Kuba senkt die Preise für Zigaretten und führt neue Marken ein

Die beliebten Popular-Filterzigaretten kosten ab sofort nur noch 0,60 CUC (Quelle: 14ymedio)

Entgegen dem globalen Trend hat Kubas Regierung in einer jüngsten Resolution die Preise für die beliebte Zigarettenmarke „Popular Auténtico“ um rund 15 Prozent gesenkt. Eine Schachtel kostet nun 0,60 CUC (ca. 50 Eurocent) statt wie bisher 0,70. Gleichzeitig kamen drei neue Sorten auf den Markt, die vor allem das beliebte Segment der in der EU mittlerweile verbotenen Mentholzigaretten breiter aufstellen sollen.

„Hollywood Fresh“ und „Hollywood Ice“ heißen die beiden neuen Mentholzigaretten, welche dieses Jahr auf Kuba ihr Debüt feiern werden. Dies meldete die Zeitschrift des kommunistischen Jugendverbands, „Juventud Rebelde„, am vergangenen Freitag. Mit einem Preis von 1,30 CUC markieren die beiden neuen Marken zusammen mit den „Cohíba“-Zigaretten (2 CUC) das hochpreisige Segment der kubanischen Zigarettenindustrie. Zudem wird „Popular“ nun auch in einer Variante mit dickerer Pappschachtel statt wie bisher im Softpack angeboten.

Im Gegenzug wurde die Standard-Variante „Popular Auténtico“ auf 0,60 CUC verbilligt, womit diese nun zehn Centavos günstiger als die ähnlich verbreiteten H.Upmann sind. Alle der genannten Marken sind Produkte des kubanisch-brasilianischen Joint-Ventures „Brascuba“, welches mit einer neuen Fabrik im Jahr 2018 seine Kapazitäten erweitern und in den Export gehen möchte. Derzeit werden kubanische Zigaretten nur für den Binnenmarkt produziert.

Die günstigsten Zigaretten auf Kuba bleiben weiterhin die filterlosen Marken „Popular“, „Criollos“, „Titanes“ und andere, welche bereits ab umgerechnet ca. 20 Eurocent über den Ladentisch wandern und von kleineren staatlichen Fabriken hergestellt werden. Die Präferenzen insbesondere der jüngeren Raucher, haben sich in den letzten Jahren jedoch stark hin zu Filter- und Mentholzigaretten verschoben. Die Preissenkungen stießen auf gemischte Reaktionen. Während sie von Ärzten kritisiert wurden, dürfte ein großer Teil der rauchenden Bevölkerung die finanzielle Entlastung begrüßen.

Obwohl Kubas Gesundheitsministerium bereits seit vielen Jahren eine Kampagne gegen das Rauchen führt, ist die Raucherprävalenz auf der Insel mit 24 Prozent der Bevölkerung die dritthöchste in Lateinamerika. Bei der Häufigkeit der Passivraucher im häuslichen Bereich rangiert Kuba amerikaweit an erster Stelle. Auch das Rauchen in Gebäuden und Verkehrsmitteln ist auf Kuba trotz gegenläufiger Gesetze weit verbreitet.

Advertisements

China löst Venezuela als Kubas wichtigster Handelspartner ab

Die Volksrepublik China ist inzwischen der wichtigste Handelspartner Kubas (Quelle: Granma)

Das Handelsvolumen zwischen Kuba und Venezuela hat sich in den vergangenen drei Jahren um gut 70 Prozent reduziert. Nach aktuellen Zahlen des kubanischen Statistikbüros ONE ging der Warenhandel beider Länder allein im letzten Jahr von 4,2 auf 2,2 Mrd. US-Dollar zurück, während sich die Volksrepublik China inzwischen als wichtigster Handelspartner der Insel etablieren konnte.

Noch im Jahr 2012 handelten Kuba und Venezuela Güter im Wert von 8,5 Mrd. US-Dollar. Kuba importierte damals Güter (hauptsächlich fossile Brennstoffe) für 6 Mrd. US-Dollar aus dem befreundeten Land, während die Insel eigene Produkte (hauptsächlich Medikamente) für 2,5 Mrd. Dollar in die bolivarische Republik exportierte. Nicht einberechnet sind hier die Dienstleistungen der damals rund 50.000 kubanischen Mediziner und Pflegekräften, die in Venezuela ihren Dienst taten und von denen heute noch immer die allermeisten im Einsatz sind.

Seit dem Rekordjahr 2012 hat sich der wirtschaftliche Austausch beider Länder schrittweise reduziert. Die schwersten Einbrüche gab es 2015 und 2016. Heute importiert Kuba nur noch für 1,58 Mrd. US-Dollar, während Waren für 642 Mio. US-Dollar nach Venezuela exportiert werden. Zwischen 2014 und 2016 ging der gesamte Warenumsatz um 70 Prozent zurück. Die Volksrepublik China konnte hingegen den Handelsumsatz mit Kuba ab 2014 verdoppeln und löste Venezuela vergangenes Jahr als wichtigster Handelspartner der sozialistischen Insel ab.

Warenumsatz Kubas mit seinen drei wichtigsten Handelspartnern Venezuela, China und Spanien (Quelle: eigene Grafik, ONE 8.4)

Ebenfalls zulegen konnte der Handel mit Argentinien und Angola, während sich der Warenaustausch zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten seit 2012 fast halbiert hat. Damals handelten beide Länder noch Waren im Wert von rund einer halbe Milliarde US-Dollar, 2016 waren es nurmehr 260 Millionen. Nach Spanien unterhält Kuba mit Kanada, Mexiko und Brasilien die wertmäßig größten Handelsbeziehungen.

Insgesamt ging der kubanische Außenhandel jedoch seit 2013 von gut 20 Mrd. US-Dollar auf 12,5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016 zurück und befindet sich damit in etwa auf dem Niveau von 2006. Zum Vergleich: Einen Tiefstand in der jüngeren Geschichte erreichte das kubanische Handelsvolumen ein Jahr nach der Auflösung der Sowjetunion mit lediglich 3,3 Mrd. US-Dollar. 2008 wurde mit 17,9 Mrd. US-Dollar erstmals der Höchststand aus den Zeiten vor der Sonderperiode übertrumpft. Der damalige Außenhandelsrekord lag bei 14 Mrd. US-Dollar im Jahr 1985.

Dabei betrifft die Statistik lediglich den Waren- und Güterhandel. Tourismus oder der Export von Dienstleistungen, heute die wichtigste Einnahmequelle des Landes, werden nicht dazugezählt. Doch auch hier gab es laut Wirtschaftsminister Ricardo Cabrisas Einschränkungen. Während der Tourismus boomt und dieses Jahr 4,7 Mio. Touristen sowie Rekordeinnahmen von 2,7 Mrd. US-Dollar erwartet werden, ging der Export medizinischer Dienstleistungen seit 2014 um gut 29 Prozent zurück.

Der Handel mit Venezuela, vor allem der Export von Öl im Austausch gegen medizinisch Dienstleistungen, ist in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Nachdem die Öllieferungen sich bis Ende 2016 um 40 Prozent reduziert haben, erlebten sie im ersten Halbjahr 2017 einen weiteren Rückgang um 13 Prozent. Die Ausfälle wurden bisher durch Zukäufe aus Russland und Algerien ersetzt. Kuba sucht derzeit nach weiteren Handelspartnern, die Interesse an einer medizinischen Kooperation haben. Unter anderem Angola, die arabischen Emirate und Tunesien befinden sich derzeit in Gesprächen mit Havanna.

Kubas Wirtschaftsminister Cabrisas erklärte bei der Vorstellung des Wirtschaftsreports auf der letzten Sommersitzung des Parlaments, dass das BIP im ersten Halbjahr planmäßig um 1,1 Prozent zulegen konnte, die Rezession von 0,9 Prozent im Jahr 2016 scheint damit überwunden. Dies war möglich aufgrund einer antizyklischen Ausgabenpolitik der Regierung sowie der guten Entwicklung des Tourismus-Sektors. Dennoch ist die Regierung derzeit knapp bei Kasse und musste bereits geplante Importe aufgrund Devisenmangels zurückstellen. Cabrisas warnte vor einem „angespannten“ zweiten Halbjahr.

Fünf Kubaner unter den Verletzten von Barcelona

Es dürfte das erste Mal sein, dass mehrere Kubaner Opfer eines islamistischen Terroranschlags wurden (Quelle: Granma)

Nach dem Terroranschlag in Barcelona, bei dem am vergangenen Donnerstag 13 Menschen ums Leben kamen, drückte Kubas Präsident Raúl Castro sein Mitgefühl in einem Kondolenzschreiben an den spanischen König Felipe VI. aus. Unter den zahlreichen Verletzten waren auch fünf Kubaner, von denen sich zwei noch immer in medizinischer Behandlung befinden. Die Kubanische Botschaft in Madrid und das Konsulat in Barcelona steht bereits in Kontakt mit deren Familien.

Bei dem Anschlag am vergangenen Donnerstag fuhr ein Lastwagen in den beliebten Boulevard „Las Ramblas“. Dabei kamen mindestens 13 Menschen ums Leben. Während die Untersuchungen über die Hintergründe der mutmaßlichen Tätergruppe noch laufen, reklamierte der IS den Anschlag bereits für sich.

Die kubanische Botschaft wurde bereits kurze Zeit nach den Ereignissen informiert, dass sich auch fünf Kubaner unter den Verletzten befinden, erklärte Botschafter Eugenio Martínez gegenüber der Tageszeitung „Granma„. Die Zeitung titelte unter dem bei den Gedenkveranstaltungen in Barcelona gerufenen Motto „Wir haben keine Angst“. Es dürfte das erste Mal sein, dass mehrere Kubaner zum Opfer eines islamischen Terroranschlag wurden.

Kuba verbessert Bedingungen für private Landwirte

Kubanische Kleinbauern dürfen nun auch Viehzucht betreiben und direkt an Staatsbetriebe verkaufen (Quelle: Granma)

Mit einem neuen Maßnahmenpaket will Kubas Regierung die Produktion von Lebensmitteln ankurbeln und neue Anreize für private Landwirte setzen. Diese können nun über die bisherigen Vermarktungsoptionen hinaus auch Verträge mit Staatsbetrieben abschließen, zudem wurde die anfängliche Laufzeit für Felder zum Nießbrauch von 10 auf 20 Jahre verdoppelt. Auch Viehzucht ist jetzt erlaubt. Seit 2008 wurden auf Kuba mehr als 1,2 Millionen Hektar an private Kleinbauern zum Nießbrauch übergeben, etwa 20 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche.

Seit Beginn der Initiative zur Übergabe ungenutzten Landes zum Nießbrauch erlebte das Gesetz bereits mehrere Korrekturen. 2012 wurde beispielsweise erst die Errichtung von Häusern und Wirtschaftsgebäuden auf den Flächen erlaubt, die sich nicht selten in wenig erschlossenen Gegenden befinden. Mittlerweile gibt es im Rahmen des Programms mehr als 151.000 Neubauern, die sich hauptsächlich der Lebensmittel- und Tierfutterproduktion widmen.

Noch immer sind rund 894.000 Hektar an landwirtschaftlichen Böden auf Kuba ungenutzt, allerdings melden sich heute nur noch wenige Anwärter auf ein Stück Land. Die Filetestücke sind heute alle schon vergeben: „Es gibt praktisch keine Flächen erster und zweiter Qualität mehr. Die übrigen Flächen sind wenig produktiv, mit starkem Marabú-Bewachs [ein invasiver Dornbusch, der unbearbeitete Böden bedeckt], es gibt Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung und viele der Böden sind fernab der Dörfer und der Basisinfrastruktur“, sagte ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums gegenüber der Tageszeitung „Granma„.

Aus diesem Grund wurden neue Anreize geschaffen, um die Übergabe weniger produktiver Böden zu beschleunigen. So sollen Neuanwärter in Zukunft mindestens 26,84 statt bisher 13,42 Hektar erhalten, die vor einigen Jahren erhöhte Obergrenze bleibt bei 67 Hektar. Das bestehende Programm zur Vergabe von Krediten und zur Verbesserung der Böden soll ausgedehnt werden. Zudem dürfen die privaten Kleinbauern nun auch Viehzucht betreiben, so lange sie das benötigte Futter selbst anbauen. In der Vergangenheit wurden auch einige Probleme entdeckt, die nun korrigiert werden sollen. So wurden beispielsweise mancherorts die übergebenen Flächen gar nicht genutzt. In der Neuregelung wurde nun klar gestellt, dass die Landwirte das Land direkt und persönlich bearbeiten müssen – ansonsten droht der Entzug der Nießbrauchsrechte.

Dass die Bauern nun direkt Verträge mit Staatsbetrieben abschließen können, dürfte für viele eine willkommene Neuerung sein. Bisher war der Verkauf ihrer Produkte lediglich über die verschiedenen Landwirtschaftskooperativen (UBPC, CPA, etc.) und ausgewählte Betriebe des staatlichen Tourismussektors möglich. Nun können sie auch Verträge mit lokalen Lebensmittelproduzenten und anderen Staatsbetrieben abschließen, um diese direkt zu beliefern. Auch können die Bauern nun Teil eines Unternehmens oder einer Kooperative werden. Dies soll neben der Lebensmittelindustrie auch staatliche Forstbetriebe und Firmen der Zuckerindustrie ansprechen. „Wir arbeiten permanent an der Perfektionierung der Landwirtschaftspolitik, um die gute Nutzung und Bearbeitung der Böden zu gewährleisten“, sagte der zuständige Funktionär Osvaldo Gutiérrez vom kubanischen Landwirtschaftsministerium.

Kuba begeht 91. Geburtstag Fidel Castros mit neuem Museum

Das „Museum der Anklage“ wurde am 13. August in Anwesenheit von Kubas erstem Vizepräsident sowie Vertretern des Innenministeriums feierlich eröffnet (Quelle: Cubadebate)

Havanna. Am vergangen Sonntag, dem 13. August ist auf Kuba des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro (1926 – 2016) an dessen 91. Geburtstag gedacht worden. Bereits im Vorfeld fanden auf der Insel Gedenkveranstaltungen zahlreicher Massenorganisationen statt. Viele Menschen legten Blumen an Castros Grabstätte nieder. Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel nahm an der Einweihung eines neuen Museums über terroristische Angriffe gegen Kuba sowie bei der Wiedereröffnung wichtiger Sportstätten in Havanna teil.

Das „Museo de la Denuncia“ (Museum der Anklage) wurde am 13. August in Anwesenheit von Kubas erstem Vizepräsidenten sowie Vertretern des Innenministeriums feierlich eröffnet. Es befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Museums des Ministeriums des Innern, das seit 2011 zu dem neuen Komplex umgebaut wurde. Es soll die zahlreichen terroristischen Angriffe gegen Kuba dokumentieren, die seit Beginn der Revolution im Januar 1959 gegen das sozialistische Land vor allem von Seiten der USA durchgeführt wurden. Auch ein Schlauchboot ist ausgestellt, eines von vielen mit dem Kubaner in mehreren Migrationswellen das Land unter dem Anreiz von US-Visa-Vergünstigungen verließen, was häufig zu Todesfällen auf hoher See geführt hat. Das Museum legt besonderen Wert auf Interaktivität und moderne Präsentationsformen, wobei verstärkt digitale Medien zum Einsatz kommen. Auch ein Internethotspot ist Teil des Gedenkkomplexes.

Das frisch sanierte Hallenschwimmbad der „Villa Panamericana“ in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Ebenfalls wiedereröffnet wurden zahlreiche Gebäude der „Villa Panamericana“, des eigens für die Panamerikanischen Spiele 1991 eingerichteten Sportkomplexes in Havannas Außenbezirk Cojímar. Viele der Gebäude sind stark abgenutzt und teilweise seit vielen Jahren geschlossen. Unter anderem wurden das Hallenschwimmbad „Baraguá“, ein saniertes Kampfsportzentrum sowie neue Unterkünfte für den olympischen Kader eingeweiht. In den Folgetagen kam noch die Einweihung der sanierten nationalen Segelschule hinzu.

Bereits in den Wochen vor dem Jubiläum wurden zahlreiche staatliche Restaurants und Freizeiteinrichtungen in Havannas Lenin-Park zu Ehren des „Comandante en jefe“ wieder eröffnet.

Präsident Raúl Castro legte am Montag Blumen an den Gräbern seines Bruders und des kubanischen Nationalhelden José Martí auf dem Friedhof Santa Ifigenia in Santiago de Cuba nieder. Dabei wurde er vom ersten Sekretär der Kommunistischen Partei der Provinz, Lázaro Expósito Canto, begleitet.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

Kuba untersucht mysteriöse „Schall-Angriffe“ auf US-Diplomaten

Botschaft der USA in Havanna (Quelle: M.P. Franklin, Flickr)

Washington/Havanna. Die US-Regierung hat offenbar bereits im Mai zwei kubanische Diplomaten aus der Botschaft in Washington des Landes verwiesen, nachdem Personen des US-Botschaftspersonals in Havanna vermehrt über gesundheitliche Probleme berichteten. Kubas Regierung veröffentlichte am Mittwoch eine Stellungnahme, in der sie ankündigte, mit den US-Behörden bei der Aufklärung der mysteriösen Vorkommnisse kooperieren zu wollen. Offenbar war auch ein kanadischer Diplomat betroffen.

Der bisher bekannte Ablauf der Affäre liest sich wie ein Agentenkrimi: Im Herbst 2016 begannen mehrere Mitarbeiter der US-Botschaft in Havanna über unerklärlichen Hörverlust zu berichten. In einigen Fällen waren die Symptome so schwer, dass sie zur Rückkehr in die USA gezwungen waren, um sich dort in ärztliche Behandlung zu begeben. Nach einer mehrmonatigen Untersuchung kommt die US-Regierung nun zu dem Schluss, dass ihnen mittels einer „hochentwickelten Schallwaffe, die außerhalb des hörbaren Spektrums operiert, und die entweder in- oder außerhalb ihrer Residenzen installiert war“ offenbar bewusst Schaden zugefügt wurde, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Wer die Waffe eingesetzt hat, oder zu welchem Zweck, ist dabei völlig unklar. US-Außenamtssprechrin Heather Nauert sagte gegenüber der BBC, dass es „keine definitiven Antworten über die Quelle oder die Ursache“ gebe. Die Untersuchung sei derzeit völlig offen. Auch Szenarien, nach denen Drittstaaten wie Russland die Waffe eingesetzt haben könnten, würden analysiert. Nauert nannte die Vorfälle „sehr ernst“, auch wenn keine Lebensgefahr durch die „Schall-Angriffe“ ausging, die andernorts so bisher noch nicht vorgekommen sind. Nauert erinnerte an Kubas Verantwortung zum Schutz ausländischer Diplomaten im Rahmen der Wiener Konvention.

Kubas Regierung reagierte auf die Medienberichte prompt mit einem Statement des Außenministeriums. Die Regierung in Havanna nehme die Vorfälle ernst, die Entscheidung zur Ausweisung der Diplomaten sei jedoch „nicht gerechtfertigt und nicht fundiert“. Laut dem Ministerium habe „die höchste Regierungsebene“ eine „umfassende und vorrangige Untersuchung“ angeordnet. Man habe der US-Botschaft angeboten, Informationen zwischen den beiden laufenden Untersuchungen zu teilen und vorgeschlagen, bei der Aufarbeitung der Vorkommnisse zusammen zu arbeiten.

„Das Außenministerium bekräftigt, dass Kuba mit aller Strenge und Ernsthaftigkeit seinen in der Wiener Konvention von 1961 festgelegten Verpflichtungen zum Schutz der Unversehrtheit des Botschaftspersonals nachkommt“, heißt es in dem Statement. Und weiter: „Das Ministerium betont, dass Kuba weder erlaubt hat, noch jemals erlauben wird, dass kubanisches Territorium für jegliche Aktion gegen akkreditierte Diplomaten oder deren Familienangehörige unternommen wird, ohne Ausnahme. Gleichzeitig erneuert es seine Bereitschaft, an der Aufklärung der Situation mitzuarbeiten.“ Die kubanischen Behörden haben indes eine ressortübergreifende Expertenkommission für die Analyse der Fakten gebildet. Auch seien Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen für den Sitz der Botschaft, ihr Personal und die Residenzen der Diplomaten verstärkt worden.

Im jüngsten Verlauf der Affäre meldete das kanadische Außenministerium, dass offenbar auch ein kanadischer Diplomat wegen Hörproblemen im Krankenhaus behandelt wurde, auch dessen Familienangehörige seien betroffen gewesen. Es gebe jedoch keinen Grund zu der Annahme, dass kanadische Touristen oder andere Besucher betroffen seien, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Die US-Behörden bekräftigten indes, dass kein Land derzeit für die Vorkommnisse in Havanna zu beschuldigen sei. „Wir wissen nicht genau, woher das kam. Wir können derzeit kein Land und kein Individuum verantwortlich machen“, sagte Sprecherin Nauert am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Laut Berichten von US-Medien hat das FBI inzwischen die Ermittlungen eingeleitet, man unterhalte „regelmäßige Kontakte“ mit den kubanischen Behörden.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

„Gefangener 88“ – Auschwitz-Überlebender Sigmund Sobolewski stirbt in Kuba

Sobolewski während eines Protests vor dem Vatikan im Jahr 1997 (Quelle: CBC)

Der polnisch-kanadische Auschwitz-Überlebende Sigmund Sobolewski ist am 7. August in einem Krankenhaus der kubanischen Stadt Bayamo im Alter von 94 Jahren verstorben. Der Gefangene mit der Nummer 88 war einer der ersten Insassen des deutschen Vernichtungslagers und langjähriger Aktivist gegen Antisemitismus und Neonazismus. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre zusammen mit seiner kubanischen Frau im Osten der Insel.

Sigmund Sobolewski wurde im Mai 1923 in der polnischen Stadt Torún geboren. 1940 wurde er im Alter von 17 Jahren mit dem ersten Zug nach Auschwitz transportiert. Er war der letzte überlebende Zeuge des Gefangenenaufstands vom 7. Oktober 1944, bei dem eine Gruppe jüdischer Gefangener ein Krematorium sprengte und versuchte zu entkommen. Als Vergeltungsmaßnahme ließen die KZ-Wächter 450 jüdische Häftlinge exekutieren. „Ich überlebte auch, weil ich so jung war“, sagte Sobolewski über seine Zeit in dem Lager.

Nach dem Krieg ließ sich Sobolewski in Kanada nieder und engagierte sich aktiv gegen Neonazis und Holocaustleugner. Unter anderem warb er für Entschädigungszahlungen der Bundesrepublik für die Überlebenden des Holocaust. Im kanadischen Fernsehen war er in den 1980er Jahren in Häftlingsuniform zu sehen, um gegen den gleichzeitigen Auftritt eines Neonazis im Fernsehen zu protestieren.

Sigmund Sobolewski starb an den Folgen einer Darm-OP im Provinzkrankenhaus von Bayamo. „Die Operation war ein Erfolg, aber die medizinischen Checks haben ergeben, dass sein Herz nicht gut funktionierte und daraufhin gab es Komplikationen“, sagte seine 1927 geborene Frau Ramona gegenüber der kubanischen Zeitung „La Demajagua„. Sobolewski hinterlässt neben seiner Frau auch drei Kinder auf Kuba.