Kubanische Wissenschaft auf dem Vormarsch

bib

Kubanische Nationalbibliothek „José Martí“ in Havanna (Quelle: Cubahora)

Die kubanische Nationalbibliothek wird in den kommenden Jahren ihren gesamten Katalog, der sechs Millionen Bände umfasst, digitalisieren. „Die kubanische Bibliothek von heute muss sich auf dem hohen technologischen, wissenschaftlichen und konzeptionellen Niveau des 21. Jahrhunderts befinden“, sagte der Leiter der Einrichtung, Dr. Eduardo Torres, auf der XIII. landesweiten Informatikkonferenz die bis zum 18. April in Havanna stattfand. Dort diskutierten zahlreiche internationale Gäste und kubanische Experten über die Entwicklung und Nutzung der Informationstechnologie in dem Land, wobei auch die Digitalisierung des Buchbestandes zur Sprache kam.

In den letzten Jahren gab es gravierende Probleme bei der Verwaltung von Kubas wichtigster Bibliothek, zahlreiche Diebstähle und illegale Weiterverkäufe haben den Bestand der Einrichtung in den letzten zwanzig Jahren empfindlich deziminiert. Seit der Verabschiedung eines Bibliothekengesetzes im Jahr 2010 und mit Hilfe ausländischer Experten anderer Bibliotheken gelang es jedoch, die Organisation und Kontrolle zu verbessern. 2008 wurde eine vollständige Inventur durchgeführt, nun ist man bereit den Bestand zu digitalisieren.

Alle Inhalte stehen dann kostenlos auf einer neuen Website zu Verfügung, die noch bis zum Ende des Jahres online gehen soll. Man rechnet damit, dass dieser Prozess bis 2018 abgeschlossen sein wird. Zeitgleich erfolgt die Errichtung eines landesweiten Bibliothekensystems, so dass auch Nutzer aus kleineren Städten per Fernleihe Zugang zu den großen Bibliobliotheken des Landes erhalten. „Es geht darum zu überlegen, welche Art von Bibliothek wir in Zukunft möchten, erstreben und benötigen“, sagte Torres.

Biotechnologie auf Weltniveau

Doch auch auf anderen Gebieten der kubanischen Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren eine stärkere Institutionalisierung und Dynamik eingestellt. Hierbei ist insbesondere die Biotechnologie hervorzuheben, wo kubanische Wissenschaftler sich in den letzten zwanzig Jahren beharrlich zur Weltspitze hervorgearbeitet haben. Allein im letzten Jahr verkaufte Kuba 20 Millionen Medikamente nach Argentinien, darunter auch das Diabetis-Mittel „Heberprot-P“. Bis zum Herbst 2012 wurden bereits über 81.000 Patienten aus mehr als 20 Ländern mit dem äußerst erfolgreichen Wirkstoff behandelt, bis dato waren es 145.000. Seit 2012 ist die kubanische Pharmaindustrie unter der staatlichen Holding „BioCubaPharma“ vereinigt, die verstärkt die heimische Produktion und den Export von Medikamenten fördert.

Derzeit laufen Gespräche mit Argentinien über eine Investition in den kubanischen Biotechnologiesektor und auch ein französisches Unternehmen hat Interesse angemeldet, künftig kubanische Medikamente für den europäischen Markt zu erschließen. Die Aussichten für diesen Hochtechnologiesektor stehen gut – zumal auch solche Firmen in Kubas neuer Sonderwirtschaftszone mit Steuervergünstigungen rechnen dürfen. Die systematische Ausbildung von Fachkräften sowie die Instandhaltung und Erneuerung der Bildungsinfrastruktur wird dabei eine Schlüsselrolle für die Zukunft kubanischer Wissenschaft spielen, will man den Anschluß nicht verlieren. Die Nationalbibliothek von Havanna schreitet dabei trotz knapper Mittel mutig voran ins 21. Jahrhundert.

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