte ein weiterer Restaurantbesitzer aus Vedado gegenüber Reuters. Manche größeren Restaurants haben bereits ihre Bestuhlung auf 50 Sitzplätze reduziert.

Havannas private Bars und Restaurants sind insbesondere bei Touristen beliebt. Sie bieten oftmals ein hochwertigeres Angebot bei besserem Preis-Leistungsverhältnis als vergleichbare staatliche Einrichtungen. Durch den Tourismus-Boom der letzten Jahre sind heute viele der Restaurants hoffnungslos überfüllt, Plätze müssen während der Hochsaison mancherorts bereits Tage vorher reserviert werden. Die strikte Durchsetzung der 50-Sitzplätze-Regelung bedeutet für Touristen daher schlechte Neuigkeiten.

Die Besitzer der Paladares klagen indes über hohe Steuerlast und das Fehlen eines Großmarkts für Lebensmittel. Private Restaurants müssen in Kuba ihre Einkäufe in den selben Läden wie die Bevölkerung tätigen, was oftmals zu leeren Regalen führt, während staatliche Betriebe Zugang zum Großmarktnetz haben. Trotz mehrfacher Versprechen der Regierung, Großmärkte etablieren zu wollen, hat sich an der Situation bis heute nichts geändert. Auch private Bars werden künftig einen schweren Stand haben, da es für diese offiziell keine Lizenzen gibt und sie daher formell als Restaurant operieren.

Obwohl viele Beobachter im Vorfeld des Obama-Besuchs eine baldige Rückkehr Kubas zu kapitalistischen Verhältnissen erwartet hatten, hat die Regierung die Schrauben für den Privatsektor seitdem mehrfach angezogen. So wurden Anfang des Jahres Preisobergrenzen an den Bauernmärkten eingeführt und auch die Sammeltaxis von Havanna werden auf die Einhaltung von festgelegten Preisen kontrolliert. Im Zuge der schwierigen Situation in Venezuela kündigte Präsident Raúl Castro Einsparungen an.

Auch Higueras vom „Atelier“ erwartet stärkere Kontrollen. „Das sind Dinge, die wirklich passieren“, sagte sie in Bezug auf die Vorwürfe der Behörden. „Sie machen nun Inspektionen. Ich weiß, dass es mehr Kontrolle geben wird.“ Auf der anderen Seite erwartet sie keinen Kahlschlag der bestehenden Paladar-Landschaft: „Es ist wie der alte Spruch, dass der angekündigte Krieg keinen Soldaten tötet.“

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4 Gedanken zu „Havanna pausiert die Ausgabe von Lizenzen für private Restaurants

  1. So laeuft es eben in einer Diktatur. Keine Rechtssicherheit und jeden Tag neue verrueckte Entscheidungen. Die Machthaber sind aber nie an etwas schuld, immer nur die Untertanen.

    • Wer die poder popular also die breitestmögliche demokratie überhaupt als diktatur bezeichnet und zwar so wie dieser poster hat echt keine ahnung! Würde er diese art der diktatur im wörtlichen sinne nehmen ok aber in dieser diffamierenden art?

  2. Wenn man geklautes Benzin auf den Schwarzmarkt verkauft, wie das in ganz Lateinamerika, nicht nur auf Kuba, üblich ist, braucht man sich über verstärkte Kontrollen nicht zu wundern. In Kuba wurden diese sogar angekündigt. In Deutschland wie auf Kuba ist Diebstahl strafbar
    Wo bitte also ist das Problem?

  3. Ein Land das Journalisten einsperrt, diffamiert und in ihrer Arbeit massiv behindert ist eine Diktatur. Leider kann ich in Cuba keine breitestmögliche Demokratie erkennen.

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