Kein Personenkult um Fidel Castro

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Raúl Castro bettet seinen verstorbenen Bruder in dessen letzte Ruhestätte (Quelle: Cubadebate)

Gestern Morgen wurde Fidel Castros Urne in Santiago de Cuba bestattet. Die Beisetzung fand im Kreis der Familie und einigen ausgewählten Gästen statt. In der vorangegangenen Nacht fand auf dem Revolutionsplatz der Stadt eine große Kundgebung statt, an der gut eine halbe Millionen Menschen anwesend waren. Dort erwiesen Vertreter der kubanischen Massenorganisationen ihrem Comandante die letzte Ehre. Auf Wunsch seines verstorbenen Bruders kündigte Raúl Castro ein neues Gesetz an, das diesen vor Personenkult schützen soll.

Am Samstag kam der Konvoi, welcher mit Fidels Urne drei Tage zuvor von Havanna aus einmal quer durch die gesamte Insel startete, in der östlichen Metropole Santiago de Cuba an. Hier machte der Trauerzug an historischen Stätten halt, unter anderem an der Moncada-Kaserne, deren gescheiterte Erstürmung am 26. Juli 1953 den Beginn der kubanischen Revolution einläutete und an jenem Balkon, von dem Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution verkündete. Unterwegs dorthin wurde die Straße von Menschenmassen gesäumt, die mit Rufen wie „Hasta siempre, Comandante!“ oder „Yo soy Fidel!“ dem langjährigen Staatslenker die letzte Ehre erwiesen.

Am Abend wurde die Urne schließlich zum Revolutionsplatz gebracht, der nach dem ersten afrokubanischen General im Unabhängigkeitskrieg, Antonio Maceo, benannt ist. Unter der riesigen Bronzestatue Maceos hatten die kubanischen Massenorganisationen das Wort. Vertreter des Gewerkschaftsverbands CTC, des Frauenverbands FMC, der Koordinator der Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDRs), die Vorsitzenden der Jugendverbände und andere bekundeten ihre Treue zum geistigen Erbe Fidels.

Raúl Castro rekapitulierte auf seiner Rede die Erfolge der kubanischen Revolution. „Die bleibende Lehre von Fidel ist, dass es zu schaffen ist“, sagte Castro unter dem Beifall der Masse. Es sei jener Fidel, der damals die Landung der Granma organisierte, der „als er sieben Gewehre und eine Handvoll Kämpfer zusammenbrachte, sagte: Jetzt gewinnen wir den Krieg!“. Raúl bedankte sich für alle Beileidsbekundungen der letzten Tage, kündigte zugleich jedoch ein neues Gesetz an, um seinen Bruder gemäß dessen Wunsch vor Erscheinungen des Personenkults zu schützen:

Getreu der Ethik Martis, dass „aller Ruhm der Welt in ein Maiskorn passt“, wies der Führer der Revolution jeglichen Ausdruck von Personenkult zurück und behielt diese Haltung bis in die letzten Stunden seines Lebens konsequent bei, indem er darauf drang, dass nach seinem Ableben sein Name und seine Figur niemals benutzt werden sollten, um Einrichtungen, Plätze, Parks, Alleen, Straßen oder andere öffentliche Stätten zu benennen, und dass keinerlei Denkmäler, Büsten, Statuen oder andere ähnliche Formen des Tributs errichtet werden sollten.

In Übereinstimmung mit der Bestimmung des Genossen Fidel werden wir in der kommenden Sitzungsperiode der Nationalversammlung der Volksmacht die erforderlichen Gesetzesentwürfe vorlegen, damit sich sein Wille durchsetzt.

(Quelle: Granma)

Es wird also auch in Zukunft keine Fidel-Castro-Straße oder eine Statue des Revolutionsführers auf Kuba geben. Ganz in diesem Sinne fiel auch dessen Grab aus: Ein naturbelassener Granitstein aus der nahe gelegenen Sierra Maestra, auf dem eine schwarze Marmortafel mit dem Namen „Fidel“ in goldenen Lettern prangt. Obwohl der Stein ziemlich wuchtig ist, wirkt das Grab aufgrund des Verzichts von Nachnamen und jeglichen anderen Inschriften äußerst schlicht. Lediglich die nebenstehende Betonsäule, in der mit kupfernen Buchstaben Castros Revolutionskonzept prangt, lässt auf die Bedeutung des hier ruhenden schließen.

Schlicht war auch die Zeremonie, mit der Fidel Castro auf dem Friedhof „Santa Ifigenia“ bestattet wurde. Ohne Reden, ohne große Medienpräsenz und im Kreis der engsten Familienmitglieder und Kampfgefährten nahm Raúl Castro die Urne von Fidels Witwe Dalia Soto entgegen und legte sie stumm in den Grabstein. Noch einmal erklang Fidels Stimme aus den Lautsprechern, mit der er sein berühmtes Revolutionskonzept vorliest. Danach legten die anwesenden Gäste, darunter das kubanische Politbüro, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro sowie die ehemaligen brasilianischen Regierungschefs Dilma Rousseff und Lula da Silva, eine Blume auf das Grab. Die Beisetzung dauerte nicht einmal eine halbe Stunde. Wenige Stunden später war das Grab öffentlich zugänglich, draußen wartete bereits eine lange Schlange.

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Fidel Castros Grab auf dem Cementerio Santa Ifigenia in Santiago de Cuba (Quelle: Cubadebate)

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Warten auf Einlass vor dem Friedhof Santa Ifigenia am Sonntag (Quelle: Cubadebate)

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Fidels Grab ist nun öffentlich zugänglich (Quelle: Cubadebate)

Raúl Castros Rede auf der Trauerfeier am 3. Dezember 2016 in Santiago de Cuba

Beerdigung Fidel Castros am 4. Dezember 2016 im Cementerio Santa Ifigenia

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6 Gedanken zu „Kein Personenkult um Fidel Castro

  1. Was soll der Unsinn nit dem antikommunistischen Kampfbegriff „Personenkult“? Der Begriff erinnert auf sehr ungute Weise an jene finsteren Zeiten als Chruschtschow ausgerechnet mit dem zynischen Vorwurf des „Personenkultes“ riesige Kübel voller Schmutz, voller Lügen und Verleumdungen über Stalin ausschüttete. Es gibt nicht die geringste Veranlassung, diesen Begriff im Zusammenhang mit dem großen Revolutionär Fidel Castro zu verwenden.

    Es wäre im Gegenteil geradezu angebracht, daß man Fidel Castro auf diese Weise ein Denkmal setzte, so wie man es auch mit Ernst Thälmann tat, indem man Straßen nach ihm benannte. Wenn heute in der BRD Umbenennungen stattfinden, so waren und sind das doch in erster Linie Namen revolutionärer Kämpfer, die von der Reaktion ermordet wurden: wie z.B. John Schehr und Etkar André oder aber Namen bedeutender Arbeiterführer wie Wilhelm Pieck und Georgi Dimitroff.

    • Personenkult ist keine Sache, die es nur in Bezug auf Stalin gab, sondern eine Erscheinung, die (nicht nur in sozialistischen Ländern) immer wieder anzutreffen ist. Fidel beweist das ja selbst, indem er sich in seinem letzten Wunsch genau dazu positioniert.
      Die Frage ist ohnehin, ob es so etwas wie nach Fidel benannte Straßen und Denkmäler von ihm überhaupt braucht. Straßen sind schnell umbenannt und auch Bronze ist vergänglich. Wenn Fidels Ideen in den Köpfen der Menschen weiterleben, bedarf es keines Denkmals. Und wenn nicht, hilft auch kein Denkmal mehr. Dessen war er sich sehr wohl bewusst.

      • Gerade die Denkmäler und Straßennamen waren das erste, was nach der Konterrevolution 1989 in allen sozialistischen Ländern radikal beseitigt wurden.Eben deswegen, damit man sich NICHT erinnert! Man wird sie brauchen – diese Erinnerungen! Heute mehr als jemals zuvor!

  2. Der Wille des Comandante en Jefe sollte respektiert werden. Die Freunde Kuba’s sind das den Comandante schuldig. Alles andere empfinde ich als Verletzung der Würde des Verstorbenen, den Kuba und Lateinamerika so viel zu verdanken hat….por siempre Fidel

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