Jeder dritte Kubaner nutzt die sozialen Netzwerke

Die Tageszeitung „Juventud Rebelde“ liefert neue Daten zum Internetzugang (Quelle: Juventud Rebelde)

Laut einem Bericht der Zeitung „Juventud Rebelde„, nutzen derzeit 3,51 Millionen Kubaner soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram. Damit ist fast jeder dritte Bewohner der Insel bereits auf einer dieser Plattformen registriert. Laut Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel nahm die Nutzung dieser Medien in den letzten Jahren um mehr als 340 Prozent zu.

Die meisten Kubaner gehen derzeit über einen der 391 WiFi-Hotspots online, bei denen eine Stunde Internet mit 1,50 CUC berechnet wird. Darüber hinaus nutzen viele den kostenlosen Internetzugang auf ihren Arbeitsplätzen, der jedoch häufig zeitlichen und technischen Limitationen unterliegt. So beschreiben Arbeiter des Biotechnologieunternehmens „Labiofarm“, dass sich die 400 Computer der Firma derzeit eine DSL 6.000 Leitung teilen, was zu Einschränkungen bei der Internetnutzung führt.

Kuba plant derzeit den Zugang zum Internet massiv auszubauen. Bis 2020 soll jeder zweite Haushalt am Netz hängen. Derzeit nutzen 3,7 von 11,4 Millionen Kubaner das Internet, was 32 Prozent der Bevölkerung entspricht. Laut einer von der Regierung in Auftrag gegebenen Studie, gibt es derzeit 4 Millionen Handynutzer auf Kuba sowie 3,51 Millionen Nutzer der sozialen Medien. Die überwiegende Mehrzahl der Kubaner nutzt ein Smartphone um online zu gehen.

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Kubas Parlament zieht Bilanz und blickt in die Zukunft

Die Sitzung des kubanischen Parlaments fand am 13./ 14. Juli in Havanna statt (Quelle: Cubadebate)

Vergangenen Freitag ging in Havanna die neunte Sitzung des kubanischen Parlaments in der aktuellen Legislatur zu Ende. Für die Abgeordneten standen von Landwirtschaft bis Internet diesmal als mehr als 80 Themen auf der Agenda, zudem wurden wichtige Beschlüsse wie das neue Gesetz zum Schutz der Binnengewässer gefasst. Traditionell werden in der letzten Sitzung vor der Sommerpause zahlreiche Themen abgearbeitet und ein Überblick über die wichtigsten Indikatoren der ersten Jahreshälfte gegeben. Diesmal wurden auch zwei zentrale Dokumente verabschiedet, die einen Ausblick auf die künftige Agenda der Regierung geben.

Allgemeine Wirtschaftsperformance

  • Kubas Wirtschaftsminister Ricardo Cabrisas gab den Abgeordneten erste Auskünfte über das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. So konnte Kubas BIP im ersten Halbjahr um 1,1 Prozent zulegen, nachdem die Wirtschaft 2016 unter anderem aufgrund zurückgehender Öllieferungen aus Venezuela um 0,9 Prozent geschrumpft war. Sektoren mit positiver Entwicklung sind derzeit unter anderem Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistungsexport und Telekommunikation. Das monetäre Gleichgewicht wurde im Verlauf des ersten Halbjahrs stabilisiert, was die Inflation dämpfen konnte.
  • Das Wirtschaftswachstum ist damit laut Cabrisas „im Rahmen der Prognosen„, was angesichts weiterbestehender Lieferengpässe bei den Energieträgern ein vorsichtiges Signal der Erholung bedeutet (laut Reuters gingen die Öllieferungen aus Venezuela im 1. Halbjahr 2017 um weitere 13 Prozent zurück).
  • Dieses Jahr ist ein umfangreiches Investitionsprogramm geplant, welches sich aus den 2015 erwirtschafteten Überschüssen sowie Staatsanleihen, welche an die Zentralbank (BCC) verkauft werden, finanziert. Im ersten Halbjahr machte das Land offenbar Fortschritte bei der Abarbeitung seiner Schuldenlast, im zweiten Halbjahr sollen Investitionen in die Nahrungsmittelindustrie in den Fokus rücken.
  • Im Laufe dieses Jahres wurden 11 neue Projekte mit ausländischem Kapital genehmigt, fünf davon in der Sonderwirtschaftszone Mariel (ZEDM). Das Gesamtvolumen beträgt 1,35 Mrd. US-Dollar.
  • Cabrisas warnte jedoch, dass ein arbeitsreiches zweites Halbjahr bevorstünde und mahnte Geduld an. Die angestauten Probleme ließen sich nicht kurzfristig lösen.

Neues Sozialismus-Konzept und Reformagenda bis 2021

Raúl Castros Rede

  • Raúl Castro ging in weiten Teilen seiner Rede auf dem Abschlussplenum vom 14. Juli auf die außenpolitische Situation Kubas ein. „Jegliche Strategie zur Zerstörung der Revolution wird scheitern„, sagte Castro gegenüber den Abgeordneten. Dabei kritisierte er den am 16. Juni angekündigten Politikwechsel unter US-Präsident Trump, den er als „Rückschritt in den bilateralen Beziehungen bezeichnete. Gleichzeitig bekräftigte er Kubas Bereitschaft zu einem respektvollen Dialog auf Augenhöhe, allerdings werde man dabei keine Prinzipien zur Verhandlung stellen.
  • Darüber hinaus bezog Castro zur Entwicklung und Neuregulierung des Privatsektors Stellung. Er bekräftigte das Bekenntnis seiner Regierung zu den mehr als 500.000 Arbeitern im Privatsektor sowie den 400 neuen Genossenschaften außerhalb der Landwirtschaft. „Wir haben weder die Entfaltung und Entwicklung der Arbeit auf eigene Rechnung aufgegeben, noch werden wir das mit den experimentellen Genossenschaften außerhalb der Landwirtschaft (CNoA) tun. Wir werden weder zurückgehen noch stehenbleiben, und auch keine Vorurteile gegenüber dem nicht-staatlichen Sektor dulden, aber es ist unumgänglich die Gesetze zu beachten, das bisher erreichte zu konsolidieren, die positiven Aspekte (welche nicht wenige sind) auszudehnen und die Gesetzesverstöße und andere Auswüchse entgegen des geltenden Rahmens zu bekämpfen, so Castro. Als Beispiel nannte er unter anderem den illegalen Erwerb von Rohstoffen, sowie mangelhafte Steuerdisziplin. Der Ministerrat hat laut Castro neue Maßnahmen zur Regulierung des Privatsektors beschlossen, die in nächster Zeit schrittweise veröffentlicht werden. Die Geschwindigkeit, mit der die Reformen voranschreiten, hänge von der  „Fähigkeit ab, die Dinge gut zu machen, erklärte Castro. Richtige Vorbereitung sei das wichtigste, um Fehler zu vermeiden. Ansonsten „entstehen all diese Fehler und wir kritisieren, was gar gar nicht kritisieren müssen.“ Als weiteres Beispiel nannte er Fälle, in denen jemand bis zu fünf Privatrestaurants in verschiedenen Provinzen besaß: „[…] woher nahm er das Geld? Wie hat er das gemacht? All diese Probleme existieren, aber wir dürfen sie nicht als Vorwand benutzen um eine richtige Entscheidung zu kritisieren.“ Castro gab die Schuld für die genannten Entwicklungen der politischen Führung und übernahm – ganz in der Tradition seines verstorbenen Bruders – auch persönlich Verantwortung.

Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel äußerte sich zum Thema Internet und Digitalisierung (Quelle: Cubadebate)

Ausbau der digitalen Infrastruktur

  • Zum ersten Mal nahm das Thema der Digitalisierung der kubanischen Gesellschaft breiten Raum auf einer Parlamentssitzung ein. Nachdem der kubanische Ministerrat im Februar 2017 eine neue Strategie zur „Informatisierung der kubanischen Gesellschaft“ verabschiedete, stand nun deren Erörterung unter den Parlamentariern an.
  • Dabei geht es um eine integrale Strategie zur Herstellung und Distribution von Computern, Tablets und Smartphones, den Ausbau der Internet und Mobilfunk-Infrastruktur sowie die Digitalisierung von Verwaltung, Bildungswesen und Wirtschaft. 
  • So schreitet der Ausbau der Internetversorgung staatlicher Institutionen offenbar gut voran. Das zuständige Ministerium gab bekannt, dass die Bandbreite der Institutionen im letzten Jahr um 72 Prozent gesteigert werden konnte. Das Land verfügt derzeit über 879 Mobilfunkmasten, davon sind 358 bereits auf 3G-Technologie umgerüstet. Derzeit gibt es auf Kuba 4,3 Millionen Handyverträge sowie rund 4 Millionen Internetnutzer. Der öffentliche Internetzugang wird hauptsächlich über die 600 Internetcafés sowie die 370 öffentlichen WiFi-Hotspots gewährleistet, während die in diesem Jahr gestartete kommerzielle Einrichtung von Privatanschlüssen nur schleppend vorankommt. Das Angebot „Nauta hogar“, welches ab 15 CUC pro Monat einen Zeittarif á 30 Stunden bietet, hat derzeit nur 600 Nutzer.
  • Nach letzten Angaben gibt es 3,3 Millionen EC-Karten auf Kuba sowie 903 Geldautomaten. Derzeit werden werden neue bargeldlose Bezahlsysteme per Smartphone-App entwickelt.
  • Auch über den Ausbau des Digitalfernsehens wurde berichtet. Die 104 Sendemasten (8 davon senden in HD-Qualität) decken bereits einen Großteil der Bevölkerung ab, allerdings wurden seit Beginn des Umstiegs im Jahr 2013 lediglich 1,28 Millionen Digitalreceiver verkauft. Die Regierung plant, in Zusammenarbeit mit den technischen Universitäten UCI und CUJAE das Angebot über die digitale Programmzeitschrift hinaus zu erweitern und neue Receiver auf Basis des Betriebssystems Android zu verkaufen. Ein Abgeordneter schlug vor, Subventionen einzuführen, so dass nach der endgültigen Abschaltung des analogen Sendebetriebs im Jahr 2021 niemand außen vor bleibt.
  • Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel machte sich in einer Rede für den Ausbau des Internets stark, da dies der wichtigste Informationskanal der Jugend sei. Dabei müsse man jedoch in die Offensive gehen: „Wir müssen in der Lage sein, die Inhalte der Revolution ins Internet zu bringen, in alle Plattformen und von allen Institutionen aus. Auf diese Weise solle der „Lawine von Pseodokultur, Banalität und vulgären Inhalten“ entgegengewirkt werden. Das Bild von einem nicht ans Internet angeschlossenen Land müsse überwunden werden. Zudem verwies er auf die wirtschaftliche Bedeutung des Internets: „Wir studieren das Wirtschaftswachstum von Ländern die am stärksten Technologien in diesem Bereich entwickelt haben, die Entwicklung der Informatisierung hat in diesen Gesellschaften zu großen Sprüngen im Bruttoinlandsprodukt geführt.“ Angesichts der alternden Bevölkerung sei die Digitalisierung und Automatisierung der Wirtschaft das Gebot der Stunde. Dabei sprach er auch Themen wie E-Government, Onlinehandel und bargeldlose Bezahlsysteme an.Wir müssen Netzplattformen entwickeln, die es dem Bürger ermöglichen mit der Regierung und ihren Institutionen zu interagieren, auf denen er die Informationen finden kann die er braucht und darüber hinaus vorschlagen, kritisieren und diskutieren kann.“ Es müsse eine Kultur der Digitalisierung und der Netzsicherheit entwickelt werden, wobei der Sicherheit Vorrang einzuräumen sei. Die 25.000 Informatiker des Landes müssten verstärkt neue Apps und Inhalte entwickeln, die Qualität der staatlichen Webseiten müsse systematisch evaluiert und verbessert werden. Díaz-Canel kritisierte, dass die viele der staatlichen Seiten unästhetisch, veraltet und fehlerhaft seien. Als positive Beispiele hob er das Bildungsportal „CubaEduca“ sowie die Online-Enzyklopädie „EcuRed“ hervor.

Das Plenum bei der Abstimmung über das neue Gesetz zum Schutz der Wasserressourcen (Quelle: Cubadebate)

Neues Gesetz zum Schutz der Wasservorkommen

  • Kuba leidet bereits seit mehreren Jahren unter einer Dürreperiode, die vor allem im Zentrum und Osten der Insel für Schwierigkeiten sorgt. Die Wasserversorgung der Insel ist vor allem auf die Speicherung von Trinkwasser in Form von Staudämmen angewiesen. Kuba verfügt derzeit über 3,58 Mrd. Kubikmeter an Wasservorkommen, was lediglich 39 Prozent der Kapazität der Stauseen entspricht. Inés María Chapman, Präsidentin des nationalen Instituts für Wasserressourcen (INRH) informierte die Abgeordneten, dass davon derzeit 1,6 Mrd. Kubikmeter durch das veraltete Leitungssystem verloren gingen. Dies zeigte sich zuletzt bei einem großen Rohrbruch in Havanna, der hunderttausende Einwohner für mehrere Tage von der Wasserversorgung abschnitt. Um dem zu begegnen, gehen bereits seit Jahren hohe Summen in die Infrastruktur. Bis Ende Mai wurden über 75 Kilometer Wasserleitungen neu verlegt, die 735.000 Personen versorgen.
  • Das neue Gesetz, an dem mehrere Kommissionen seit dem Jahr 2013 arbeiten, verankert zunächst das Grundrecht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig soll ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, mit dem das INRH seine Kapazitäten zur Überwachung und Planung der Wasservorkommen ausdehnen kann. Die Bauern werden zur rationellen Nutzung und Konservierung der Wasservorkommen auf ihrem Land angehalten, Wasserverschwendungen im gewerblichen Bereich sollen mit Bußgeldern belegt werden. Ziel des Gesetzes ist es, die Wasservorkommen der Insel zu klassifizieren und im Rahmen einer Gesamtstrategie zu pflegen, welche die möglichst rationelle Nutzung der Ressource sowie die Erneuerung der Versorgungsnetze ermöglicht.

Weiterhin schwierige Wohnraumsituation

  • Ein weiteres Tagungsthema war die extrem schwierige Wohnraumsituation. Obwohl laut dem zuständigen Minister Ramiro Valdés seit dem Jahr 1990 rund 317.000 neue Wohnungen auf staatliche Initiative hin entstanden sind, „werden die Pläne nicht erfüllt, der Wohnungsbestand verfällt weiter und die Bevölkerung ist unzufrieden„, so Valdés.
  • Derzeit verfügt Kuba über 3,81 Millionen Wohneinheiten, das Defizit ist in den letzten Jahren von rund 600.000 auf 811.000 angewachsen, da aufgrund des Verfalls viele Wohneinheiten unbrauchbar würden. Die mit Abstand größten Schwierigkeiten gibt es in Havanna, wo derzeit 206.788 Wohnungen fehlen. Auch in Holguín (Defizit von 147.659 Wohneinheiten), Santiago de Cuba (103.507) und Camagüey (71.892) ist die Lage angespannt.
  • 2017 sollen lediglich 9.700 neue Wohnungen gebaut werden, eine langfristige Strategie zur Wiederherstellung verfallener Gebäude ist auf zehn Jahre angelegt. Die Probleme des Bausektors rührten vor allem aus zu wenig Personal, mangelhafter Kontrolle und schlechtem Qualitätsmanagement.
  • 157.519 Personen haben seit 2012 einen Kredit für die Sanierung, Erweiterung oder den Neubau ihrer Wohnung erhalten, doch gebe es weiterhin starke Probleme bei der Verfügbarkeit der Baumaterialien. Die Abgeordneten empfahlen dem Ministerium, in jeder Gemeinde ein neues Geschäft für Baumaterialien speziell für die Empfänger von Subventionen zu errichten.

Weitere Themen

  • Die Abwanderung von wissenschaftlichen Fachkräften ins Ausland und andere Sektoren der Wirtschaft wurde in einer eigenen Komission analysiert. „Der Lohn ist keine Quelle der Motivation und Anerkennung für jene die sich der Wissenschaft, Technologie und Innovation widmen“, erklärte der Vizedirekter des zuständigen Ministeriums, José Fidel Santana. Er kritisierte den Rückgang des wissenschaftlichen Austauschs und von Preisverleihungen. Ein Abgeordneter aus Camagüey führte aus, dass im Biotechnologiesektor des Landes (zusammengefasst in der Unternehmensgruppe BioCubaPharma) in den letzten zwei Jahren rund 40 Prozent der Arbeitskräfte ihren Job aufgegeben hätten. Ein Maßnahmenpaket, welches eine Mittelaufstockung von 20 Mio. Pesos für den Sektor vorsieht, soll kurzfristig helfen, langfristig müsse jedoch die Verzahnung der Institutionen verbessert und das Lohnniveau angehoben werden, erklärte der Minister. Mit einem Durchschnittslohn von unter 600 Pesos (ca. 24 Euro) gehört der Bildungs- und Wissenschaftsbereich zu den am schlechtesten entlohnten Sektoren der kubanischen Wirtschaft.
  • Die Abgeordneten Beschlossen den als „Tarea vida“ bekannten Plan, mit dem sich die Insel auf den Klimawandel reagieren will. Der steigende Meeresspiegel wird langfristig an mehreren Küstenabschnitten zu Problemen führen, weshalb im Rahmen des Klimaschutzplans Neubauten in diesen Gegenden verboten werden, gleichzeitig soll mit Wiederaufforstung und Mangrovenpflanzungen entgegengewirkt werden. Der Plan umfasst fünf strategische Aufgaben, die sich hauptsächlich um die Neuordnung der Küstenlinie drehen und auf Projektionen bis ins Jahr 2100 basieren.
  • María del Carmen Concepción, Ministerin für Lebensmittelindustrie, erklärte die 2014 begonnene Erholung des Sektors. So sei in den letzten Jahren insbesondere in die Milch- und Fleischverarbeitung investiert worden. Der Abgeordnete Adisbel Calvo aus Güines kritisierte jedoch, dass beispielsweise im letzten Monat in seiner Region 1.200 Liter Frischmilch nicht zur Verarbeitung angenommen wurden, weil es angeblich keine Transportmöglichkeit gab. Eine Antwort der zuständigen Stelle steht seinen Angaben nach noch immer aus. Als weiteres Problem des Sektors wurde das Fehlen von Verpackungsmaterialien genannt. In den letzten zwei Jahren sei der Bedarf um über 330 Prozent gestiegen, nun fehlt über die Hälfte der benötigten Einheiten, weshalb bereits manche Produkte der heimischen Lebensmittelindustrie (z.B. Fruchtsäfte) aus den Läden verschwunden seien.
  • Der Schienenverkehr auf der Insel soll in den nächsten 5 bis 8 Jahren einen kräften Schub erhalten. So ist für diesen Zeitraum die Erneuerung von 1.068 km Gleisen sowie der Erwerb von 308 Passagierwaggons, 300 Schienenbussen und 75 Lokomotiven geplant. Das Projekt soll in Zusammenarbeit mit der russischen „Sinara Group“ umgesetzt werden und eine Investitionssumme von insgesamt 4 Mrd. US-Dollar umfassen und. Es wird über russische Banken finanziert.
  • Die Verfügbarkeit von Kinderspielzeug war ebenfalls kein unwichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Parlamentssitzung. Zahlreiche Abgeordnete kritisierten, dass Kinderspielzeug lediglich zu hohen Preisen in den Devisenläden erhältlich ist, zudem lasse Angebot und Qualität deutlich zu wünschen übrig. Die allermeisten Spielzeuge seien Ladenhüter, weil sie zu astronomischen Preisen die ein vielfaches der Monatslöhne betragen, angeboten würden. Funktionäre des Binnenhandelsministerium räumten die Probleme ein und versprachen an Lösungen zu arbeiten.
  • Im Laufe des ersten Halbjahrs 2017 wurden auf Kuba insgesamt 2,8 Tonnen illegaler Drogen abgefangen. Vertreter des Innenministeriums bekräftigten abermals die Null-Toleranz-Politik des Landes und hoben Kubas sensible Stellung entlang der Schmuggelrouten Mittelamerikas hervor. 78 Prozent aller landesweiten Drogendelikte wurden in Havanna gemeldet.

Bis Ende des Jahres soll Havanna über 100 WiFi-Hotspots verfügen

Bereits heute nutzen täglich hunderttausende Kubaner das Internet (Quelle: Esentialexperiences)

Wie eine Mitarbeiterin der staatlichen Telefongesellschaft ETECSA gegenüber kubanischen Medien bekannt gab, soll die Hauptstadt Havanna bis zum Ende des laufenden Jahres über insgesamt 100 WiFi-Hotspots verfügen. Es ist geplant, unter anderem die Uferpromenade „Malecón“ über mehrere Kilometer Länge mit drahtlosem Internet zu versorgen.

Seit der Eröffnung der ersten 22 WiFi-Hotspots im Sommer 2015 hat sich beim Internetausbau auf Kuba viel getan. Die Preise wurden von damals über 4 CUC auf heute 1,50 CUC pro Stunde reduziert, mittlerweile zählt die Telefongesellschaft landesweit 327 WiFi-Hotspots, davon allein 41 in Havanna womit alle Stadtteile der Hauptstadt über mindestens einen Zugangspunkt verfügen.

Mit dem angekündigten Ausbau wird sich die Anzahl der öffentlich nutzbaren Internethotspots in der Hauptstadt innerhalb weniger Monate mehr als verdoppeln.

ETECSA reduziert Preise für Mobilfunk, 38.000 private Internetanschlüsse für 2017 geplant

Mit dem „Plan Amigos“ reduzieren sich die Preise für eine Gesprächsminute für ausgewählte Nummern (Quelle: Cubadebate)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA hat ein neues Preismodell für Mobilfunkkunden eingeführt, welches die Preise für Anrufe von 0,35 auf 0,20 CUC pro Minute reduziert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, in den kommenden Monaten 38.000 neue Internetanschlüsse in Privathaushalten legen zu wollen, die Preise starten bei monatlich 15 CUC. Auch das mobile Datennetz mit 3G-Geschwindigkeit soll dieses Jahr weiter ausgebaut werden.

Mit dem „Plan Amigos“ sollen ETECSA-Kunden für Handytelefonate bis zu 40 Prozent sparen können. Im Rahmen des neuen Dienstes können Nutzer bis zu drei Nummern (mobil oder Festnetz) eintragen, für die dann lediglich 0,20 CUC pro Minute fällig werden. Zwischen 23 und 6 Uhr Morgens gilt wie bisher für alle der Nachttarif von 0,10 CUC pro Minute. Verwaltet werden kann das neue Angebot über das Handy, indem über die Wahlkombination *133# das entsprechende Menü geöffnet wird, der aktuelle Status lässt sich mittels *222*264# überprüfen. Die Aktivierung des Dienstes kostet einmalig 1 CUC, danach werden monatlich 0,50 CUC fällig. Der „Plan Amigos“ lohnt sich bereits für alle, die mehr als 4 Minuten pro Monat mit einer bestimmten Nummer telefonieren.

Preise und Geschwindigkeit für private Internetanschlüsse. Rechte Spalte: nach geplanter Preissenkung in diesem Jahr (Quelle: Cubadebate)

Nachdem die Pilotphase für private Internetnanschlüsse in Havanna vor wenigen Wochen zu Ende ging, soll das Angebot in diesem Jahr weiter ausgedehnt werden. Nach internen Umfragen waren 94 Prozent der zufällig ausgewählten Teilnehmer mit dem Dienst zufrieden. In diesem Jahr plant ETECSA, bis zu 38.000 private Internetleitungen zu aktivieren. Die Installation (inklusive Router) kostet einmalig 29 CUC, danach stehen verschiedene Tarife zur Auswahl, die ab 15 CUC pro Monat für ein Kontingent von 30 Stunden beginnen.

Für das günstigste Paket (15 CUC und 30 Stunden) bekommt der Nutzer derzeit lediglich eine DSL-Verbindung mit 128 Kbit Downstream. Im Laufe des Jahres sollen diese Verträge jedoch bei gleichem Preis auf 256 Kbit-Leitungen aufgerüstet werden. Die Kosten für die anderen Tarife werden entsprechend angepasst. Die schnellste Verbindung (2 Mbit), wird dann statt bisher 115 nur noch 70 CUC pro Monat kosten. An den maximal 30 Stunden Internetzeit pro Monat soll sich jedoch erstmal nichts ändern.

Auch das kubanische Handynetz soll weiter ausgebaut werden. UMTS-Abdeckung (3G), also eine schnelle mobile Datenverbindung, existiert derzeit nur in Havanna und einigen Provinzhauptstädten. Im Rahmen eines „Nauta„-Accounts können Nutzer in Matanzas und Villa Clara seit kurzem ihre eMails auch mit 3G-Geschwindigkeit empfangen, Havanna soll in Kürze nachziehen. Kuba verfügt derzeit über 5,32 Mio. Telefonleitungen, davon sind rund 4 Millionen Mobilfunknummern. Landesweit stehen inzwischen 1058 Handymasten, davon sind  rund 20 Prozent 3G-fähig. Sie decken über 90 Prozent des Archipels mit GSM-Netz ab.

Karte mit Netzabdeckung für Mobildaten in Kuba. Dunkelgrün: 3G (Quelle: Cubadebate)

 

Private Internetanschlüsse sollen zwischen 15 und 115 CUC pro Monat kosten

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Kubas Telefongesellschaft ETECSA bringt Internet in die Haushalte. Die Loginmaske erinnert an bereits bekannte Produkte der Firma (Quelle: Progreso Semanal)

Private Internetanschlüsse kommen bald auch nach Kuba. Nach Informationen aus Kreisen des staatlichen Internetversorgers, wird ETECSA Pakete von 30 Stunden pro Monat für Preise ab 15 CUC anbieten. Die Firma führt seit Dezember ein Pilotprojekt in der Altstadt von Havanna durch, bei dem 2.000 Haushalte einen kostenlosen Internetanschluss erhielten. Nach dem Ende der Pilotphase am 28. Februar soll es den Kunden dann offen stehen, den Internetanschluss gegen Bezahlung zu behalten.

Chinesische Technik frei Haus

Das Onlinemagazin „Progreso Semanal“ berichtete jüngst über den Verlauf des Projekts und hat hierzu mit Teilnehmern gesprochen. „In meinem Gebäude, wurde jeder, der ein Telefon hat, mit dem Internet verbunden. 15 Leute insgesamt“, sagte Ángel Castillo (37), der als Journalist und Berater für lokale Projekte arbeitet.

Die Bewohner für die Pilotphase wurden zufällig ausgewählt und leben in den Vierteln Catedral und Plaza Vieja, die sich im Herzen von Havannas Altstadt befinden. Das Gebiet wurde aufgrund seiner hohen Geschäftsaktivität und den staatlichen Einrichtungen, die ebenfalls von den in den Vorjahren extra verlegten Glasfaserleitungen profitieren, als Versuchszone für die ersten „regulären“ Heimanschlüsse ausgewählt.

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Ángel Castillo (37) zählt zu den ausgewählten Nutzern für die Pilotphase. Mit seinem DSL-Anschluss in den eigenen vier Wänden ist er einer der ersten seiner Art auf Kuba. (Quelle: Progreso Semanal)

Nach Angaben von Benutzern lässt sich jede beliebige Internetseite öffnen. Auch US-amerikanische Nachrichtenseiten sind abrufbar, ebenso wie die sozialen Netzwerke samt YouTube. Die Router stammen vom chinesischem Hersteller TP-Link und wurden ebenfalls von ETECSA gestellt. Mit ihnen lässt sich auch ein privates WiFi-Heimnetz schaffen mit dem sich mehrere Geräte gleichzeitig verbinden können. Nach Ende der kostenlosen Pilotphase lässt sich der Internetanschluss dann über einen regulären Vertrag beibehalten.

Gezahlt wird nach Geschwindigkeit

Nach Angaben von „Progreso Semanal“ sollen folgende monatliche Tarife angeboten werden, die allesamt über ein Zeitkontingent von 30 Stunden verfügen:

  • 256 Kbps: 15 CUC (= 0,5 CUC pro Stunde)
  • 512 Kbps: 50 CUC  (= 1,6 CUC pro Stunde)
  • 1 MBit: 70 CUC (= 2,3 CUC pro Stunde)
  • 2 MBit: 115 CUC (= 3,8 CUC pro Stunde)

Darüber hinaus lässt sich zu regulären Nauta-Tarifen für 1,50 CUC pro Stunde bzw. dem eigenen Nauta-Account das Zeitkontingent unbegrenzt erweitern. Auch Aufladungen aus dem Ausland sollen angeboten werden, ähnlich wie bereits heute bei den Handyverträgen.

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Technisch basieren die neuen Anschlüsse auf ADSL-Technik. Im Paket inbegriffen ist ein Router der Marke TP-Link (Quelle: Progreso Semanal)

Bisher haben auf Kuba lediglich einige Journalisten, Mediziner und andere Fachkräfte einen eigenen Internetzugang zu Hause. Deren Verbindungen basieren allerdings meist auf Modem bzw. ISDN-Technik und sind sehr langsam. Der jetzige Pilotversuch arbeitet mit Glasfaser und ADSL.

Wann die Vermarktung von privaten Internetanschlüssen auf andere Teile des Landes ausgedehnt wird, ist noch unklar. Vielerorts fehlt bislang schlichtweg die nötige Infrastruktur, um Geschwindigkeiten im DSL-Bereich anzubieten. Doch gerade in urbanen Gegenden könnte sich der Ausbau schnell als rentabel erweisen. In Zusammenarbeit mit den privaten Zimmervermietern (Casa particulares) könnte sich ETECSA im Tourismussektor leicht eine neue Einnahmequelle erschließen.

Die bisherigen Preise sind nach wie vor teuer, allerdings hat ETECSA die Preise für eine Stunde Internetzugang seit 2013 schrittweise um rund zwei Drittel gesenkt, zuletzt kurz vor Beginn des Pilotprojekts im Dezember von 2 auf 1,50 CUC. Noch vor wenigen Jahren kostete die „Surfstunde“ auf Kuba zwischen 5 und 9 CUC – bei deutlicher langsamerer Verbindung. Das niedrigste der neuen Tarifmodelle mit 256 Kbps könnte heute für einige interessant sein, da hier eine Stunde lediglich 0,5 CUC (ca. 0,47 €) kosten soll – im Unterschied zu den 1,5 CUC, welche bisher an den WiFi-Hotspots verlangt werden.


Interview mit Ángel Castillo über die neuen Internetanschlüsse.

Kubas Telekom senkt Preise für Internetzugang und startet Pilotprojekt für Privatanschlüsse

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Das Internet auf Kuba wird um 25 Prozent billiger (Quelle: Cubadebate)

Die kubanische Telekom ETECSA gab am Montag deutliche Preissenkungen für ihre Internetdienstleistungen bekannt. So reduziert sich der Preis für eine Stunde Internet ab sofort von 2 auf 1,50 CUC, was derzeit etwa 1,40 € entspricht. Der Preis für eine Stunde surfen im kubanischen Intranet wurde von 0,60 auf 0,25 CUC gesenkt. Ein Pilotprojekt für Internetanschlüsse in Privathaushalten soll in wenigen Tagen starten.

Neue Preise auch für mobile Datenpakete

Die Ankündigung kommt wenige Tage nach der Unterzeichnung eines Vertrags zwischen dem staatlichen Monopolisten mit dem US-Konzern Google. Das Abkommen sieht vor, die Geschwindigkeit von Google-Produkten durch die Zwischenspeicherung häufig genutzter Daten auf Servern in Kuba für die Endkunden zu verbessern. Bereits seit 2014 arbeitet ETECSA mit Google zusammen, der US-Konzern unterstützt bereits das kostenlose WiFi-Netz auf dem Gelände des Künstlers „Kcho“ in Havanna.

Für die Nutzer des mobilen eMail-Dienstes hat ETECSA ebenfalls Neuigkeiten parat. Für den Preis von 1,50 CUC kann der Nutzer eine „Bolsa Nauta“ erwerben, die 5 Megabyte Datenvolumen beinhaltet. Das Volumen muss innerhalb von 30 Tagen aufgebraucht werden. Außerhalb dieses Pakets berechnet ETECSA für ein Megabyte mobiles Datenvolumen weiterhin 1 CUC. Über den USSD-Code *133# kann der Nutzer sein Konto bei der Telefongesellschaft selbstständig verwalten, was vor allem das Schlange stehen vor den ausgelasteten Zweigstellen reduzieren soll.

2.000 Familien in Havanna erhalten Privatanschlüsse

Mit der jüngsten Preissenkung reagiert der staatliche Monopolist abermals auf die Kritik an den hohen Preisen des Internetzugangs auf der Insel. Die letzte Preissenkung fand im Juli 2015 statt, damals wurde der Preis für eine Stunde Internet von 2,25 auf 2 CUC reduziert. ETECSA unterhält derzeit 237 öffentliche WiFi-Netze auf der Insel, allein in Havanna gibt es 34 Zugangspunkte. Viele Kubaner nutzen das Internet mit Hilfe ihrer Smartphones, unter anderem um mit Familie und Freunden aus dem Ausland in Kontakt zu bleiben.

Die meisten der WiFi-Netze befinden sich jedoch an schlecht bis gar nicht überdachten Räumen wie Parks oder entlang großer Straßen. Das führt dazu, dass der Zugang zum Internet verhältnismäßig Witterungsabhängig ist und das Diebstahlrisiko erhöht ist. Eigentlich wollte ETECSA bis Ende 2014 mit der Verlegung von Internetanschlüssen für Privathaushalte beginnen. Bisher ist Internet zu Hause nur für wenige Personengruppen wie Ärzte oder Journalisten verfügbar – und auch dann mehr schlecht als recht, was die Geschwindigkeit betrifft.

Nun gab ETECSA bekannt, dass in den kommenden Tagen die ersten Bewohner Havannas im Rahmen eines Pilotprojekts über eigene ADSL-Anschlüsse zu Hause verfügen werden. Im Rahmen des Projekts werden entsprechende Ausrüstungen an 2.000 Haushalte in Havannas Altstadt verteilt. Der Testlauf soll zwei Monate dauern, danach wird evaluiert, wie die Privatanschlüsse auf die gesamte Insel ausgedehnt werden können. Zeitplan, Preise und Modalitäten stehen indes noch nicht fest.

Google verbessert Internet auf Kuba

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Googles CEO Eric Schmidt (links) und ETECSA-Präsidentin Mayra Arevich bei der Unterzeichnung des Abkommens am 12. Dezember in Havanna (Quelle: Granma)

Kubas staatliche Telekommunikationsgesellschaft ETECSA und der US-Konzern Google haben am Montag in Havanna ein Abkommen zur Verbesserung des Internetzugangs auf der Insel unterzeichnet. Kuba erhält im Rahmen des Vertrags Zugang zu Googles „Global Cache“, womit sich die Zugriffszeit für Angebote wie Google Suche, YouTube oder Gmail deutlich verkürzen soll.

Bereits seit einigen Tagen zirkulieren Gerüchte über ein mögliches Abkommen, kurz nach der Unterzeichnung am Montag Vormittag berichtete die „Granma“ bereits darüber. Googles CEO Eric Schmidt ließ es sich nicht nehmen, die Papiere persönlich zu unterzeichnen. „Das Abkommen ermöglicht es ETECSA, eine höhere Geschwindigkeit und Qualität der Dienste anzubieten und die eigenen Kapazitäten im globalen Netz zu optimieren“, berichtet das Webportal „Cubadebate“ über den Inhalt des neuen Vertrags mit Google.

Bei der Nutzung von Google-Produkten auf Kuba, welche etwa 20 bis 40 Prozent des weltweiten Traffics ausmachen, soll es ab sofort zu großen Geschwindigkeitsverbesserungen kommen. Anfragen bei Google-Produkten werden über den „Google Cache“ an den nächstgelegenen Server weitergeleitet, was die Antwortzeit erheblich reduzieren soll. Offenbar unterhält Google in diesem Rahmen ein eigenes Serverzentrum auf Kuba, bei dem die häufig genutzten Daten zwischengespeichert werden.

Die meisten Länder profitieren mittlerweile von dieser Optimierung, welche Google in der Regel zu guten Konditionen anbietet um seine eigenen Dienste bekannter zu machen. Bereits seit 2014 arbeitet Google mit der kubanischen Regierung zusammen und hat seine Produkte trotz bestehender Blockade seitens der US-Regierung schrittweise den kubanischen Benutzern geöffnet. So sind inzwischen der Android App-Store, der Chrome-Store sowie praktisch alle anderen Google-Dienste auf Kuba verfügbar.

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„Google +Kcho“ – freies Internet auf dem Atelier des Künstlers (Quelle: Trabajadores)

Im März dieses Jahres eröffnete Google auf dem Ateliergelände des kubanischen Künstlers „Kcho“ ein „Technologiecenter“ bei dem zusätzlich zum WiFi auch über 20 Chromebooks kostenlos im Netz gesurft werden kann. Bereits 2013 startete der Künstler in seinem Atelier im Barrio „Romerillo“ (Stadtteil Playa) den ersten kostenlosen WiFi-Hotspot Kubas. Mit Unterstützung von Google konnte sich das Angebot in den letzten Monaten weiter verbessern.

Eine Offerte von Google, die kubanische Internetinfrastruktur umfassend und kostenlos auszubauen, schlug man in Havanna bisher aus. Die Unterzeichnung des jetzigen Abkommens fällt jedoch in eine Reihe von neuen Verträgen, die offenbar kurz vor Amtsantritt des designierten US-Präsidenten Trump noch in trockene Tücher gepackt werden sollten. Trump kündigte an, die Lockerungen der Wirtschaftssanktionen von Präsident Obama rückgängig machen zu wollen, sollte Kuba keinen „besseren Deal“ anbieten.

Kubanische und US-amerikanische Wirtschaftsvertreter bemühten sich deshalb in den letzten Wochen Fakten zu schaffen, um die jetzige Politik der Normalisierung irreversibel zu machen. So schloss Kuba vor kurzem ebenfalls einen Vertrag mit General Electric über den Bau eines Wasserkraftwerks und auch zwei neue US-Kreuzfahrtlinien werden in Zukunft Kubas Häfen ansteuern.

Der jetzige Deal mit Google dürfte jedoch das bis dato prominenteste und symbolträchtigste Beispiel für die neuen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kuba und den USA sein. Nur durch eine im vergangenen Jahr von US-Präsident Obama per Dekret geschaffene Ausnahme ist es amerikanischen IT-Unternehmen erlaubt, Geschäfte mit der sozialistischen Regierung zu machen. Andere Sektoren der US-Wirtschaft bleiben von derartigen Verträgen nach wie vor ausgeschlossen.

Die Kubaner begrüßen indes die Kooperation mit Google. Die Reaktionen und Kommentare auf kubanischen Nachrichtenportalen fielen äußerst positiv aus. Mit umgerechnet rund 2 € pro Stunde ist das Internet auf Kuba eines der teuersten der Welt, die gebotene Geschwindigkeit lässt dabei zu wünschen übrig und erreicht selten DSL 2.000 Niveau. Das Streaming von YouTube-Videos ist so bisher praktisch unmöglich.

Jahrelang war Kuba aufgrund des US-Embargos nur über Satellitenschüsseln mit dem weltweiten Netz verbunden, erst im Januar 2013 konnte ein Unterseekabel aus Venezuela in Betrieb gehen. Nach wie vor fehlt die nötige Infrastruktur, um dessen Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können. Bis heute gibt es kaum Privatanschlüsse auf der Insel, der Zugang zum Internet erfolgt meist innerhalb staatlicher Institutionen sowie über öffentliche WiFi-Hotspots. Nach den Plänen der Regierung soll bis 2020 jeder zweite kubanische Haushalt über einen Internetanschluss verfügen. „Gute Neuigkeiten! Ich hoffe das ist erst der Anfang der Zusammenarbeit mit Google“, kommentierte ein Nutzer auf „Cubadebate.“