Kuba exportiert mehr soziale Dienstleistungen

Medicos-cubanos

Kubanische Ärzte und Sozialarbeiter sind in 67 Ländern im Einsatz (Quelle: Universoincreible)

Havanna. Das sozialistische Kuba hat in in den vergangenen Wochen und Monaten neue Verträge über den Export von medizinischen und anderen Dienstleistungen abgeschlossen, berichtete die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina. Sie zitierte die stellvertretende Gesundheitsministin, Marcia Cobas, die sich in einem Pressestatement zu dem Engagement im Ausland äußerte.

Demnach wurden unter anderem mit Brasilien, Katar, Mexiko, Portugal und Saudi-Arabien neue Abkommen über den Export von Dienstleistungen unterzeichnet, wobei keine genauen Angaben über den Umfang der Vereinbarungen bekannt wurden. Gleichzeitig bekräftigte Cobas die Bedeutung der solidarischen Hilfe, welche auch weiterhin in Krisengebieten geleistet werden soll.

Insgesamt arbeiten heute über 50.000 Kubaner in 67 Ländern, die meisten davon im Gesundheitswesen. Aber auch Sport- und Beratungsdienstleistungen werden von kubanischer Seite angeboten. Der Export von Dienstleistungen zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen des Landes.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Advertisements

Ehrgeizige Zuckersaison 2014/15 steht bevor

f0022380

Der Einsatz von Düngemitteln für die Zuckerernte wird in diesem Jahr verdoppelt (Quelle: Granma)

In wenigen Tagen beginnt in Kuba die Zuckerrohrernte für die Saison 2014/15, auch  „Zafra“ genannt. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen in den Mühlen des Landes, um die ehrgeizigen Ziele erfüllen zu können. Im kommenden Jahr plant Kuba zwei Millionen Tonnen Rohzucker zu produzieren, eine Steigerung von 23 Prozent gegenüber der letzten Saison. Experten der staatlichen Zuckerholding AZCUBA erklärten jüngst in der Parteizeitung Granma die Ziele für die kommende Ernte.

Um das maue Ergebnis dieses Jahres zu übertreffen, wurden umfangreiche Investitionen in Wartung und Erneuerung der Zuckermühlen vorgenommen, von denen 44 noch in den kommenden Wochen ihren Betrieb aufnehmen werden. Bis Januar sollen acht weitere folgen. Zu den wichtigsten Investitionen zählt der Import von 200 modernen Zuckererntern aus Brasilien, die im Unterschied zu den vorherrschenden sowjetischen KTP-Modellen im 24 Stunden-Betrieb eingesetzt werden können.

Mehr Düngemittel für bessere Qualität

Ebenfalls neu ist der umfangreiche Einsatz natürlicher und chemischer Düngemittel, die  durch Flugzeuge auf einer Fläche von 140.000 Hektar verteilt werden, doppelt so groß wie in der vorangegangenen Ernte. Dadurch soll sich der Zuckergehalt im Rohr erhöhen, was der Qualität zu Gute kommt und die Nettoausbeute der Mühlen steigert. In der vergangenen Saison war der Saccharoseanteil bei 10,92 Prozent, weniger als noch im Jahr zuvor. Starke Regenfälle haben die Quantität und Qualität der Ernte stark beeinträchtigt.

Durch die gesunkene Qualität des Zuckerrohrs konnte der Rohzuckerertrag in diesem Jahr um lediglich 4 Prozent Prozent zulegen, er lag bei 1,67 Millionen Tonnen. Durch den Einsatz der Düngemittel, der zwei Millionen US$ kostet, verspricht man sich Mehreinnahmen von 10 Millionen US$. Die pro-Hektar Erträge sollen 2015 bei mindestens 43 Tonnen Zuckerrohr liegen. Zusätzlich zum Zucker will Kuba 1,3 Millionen Hektoliter Ethanol und 225 Millionen Tonnen Tierfutter als Nebenprodukte herstellen. Außerdem sollen die Zuckermühlen 125 Gigawatt Strom erzeugen.

Doch nicht nur bei den Investitionen sind Fortschritte zu verzeichnen, auch die Kader- und Lohnpolitik konnte sich weiter konsolidieren, was die Arbeitskräfteschwankungen im Sektor zu dämpfen vermochte. Zu den Neuerungen gehört die Einführung eines verbesserten Entlohnungssystems für die Produzenten. Bisher wurden diese nach Tonnen bezahlt, in der jetzigen Saison wird es erstmals Prämien für hohen Saccharoseanteil im angelieferten Zuckerrohr geben.

Nach oben korrigierte Ziele für 2015

Die Wiederbelebung des kubanischen Zuckersektors geht also weiter. Der Zuwachs von 23 Prozent ist das anspruchvollste Wachstumsziel der letzten Jahre – und eine deutliche Korrektur nach oben. Noch im Oktober war von einem Zuwachs von lediglich 12 Prozent die Rede, was 1,88 Millionen Tonnen ergeben hätte. Warum auf einmal zwei Millionen Tonnen vorgesehen sind, wurde nicht kommentiert. Manches deutet jedoch darauf hin, dass die Trendwende gelingen könnte.

Kubas Zuckerindustrie gibt sich derzeit ungewohnt optimistisch: „Für diese Kampagne gibt es deutlich bessere subjektive und objektive Bedingungen als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt“, sagte Pérez Omar, Spezialist der AZCUBA-Gruppe. In den letzten Wochen berichteten die kubanischen Medien verstärkt über Investitionen in den Zuckersektor, dem Thema wird deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als im vergangenen Jahr.

Denn wenn die zwei Millionen Marke geknackt wird, wäre dies nicht zuletzt auch ein  symbolischer Etappensieg, um die mageren, von Unterfinanzierung und Improvisation geprägten Jahre der letzten Dekade endgültig hinter sich zu lassen. In den 1980er Jahren produzierte Kuba noch über acht Millionen Tonnen Rohzucker und war wichtigster Lieferant des sozialistischen Lagers. Die pro-Hektar Erträge lagen damals bei 60 Tonnen. Heute liegt die Zuckerindustrie auf dem Produktionsindex bei 21 Prozent vom Stand des Jahres 1989.

Mittelfristig will man bescheidener bleiben, auch aufgrund der gesunkenen weltweiten Nachfrage. In einigen Jahren soll sich die Zuckerproduktion Kubas zwischen 3 und 4 Millionen Tonnen pro Jahr einpendeln, bei pro-Hektar erträgen von 52 Tonnen Zuckerrohr. Um den veralteten Maschinenpark zu modernisieren, sollen auch Direktinvestitionen zum Einsatz kommen. Im aktuellen Investitionskatalog, der vergangene Woche auf der FIHAV veröffentlicht wurde, sind vier Zuckermühlen zur Verwaltung durch ausländische Investoren ausgeschrieben.

Internationale Handelsmesse war voller Erfolg für Kuba

FIHAV-2014-1

Die kubanische Handelsmesse FIHAV zählt zu den wichtigsten Lateinamerikas (Quelle: Cubahora)

Die 32. Ausgabe der internationalen Handelsmesse FIHAV 2014 ging vergangenen Samstag auf dem Messegelände der Expocuba in Havanna zu Ende. Unternehmen aus über 60 Ländern waren in 25 Pavillons auf der größten Handelsausstellung der Karibik vertreten. Die einwöchige Messe begann am 2. November und stand zum ersten Mal seit ihrer Premiere im Jahr 1983 unter dem Motto ausländischer Direktinvestitionen. Im Juni trat in Kuba ein neues Gesetz über ausländische Investitionen in Kraft, das unter anderem Steuervorteile vorsieht.

Neues Portfolio mit 246 Projekten

„Wir versuchen ausländische Investitionen auf Basis eines breiten und vielseitigen Portfolios zu bewerben, weil wir ausländisches Kapital für jene Projekte fördern wollen, die wir als notwendig für die Entwicklung unserer Wirtschaft idenfiziert haben“, sagte Rodrigo Malmierca, Minister für Außenhandel und ausländische Investitionen bei der Eröffnungsfeier am Montag. Das auf der Messe vorgestellte Portfolio umfasst 246 Projekte mit einer Investitionssumme von insgesamt 8,7 Mrd. US$. Von ihnen befinden sich 25 in der neu eröffneten Sonderwirtschaftszone von Mariel.

Begleitend zur Vorstellung des Dokuments fanden zahlreiche themengebundene Workshops statt, die über die verschiedenen Sektoren und Projekte gezielt informierten. Mehr als 360 kubanische Firmen waren mit einem eigenen Stand vertreten, darunter auch zwei Kooperativen. Das neue Investitionesgesetz („Ley 118“) wurde den anwesenden Unternehmern in einem Seminar erläutert und auch die Sonderwirtschaftszone von Mariel sowie der dazugehörige Containerhafen waren mit einem eigenen Stand vertreten.

„Ausländische Investitionen sind der schnelle Weg um Wachstumsraten von 5 Prozent zu erreichen, aber dafür darf die jährliche Akkumulationsrate nicht unter 20 Prozent fallen, heute liegt sie jedoch bei 12 Prozent“, sagte der Minister und fügte hinzu, dass mindestens 2 Milliarden Dollar an Investitionsmitteln pro Jahr benötigt würden, um die Entwicklung des Landes zu ermöglichen. Um Verhandlungsprozesse zu vereinfachen, beinhaltet das neue Portfolio konkrete Projektvorschläge samt Machbarkeitsstudien, voraussichtlichen Investitionssummen sowie den Kontaktdaten der kubanischen Partner.

Alle Provinzen, fast alle Sektoren offen für Direktinvestitionen

Das neue PortfolioDer Katalog ist in zwei Teile untergliedert: Im ersten Teil finden sich 25 Projektvorschläge für die Sonderwirtschaftszone, der zweite Teil umfasst 221 Projekte in allen anderen Landesteilen. Die meisten von ihnen befinden sich in den Provinzen Havanna, Artemisa, Matanzas, Ciego de Ávila, Camagüey, Holguín, Sancti Spíritus und Villa Clara. Damit stehen alle Provinzen und fast alle Sektoren der kubanischen Wirtschaft mit geeigneten Projektideen für ausländische Investoren bereit. Die wichtigsten Wirtschaftsbereiche sind (Anzahl der jeweiligen Projekte in Klammern): Öl (86), Tourismus (56), Landwirtschaft & Nahrungsmittelindustrie (37), Industrie (16), erneuerbare Energien (14), Biotechnologie & Medizin (13) sowie Bergbau (10).

Zusätzlich zu den Projekten beinhaltet der Katalog auch detaillierte Informationen über die jeweiligen Sektoren, sowie die wichtigsten makroökonomischen Kennziffern. Ergänzt wurde das Dokument mit einem Investitionsführer, der ausländischen Investoren den Einstieg in den kubanischen Markt erleichtern soll und nützliche Tipps sowie Ansprechpartner bereithält. Im folgenden werden einige der wichtigsten Projekte des Portfolios nach den jeweiligen Sektoren kurz vorgestellt:

  • Petrochemie (Erdöl): Risikovertrag zur Erkundung von 8 Blöcken mit potentiellen Ölvorkommen auf dem Festland sowie 52 Offshore-Blöcken. 25 Ölbohrungen auf dem Festland, vor allem im Norden der Insel. Ausbau eines Ölfelds in Nordmatanzas.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Ausbau, Schaffung und Modernisierung von Produktionskapazitäten. Förderung von Projekten zur Entnahme von Kohlenwasserstoff.
  • Tourismus: Bau von zwei Golfkomplexen im Wert von insgesamt 960 Mio. US$ in der Provinz Cienfuegos mit Hotelkomplex, 4.900 Wohnhäusern, Spa, Klubhaus und Einkaufsmöglichkeiten. Managementverträge für 33 Hotels in verschiedenen Provinzen (die meisten in Ciego de Ávila und Villa Clara). Erichtung diverser Hotels in Sancti Spíritus und Holguín in Form eines Joint-Ventures.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Errichtung neuer Hotels, Erweiterung der Kapazitäten und der vorhandenen Infrastruktur. Ausgeschlossen wird die Errichtung von Delfinarien. Priorität genießen die Regionen Guardalavaca bei Holguín, die Südküste bei Cienfuegos und Trinidad, Playa Santa Lucia im Norden von Camagüey und der Norden von Las Tunas. Bis 2020 sollen die Hotelkapazitäten des Landes von derzeit 61.500 auf 85.000 Betten aufgestockt werden.
  • Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie: Mehrere Projekte zur Modernisierung von Schlachthäusern, Hühner- und Schweinemasten sowie Molkereien im Wert von insgesamt 500 Mio. US$ in verschiedenen Provinzen des Landes. Projekte zum Anbau von Zitrusfrüchten, Errichtung einer Getränkefabrik, Modernisierung von Einrichtungen zur Kakaoverarbeitung und zur Herstellung von Sojamehl. In der Zuckerindustrie wird die Verwaltung von 4 Zuckermühlen mit einem Investitionswert von je 40 Mio. US$ angeboten. Ziel ist die Modernisierung und Wiederherstellung der ursprünglichen Kapazität der Anlagen.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Förderung von konkurrenzfähigen Unternehmen in der Agrarindustrie, die die Nahrungsmittelproduktion steigern, Importe ersetzen und die Exporte des Landes diversifizieren. Steigerung der Effizienz im Zuckersektor und Herstellung von Zuckerderivaten. Ausgeschlossen von ausländischen Investitionen bleibt der Tabaksektor samt Zigarrenindustrie, Landbesitz ist nicht übertragbar.
  • Industrie: Errichtung einer Fabrik für PCs, Smartphones, LED-Beleuchtung und Tablets in Havanna (Summe: 9,6 Mio. US$). Modernisierung einer Textilfabrik, Erweiterung diverser Anlagen zur Papierherstellung (ca. 180 Mio. US$), Aufbau eines modernen Recyclingsystems in Havanna (115 Mio. US$), Erweiterung eines Stahlwerks in Las Tunas (222,5 Mio. US$), Projekte zur Herstellung und Vermarktung von Autobatterien, Aluminiumgefäßen, Düngemitteln und Verpackungen aus Glas und Pappe.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Modernisierung und Kapazitätserweiterung der Industrie um den heimischen Bedarf zu decken, Importe zu ersetzen und Exporte zu generieren. Schwerpunkte sind Metallindustrie, Leichtindustrie, chemische und Elektroindustrie.
  • Erneuerbare Energien: Errichtung von 10 bioelektrischen Anlagen zur Stromerzeugung aus Bagasse, 30 bis 60 Megawatt mit Investitionssummen zwischen 72 und 144 Mio. US$ (2.400 US$ pro kW). Bau eines Windparks mit 174 Megawatt in der Provinz Guantánamo (285 Mio. US$) und 102 Megawatt in der Provinz Holguín (200 Mio. US$). Zwei Projekte zur Stromerzeugung aus Marabúrückständen (insg. 46 Mio. US$), Solaranlagen, u.a. in Mariel.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Förderung von erneuerbaren Energien, mit dem Ziel ihren Anteil auf 24 Prozent bis zum Jahr 2030 zu erhöhen (derzeit 4 Prozent). Dazu sind in den kommenden 15 Jahren Investitionen von 3,5 Milliarden US$ notwendig. Die umfassende Ausstattung kubanischer Haushalte und Unternehmen mit LED-Beleuchtung, Solaranlagen und Induktionsherden ist geplant.
  • Biotechnologie und Medizin: Alle Projekte dieses Sektors sind derzeit für den Standort Mariel geplant. Darunter eine Fabrik zur Herstellung von Impfstoffen (65 Mio. US$), mehrere Fabriken zur Herstellung natürlicher Medikamente (50 Mio. US$), eine Fabrik zur Herstellung monoklonaler Antikörper (90 Mio. US$), eine Fabrik für die Herstellung von Injektionsmedikamenten mit einer Kapazität von 20 Millionen Ampullen pro Jahr (160 Mio. US$) sowie diverse Pharmaunternehmen zur Herstellung von Verhütungsmitteln und anderen Medikamenten. Eine allgemeine Sektorenpolitik sowie weitere Investitionsvorschläge werden noch erarbeitet.
  • Bergbau: Mehrere Projekte zur Erkundung von Nickel und Kobaltvorkommen, u.a. in Pinar del Río und Camagüey. Erkundungsverträge in diversen Landesteilen für Mineralien, darunter: Gold, Silber, Eisen, Mangan, Nickel, Kobalt und Zink.
    Allgemeine Sektorenpolitik: Schaffung, Erweiterung und Modernisierung von Produktionskapazitäten. Förderung von Projekten zur Erkundung, Entnahme und Weiterverarbeitung von Mineralien.

Außerhalb dieser Sektoren gab es weitere bemerkenswerte Projekte, z.B. die Verwaltung einer Buszentrale im ÖPNV-System Havannas durch ausländische Partner, oder die Modernisierung zweier Zementfabriken mit einer Investitionssumme von 860 Millionen US$. In der Sonderwirtschaftszone von Mariel steht neben der Biotechnologie auch die Industrie im Vordergrund. Unternehmen zur Herstellung von Glasflaschen und Aluminiumdosen werden ebenso gesucht wie Investoren für eine Reifen- und Ersatzteilfabrik.

_MG_4419

Die Lebensmittelindustrie spielt nicht nur bei den Projekten der Sonderwirtschaftszone in Mariel eine wichtige Rolle (Quelle: Cubahora)

Der Katalog erfreute sich dabei großer Beliebtheit unter den Investoren. Bereits während der Messe wurde von einigen Vertragsabschlüssen berichtet. „Wir sehen dieses Portfolio als einen ersten Schritt, und nicht als ein in Stein gemeißeltes Dokument“, sagte Malmierca. „Morgen kann vielleicht schon ein neues Projekt entstehen und nur weil etwas nicht im Portfolio steht, heißt es nicht, dass es nicht verhandelbar ist.“

Defizite gebe es noch bei der Ausarbeitung von vollständigen Produktionsketten, was bei der nächsten Aktualisierung des Portfolios verbessert werden soll. Zahlreiche Länder nutzten im informellen Rahmen der Messe die Gelegenheit zur langsamen politischen Wiederannährung, während hunderte Unternehmen mit eigenen Ständen auf der 18.500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche mit Kuba in die Verhandlungen traten. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Brasilien: Das Land vergrößterte seine FIHAV-Präsenz im Vergleich zu den Vorjahren von 33 auf 45 Unternehmen und zeigte unter anderem in den Sektoren Mode, Haushaltsgegenstände, Lebensmittel, Kosmetik, Transport, Informatik und Bau Präsenz. Vor allem in der Biotechnologie soll die Kooperation in Zukunft ausgebaut werden.
  • China: Es wurde ein Vertrag in Höhe von 10 Mio. Dollar zum Import von Elektronikwaren unterzeichnet, darunter neue Receiverboxen und TV-Geräte für die Umstellung des kubanischen Fernsehens auf Digitalbetrieb.
    Der Autohersteller Geely plant die Eröffnung eines Montagewerks in Mariel mit einer jährlichen Kapazität von 10.000 Fahrzeugen bis Juni 2015. Der kubanische Bedarf wird auf 3.500 PKW pro Jahr veranschlagt, der Rest soll in die Region exportiert werden. 109 Kubaner sollen in der Fabrik arbeiten, die die Modelle CK, EC7 und EC8 herstellen wird.
  • Deutschland: Deutschland war mit 53 Unternehmen auf der Messe vertreten, darunter Bosch, MAN und ThyssenKrupp. Politisch hat sich die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren kaum um Kuba bemüht. Auf der Messe kritisierten deutsche Unternehmer den mangelnden Rückhalt durch die Politik und die deutsche Botschaft. Insbesondere das Fehlen einer Außenhandelskammer (AHK) sowie eines Büros der deutschen Wirtschaft wird beanstandet. Von kubanischer Seite habe sich die Kommunikation jedoch verbessert, es gebe eine neue Offenheit, zitiert die Deutsche Welle einen Unternehmer.
    Peter Scholz, deutscher Botschafter in Havanna, formulierte vorsichtig, dass man sich durch das neue Investitionsgesetz in Zukunft mehr Handelsverbindungen verspricht. Weitere offizielle Gäste gab es nicht.
  • Italien: Der italienische Vizeminister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, war auf der Messe zu Gast und erklärte, dass sich sein Land aktiv für eine Förderung der Beziehungen mit Kuba einsetzen werde, der Abschluss des neuen Abkommens mit der EU solle beschleunigt werden. Im nächsten Jahr plant er mit einer italienischen Unternehmerdelegation zurückzukehren. In der Zwischenzeit will Italien ein Handelsbüro in Havanna eröffnen.
  • Mexiko: Die 37 mexikanischen Unternehmen zeigten sich interessiert an den neuen Investitionsgesetzen. Derzeit werden 31 Investitionsvorschläge von mexikanischen Partnern verhandelt, unter anderem in den Bereichen Nahrungsmittel, Düngemittel und Maschinenbau. Als sicher gilt die Gründung eines neuen Joint-Ventures unter dem Namen „Flexocaribe„, das die Modernisierung einer Verpackungsfabrik in der Provinz Mayabeque zum Ziel hat, um bis zu 80 Prozent des heimischen Bedarfs zu decken. Das Unternehmen soll noch im ersten Quartal 2015 seine Arbeit aufnehmen. Eine mexikanische Firma zur Herstellung von antikorrosiven Lackierungen will sich ebenfalls in Mariel niederlassen. Außerdem wurde ein Vertrag über professionelle Auditdienstleistungen mit der mexikanischen Firma Miranda & Co. abgeschlossen.
  • Portugal und Großbritannien waren mit hochrangigen Regierungsvertretern und Unternehmerdelegationen zu Gast und verbesserten die Beziehungen mit Kuba. Während sich Portugals Vizepremier Paulo Portas mit seinem Amtskollegen Miguel Díaz-Canel traf, schickte Großbritannien seinen Außenminster Hugo Swire nach Havanna.
  • Russland: Einer der wichtigsten Vertreter im russischen Pavillon war der LKW-Hersteller Kamaz, der die Eröffnung einer Wartungsstation für die in Kuba weit verbreiteten sowjetischen LKWs plant.
  • Spanien: Der iberische Staat war auch dieses Jahr wieder nicht nur der größte Gast in Puncto Ausstellungsfläche, sondern bekräftigte auch seine Rolle als wichtigster Investor. Dieses Jahr war das Land mit 132 Unternehmen in vier Pavillons vertreten, die unterschiedlichste Produkte vorstellten. Botschaftsfunktionäre versichterten gegenüber kubanischen Medien, dass derzeit zahlreiche neue Investitionsvorhaben geprüft würden, unter anderem im Tourismussektor.
  • Südkorea: Das südkoreanische Unternehmen „DOsmunDo“ plant die Eröffnung einer Textilfabrik in der Sonderwirtschaftszone von Mariel.
  • Venezuela: Kubas wichtigster Handelspartner war mit knapp 60 Unternehmen auf 2.000 Quadratmetern Austellungsfläche vertreten. Es wurde ein Abkommen in Höhe von 45 Millionen US$ unterzeichnet, das den Import von venezolanischen Produkten wie Haushaltsgeräten, Baumaterialien, Industriegütern und Fahrzeugen vorsieht.

Insgesamt war die Handelsmesse für Kuba in diesem Jahr ein voller Erfolg. Ricardo Cabrisas, Vizepräsident des Ministerrats, stellte fest: „Die Messe schloss mit einer positiven Bilanz“, die sich auch anhand der besseren Vorbereitung und moderneren Präsentationsmittel gezeigt habe. Kubas Ölindustrie konnte kurzfristig neue Importpartner finden, was als positive Überraschung gewertet werden kann. Mit dem neuen Investitionsgesetz will das Land jedoch vor allem auf lange Sicht die Hemmschwelle für potentielle Investoren senken.

Nach der Liquiditätskrise im Jahr 2010 scheint das Vertrauen ausländischer Geschäftspartner langsam zurückgekehrt zu sein. Mit der Verabschiedung des Investitionsgesetzes im März dieses Jahres hat Kuba Fakten geschaffen. Vizepräsident Miguel Díaz-Canel betonte auf der Messe den Stellenwert der Rechtssicherheit für ausländische Investoren und die Ernsthaftigkeit der kubanischen Regierung im Umgang mit ihnen. Mit dem neuen Portfolio stehen den Unternehmen nun konkrete Projekte samt Risikoanalysen zur Auswahl. Kuba hat damit die Kommunikation verbessert und signalisiert, wer und was am dringlichsten gebraucht wird.

Die Strategie scheint aufzugehen. Mittlerweile hat die Sonderwirtschaftszone von Mariel das Interesse ausländischer Investoren geweckt, mehr als 30 Länder verhandeln derzeit Projekte in dem Gebiet. Und auch die Möglichkeit, Joint-Ventures mit Kooperativen in- und außerhalb der Landwirtschaft zu bilden ist ein Novum. 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird in Kuba von Genossenschaften und Kleinbauern bearbeitet. Ausländisches Kapital könnte eine entscheidende Rolle bei der Steigerung der Lebensmittelproduktion einnehmen.

Dennoch bleiben Einschränkungen, z.B. bei den Kooperativen: „Es wurde festgelegt, dass der Staat immer beteiligt sein muss, um die Konzentration von Reichtum zu verhindern“, erklärte Wirtschaftsminister Marino Murillo diesen März vor dem kubanischen Parlament. Ohne die Zustimmung der Regierung wird auch künftig kein ausländisches Unternehmen im Land Fuß fassen können. Kuba will sich nicht ausverkaufen, sondern prüft vor dem Vertragsabschluss den volkswirtschaftlichen Nutzen und die Langzeitfolgen jedes einzelnen Projekts, was Zeit in Anspruch nimmt.

Noch immer beklagen sich deshalb einige Unternehmer über die Langsamkeit der Kubaner bei der Genehmigung ihrer Investitionsvorhaben. Der Außenhandelsminister nahm die Kritik derweil gelassen auf: „Viele Leute beschweren sich über die Zeit die wir brauchen, aber jeder hat seine eigene Geschwindigkeit“, sagte Rodrigo Malmierca und fügte hinzu: „Wir werden das auf unsere Weise machen – und wir wollen es gut machen.“

Anhang (PDF)

Kuba und Brasilien verstärken Kooperation in der Biotechnik

medicamento-eritropoyetina

Das kubanische Erythropoietin-Medikament EPOCIM (Quelle: Prensa Latina)

Havanna. Kuba und Brasilien werden die Kooperation auf dem Gebiet der Biotechnologie weiter ausbauen. Über einhundert Experten aus beiden Ländern haben dazu jüngst bei einer Arbeitstagung in Havanna über ihre Erfahrungen bei der Anwendung eines Erythropoietin-Wirkstoffs beraten, der bei der Behandlung zahlreicher Krankheiten wie Anämieleiden, Krebs und HIV zum Einsatz kommt.

Das Medikament wurde vor 15 Jahren in Kuba entwickelt und kam bisher über 250.000 Menschen zu Gute. Es wird nicht nur für den heimischen Markt genutzt, sondern ist inzwischen in 25 Ländern zugelassen und wird unter anderem nach Indien und Vietnam exportiert. Auf dem zweitätigen Treffen, das am Montag in Havanna begann, lud das kubanische Zentrum für molekulare Immunbiologie (CIM) nun zahlreiche brasilianische Experten zur Auswertung der Ergebnisse ein.

Die Zusammenarbeit mit Brasilien habe in den vergangenen Jahren zu einem Technologietransfer geführt, erklärte Patricia Padres, wissenschaftliche Leiterin des 1994 auf Initiative Fidel Castros gegründeten Zentrums. Derzeit arbeite man mit brasilianischen Firmen an weiteren Projekten, darunter Studien zur Verbesserung von Krebstherapien.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Chinas Präsident Xi Jinping besucht Lateinamerika

Xi-Jinping-600x350

Chinas Präsident Xi Jingping (Quelle: Cubadebate)

Fortaleza. Chinas Präsident Xi Jinping hat seine Lateinamerikareise begonnen. Der 61-jährige, der vergangenes Jahr als Nachfolger von Staatspräsident Hu Jintao gewählt wurde, nahm am Gipfeltreffen der BRICS-Staaten teil, das von Montag bis zum gestrigen Mittwoch im brasilianischen Fortaleza stattfand. Die Anwesenheit von Präsident Xi bei dem Treffen werde „die Entwicklung der BRICS-Kooperationsprojekte befördern, besonders die Schaffung einer Entwicklungsbank und eines Währungsreservefonds“, so das chinesische Staatsfernsehen.

Xi Jinping wird neben Brasilien, Venezuela und Argentinien auch Kuba einen Besuch abstatten wird. China ist inzwischen ein wichtiger Handelspartner für die Länder der Region. Im vergangenen Jahr belief sich der Handel zwischen Lateinamerika und dem Reich der Mitte auf 262 Milliarden US-Dollar.

Mit Blick auf seinen letzten Besuch in Havanna im Jahr 2011, damals allerdings noch nicht als Staatspräsident, betonte Xi die bewährten Beziehungen zwischen China und Kuba, die es in ein „Beispiel für die Einheit und Kooperation zwischen Entwicklungsländern“ zu verwandeln gelte. Kuba war 1960 das erste Land Lateinamerikas, das diplomatische Beziehungen zu China aufgenommen hatte.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Putin besucht Kuba am 11. Juli

putin-and-fidel-december2000

Fidel Castro und Wladimir Putin bei dessen letzten Besuch in Havanna, Dezember 2000 (Quelle: Progreso Weekly).

Moskau, 8. Juli (RIA Novosti). Russlands Präsident Wladimir Putin reist vom 11. bis 16. Juli durch mehrere lateinamerikanische Länder, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

Neben seinen Besuchen in Kuba und Argentinien nimmt der russische Staatschef am 6. BRICS-Gipfel im brasilianischen Fortaleza teil. Im Beisein Putins findet in Rio de Janeiro die feierliche Übergabe des Austragungsrechts für die nächste Fußball-WM in Russland statt.

Auf Einladung des kubanischen Staatschefs Raul Castro besucht Putin zunächst den Inselstaat. Ein Treffen mit Revolutionsführer Fidel Castro wurde bereits angekündigt. Der 87-jährige Commandante hat sich lange Zeit nicht mehr in der Öffentlichkeit sehen lassen, weshalb sein Treffen mit Putin weltweite Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

Die russische Staatsduma (Parlamentsunterhaus) hatte vor Beginn der Sommerferien ein Regierungsabkommen mit Kuba ratifiziert, demzufolge 90 Prozent der kubanischen Schulden aus der Sowjetzeit erlassen werden. Es handelt sich um 31,7 Milliarden Dollar von insgesamt 35,2 Milliarden Dollar. Der Rest von 3,5 Milliarden soll in 20 Raten über eine Laufzeit von zehn Jahren abbezahlt werden.

Laut dem russischen Außenminister Sergej Lawrow werden zehn Prozent der Schulden in die kubanische Wirtschaft reinvestiert. „Wir erwägen ein Projekt zum Bau eines internationalen Frachthubs unter Teilnahme Russlands und anderer Länder auf Kuba“, so Lawrow. In dem 45 Kilometer von Havanna entfernten Hafen Mariel soll eine Sonderwirtschaftszone inklusive Frachtterminal für den internationalen Schiffsverkehr entstehen.

Mit dem Schuldenerlass ist zudem der Weg für russische Kredite frei gemacht worden. Zuvor hatte das russische Finanzministerium mehrmals versprochene Kredite für Kuba „eingefroren“, bis die Schuldenfrage gelöst wird.

Russland verspricht Kuba eine umfangreiche Zusammenarbeit. Die russische Delegation bringt Entwürfe für Abkommen in den Bereichen Energie, Verkehr, zivile Luftfahrt, Raumfahrt und Gesundheitswesen mit.

Die russischen Energieunternehmen Rosneft und Zarubezhneft haben bereits Verträge zur Erschließung von Lagerstätten an der Küste unterzeichnet.

Die US-Medien sehen darin ein Instrument der Außenpolitik Russlands. Angesichts der westlichen Sanktionen entwickelt Russland Energieprojekte in den Schwellenländern.

Die Kooperation im Energiebereich wird auch bei den Gesprächen zwischen Putin und Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ein Thema sein. Buenos Aires hat Moskau zur Teilnahme an Ausschreibungen zum Bau von zehn Wasserkraftwerken und einem Atomkraftwerk eingeladen.

Wie es aus dem russischen Außenministerium heißt, werden in Buenos Aires ein  nachbearbeitetes Abkommen über die Kooperation bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie, drei zwischenstaatliche Abkommen über gegenseitige rechtliche Hilfe bei Strafverfahren und Auslieferung von Kriminellen sowie ein Abkommen im Bereich Massenkommunikation unterzeichnet.

Am 13. Juli schaut sich Putin das WM-Finale in Rio de Janeiro an und nimmt an der feierlichen Übergabe des Austragungsrechts für die nächste WM in Russland teil.

Am 14. Juli kommt Putin zu Gesprächen mit Präsidentin Dilma Rousseff und Wirtschaftsvertretern in die Hauptstadt Brasilia. Vor anderthalb Jahren hatten beide vereinbart, den Handelsumsatz  zwischen den Ländern auf zehn Milliarden Dollar zu erhöhen. Doch weil der tatsächliche Umsatz nicht über 6,5 Milliarden Dollar liegt, will man die Meinungen über die Probleme und Aussichten der Kooperation austauschen. Es sollen Dokumente im Handels-, Investitions- und humanitären Bereichen unterzeichnet werden.

Am 15. Juli reist Putin zum BRICS-Treffen nach Fortaleza. Bei dem Gipfel sollen mehrere Dokumente unterzeichnet werden – über die Gründung eines Währungsreservenpools und der BRICS-Entwicklungsbank zur Finanzierung gemeinsamer Infrastrukturprojekte.

Ursprünglich veröffentlicht auf RIA Novosti. Hervorhebungen durch Autor.

Putins letzter Besuch in Kuba (2000).

Kuba erntet 1,64 Millionen Tonnen Zucker

cosechadora-cana-case-7000-foto-erensto-pena-leyva

In Kuba entwickelter Zuckerernter, der dieses Jahr erstmals zum Einsatz kam. (Quelle: Granma)

Nach vorläufigen Angaben hat Kuba in diesem Jahr 1,64 Millionen Zucker produziert. Damit wurde zwar das Ergebnis der Vorjahressaison um 2,5% übertroffen, der Plan von 1,8 Millionen Tonnen dennoch weit verfehlt. Anfang des Jahres machten starke Regenfälle der kubanischen Zuckerindustrie zu schaffen, was die Bedingungen in einigen Gebieten drastisch erschwerte. Nach der Ernte wird der Zucker in den Mühlen weiterverarbeitet, die in den letzten Wochen nach und nach den Abschluss der Saison 2013/14 verkündeten. Zu den erfolgreichsten Provinzen gehören dieses Jahr Ciego de Ávila, Cienfuegos und Santiago de Cuba, wo der Plan vollständig erfüllt werden konnte.

„Die Ernte ist nahezu unmöglich“

Kuba hat in den letzten Jahren die Anbaufläche für Zuckerrohr erweitert, zahlreiche ineffiziente Mühlen geschlossen und die Investitionen in bestehende Anlagen erhöht. Dennoch wurde das gesteckte Produktionsziel nicht annähernd erreicht. Was sind die Ursachen für das verhältnismäßig schlechte Ergebnis? Bereits Anfang des Jahres meldeten die kubanischen Medien, dass „kontinuierliche und schwere Regenfälle in beinahe allen Provinzen seit Januar die Zuckerernte beeinträchtigen“. Hinzu kämen „gewöhnliche Probleme wie verzögerte Lieferungen, Desorganisation, langsam und schlecht durchgeführte Reparaturen“.

„Heutzutage ist die Ernte eine wirkliche Odyssee. Die Mühlen brauchen größere Reparaturen, aber das kostet Millionen und Abermillionen von Dollar“, kommentierte ein Zuckerarbeiter aus der Provinz Granma gegenüber Reuters. Die kubanische Zuckerindustrie ist schon seit Jahrzehnten stark unterkapitalisiert, viele der Mühlen stammen noch aus der Zeit vor der Revolution ebenso wie Teile ihrer Ausrüstung. In den letzten Jahren konnte sich der Sektor nur langsam wieder von seiner historisch niedrigsten Ernte mit 1,1 Millionen Tonnen im Jahr 2010 erholen.

In dieser Saison scheinen die Witterungsbedingungen eine ausschlaggebende Rolle gespielt zu haben. „Ich kann mich an keinen feuchteren Winter erinnern, die Ernte ist nahezu unmöglich“, sagte im Januar ein Zuckerarbeiter aus Holguín. Die Regenfälle waren in den östlichen und mittleren Landesteilen dieses Jahr doppelt so stark wie üblich. In den Provinzen Las Tunas und Villa Clara wird deshalb auch mit einem besonders schlechten Ergebnis gerechnet. Im April war noch eine Ernte von 1,3 Millionen Tonnen prognostiziert worden, die erreichten 1,64 Millionen Tonnen liegen daher deutlich über den jüngsten Erwartungen.

Neue Maschinen und Investitionen aus Brasilien

Um die Produktion zu steigern, soll für die kommenden Saison nicht nur die Anbaufläche weiter ausgedehnt werden, sondern auch neue Ausrüstung zum Einsatz kommen. Ein Beispiel dafür ist ein moderner Zuckerernter, der von kubanischen Ingenieuren der Fabrik „60. Jahrestag der Oktoberrevolution“ in Holguín entwickelt wurde. Das Modell basiert auf brasilianischer Technik und wird mit chinesischer Hilfe produziert. Der Prototyp wird seit April in Las Tunas getestet, im nächsten Jahr werden die ersten vier Maschinen regulär in Dienst gestellt. Die sowjetischen Modelle aus den 1980er Jahren, die bisher noch vorwiegend zum Einsatz kommen, sollen so schrittweise abgelöst werden.

Um langfristig die notwendigen Mittel für Investitionen in neue Anlagen zu gewinnen, versucht Kuba derzeit ausländische Investoren für die Erneuerung seiner Zuckerindutrie zu finden, Brasilien hat dabei bisher das größte Interesse angemeldet. Die 1981 errichtete Zuckermühle „5. September“ in Cienfuegos wird seit 2012 von der brasilianischen Firma Odebrecht verwaltet. Bis 2017 sollen 120 Millionen US$ in die Anlage investiert werden. Die Kapazität wird von derzeit 40.000 auf 150.000 Tonnen erhöht – was der gesamten diesjährigen Ernte der Provinz entspricht. Zugehörige Biogasanlagen sollen in Zukunft mit bis zu 160 Megawatt pro Tag zur Stromversorgung der Region beitragen.

In diesem Jahr hat der Betrieb seinen Plan mit 41.500 Tonnen sogar vorzeitig erfüllt, die Arbeiter berichten von einer höheren Arbeitsdisziplin unter den brasilianischen Chefs. Es sei nicht mehr möglich „zu spät zu kommen, oder vorzeitig Feierabend zu machen um andere Dinge zu erledigen – etwas, das unter kubanischen Managern einfacher war“. Zu den Bedingungen des auf 15 Jahre angelegten Vertrags mit Odebrecht gehört, dass die Mühle zu 100% in kubanischem Besitz bleibt und in nationaler Währung operiert. Eine Besonderheit ist, dass in der Anlage 60% der Gewinne reinvestiert werden, während der landesweite Durchschnitt bei 16-17% liegt. Bisher ist das Projekt das einzige seiner Art in Kuba, weitere könnten allerdings bald folgen. Die kubanische Handelskammer hat bereits sieben weitere Mühlen als Investitionsobjekte ausgeschrieben, denn in wenigen Jahren soll die Zuckerernte auf über 2 Millionen Tonnen gesteigert werden.