Bis Ende des Jahres soll Havanna über 100 WiFi-Hotspots verfügen

Bereits heute nutzen täglich hunderttausende Kubaner das Internet (Quelle: Esentialexperiences)

Wie eine Mitarbeiterin der staatlichen Telefongesellschaft ETECSA gegenüber kubanischen Medien bekannt gab, soll die Hauptstadt Havanna bis zum Ende des laufenden Jahres über insgesamt 100 WiFi-Hotspots verfügen. Es ist geplant, unter anderem die Uferpromenade „Malecón“ über mehrere Kilometer Länge mit drahtlosem Internet zu versorgen.

Seit der Eröffnung der ersten 22 WiFi-Hotspots im Sommer 2015 hat sich beim Internetausbau auf Kuba viel getan. Die Preise wurden von damals über 4 CUC auf heute 1,50 CUC pro Stunde reduziert, mittlerweile zählt die Telefongesellschaft landesweit 327 WiFi-Hotspots, davon allein 41 in Havanna womit alle Stadtteile der Hauptstadt über mindestens einen Zugangspunkt verfügen.

Mit dem angekündigten Ausbau wird sich die Anzahl der öffentlich nutzbaren Internethotspots in der Hauptstadt innerhalb weniger Monate mehr als verdoppeln.

Advertisements

ETECSA reduziert Preise für Mobilfunk, 38.000 private Internetanschlüsse für 2017 geplant

Mit dem „Plan Amigos“ reduzieren sich die Preise für eine Gesprächsminute für ausgewählte Nummern (Quelle: Cubadebate)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA hat ein neues Preismodell für Mobilfunkkunden eingeführt, welches die Preise für Anrufe von 0,35 auf 0,20 CUC pro Minute reduziert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, in den kommenden Monaten 38.000 neue Internetanschlüsse in Privathaushalten legen zu wollen, die Preise starten bei monatlich 15 CUC. Auch das mobile Datennetz mit 3G-Geschwindigkeit soll dieses Jahr weiter ausgebaut werden.

Mit dem „Plan Amigos“ sollen ETECSA-Kunden für Handytelefonate bis zu 40 Prozent sparen können. Im Rahmen des neuen Dienstes können Nutzer bis zu drei Nummern (mobil oder Festnetz) eintragen, für die dann lediglich 0,20 CUC pro Minute fällig werden. Zwischen 23 und 6 Uhr Morgens gilt wie bisher für alle der Nachttarif von 0,10 CUC pro Minute. Verwaltet werden kann das neue Angebot über das Handy, indem über die Wahlkombination *133# das entsprechende Menü geöffnet wird, der aktuelle Status lässt sich mittels *222*264# überprüfen. Die Aktivierung des Dienstes kostet einmalig 1 CUC, danach werden monatlich 0,50 CUC fällig. Der „Plan Amigos“ lohnt sich bereits für alle, die mehr als 4 Minuten pro Monat mit einer bestimmten Nummer telefonieren.

Preise und Geschwindigkeit für private Internetanschlüsse. Rechte Spalte: nach geplanter Preissenkung in diesem Jahr (Quelle: Cubadebate)

Nachdem die Pilotphase für private Internetnanschlüsse in Havanna vor wenigen Wochen zu Ende ging, soll das Angebot in diesem Jahr weiter ausgedehnt werden. Nach internen Umfragen waren 94 Prozent der zufällig ausgewählten Teilnehmer mit dem Dienst zufrieden. In diesem Jahr plant ETECSA, bis zu 38.000 private Internetleitungen zu aktivieren. Die Installation (inklusive Router) kostet einmalig 29 CUC, danach stehen verschiedene Tarife zur Auswahl, die ab 15 CUC pro Monat für ein Kontingent von 30 Stunden beginnen.

Für das günstigste Paket (15 CUC und 30 Stunden) bekommt der Nutzer derzeit lediglich eine DSL-Verbindung mit 128 Kbit Downstream. Im Laufe des Jahres sollen diese Verträge jedoch bei gleichem Preis auf 256 Kbit-Leitungen aufgerüstet werden. Die Kosten für die anderen Tarife werden entsprechend angepasst. Die schnellste Verbindung (2 Mbit), wird dann statt bisher 115 nur noch 70 CUC pro Monat kosten. An den maximal 30 Stunden Internetzeit pro Monat soll sich jedoch erstmal nichts ändern.

Auch das kubanische Handynetz soll weiter ausgebaut werden. UMTS-Abdeckung (3G), also eine schnelle mobile Datenverbindung, existiert derzeit nur in Havanna und einigen Provinzhauptstädten. Im Rahmen eines „Nauta„-Accounts können Nutzer in Matanzas und Villa Clara seit kurzem ihre eMails auch mit 3G-Geschwindigkeit empfangen, Havanna soll in Kürze nachziehen. Kuba verfügt derzeit über 5,32 Mio. Telefonleitungen, davon sind rund 4 Millionen Mobilfunknummern. Landesweit stehen inzwischen 1058 Handymasten, davon sind  rund 20 Prozent 3G-fähig. Sie decken über 90 Prozent des Archipels mit GSM-Netz ab.

Karte mit Netzabdeckung für Mobildaten in Kuba. Dunkelgrün: 3G (Quelle: Cubadebate)

 

Private Internetanschlüsse sollen zwischen 15 und 115 CUC pro Monat kosten

dsc_4989-e1484088278500

Kubas Telefongesellschaft ETECSA bringt Internet in die Haushalte. Die Loginmaske erinnert an bereits bekannte Produkte der Firma (Quelle: Progreso Semanal)

Private Internetanschlüsse kommen bald auch nach Kuba. Nach Informationen aus Kreisen des staatlichen Internetversorgers, wird ETECSA Pakete von 30 Stunden pro Monat für Preise ab 15 CUC anbieten. Die Firma führt seit Dezember ein Pilotprojekt in der Altstadt von Havanna durch, bei dem 2.000 Haushalte einen kostenlosen Internetanschluss erhielten. Nach dem Ende der Pilotphase am 28. Februar soll es den Kunden dann offen stehen, den Internetanschluss gegen Bezahlung zu behalten.

Chinesische Technik frei Haus

Das Onlinemagazin „Progreso Semanal“ berichtete jüngst über den Verlauf des Projekts und hat hierzu mit Teilnehmern gesprochen. „In meinem Gebäude, wurde jeder, der ein Telefon hat, mit dem Internet verbunden. 15 Leute insgesamt“, sagte Ángel Castillo (37), der als Journalist und Berater für lokale Projekte arbeitet.

Die Bewohner für die Pilotphase wurden zufällig ausgewählt und leben in den Vierteln Catedral und Plaza Vieja, die sich im Herzen von Havannas Altstadt befinden. Das Gebiet wurde aufgrund seiner hohen Geschäftsaktivität und den staatlichen Einrichtungen, die ebenfalls von den in den Vorjahren extra verlegten Glasfaserleitungen profitieren, als Versuchszone für die ersten „regulären“ Heimanschlüsse ausgewählt.

portada-1-e1484087604656

Ángel Castillo (37) zählt zu den ausgewählten Nutzern für die Pilotphase. Mit seinem DSL-Anschluss in den eigenen vier Wänden ist er einer der ersten seiner Art auf Kuba. (Quelle: Progreso Semanal)

Nach Angaben von Benutzern lässt sich jede beliebige Internetseite öffnen. Auch US-amerikanische Nachrichtenseiten sind abrufbar, ebenso wie die sozialen Netzwerke samt YouTube. Die Router stammen vom chinesischem Hersteller TP-Link und wurden ebenfalls von ETECSA gestellt. Mit ihnen lässt sich auch ein privates WiFi-Heimnetz schaffen mit dem sich mehrere Geräte gleichzeitig verbinden können. Nach Ende der kostenlosen Pilotphase lässt sich der Internetanschluss dann über einen regulären Vertrag beibehalten.

Gezahlt wird nach Geschwindigkeit

Nach Angaben von „Progreso Semanal“ sollen folgende monatliche Tarife angeboten werden, die allesamt über ein Zeitkontingent von 30 Stunden verfügen:

  • 256 Kbps: 15 CUC (= 0,5 CUC pro Stunde)
  • 512 Kbps: 50 CUC  (= 1,6 CUC pro Stunde)
  • 1 MBit: 70 CUC (= 2,3 CUC pro Stunde)
  • 2 MBit: 115 CUC (= 3,8 CUC pro Stunde)

Darüber hinaus lässt sich zu regulären Nauta-Tarifen für 1,50 CUC pro Stunde bzw. dem eigenen Nauta-Account das Zeitkontingent unbegrenzt erweitern. Auch Aufladungen aus dem Ausland sollen angeboten werden, ähnlich wie bereits heute bei den Handyverträgen.

dsc_4980-e1484087902118

Technisch basieren die neuen Anschlüsse auf ADSL-Technik. Im Paket inbegriffen ist ein Router der Marke TP-Link (Quelle: Progreso Semanal)

Bisher haben auf Kuba lediglich einige Journalisten, Mediziner und andere Fachkräfte einen eigenen Internetzugang zu Hause. Deren Verbindungen basieren allerdings meist auf Modem bzw. ISDN-Technik und sind sehr langsam. Der jetzige Pilotversuch arbeitet mit Glasfaser und ADSL.

Wann die Vermarktung von privaten Internetanschlüssen auf andere Teile des Landes ausgedehnt wird, ist noch unklar. Vielerorts fehlt bislang schlichtweg die nötige Infrastruktur, um Geschwindigkeiten im DSL-Bereich anzubieten. Doch gerade in urbanen Gegenden könnte sich der Ausbau schnell als rentabel erweisen. In Zusammenarbeit mit den privaten Zimmervermietern (Casa particulares) könnte sich ETECSA im Tourismussektor leicht eine neue Einnahmequelle erschließen.

Die bisherigen Preise sind nach wie vor teuer, allerdings hat ETECSA die Preise für eine Stunde Internetzugang seit 2013 schrittweise um rund zwei Drittel gesenkt, zuletzt kurz vor Beginn des Pilotprojekts im Dezember von 2 auf 1,50 CUC. Noch vor wenigen Jahren kostete die „Surfstunde“ auf Kuba zwischen 5 und 9 CUC – bei deutlicher langsamerer Verbindung. Das niedrigste der neuen Tarifmodelle mit 256 Kbps könnte heute für einige interessant sein, da hier eine Stunde lediglich 0,5 CUC (ca. 0,47 €) kosten soll – im Unterschied zu den 1,5 CUC, welche bisher an den WiFi-Hotspots verlangt werden.


Interview mit Ángel Castillo über die neuen Internetanschlüsse.

Kubas Telekom senkt Preise für Internetzugang und startet Pilotprojekt für Privatanschlüsse

etecsa-servicio-nauta

Das Internet auf Kuba wird um 25 Prozent billiger (Quelle: Cubadebate)

Die kubanische Telekom ETECSA gab am Montag deutliche Preissenkungen für ihre Internetdienstleistungen bekannt. So reduziert sich der Preis für eine Stunde Internet ab sofort von 2 auf 1,50 CUC, was derzeit etwa 1,40 € entspricht. Der Preis für eine Stunde surfen im kubanischen Intranet wurde von 0,60 auf 0,25 CUC gesenkt. Ein Pilotprojekt für Internetanschlüsse in Privathaushalten soll in wenigen Tagen starten.

Neue Preise auch für mobile Datenpakete

Die Ankündigung kommt wenige Tage nach der Unterzeichnung eines Vertrags zwischen dem staatlichen Monopolisten mit dem US-Konzern Google. Das Abkommen sieht vor, die Geschwindigkeit von Google-Produkten durch die Zwischenspeicherung häufig genutzter Daten auf Servern in Kuba für die Endkunden zu verbessern. Bereits seit 2014 arbeitet ETECSA mit Google zusammen, der US-Konzern unterstützt bereits das kostenlose WiFi-Netz auf dem Gelände des Künstlers „Kcho“ in Havanna.

Für die Nutzer des mobilen eMail-Dienstes hat ETECSA ebenfalls Neuigkeiten parat. Für den Preis von 1,50 CUC kann der Nutzer eine „Bolsa Nauta“ erwerben, die 5 Megabyte Datenvolumen beinhaltet. Das Volumen muss innerhalb von 30 Tagen aufgebraucht werden. Außerhalb dieses Pakets berechnet ETECSA für ein Megabyte mobiles Datenvolumen weiterhin 1 CUC. Über den USSD-Code *133# kann der Nutzer sein Konto bei der Telefongesellschaft selbstständig verwalten, was vor allem das Schlange stehen vor den ausgelasteten Zweigstellen reduzieren soll.

2.000 Familien in Havanna erhalten Privatanschlüsse

Mit der jüngsten Preissenkung reagiert der staatliche Monopolist abermals auf die Kritik an den hohen Preisen des Internetzugangs auf der Insel. Die letzte Preissenkung fand im Juli 2015 statt, damals wurde der Preis für eine Stunde Internet von 2,25 auf 2 CUC reduziert. ETECSA unterhält derzeit 237 öffentliche WiFi-Netze auf der Insel, allein in Havanna gibt es 34 Zugangspunkte. Viele Kubaner nutzen das Internet mit Hilfe ihrer Smartphones, unter anderem um mit Familie und Freunden aus dem Ausland in Kontakt zu bleiben.

Die meisten der WiFi-Netze befinden sich jedoch an schlecht bis gar nicht überdachten Räumen wie Parks oder entlang großer Straßen. Das führt dazu, dass der Zugang zum Internet verhältnismäßig Witterungsabhängig ist und das Diebstahlrisiko erhöht ist. Eigentlich wollte ETECSA bis Ende 2014 mit der Verlegung von Internetanschlüssen für Privathaushalte beginnen. Bisher ist Internet zu Hause nur für wenige Personengruppen wie Ärzte oder Journalisten verfügbar – und auch dann mehr schlecht als recht, was die Geschwindigkeit betrifft.

Nun gab ETECSA bekannt, dass in den kommenden Tagen die ersten Bewohner Havannas im Rahmen eines Pilotprojekts über eigene ADSL-Anschlüsse zu Hause verfügen werden. Im Rahmen des Projekts werden entsprechende Ausrüstungen an 2.000 Haushalte in Havannas Altstadt verteilt. Der Testlauf soll zwei Monate dauern, danach wird evaluiert, wie die Privatanschlüsse auf die gesamte Insel ausgedehnt werden können. Zeitplan, Preise und Modalitäten stehen indes noch nicht fest.

Google verbessert Internet auf Kuba

f0075223

Googles CEO Eric Schmidt (links) und ETECSA-Präsidentin Mayra Arevich bei der Unterzeichnung des Abkommens am 12. Dezember in Havanna (Quelle: Granma)

Kubas staatliche Telekommunikationsgesellschaft ETECSA und der US-Konzern Google haben am Montag in Havanna ein Abkommen zur Verbesserung des Internetzugangs auf der Insel unterzeichnet. Kuba erhält im Rahmen des Vertrags Zugang zu Googles „Global Cache“, womit sich die Zugriffszeit für Angebote wie Google Suche, YouTube oder Gmail deutlich verkürzen soll.

Bereits seit einigen Tagen zirkulieren Gerüchte über ein mögliches Abkommen, kurz nach der Unterzeichnung am Montag Vormittag berichtete die „Granma“ bereits darüber. Googles CEO Eric Schmidt ließ es sich nicht nehmen, die Papiere persönlich zu unterzeichnen. „Das Abkommen ermöglicht es ETECSA, eine höhere Geschwindigkeit und Qualität der Dienste anzubieten und die eigenen Kapazitäten im globalen Netz zu optimieren“, berichtet das Webportal „Cubadebate“ über den Inhalt des neuen Vertrags mit Google.

Bei der Nutzung von Google-Produkten auf Kuba, welche etwa 20 bis 40 Prozent des weltweiten Traffics ausmachen, soll es ab sofort zu großen Geschwindigkeitsverbesserungen kommen. Anfragen bei Google-Produkten werden über den „Google Cache“ an den nächstgelegenen Server weitergeleitet, was die Antwortzeit erheblich reduzieren soll. Offenbar unterhält Google in diesem Rahmen ein eigenes Serverzentrum auf Kuba, bei dem die häufig genutzten Daten zwischengespeichert werden.

Die meisten Länder profitieren mittlerweile von dieser Optimierung, welche Google in der Regel zu guten Konditionen anbietet um seine eigenen Dienste bekannter zu machen. Bereits seit 2014 arbeitet Google mit der kubanischen Regierung zusammen und hat seine Produkte trotz bestehender Blockade seitens der US-Regierung schrittweise den kubanischen Benutzern geöffnet. So sind inzwischen der Android App-Store, der Chrome-Store sowie praktisch alle anderen Google-Dienste auf Kuba verfügbar.

rpkcho04

„Google +Kcho“ – freies Internet auf dem Atelier des Künstlers (Quelle: Trabajadores)

Im März dieses Jahres eröffnete Google auf dem Ateliergelände des kubanischen Künstlers „Kcho“ ein „Technologiecenter“ bei dem zusätzlich zum WiFi auch über 20 Chromebooks kostenlos im Netz gesurft werden kann. Bereits 2013 startete der Künstler in seinem Atelier im Barrio „Romerillo“ (Stadtteil Playa) den ersten kostenlosen WiFi-Hotspot Kubas. Mit Unterstützung von Google konnte sich das Angebot in den letzten Monaten weiter verbessern.

Eine Offerte von Google, die kubanische Internetinfrastruktur umfassend und kostenlos auszubauen, schlug man in Havanna bisher aus. Die Unterzeichnung des jetzigen Abkommens fällt jedoch in eine Reihe von neuen Verträgen, die offenbar kurz vor Amtsantritt des designierten US-Präsidenten Trump noch in trockene Tücher gepackt werden sollten. Trump kündigte an, die Lockerungen der Wirtschaftssanktionen von Präsident Obama rückgängig machen zu wollen, sollte Kuba keinen „besseren Deal“ anbieten.

Kubanische und US-amerikanische Wirtschaftsvertreter bemühten sich deshalb in den letzten Wochen Fakten zu schaffen, um die jetzige Politik der Normalisierung irreversibel zu machen. So schloss Kuba vor kurzem ebenfalls einen Vertrag mit General Electric über den Bau eines Wasserkraftwerks und auch zwei neue US-Kreuzfahrtlinien werden in Zukunft Kubas Häfen ansteuern.

Der jetzige Deal mit Google dürfte jedoch das bis dato prominenteste und symbolträchtigste Beispiel für die neuen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Kuba und den USA sein. Nur durch eine im vergangenen Jahr von US-Präsident Obama per Dekret geschaffene Ausnahme ist es amerikanischen IT-Unternehmen erlaubt, Geschäfte mit der sozialistischen Regierung zu machen. Andere Sektoren der US-Wirtschaft bleiben von derartigen Verträgen nach wie vor ausgeschlossen.

Die Kubaner begrüßen indes die Kooperation mit Google. Die Reaktionen und Kommentare auf kubanischen Nachrichtenportalen fielen äußerst positiv aus. Mit umgerechnet rund 2 € pro Stunde ist das Internet auf Kuba eines der teuersten der Welt, die gebotene Geschwindigkeit lässt dabei zu wünschen übrig und erreicht selten DSL 2.000 Niveau. Das Streaming von YouTube-Videos ist so bisher praktisch unmöglich.

Jahrelang war Kuba aufgrund des US-Embargos nur über Satellitenschüsseln mit dem weltweiten Netz verbunden, erst im Januar 2013 konnte ein Unterseekabel aus Venezuela in Betrieb gehen. Nach wie vor fehlt die nötige Infrastruktur, um dessen Möglichkeiten voll ausschöpfen zu können. Bis heute gibt es kaum Privatanschlüsse auf der Insel, der Zugang zum Internet erfolgt meist innerhalb staatlicher Institutionen sowie über öffentliche WiFi-Hotspots. Nach den Plänen der Regierung soll bis 2020 jeder zweite kubanische Haushalt über einen Internetanschluss verfügen. „Gute Neuigkeiten! Ich hoffe das ist erst der Anfang der Zusammenarbeit mit Google“, kommentierte ein Nutzer auf „Cubadebate.“

Wie frei ist das Internet in Kuba?

Immer wieder wird in den internationalen Medien über Internetzensur in Kuba berichtet. Nach Ansicht vieler US-amerikanischer Politikinstitute ist das Internet in Kuba in höchstem Maße unfrei. In einem von der neoliberalen Stiftung „Freedom House“ erstellten Index über die Freiheit des Internets wird Kuba mit 84 von 100 Punkten (bei dem 0 die bestmögliche Bewertung darstellt) ein überaus schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die internationalen Medien schlagen in die selbe Kerbe, Begriffe wie Zensur, Abschottung und Gängelung prägen die Terminologie in Bezug auf die Internetpolitik der kubanischen Regierung. Doch wie ist es auf der sozialistischen Insel tatsächlich um die Freiheit des Internets bestellt?

„Frei“ in welchem Sinne?

Wenn man sich mit der Freiheit des Internets in einem Land beschäftigen will, muss zunächst einmal die Definition von „frei“ geklärt werden. Reden wir von „frei“ im Sinne von für jeden verfügbar und erschwinglich? Oder von „frei“ im Sinne von unzensiertem Zugang zu jeder Seite im World-Wide-Web? Gehen wir von der erstgenannten Definition aus, so müssen wir den Kritikern teilweise recht geben. Obwohl sich in den letzten Jahren viel bei der Preisgestaltung verbessert hat, ist das Internet mit Kosten von 2 US$ pro Stunde für die meisten Kubaner noch immer unerschwinglich. Abgesehen von Zugängen am Arbeitsplatz und in der Universität bleibt das weltweite Netz in Kuba noch immer ein Luxusprodukt. Die Preisgestaltung allein würde Kuba jedoch noch kein so schlechtes Zeugnis beim „Freedom House“ bescheren, die meiste Kritik reicht weiter. In diesem Artikel soll daher die zweite Definition von „frei“ untersucht werden: Frei im Sinne von unzensiert.

Nach gängiger Lesart handelt es sich beim politischen System Kubas um eine autoritäre Diktatur, die danach trachtet, oppositionelle Meinungen auch in digitaler Form zu unterdrücken. Als Beispiel wird dafür oftmals die Bloggerin Yoani Sánchez angeführt, die seit 2007 mit ihrer Seite „Generación Y“ (und neuerdings auch mit einer eigenen Nachrichtenwebseite) die kubanische Revolution scharf kritisiert. Immer wieder wird in diesem Kontext von westlichen Medien darauf hingewiesen, dass die Regierung Blogger systematisch unterdrücke, deren Webseiten zensiere und die Bevölkerung von internationalen Medien abschotte. Diese Vorwürfe wiegen schwer, doch in welchem Ausmaß findet Internetzensur in Kuba tatsächlich statt?

Welche Seiten sind gesperrt?

Im Rahmen dieses Artikels wurden systematische Recherchen durchgeführt. Es wurden verschiedene Webseiten der Opposition an verschiedenen Orten der Insel aufgerufen. Alle Verbindungen fanden über das WiFi-Netz der staatlichen Telefongesellschaft ETECSA statt, welches den meistgenutzten öffentlichen Internetzugang in Kuba darstellt. Trotz der relativ hohen Kosten sieht man viele Kubaner über diesen Weg im Netz surfen. Im Dezember 2015 wurden an verschiedenen Tagen Stichproben in den Orten Havanna, Matanzas und Nueva Gerona erhoben. Abgesehen von der Verbindungsqualität, die hier kein Kriterium ist, ließen sich keine zeitlichen oder regionalen Abweichungen feststellen.

Die Resultate sind aufschlussreich: während die Webseite von Yoani Sánchez blockiert ist, lässt sich über das staatliche WiFi-Netz auf praktisch jede andere kritische bis oppositionelle Webseite zugreifen. Zu den als abrufbar verifizierten Seiten zählen: Diario de Cuba, Cartasdesdecuba, Cubanet, Cafefuerte, Havana Times sowie die spanische Webseite der Oppositionsgruppe „Damas de Blanco“. Auch die dem kubanischen Exil nahestehenden Zeitungen Miami Herald, El Nuevo Herald waren ohne Einschränkungen in spanischer und englischer Sprache abrufbar, während Martí Noticias gesperrt war. Zudem gab es keinerlei Schwierigkeiten beim abrufen internationaler Nachrichten in verschiedenen Sprachen. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und YouTube sowie die Webseiten von BBC, The New York Times, The Economist und El País waren zu keinem Zeitpunkt der Untersuchung blockiert. Auch Suchergebnisse nach regierungskritischen Inhalten ließen sich ohne Probleme aufrufen, genauso wie die spanische Version der Wikipedia. Auch zu kritischen Fragen wie Korruption in Kuba oder Gerüchten über die Castro-Familie konnte ohne Probleme auf spanisch recherchiert werden – ausländische Webseiten, die sich mit diesen kontroversen Themen befassen, waren stets abrufbar.

Dennoch gilt es einige Einschränkungen zu machen. Da Pornographie in Kuba offiziell verboten ist, sind pornographische Websites von Kuba aus grundsätzlich nicht abrufbar. Auch die Internetpräsenz des privaten Kleinanzeigenportals „Revolico“ ist gesperrt. Die Seiten der Konkurrenten, „Cubisima“ und „Porlalivre“ lassen sich jedoch paradoxerweise ohne Probleme aufrufen.

Die digitale Blockade – made in USA

InternetArt1

„We’re Sorry“ – Chiphersteller Intel darf keine Treiber in Kuba anbieten (Quelle: eigene Aufnahme)

Während von staatlicher Seite offenbar nur wenige Inhalte blockiert sind, lässt sich beim surfen in Kuba noch eine ganz andere Beobachtung machen, die einige Fragen mit Blick auf die USA aufwirft. Sucht man von Kuba aus nach Produkten US-amerikanischer Softwarehersteller, offenbart sich schnell die digitale Dimension der Wirtschaftsblockade gegen die Insel. Versucht man beispielsweise einen beliebigen Treiber von der offiziellen Seite des Chipherstellers Intel herunterzuladen, erhält man statt des Downloads folgende Meldung:

„Your request has been denied because we have reason to believe that you are located in a country subject to US export restrictions. We apologize that we are unable to provide the software, services and technology download you have requested at this time. Intel Corporation is a U.S. company, and as such is subject to the U.S. Export Administration Regulations, and implementing U.S. rules as well as various regulations promulgated by the Department of Treasury regarding transactions with certain countries.“

Auch beim Download der Java-Runtime, die zur Ausführung einiger Programme erforderlich ist, heißt es übersetzt: „In Übereinstimmung mit den US-Exportbestimmungen sind wir nicht in der Lage, mit Ihrer Anfrage fortzufahren.“ Anstatt Updates für das Betriebssystem MacOS X erhält der Nutzer in Kuba lediglich eine kryptische Fehlermeldung, die ebenfalls auf US-Gesetze verweist. Software aus den Vereinigten Staaten kann trotz einiger Lockerungen der Blockade noch immer nicht legal in Kuba bezogen werden. Staatlichen wie privaten PC-Administratoren bleibt daher nichts anderes übrig, als Raubkopien zu verwenden um ihre Rechner aktuell zu halten. Doch selbst bei kostenlosen Inhalten machen sich die US-Exportbestimmungen in Kuba bemerkbar, weshalb man auf offiziellen Herstellerseiten und bei programminternen Aktualisierungen meist scheitert.

Der Umweg über Drittwebsites und illegale Downloads stellt dabei eine erhebliche Belastung für die kubanische Wirtschaft dar. Selbst wenn eine Firma mit aktuellen Windows-PCs ausgestattet ist, so gleicht die Treibersuche im Netz aufgrund des Embargos oftmals dem manövrieren durch ein Minenfeld – hinter jeder Ecke könnte wieder eine Blockade auftauchen, weshalb man nicht ohne gewisse Kniffe an sein Ziel kommt. Hinzu kommt, dass kubanische Nutzer vom Onlinehandel komplett ausgeschlossen bleiben, da PayPal in Kuba – mit Verweis auf geltende US-Gesetze – ebenfalls blockiert ist. Nutzer auf eBay dürfen bis heute weder kubanische Produkte vermarkten, noch nach Kuba liefern. Auch der Einkauf von digitalen Inhalten wird dadurch praktisch verunmöglicht so dass der Erwerb von im Land zirkulierenden Raubkopien oftmals der einzig gangbare Weg ist um an die gewünschte Software zu kommen.

Die Lösung des Problems?

Doch welche Möglichkeiten gibt es, die Sperrungen zu umgehen? Mit dem auf Firefox basierenden „Tor-Browser“, der über ein Proxynetzwerk funktioniert, lässt sich anonym im Netz surfen. Während des arabischen Frühling erlangte das Programm eine gewisse Bekanntheit, weil sich damit die meisten Internetfilter umgehen lassen. Auch in Kuba lässt sich mit dem Programm die Sperrliste der Regierung ziemlich einfach austricksen: Sowohl die Oppositionswebseite 14ymedio als auch das Kleinanzeigenportal Revolico lassen sich über diesen Weg problemlos aufrufen, der Download des Browsers aus dem „normalen Netz“ heraus funktioniert problemlos. Schwieriger wird es hingegen bei der von der USA auferlegten Zensur. Paypal lässt sich auch mithilfe des Tor-Browsers nicht nutzen. Downloads von US-Software funktionieren zwar, sind aufgrund der technischen Einschränkungen des Browsers jedoch derart langsam, dass sich die Mühe kaum lohnt.

Während die kubanische Regierung daran arbeitet, das Internet erschwinglicher und verfügbar zu machen (allein im letzten Quartal 2015 wurden dutzende neue WiFi-Hotspots eröffnet), legen die Vereinigten Staaten der Insel auf ihrem Weg ins 21. Jahrhundert noch immer schwere Steine in den Weg. Die großen US-Technologiegiganten Google, Microsoft und Apple können ihre Dienste derzeit nur unter starken Einschränkungen in Kuba anbieten, während andere Hersteller gänzlich außen vor bleiben. Weder lässt sich von Kuba aus ein MacBook aktualisieren, noch ein offizieller Intel-Treiber herunterladen – noch immer verunmöglichen die USA der wachsenden Zahl der kubanischen Internetnutzer mit absurden Gesetzen eine normale Erfahrung im Netz. Von „freiem Internet“ kann in Kuba daher nicht die Rede sein. Ob die digitale Netzblockade der USA im Ranking des „Freedom House“ berücksichtigt wurde, scheint dabei fraglich. Für die große Mehrzahl der kubanischen Internetnutzer dürften diese Einschränkungen jedoch weitaus schwerer wiegen als die Sperrlisten der eigenen Regierung.

Die letzte Hürde

_


Die Stille auf diesem Blog in den letzten Wochen hat ihre Gründe. Statt eines Artikels möchte ich als Antwort an dieser Stelle einen Auszug aus meinen persönlichen Aufzeichnungen wiedergeben.

Auf den Tag genau vor drei Monaten berührten meine Füße nach dreijähriger Abwesenheit wieder kubanischen Boden. Ich kam dieses Mal nicht nach Havanna um die Schönheit ihrer Altstadt zu bestaunen, auch sollte ich nicht mit der Cohiba im Mundwinkel die Stadtstrände genießen. Weder hatte ich Zeit zu reisen noch wohnte ich in einem der Sternehotels wie die meisten derer, die sich dieses Land zum Urlaubsdomizil erkoren haben. Ich kam in Kuba mit einem Touristenvisum an und wurde wie geplant bald Student der Universität von Havanna. Nicht einer von ihnen, doch auch kein Tourist mehr: Ein Yuma con carnét, ein Ausländer mit kubanischem Personalausweis.

Seitdem sind einige Wochen vergangen und ich habe manch unbequeme Anpassung durchmachen müssen, die den Touristen erspart bleibt, da die meisten hier nur wenige Tage völlig fern der kubanischen Realität in abgeschiedenen Hotelbunkern verbringen und über den puren Genuss hinaus nichts in diesem Land zu erledigen, keine festen Termine wahrzunehmen haben. Doch wer hier als Ausländer lebt, studiert oder arbeitet, also einen Alltag zu bestreiten hat, wird mit vielen Erfahrungen konfrontiert, auf die er sich unmöglich hätte vorbereiten können. Für mich gab es auf dem Weg in die enigmatische kubanische Lebenswirklichkeit viele Hürden zu nehmen und erst nach drei Monaten kann ich sagen, dass ich langsam angekommen bin.

Jeder der längere Zeit auf Kuba verbringt, erlebt hier einmal seine ganz persönliche Hölle. Auf dieser Insel der Extreme liegen Genie und Wahnsinn, Chaos und Ordnung, Schönheit und Tristesse so nah beieinander, sind geradezu organisch miteinander verwoben, dass es fast unmöglich scheint einen Tag zu erleben, ohne mindestens den entfernten Hauch dieser sonderbaren Antipoden zu spüren. Für mich war von Anfang an klar, dass meine Zeit auf Kuba Entbehrungen mit sich bringen würde. Die Knappheit des Internets, welches man hier zu Fuß aufsuchen muss, zählt sicher zu den schwerwiegendsten der vorausgeahnten Einbußen. Ich wusste von Beginn an, dass ich bei vielen Dingen nicht mit der aus Europa gewohnten Zuverlässigkeit rechnen können würde, manchen Kampf mit der Bürokratie zu bestehen hätte und so einige müde Stunde in einer drückend langen Warteschlange verbringen sollte. All das war von Anfang an klar und hatte mich nur einige Wochen der Gewöhnung gekostet, da ich dieses Land nicht zum ersten Mal besucht und so einige Erfahrung bereits gemacht hatte. Doch keine Erkenntnis, die hier nicht täglich aufs Neue gegen die Widrigkeiten des Alltags verteidigt werden müsste, kein Genuss ohne vorangegangenen Verzicht! Und die größte aller Prüfungen haben mir hier die Tücken des digitalen Zeitalters auferlegt, das in diesem Land noch in den Kinderschuhen steckt.

Nachdem sich mein Laptop vor wenigen Wochen aus unerfindlichen Gründen für immer verabschiedet hat, wurde mir gestern zum dritten Mal seit meiner Ankunft das Handy geklaut. Durch den Verlust meines Laptops und ohne Mobiltelefon wurde ich mit aller Wucht und quasi über Nacht zurück in die 1990er Jahre geworfen. Mit der Konnektivität ging auch, zumindest für einige Zeit, meine Fähigkeit zu arbeiten verloren und ein Gedanke beherrschte mein Bewusstsein: Ohne Laptop, ohne Smartphone, kann ich weder mein Studium noch meine journalistische Tätigkeit sinnvoll fortsetzen, bleibt mir der Zugang zum Internet so gut wie versperrt, kann ich also in der Folge mein Leben in Kuba nicht gestalten. Denn das was meiner Zeit hier Sinn gibt ist nun einmal das Schreiben, das schriftliche reflektieren für mich und für andere. Ich brauche meinen Laptop als Werkzeug zur Fixierung meiner Gedanken genauso wie ein Maler den Pinsel benötigt, um sich verständlich zu machen. Weder auf das Schreibwerkzeug Laptop noch auf das Kommunikationswerkzeug Smartphone wollte ich verzichten, zumal sich beide im Fall eines Ausfalls notfalls ersetzt hätten. Umso drastischer wirkte sich auf mich jener unvorhergesehen zeitgleiche Verlust beider Geräte aus.

Dabei habe ich in den vergangenen drei Monaten viel gelernt. Ich habe gelernt wie schön es sein kann, sich ausreichend Zeit für andere Menschen nehmen zu können, die dauernde Erreichbarkeit aufzugeben, mehr denn je im hier und jetzt zu leben. Dass man in heißen Novembernächten dünn bekleidet auf der Terrasse sitzend eine H.Upmann rauchen und ein melancholisches Gefühl für den ausbleibenden Herbst empfinden kann. Ich habe auch gelernt, dass das Eröffnen einer kubanischen Handynummer Vierzig Dollar kostet und dem bürokratischen Aufwand nach eher dem Erwerb einer Eigentumswohnung gleicht, dass eine defekte Klospülung, ein mehrstündiger Stromausfall oder ein sich um Vierzig Minuten verspätender Bus noch lange keine echte Beeinträchtigung des Alltags darstellen, dass man auf die wirklich guten Dinge manchmal lange warten muss, dass man auch ohne Genuss satt werden kann und dass eiskaltes Wasser für so manch unfreiwilligen Spaziergang durch die schwüle Nachmittagshitze entschädigt. Ich habe gelernt früh aufzustehen um den Öffnungszeiten der Büros und Banken gerecht zu werden, die Coppelia nur nach Sonnenuntergang aufzusuchen um der täglichen Schlange zu entgehen, immer einen Peso für den Bus griffbereit in der Hosentasche zu verstauen, mit Taxifahrern spätnachts um den letzten Groschen für die Heimkehr zu verhandeln und am Malecón den traurigen Geschichten von verlorener Liebe und zerstörten Illusionen zu lauschen. Auch habe ich gelernt nicht alles für bare Münze zu nehmen was hier erzählt wird, keine Scheu vor fremden Menschen zu kennen und dennoch kein allzu großes Vertrauen in jene zu setzen, nur das nötigste mit nach draußen zu nehmen, Nachts auf der Mitte der dunklen Straße zu gehen und alles was mir lieb und teuer ist sicher zu verwahren.

Trotz all dieser Lektionen die mich Kuba in den vergangenen drei Monaten gelehrt hat, hatte ich die wichtigste bis heute noch nicht begriffen. Denn in eben jenen Momenten, in denen mich dieses Land in meiner notwendigen Anpassung zurückwarf, versuchte ich unentwegt gegenzuhalten. Wie ein Ruderer auf stürmischer See kämpfte ich immer wieder und mit aller Kraft gegen die mir in den Weg geworfenen Entbehrungen an und war versucht meinen Weg zurück ins 21. Jahrhundert zu bahnen. Dieser Kampf war es, der mich in den vergangenen Wochen viel Energie und vor allem Zeit gekostet hat. Als eines Nachts mein erstes Smartphone auf dem Heimweg geklaut wurde, besorgte ich mir keine zwei Tage später ein neues, in der Hoffnung, dass sich dieser Fall nicht mehr wiederholen würde. Doch der überfüllte Bus der Linie P9 lehrte mich wenig später, dass weder Zufall noch Glück auf meiner Seite zu stehen scheinen wenn es um den Erhalt meiner digitalen Helfer geht. Ich wollte unter keinen Umständen auf die angenehmen Vorzüge eines Smartphones verzichten, weder auf das immer griffbereite Wörterbuch, noch auf die BBC-App oder das umfangreiche Kartenmaterial, welches gerade in der ersten Zeit in Havanna für mich so bitter notwendig war. Einmal mehr beschloss ich also Einhundertfünfzig konvertible Pesos sowie einige Stunden meiner Zeit für das exakt gleiche Gerät auszugeben, das mir nun gestern abermals entwendet wurde.

Wo ich in den vorangegangenen Malen noch davon ausging, dass nur eine seltene Verquickung ungünstiger Umstände zum Verlust dieser Geräte hatte führen können, ist mir mittlerweile klar, dass mein Fehler ein systematischer war: Wer ein gutes Smartphone sein eigen nennt, geht damit Nachts nicht aus dem Haus. Der Luxus des Alkoholgenusses schließt den Luxus der Sicherheit aus. In Deutschland gewohnte Verhaltensmuster, wo Fremde nur selten wegen des Handys auf der Straße überfallen werden weil nur die wenigsten eine Verhaftung für ein gebrauchtes Mobiltelefon riskieren würden, scheitern an der kubanischen Realität.

Noch vor wenigen Tagen war ich darüber erstaunt, dass ein Bekannter der seit mehr als zehn Jahren hier als Journalist lebt und arbeitet, nur mit einem äußerst betagten und wertlosen monochrom-Handy durch die Straßen Havannas zieht, wo er doch von Berufs wegen ungern auf die komfortablen Funktionen eines modernen Mobiltelefons verzichten müsste. Das erinnerte mich an die Zeit meiner ersten Kubareise, 2009, als sogar in Havanna noch die wenigsten ein Handy besaßen. Im Vergleich dazu prägen Mobiltelefone heute das Straßenbild wie niemals zuvor und es ist kein Geheimnis, dass einige Kubaner ihr letzes Geld darauf verwenden sich ein modernes Smartphone zuzulegen welches sie sich eigentlich nicht leisten könnten, dessen Anschaffung jedoch mit einem gewissen Prestigegewinn verbunden ist. Und obschon nur ein Bruchteil des Funktionsumfangs moderner Smartphones auf Kuba praktisch nutzbar ist verleihen die horrenden Preise und die schiere Knappheit der Unterhaltungselektronik hierzulande eine besondere Fetischfunktion, die sie zur begehrten Ware und damit anfällig für Diebstähle jeglicher Art macht. In blinder Ignoranz dieser gefährlichen Begierden beharrte ich auf meiner Idee, den von zu Hause gewohnten Technisierungsgrad hier erhalten zu wollen, die Tatsache ignorierend, dass diese Denkweise notwendigerweise scheitern muss. Um nicht beklaut zu werden reicht es nicht, so zu tun, als besäße man wenig. Die Lösung muss sein, sich von jeglichem überflüssigen Besitz tatsächlich zu trennen und in letzter Konsequenz auch den Wunsch danach auszutilgen.

In Unkenntnis dieser Realitäten entschloss ich mich vor drei Monaten ebenfalls mein MacBook nach Kuba mitzunehmen um mir das Geld für einen billigen Zweitrechner zu sparen, in der Hoffnung, ein solches Gerät ließe sich hier genauso problemlos nutzen wie zu Hause. Es ist wahr, dass ich in diesem Falle dem Diebstahl und jeder offensichtlichen Beschädigung erfolgreich aus dem Weg gehen konnte – doch das allein war unzureichend, wie sich später herausstellen sollte. Über die Ursachen des plötzlichen und irreparablen Totalausfalls lässt sich nur spekulieren, doch immerhin gibt es zahlreiche Anhaltspunkte: Größere Spannungsschwankungen im Stromnetz sowie die fehlende Erdung der Steckdosen machen vielen elektronischen Geräten hier zu schaffen und haben schon so manchem Laptop den Akku gekostet. Und was die unbeständige Stromzufuhr nicht schafft, das besorgen Luftfeuchtigkeit und Hitze im Laufe der Zeit. Wenn dann das Unglück passiert ist, greift die Regel des umgekehrten Warenfetischs: Die gewöhnlichsten, billigsten, ältesten Geräte haben die größten Reparaturchancen, während es in ganz Kuba nur eine Handvoll Leute gibt, die unter großen Mühen die wenigen MacBooks des Landes am Laufen erhalten. Je teurer und ausgefallener ein Gerät, desto seltener ist es anzutreffen – und je seltener man hier ein Gerät antreffen kann, desto schwieriger und teurer seine Reparatur, desto größer die Wahrscheinlichkeit eines irreparablen Defekts oder eines Diebstahls. Nur die billigsten, gewöhnlichsten, einfachsten Geräte überleben hier längere Zeit ohne irreparabel beschädigt oder geklaut werden zu können.

Nachdem ich diese für mich bittere Erkenntnis verdaut hatte war es an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen und meine geschätzten elektronischen Werkzeuge auf spartanischeres Niveau zurechtzustutzen. Statt eines MacBooks benutze ich einen gebrauchten Asus-Laptop, statt eines Smartphones ein zehn Jahre altes Nokia-Blockhandy. Die größten Herausforderungen in Kuba bestanden für mich nicht im Erlernen des Spanischen und auch nicht in der Umstellung meines Magens auf Reis und Bohnen. Weder das Klima noch das Transportsystem stellten mich vor unlösbare Schwierigkeiten, von Krankheiten und Unfällen wurde ich bisher verschont. Mein größtes Problem, meine persönliche Hölle, das war die völlige Aufgabe eines mir so vertraut gewordenen digitalen und vernetzten Lebensstils, der meine Generation in den letzten Jahren stärker geprägt hat, als wir uns selbst jemals eingestehen würden. Erst wenn wir akzeptieren, dass das Internet hier noch ein rar gesätes und von Unzulänglichkeiten geprägtes Luxusprodukt ist, wenn wir die häufigen Verbindungsprobleme weglächeln und den gewohnten Komfort eines Hausanschlusses vergessen während wir zusammen mit dutzenden anderen am Straßenrand sitzen und versuchen eine Website zu öffnen, erst wenn wir die Abwesenheit der Elektronikmärkte samt Herstellergarantien und Kundendiensten verschmerzen können und bereit sind für eine Handynummer frühmorgens Schlange zu stehen, kurz: wenn wir unsere Gewohnheiten ablegen und die kubanische Realität als die unsrige zu akzeptieren lernen – erst dann sind wir in der Wirklichkeit dieses faszinierenden Landes angelangt, haben die letzte Hürde genommen.