Kubas Parlament zieht Bilanz und blickt in die Zukunft

Die Sitzung des kubanischen Parlaments fand am 13./ 14. Juli in Havanna statt (Quelle: Cubadebate)

Vergangenen Freitag ging in Havanna die neunte Sitzung des kubanischen Parlaments in der aktuellen Legislatur zu Ende. Für die Abgeordneten standen von Landwirtschaft bis Internet diesmal als mehr als 80 Themen auf der Agenda, zudem wurden wichtige Beschlüsse wie das neue Gesetz zum Schutz der Binnengewässer gefasst. Traditionell werden in der letzten Sitzung vor der Sommerpause zahlreiche Themen abgearbeitet und ein Überblick über die wichtigsten Indikatoren der ersten Jahreshälfte gegeben. Diesmal wurden auch zwei zentrale Dokumente verabschiedet, die einen Ausblick auf die künftige Agenda der Regierung geben.

Allgemeine Wirtschaftsperformance

  • Kubas Wirtschaftsminister Ricardo Cabrisas gab den Abgeordneten erste Auskünfte über das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. So konnte Kubas BIP im ersten Halbjahr um 1,1 Prozent zulegen, nachdem die Wirtschaft 2016 unter anderem aufgrund zurückgehender Öllieferungen aus Venezuela um 0,9 Prozent geschrumpft war. Sektoren mit positiver Entwicklung sind derzeit unter anderem Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistungsexport und Telekommunikation. Das monetäre Gleichgewicht wurde im Verlauf des ersten Halbjahrs stabilisiert, was die Inflation dämpfen konnte.
  • Das Wirtschaftswachstum ist damit laut Cabrisas „im Rahmen der Prognosen„, was angesichts weiterbestehender Lieferengpässe bei den Energieträgern ein vorsichtiges Signal der Erholung bedeutet (laut Reuters gingen die Öllieferungen aus Venezuela im 1. Halbjahr 2017 um weitere 13 Prozent zurück).
  • Dieses Jahr ist ein umfangreiches Investitionsprogramm geplant, welches sich aus den 2015 erwirtschafteten Überschüssen sowie Staatsanleihen, welche an die Zentralbank (BCC) verkauft werden, finanziert. Im ersten Halbjahr machte das Land offenbar Fortschritte bei der Abarbeitung seiner Schuldenlast, im zweiten Halbjahr sollen Investitionen in die Nahrungsmittelindustrie in den Fokus rücken.
  • Im Laufe dieses Jahres wurden 11 neue Projekte mit ausländischem Kapital genehmigt, fünf davon in der Sonderwirtschaftszone Mariel (ZEDM). Das Gesamtvolumen beträgt 1,35 Mrd. US-Dollar.
  • Cabrisas warnte jedoch, dass ein arbeitsreiches zweites Halbjahr bevorstünde und mahnte Geduld an. Die angestauten Probleme ließen sich nicht kurzfristig lösen.

Neues Sozialismus-Konzept und Reformagenda bis 2021

Raúl Castros Rede

  • Raúl Castro ging in weiten Teilen seiner Rede auf dem Abschlussplenum vom 14. Juli auf die außenpolitische Situation Kubas ein. „Jegliche Strategie zur Zerstörung der Revolution wird scheitern„, sagte Castro gegenüber den Abgeordneten. Dabei kritisierte er den am 16. Juni angekündigten Politikwechsel unter US-Präsident Trump, den er als „Rückschritt in den bilateralen Beziehungen bezeichnete. Gleichzeitig bekräftigte er Kubas Bereitschaft zu einem respektvollen Dialog auf Augenhöhe, allerdings werde man dabei keine Prinzipien zur Verhandlung stellen.
  • Darüber hinaus bezog Castro zur Entwicklung und Neuregulierung des Privatsektors Stellung. Er bekräftigte das Bekenntnis seiner Regierung zu den mehr als 500.000 Arbeitern im Privatsektor sowie den 400 neuen Genossenschaften außerhalb der Landwirtschaft. „Wir haben weder die Entfaltung und Entwicklung der Arbeit auf eigene Rechnung aufgegeben, noch werden wir das mit den experimentellen Genossenschaften außerhalb der Landwirtschaft (CNoA) tun. Wir werden weder zurückgehen noch stehenbleiben, und auch keine Vorurteile gegenüber dem nicht-staatlichen Sektor dulden, aber es ist unumgänglich die Gesetze zu beachten, das bisher erreichte zu konsolidieren, die positiven Aspekte (welche nicht wenige sind) auszudehnen und die Gesetzesverstöße und andere Auswüchse entgegen des geltenden Rahmens zu bekämpfen, so Castro. Als Beispiel nannte er unter anderem den illegalen Erwerb von Rohstoffen, sowie mangelhafte Steuerdisziplin. Der Ministerrat hat laut Castro neue Maßnahmen zur Regulierung des Privatsektors beschlossen, die in nächster Zeit schrittweise veröffentlicht werden. Die Geschwindigkeit, mit der die Reformen voranschreiten, hänge von der  „Fähigkeit ab, die Dinge gut zu machen, erklärte Castro. Richtige Vorbereitung sei das wichtigste, um Fehler zu vermeiden. Ansonsten „entstehen all diese Fehler und wir kritisieren, was gar gar nicht kritisieren müssen.“ Als weiteres Beispiel nannte er Fälle, in denen jemand bis zu fünf Privatrestaurants in verschiedenen Provinzen besaß: „[…] woher nahm er das Geld? Wie hat er das gemacht? All diese Probleme existieren, aber wir dürfen sie nicht als Vorwand benutzen um eine richtige Entscheidung zu kritisieren.“ Castro gab die Schuld für die genannten Entwicklungen der politischen Führung und übernahm – ganz in der Tradition seines verstorbenen Bruders – auch persönlich Verantwortung.

Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel äußerte sich zum Thema Internet und Digitalisierung (Quelle: Cubadebate)

Ausbau der digitalen Infrastruktur

  • Zum ersten Mal nahm das Thema der Digitalisierung der kubanischen Gesellschaft breiten Raum auf einer Parlamentssitzung ein. Nachdem der kubanische Ministerrat im Februar 2017 eine neue Strategie zur „Informatisierung der kubanischen Gesellschaft“ verabschiedete, stand nun deren Erörterung unter den Parlamentariern an.
  • Dabei geht es um eine integrale Strategie zur Herstellung und Distribution von Computern, Tablets und Smartphones, den Ausbau der Internet und Mobilfunk-Infrastruktur sowie die Digitalisierung von Verwaltung, Bildungswesen und Wirtschaft. 
  • So schreitet der Ausbau der Internetversorgung staatlicher Institutionen offenbar gut voran. Das zuständige Ministerium gab bekannt, dass die Bandbreite der Institutionen im letzten Jahr um 72 Prozent gesteigert werden konnte. Das Land verfügt derzeit über 879 Mobilfunkmasten, davon sind 358 bereits auf 3G-Technologie umgerüstet. Derzeit gibt es auf Kuba 4,3 Millionen Handyverträge sowie rund 4 Millionen Internetnutzer. Der öffentliche Internetzugang wird hauptsächlich über die 600 Internetcafés sowie die 370 öffentlichen WiFi-Hotspots gewährleistet, während die in diesem Jahr gestartete kommerzielle Einrichtung von Privatanschlüssen nur schleppend vorankommt. Das Angebot „Nauta hogar“, welches ab 15 CUC pro Monat einen Zeittarif á 30 Stunden bietet, hat derzeit nur 600 Nutzer.
  • Nach letzten Angaben gibt es 3,3 Millionen EC-Karten auf Kuba sowie 903 Geldautomaten. Derzeit werden werden neue bargeldlose Bezahlsysteme per Smartphone-App entwickelt.
  • Auch über den Ausbau des Digitalfernsehens wurde berichtet. Die 104 Sendemasten (8 davon senden in HD-Qualität) decken bereits einen Großteil der Bevölkerung ab, allerdings wurden seit Beginn des Umstiegs im Jahr 2013 lediglich 1,28 Millionen Digitalreceiver verkauft. Die Regierung plant, in Zusammenarbeit mit den technischen Universitäten UCI und CUJAE das Angebot über die digitale Programmzeitschrift hinaus zu erweitern und neue Receiver auf Basis des Betriebssystems Android zu verkaufen. Ein Abgeordneter schlug vor, Subventionen einzuführen, so dass nach der endgültigen Abschaltung des analogen Sendebetriebs im Jahr 2021 niemand außen vor bleibt.
  • Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel machte sich in einer Rede für den Ausbau des Internets stark, da dies der wichtigste Informationskanal der Jugend sei. Dabei müsse man jedoch in die Offensive gehen: „Wir müssen in der Lage sein, die Inhalte der Revolution ins Internet zu bringen, in alle Plattformen und von allen Institutionen aus. Auf diese Weise solle der „Lawine von Pseodokultur, Banalität und vulgären Inhalten“ entgegengewirkt werden. Das Bild von einem nicht ans Internet angeschlossenen Land müsse überwunden werden. Zudem verwies er auf die wirtschaftliche Bedeutung des Internets: „Wir studieren das Wirtschaftswachstum von Ländern die am stärksten Technologien in diesem Bereich entwickelt haben, die Entwicklung der Informatisierung hat in diesen Gesellschaften zu großen Sprüngen im Bruttoinlandsprodukt geführt.“ Angesichts der alternden Bevölkerung sei die Digitalisierung und Automatisierung der Wirtschaft das Gebot der Stunde. Dabei sprach er auch Themen wie E-Government, Onlinehandel und bargeldlose Bezahlsysteme an.Wir müssen Netzplattformen entwickeln, die es dem Bürger ermöglichen mit der Regierung und ihren Institutionen zu interagieren, auf denen er die Informationen finden kann die er braucht und darüber hinaus vorschlagen, kritisieren und diskutieren kann.“ Es müsse eine Kultur der Digitalisierung und der Netzsicherheit entwickelt werden, wobei der Sicherheit Vorrang einzuräumen sei. Die 25.000 Informatiker des Landes müssten verstärkt neue Apps und Inhalte entwickeln, die Qualität der staatlichen Webseiten müsse systematisch evaluiert und verbessert werden. Díaz-Canel kritisierte, dass die viele der staatlichen Seiten unästhetisch, veraltet und fehlerhaft seien. Als positive Beispiele hob er das Bildungsportal „CubaEduca“ sowie die Online-Enzyklopädie „EcuRed“ hervor.

Das Plenum bei der Abstimmung über das neue Gesetz zum Schutz der Wasserressourcen (Quelle: Cubadebate)

Neues Gesetz zum Schutz der Wasservorkommen

  • Kuba leidet bereits seit mehreren Jahren unter einer Dürreperiode, die vor allem im Zentrum und Osten der Insel für Schwierigkeiten sorgt. Die Wasserversorgung der Insel ist vor allem auf die Speicherung von Trinkwasser in Form von Staudämmen angewiesen. Kuba verfügt derzeit über 3,58 Mrd. Kubikmeter an Wasservorkommen, was lediglich 39 Prozent der Kapazität der Stauseen entspricht. Inés María Chapman, Präsidentin des nationalen Instituts für Wasserressourcen (INRH) informierte die Abgeordneten, dass davon derzeit 1,6 Mrd. Kubikmeter durch das veraltete Leitungssystem verloren gingen. Dies zeigte sich zuletzt bei einem großen Rohrbruch in Havanna, der hunderttausende Einwohner für mehrere Tage von der Wasserversorgung abschnitt. Um dem zu begegnen, gehen bereits seit Jahren hohe Summen in die Infrastruktur. Bis Ende Mai wurden über 75 Kilometer Wasserleitungen neu verlegt, die 735.000 Personen versorgen.
  • Das neue Gesetz, an dem mehrere Kommissionen seit dem Jahr 2013 arbeiten, verankert zunächst das Grundrecht auf Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig soll ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, mit dem das INRH seine Kapazitäten zur Überwachung und Planung der Wasservorkommen ausdehnen kann. Die Bauern werden zur rationellen Nutzung und Konservierung der Wasservorkommen auf ihrem Land angehalten, Wasserverschwendungen im gewerblichen Bereich sollen mit Bußgeldern belegt werden. Ziel des Gesetzes ist es, die Wasservorkommen der Insel zu klassifizieren und im Rahmen einer Gesamtstrategie zu pflegen, welche die möglichst rationelle Nutzung der Ressource sowie die Erneuerung der Versorgungsnetze ermöglicht.

Weiterhin schwierige Wohnraumsituation

  • Ein weiteres Tagungsthema war die extrem schwierige Wohnraumsituation. Obwohl laut dem zuständigen Minister Ramiro Valdés seit dem Jahr 1990 rund 317.000 neue Wohnungen auf staatliche Initiative hin entstanden sind, „werden die Pläne nicht erfüllt, der Wohnungsbestand verfällt weiter und die Bevölkerung ist unzufrieden„, so Valdés.
  • Derzeit verfügt Kuba über 3,81 Millionen Wohneinheiten, das Defizit ist in den letzten Jahren von rund 600.000 auf 811.000 angewachsen, da aufgrund des Verfalls viele Wohneinheiten unbrauchbar würden. Die mit Abstand größten Schwierigkeiten gibt es in Havanna, wo derzeit 206.788 Wohnungen fehlen. Auch in Holguín (Defizit von 147.659 Wohneinheiten), Santiago de Cuba (103.507) und Camagüey (71.892) ist die Lage angespannt.
  • 2017 sollen lediglich 9.700 neue Wohnungen gebaut werden, eine langfristige Strategie zur Wiederherstellung verfallener Gebäude ist auf zehn Jahre angelegt. Die Probleme des Bausektors rührten vor allem aus zu wenig Personal, mangelhafter Kontrolle und schlechtem Qualitätsmanagement.
  • 157.519 Personen haben seit 2012 einen Kredit für die Sanierung, Erweiterung oder den Neubau ihrer Wohnung erhalten, doch gebe es weiterhin starke Probleme bei der Verfügbarkeit der Baumaterialien. Die Abgeordneten empfahlen dem Ministerium, in jeder Gemeinde ein neues Geschäft für Baumaterialien speziell für die Empfänger von Subventionen zu errichten.

Weitere Themen

  • Die Abwanderung von wissenschaftlichen Fachkräften ins Ausland und andere Sektoren der Wirtschaft wurde in einer eigenen Komission analysiert. „Der Lohn ist keine Quelle der Motivation und Anerkennung für jene die sich der Wissenschaft, Technologie und Innovation widmen“, erklärte der Vizedirekter des zuständigen Ministeriums, José Fidel Santana. Er kritisierte den Rückgang des wissenschaftlichen Austauschs und von Preisverleihungen. Ein Abgeordneter aus Camagüey führte aus, dass im Biotechnologiesektor des Landes (zusammengefasst in der Unternehmensgruppe BioCubaPharma) in den letzten zwei Jahren rund 40 Prozent der Arbeitskräfte ihren Job aufgegeben hätten. Ein Maßnahmenpaket, welches eine Mittelaufstockung von 20 Mio. Pesos für den Sektor vorsieht, soll kurzfristig helfen, langfristig müsse jedoch die Verzahnung der Institutionen verbessert und das Lohnniveau angehoben werden, erklärte der Minister. Mit einem Durchschnittslohn von unter 600 Pesos (ca. 24 Euro) gehört der Bildungs- und Wissenschaftsbereich zu den am schlechtesten entlohnten Sektoren der kubanischen Wirtschaft.
  • Die Abgeordneten Beschlossen den als „Tarea vida“ bekannten Plan, mit dem sich die Insel auf den Klimawandel reagieren will. Der steigende Meeresspiegel wird langfristig an mehreren Küstenabschnitten zu Problemen führen, weshalb im Rahmen des Klimaschutzplans Neubauten in diesen Gegenden verboten werden, gleichzeitig soll mit Wiederaufforstung und Mangrovenpflanzungen entgegengewirkt werden. Der Plan umfasst fünf strategische Aufgaben, die sich hauptsächlich um die Neuordnung der Küstenlinie drehen und auf Projektionen bis ins Jahr 2100 basieren.
  • María del Carmen Concepción, Ministerin für Lebensmittelindustrie, erklärte die 2014 begonnene Erholung des Sektors. So sei in den letzten Jahren insbesondere in die Milch- und Fleischverarbeitung investiert worden. Der Abgeordnete Adisbel Calvo aus Güines kritisierte jedoch, dass beispielsweise im letzten Monat in seiner Region 1.200 Liter Frischmilch nicht zur Verarbeitung angenommen wurden, weil es angeblich keine Transportmöglichkeit gab. Eine Antwort der zuständigen Stelle steht seinen Angaben nach noch immer aus. Als weiteres Problem des Sektors wurde das Fehlen von Verpackungsmaterialien genannt. In den letzten zwei Jahren sei der Bedarf um über 330 Prozent gestiegen, nun fehlt über die Hälfte der benötigten Einheiten, weshalb bereits manche Produkte der heimischen Lebensmittelindustrie (z.B. Fruchtsäfte) aus den Läden verschwunden seien.
  • Der Schienenverkehr auf der Insel soll in den nächsten 5 bis 8 Jahren einen kräften Schub erhalten. So ist für diesen Zeitraum die Erneuerung von 1.068 km Gleisen sowie der Erwerb von 308 Passagierwaggons, 300 Schienenbussen und 75 Lokomotiven geplant. Das Projekt soll in Zusammenarbeit mit der russischen „Sinara Group“ umgesetzt werden und eine Investitionssumme von insgesamt 4 Mrd. US-Dollar umfassen und. Es wird über russische Banken finanziert.
  • Die Verfügbarkeit von Kinderspielzeug war ebenfalls kein unwichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Parlamentssitzung. Zahlreiche Abgeordnete kritisierten, dass Kinderspielzeug lediglich zu hohen Preisen in den Devisenläden erhältlich ist, zudem lasse Angebot und Qualität deutlich zu wünschen übrig. Die allermeisten Spielzeuge seien Ladenhüter, weil sie zu astronomischen Preisen die ein vielfaches der Monatslöhne betragen, angeboten würden. Funktionäre des Binnenhandelsministerium räumten die Probleme ein und versprachen an Lösungen zu arbeiten.
  • Im Laufe des ersten Halbjahrs 2017 wurden auf Kuba insgesamt 2,8 Tonnen illegaler Drogen abgefangen. Vertreter des Innenministeriums bekräftigten abermals die Null-Toleranz-Politik des Landes und hoben Kubas sensible Stellung entlang der Schmuggelrouten Mittelamerikas hervor. 78 Prozent aller landesweiten Drogendelikte wurden in Havanna gemeldet.
Advertisements

Russische Firma will Kuppel des Kapitols in Havanna sanieren

Derzeit wird nach Investoren für die Restauration der Kuppel des kubanischen Kapitols gesucht (Quelle: travelbyjaed)

Ein russisches Bauunternehmen ist offenbar derzeit im engeren Bewerberkreis für die Fortsetzung der seit 2010 laufenden Restaurationsarbeiten am kubanischen Kapitol in Havanna. Das Unternehmen „Goszagransobstvennost“ will die noch ausstehende Sanierung der Kuppel für rund 354.000 US-Dollar durchführen, wie die kubanische Nachrichtenseite „Cubadebate“ meldet.

Bereits vergangenen Mai berichtete die Präsidentin des russischen Föderationsrats,  Valentina Matvienko, von einer Anfrage kubanischer Parlamentarier zur Unterstützung der laufenden Renovierungen des künftigen kubanischen Parlamentssitzes. Bis August soll der Gewinner der Ausschreibung feststehen. Vergangenes Jahr sind die Russen bereits in Vorleistung gegangen und haben eine Studie im Wert von 42.000 US-Dollar finanziert, die den genauen baulichen Zustand der Kuppel ermittelt hat.

Havannas „Capitolio“ wurde zwischen 1928 und 1929 nach US-amerikanischem Vorbild erbaut. Obwohl das Gebäude kleiner ist als sein Pendant in Washington, ist die Kuppel größer als die des „Originals“. Nach dem Sieg der Revolution diente das Kapitol zunächst über viele Jahrzehnte als Sitz der Akademie der Wissenschaften, während das 1976 entstandene Parlament seinen Sitz im neu errichteten „Palacio de las Convenciones“ am Stadtrand Havannas bekam.

Seit 2010 ist das als „nationales Monument“ deklarierte Gebäude wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, die nun in die entscheidende Phase übergehen. 2018 soll das neu gewählte kubanische Parlament wieder in das Gebäude einziehen. Bereits vergangenes Jahr wurde bekannt, dass die ersten Räumlichkeiten bereits bezugsfertig sind.

Hunderttausende ohne Wasser in Havanna aufgrund von Rohrbruch

Das nationale Institut für Wasserresourcen arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Reparatur der beschädigten Stellen in der Provinz Mayabeque (Quelle: Cartasdesdecuba)

Aufgrund eines Rohrbruchs sind seit vergangenen Donnerstag hunderttausende Einwohner der kubanischen Hauptstadt Havanna von der Wasserversorgung abgeschnitten. Der Zwischenfall sei der „schwerste der letzten 20 Jahre“ wie kubanische Medien berichteten und betrifft eine zentrale Leitung, welche die Stadtteile Vieja, Centro Habana, Plaza, Cerro und Diez de Octubre mit 3.000 Litern Wasser pro Sekunde versorgt.

Insgesamt sind mehr als 850.000 Menschen von der Havarie betroffen, wie die spanische Nachrichtenagentur EFE meldet. Der Rohrbruch erfolgte vergangenen Donnerstagabend während Wartungsarbeiten an der Hauptleitung. Während die Wasserversorgung für die Stadtteile Plaza de la Revolución, Cerro, Boyeros y Diez de Octubre teilweise erhalten werden konnte, sind die beiden bevölkerungsreichsten Stadtteile Habana Vieja (Altstadt) und Centro Habana offenbar noch immer komplett ohne Wasser.

Havannas Bürgermeisterin Mercedes López Acea sagte jüngst in einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung, man arbeite „ununterbrochen“ an der Wiederherstellung der Versorgung. Hierfür müssen Rohre auf einer Länge von insgesamt 4 Kilometern ausgetauscht werden, wovon bereits die ersten zwei fertiggestellt wurden. Mehr als 150 Arbeiter, die mit den besten Geräten des staatlichen Wasserversorger ausgerüstet sind, rückten indes bereits kurz nach dem Rohrbruch nach Quivicán (Provinz Mayabeque) aus, wo sich die schadhafte Leitung befindet.

Während die Reparaturarbeiten Tag und Nacht andauern wird versucht die Bevölkerung auf anderem Wege mit Wasser zu versorgen, wobei medizinische Einrichtungen bevorzugt bedient werden. Nach jüngsten Informationen sollen die Arbeiten am morgigen Donnerstag abgeschlossen sein. Aktuelle Informationen über die Pläne zur Wasserzuteilung finden sich hier.

Nach Hurrikan Matthew: Kuba baut neue Brücke über den Río Toa

Nachdem Hurrikan Matthew am 5. Oktober in Ostkuba wütete, war die Landverbindung der Städte Baracoa und Moa durchtrennt (Quelle: yusnaby)

Vor wenigen Tagen haben in der kubanischen Provinz Guantánamo die Bauarbeiten zur Errichtung einer neuen Brücke über den Fluss Toa begonnen, welche die Stadt Baracoa über den Landweg mit der Provinz Holguín verbindet. Die alte Brücke war in Folge des Hurrikans Matthew im Oktober 2016 zerstört worden, seitdem ist die Querung des Flusses nur über ein Provisorium möglich. Die neue Brücke soll rund drei Meter höher werden als ihre im Sturm zerstörte Vorgängerin.

Mitglieder der venezolanischen Hilfsbrigade „Simón Bolívar“ begannen jüngst damit, die ersten der rund 52 Pfähle der neuen Brücke in den Boden zu rammen, wie die Tageszeitung „Granma“ gemeldet hat. Bereits Ende Februar kamen die ersten Geräte und Baumaterialien aus Venezuela in Kuba an. Das befreundete Land wird Kuba mit der 48-köpfigen Brigade, Baumaterialien und technischem Gerät beim der Errichtung der neuen Brücke zur Seite stehen.

Nachdem Hurrikan Matthew in den Morgenstunden des 5. Oktober 2016 mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern über Ostkuba hinwegfegte, gab es vor allem in den Städten Baracoa und Maisí, beide in der östlichsten Provinz Guantánamo, ein böses Erwachen. Zehntausende Gebäude wurden beschädigt, die Infrastruktur hat stark gelitten. Für die Infrastruktur der Gegend war es ein schwerer Schlag, dass auch die über 200 Meter lange Brücke über den Fluss Toa, die zu den sieben Wundern der kubanischen Ingenieurskunst zählt, vom Sturm komplett zerstört wurde.

Seit Dezember 2016: Provisorische Querung des Toa, die bei starkem Regen unpassierbar wird (Quelle: Venceremos)

Unmittelbar nach dem Sturm war die Verbindung zwischen Moa und Baracoa unterbrochen, welche gleichzeitig die einzige Verbindung zwischen den Provinzen Guantánamo und Holguín entlang der Nordküste ist. Noch bis Ende Dezember war die Querung des Flusses lediglich über ein Floß möglich, danach wurde eine provisorische Holzbrücke wenige Meter stromabwärts errichtet. Diese ist jedoch nur bedingt für Kraftfahrzeuge geeignet und stellte von Anfang an ausdrücklich eine Zwischenlösung dar.

Die neue Brücke über den Fluss soll stabiler und auch höher werden als die alte, welche zwischen 1988 und 1990 errichtet wurde. Während die Breite mit rund 11 Metern gleich bleibt, soll die neue Flussquerung nun 10 statt bisher sieben Meter hoch werden. Das soll vor allem bei den sintflutartigen Regenfällen helfen, die den Fluss während eines Hurrikans zum gefährlichen Strom anschwellen lassen. Zudem soll ein größerer Abstand zwischen den Pfeilern für mehr Stabilität bei Hochwasser sorgen. Der Bau der Brücke soll insgesamt acht Monate dauern und bis Ende Dezember abgeschlossen sein.

Computermodell der neuen Brücke (Quelle: Granma)

Derzeit laufen bereits die Bauarbeiten zur Errichtung einer drei Meter höheren Brücke über den Fluss (Quelle: Granma)

Google nimmt eigene Cache-Server auf Kuba in Betrieb

Google ist bereits seit 2013 auf Kuba aktiv (Quelle: tecarlos)

Havanna. Der Internetriese Google hat erstmals eigene Server auf Kuba in Betrieb genommen. „Der Google Global Cache ist aktiv und verfügbar“, schrieb das Onlinemedium Cubadebate am Mittwoch unter Berufung auf die Internet-Analysefirma Dyn Research. Die sozialistisch regierte Insel konnte damit einen bereits im vergangenen Herbst angekündigten Schritt zur Verbesserung der Internetqualität umsetzen.

Die neuen Server, welche Google nach Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens mit der kubanischen Regierung betreibt, sind Teil des sogenannten „Global Cache“-Netzwerks des Internetriesen. Sie existieren in zahlreichen Ländern und dienen dazu, häufig genutzte Webinhalte wie YouTube-Videos auf lokalen Servern zwischenzuspeichern, um damit Geschwindigkeit und Latenzzeit zu verbessern. Vor wenigen Monaten erst hat Kubas staatlicher Telefonanbieter ETECSA ein Pilotprojekt zum Ausbau privater Internetanschlüsse ausgedehnt.

Seit Inbetriebnahme des Unterseekabels aus Venezuela im Sommer 2013 hat sich die verfügbare Bandbreite auf der Insel vervielfacht. Zuvor musste Kuba teure und häufig überlastete Satellitenverbindungen nutzen, um eine Verbindung zum weltweiten Netz herzustellen. Bis dato wurden mehr als 350 öffentliche Wi-Fi-Hotspots eröffnet. Der Preis für eine Stunde Internetzugang hat sich in den letzten Jahren von 4,50 CUC auf heute 1,50 CUC reduziert. Mit der Inbetriebnahme der Google-Cache Server soll die Verbindungsqualität verbessert und die Ausnutzung des neuen Kabels optimiert werden.

Von Marcel Kunzmann / Amerika21

ETECSA reduziert Preise für Mobilfunk, 38.000 private Internetanschlüsse für 2017 geplant

Mit dem „Plan Amigos“ reduzieren sich die Preise für eine Gesprächsminute für ausgewählte Nummern (Quelle: Cubadebate)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA hat ein neues Preismodell für Mobilfunkkunden eingeführt, welches die Preise für Anrufe von 0,35 auf 0,20 CUC pro Minute reduziert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, in den kommenden Monaten 38.000 neue Internetanschlüsse in Privathaushalten legen zu wollen, die Preise starten bei monatlich 15 CUC. Auch das mobile Datennetz mit 3G-Geschwindigkeit soll dieses Jahr weiter ausgebaut werden.

Mit dem „Plan Amigos“ sollen ETECSA-Kunden für Handytelefonate bis zu 40 Prozent sparen können. Im Rahmen des neuen Dienstes können Nutzer bis zu drei Nummern (mobil oder Festnetz) eintragen, für die dann lediglich 0,20 CUC pro Minute fällig werden. Zwischen 23 und 6 Uhr Morgens gilt wie bisher für alle der Nachttarif von 0,10 CUC pro Minute. Verwaltet werden kann das neue Angebot über das Handy, indem über die Wahlkombination *133# das entsprechende Menü geöffnet wird, der aktuelle Status lässt sich mittels *222*264# überprüfen. Die Aktivierung des Dienstes kostet einmalig 1 CUC, danach werden monatlich 0,50 CUC fällig. Der „Plan Amigos“ lohnt sich bereits für alle, die mehr als 4 Minuten pro Monat mit einer bestimmten Nummer telefonieren.

Preise und Geschwindigkeit für private Internetanschlüsse. Rechte Spalte: nach geplanter Preissenkung in diesem Jahr (Quelle: Cubadebate)

Nachdem die Pilotphase für private Internetnanschlüsse in Havanna vor wenigen Wochen zu Ende ging, soll das Angebot in diesem Jahr weiter ausgedehnt werden. Nach internen Umfragen waren 94 Prozent der zufällig ausgewählten Teilnehmer mit dem Dienst zufrieden. In diesem Jahr plant ETECSA, bis zu 38.000 private Internetleitungen zu aktivieren. Die Installation (inklusive Router) kostet einmalig 29 CUC, danach stehen verschiedene Tarife zur Auswahl, die ab 15 CUC pro Monat für ein Kontingent von 30 Stunden beginnen.

Für das günstigste Paket (15 CUC und 30 Stunden) bekommt der Nutzer derzeit lediglich eine DSL-Verbindung mit 128 Kbit Downstream. Im Laufe des Jahres sollen diese Verträge jedoch bei gleichem Preis auf 256 Kbit-Leitungen aufgerüstet werden. Die Kosten für die anderen Tarife werden entsprechend angepasst. Die schnellste Verbindung (2 Mbit), wird dann statt bisher 115 nur noch 70 CUC pro Monat kosten. An den maximal 30 Stunden Internetzeit pro Monat soll sich jedoch erstmal nichts ändern.

Auch das kubanische Handynetz soll weiter ausgebaut werden. UMTS-Abdeckung (3G), also eine schnelle mobile Datenverbindung, existiert derzeit nur in Havanna und einigen Provinzhauptstädten. Im Rahmen eines „Nauta„-Accounts können Nutzer in Matanzas und Villa Clara seit kurzem ihre eMails auch mit 3G-Geschwindigkeit empfangen, Havanna soll in Kürze nachziehen. Kuba verfügt derzeit über 5,32 Mio. Telefonleitungen, davon sind rund 4 Millionen Mobilfunknummern. Landesweit stehen inzwischen 1058 Handymasten, davon sind  rund 20 Prozent 3G-fähig. Sie decken über 90 Prozent des Archipels mit GSM-Netz ab.

Karte mit Netzabdeckung für Mobildaten in Kuba. Dunkelgrün: 3G (Quelle: Cubadebate)

 

Drei Monate nach Matthew – Ostkuba im Aufbaumodus

f0075619

Zeichen des Wiederaufbaus: Der Río Toa, welcher Baracoa von der Nachbarprovinz Holguín trennt, ist wieder auf dem Landweg querbar (Quelle: Granma)

Drei Monate nachdem Hurrikan „Matthew“ den Ostzipfel der Insel in der Provinz Guantánamo verwüstet hat, zog man auf Kubas Bilanz über das genaue Ausmaß der Schäden und den Stand des Wiederaufbaus. Während vieles in den betroffenen Gebieten bereits repariert werden konnten, klaffen an anderer Stelle noch Lücken. Mit der Eröffnung der provisorischen Landbrücke über den Río Toa Mitte Dezember wurde jedoch ein wichtiges Etappenziel erreicht.

Über 70 Prozent der Wohngebäude beschädigt oder zerstört

Nachdem „Matthew“ in der Nacht des 4. Oktober im östlichsten Zipfel Kubas auf Land traf, verwüstete der Hurrikan die Gemeinden Baracoa, Maisí, San Antonio del Sur und Yateras mit voller Wucht. Sie alle sind Teil der östlichen Provinz Guantánamo. Die Nachbarprovinzen Holguín und Santiago kamen diesmal glimpflich davon. Eine Woche nach dem Sturm stattete Präsident Raúl Castro den Gemeinden einen Besuch ab. Rund drei Monate später besucht Kubas erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel die Gegend. In diesen Tagen wurden dann erstmals neue Zahlen zum Wiederaufbau gemeldet.

So sind in den fünf betroffenen Ortschaften insgesamt 42.338 Gebäude beschädigt worden, 72 Prozent aller Wohneinheiten sind betroffen. Von den beschädigten Gebäuden wurden 8.413 als Totalverluste gemeldet, 6.552 gelten als teilweise zerstört. 27.373 Gebäude verloren ihr Dach teilweise oder ganz. Bis Ende Dezember konnten allerdings bereits 54 Prozent der Häuser wieder aufgebaut werden. Neben 19.451 reparierten Wohngebäuden wurden rund 2.000 neue errichtet. Von den 2.168 beschädigten staatlichen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Büros, etc.)  sind bereits 1.993 wieder aufgebaut.

Subventionen, Kredite, Plattenbauten

diaz-canel-en-baracoa-580x295

Kubas Erster Vizepräsident Miguel Díaz-Canel (2.v.r.) besucht die betroffenen Regionen in Guantánamo (Quelle: Cubasi)

Um neuen Wohnraum für die Hurrikanopfer zu schaffen sind in der Umgebung von Baracoa über 100 neue Wohnanlagen in Großblockbauweise geplant, die meisten mit vier oder fünf Stockwerken. Sie werden derzeit in den Stadtteilen Hoyos de Sabanilla, dem Barrio Bohorque, La Bacanera, Van Van, El Turey und dem Viertel La Alegría errichtet.

Der Wiederaufbau der meisten Häuser erfolgt nicht zuletzt durch die Eigeninitiative der Bevölkerung. Der Staat stellt in vielen Fällen die Baumaterialien zu günstigen Konditionen bereit. Insgesamt wurden für diesen Zweck 6.631 Kredite im Wert von 32 Mio. CUP ausgegeben. Gleichzeitig wurden 1.092 Subventionen im Wert von 47,6 Mio. Pesos bewilligt.

f0072427

Die Wiederherstellung von Strom-, Telefon- und Internet gehörte zu den ersten Aufgaben nach dem Hurrikan (Quelle: Granma)

In den ersten Tagen nach dem Sturm erschwerten vor allem der Zusammenbruch der Stromversorgung den Anwohnern den Alltag. Insgesamt wurde die Stromversorgung von 51.517 Kunden unterbrochen, allerdings konnten alle Anschlüsse innerhalb von 20 Tagen wieder versorgt werden.

Ähnlich schnell ging die Wiederherstellung der Internet- und Mobilfunkversorgung. Es kam zu Schäden im Glasfaserkabel auf einer Länge von 21 Kilometern, rund 66 Kilometer Kupferleitungen wurden stellenweise unterbrochen. Neben der Wiederherstellung der Leitungen wurde auch eine neue Satellitenverbindung zwischen Guantánamo, Maisí, Baracoa und anderen Städten der Region aufgebaut die in Zukunft helfen soll, falls die Glasfaserleitung wieder ausfällt. Neue Sendemasten in Los Guineos, Nibujon (Baracoa) und Sierra Verde (Maisí) sollen den Mobilfunkempfang verbessern und versorgen die Region erstmals mit Digitalfernsehen.

Der Río Toa, wieder ohne Fähre passierbar

f0076741

Miniindustrien sollen helfen, vor Ort für die Produktion von Baumaterialien zu sorgen (Quelle: Granma)

Probleme gibt es weiterhin bei den Straßen. Die Strecken Los Calderos-Explanada de Duaba (Gemeinde Imías) sowie Alto de La Zona-Viento Frío (San Antonio del Sur) sind noch immer nicht befahrbar. Dafür ist der Fluss Toa auf der Strecke zwischen Baracoa und Moa erstmals seit Oktober wieder auf dem Landweg querbar. Ende Dezember wurde eine provisorische Zementkonstruktion einige hundert Meter Stromabwärts von der zerstörten Brücke eröffnet. Damit ist die Verbindung zur Nachbarprovinz Holguín wiederhergestellt. In den Monaten zuvor war der Fluss lediglich mittels einer Fähre passierbar.

Auf den Streckenabschnitten Neblina-Cayo Güín und Yumurí-Jobo Claro werden derzeit neue Straßen errichtet, die Vía Mulata wird zwischen Paso del Toa und Neblina asphaltiert. Ziel ist es, die Gemeinden Baracoa und Maisí wieder besser miteinander zu verbinden und den gefährlichen Bergpass La Boruga zu vermeiden.

Um den Wiederaufbau zu beschleunigen wurden in den betroffenen Gemeinden über 30 „Mini-Fabriken“ aufgebaut. Dabei handelt es sich um kleine Anlagen, die zeitweise zur lokalen Produktion von Brot, Asphalt, Zement und anderen Baumaterialien beitragen bis die beschädigte Industrie wieder in Schwung kommt. Probleme gibt es nämlich noch genug. Noch immer leben viele Menschen in Notunterkünften und von den 70.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche die vom Sturm beschädigt wurden, konnten nur 12.000 gerettet werden.

Insgesamt scheint der Wiederaufbau in den fünf betroffenen Gemeinden jedoch den Umständen entsprechend gut zu funktionieren. Bereits jetzt sind alle Orte wieder auf dem Landweg erschlossen und dank Strom und Mobilfunk mit dem Rest des Landes verbunden. Das beliebte Reiseziel Baracoa empfängt unlängst wieder Touristen. Nicht zuletzt auch Dank der Hilfen aus Ecuador, Venezuela und der Vereinten Nationen konnte Kuba abermals sein bewährtes Krisen- und Aufbaumanagement bei Naturkatastrophen unter Beweis stellen.