Auf Kuba kehrt der Strom zurück

Arbeiter bei der Wiederherstellung der Stromversorgung (Quelle: Cubadebate)

Drei Tage nachdem Hurrikan „Irma“ auf Kuba das gesamte Elektrizitätsnetz zum kollabieren brachte, kehrt vielerorts wieder der Strom zurück. In Havanna sind inzwischen mehr als drei Viertel der Hauptleitungen wiederhergestellt. Auch in anderen Provinzen wurde es wieder Licht, nachdem das landesweit verbundene Stromnetzes am Mittwochabend erfolgreich wieder hochgefahren werden konnte. Bis Ende der Woche will die Insel vielerorts wieder bereit für Touristen sein.

Nach drei Tagen ohne Strom und Wasser war die Situation in Folgen des Jahrhundertsturms „Irma“ auf Kuba angespannt. Die Reparaturbrigaden des Stromversorgers arbeiteten seit Sonntag mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung, während Kadetten des Militärs die Straßen von heruntergefallenen Bäumen und Müll säuberten. Der Schulbetrieb ist inzwischen angelaufen, während Havannas Universitäten schrittweise ihre Kurse wieder aufnehmen.

Auch der Tourismus kehrt wieder nach Kuba zurück. Während im Badeort Varadero die allermeisten Hotels nur leichte Schäden erlitten haben, sind mit 29 davon die Mehrzahl weiterhin offen. Alle internationalen Flughäfen, mit Ausnahme von „Jardines del Rey“ auf Cayo Coco, haben seit Dienstag Mittag den Normalbetrieb wieder aufgenommen, so auch Havanna, Varadero und Camagüey. In der Hauptstadt gab die zuständige Tourismus-Beauftragte Entwarnung: Bis Ende der Woche sei die Stadt bereit für Touristen, die meisten Hotels hätten dann wieder regulär geöffnet. Bis zum Beginn der Hochsaison am 15. November sollen in Varadero und anderen Touristenpools die restlichen Schäden beseitigt sein.

Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel macht sich ein Bild von dem beschädigten Kraftwerk „Antonio Guiteras“ in Matanzas (Quelle: Giron)

Die Priorität liegt jedoch zunächst bei bei der Wiederherstellung des Stromnetzes, denn davon hängt auch die Wasserversorgung ab. Präsident Raúl Castro orderte alsbald nach dem Sturm die Verstärkung der Reparaturbrigaden an, weniger stark betroffene Provinzen wie Granma, Santiago und Pinar del Río schickten Spezialisten in die Hauptstadt und andere Gebiete. Noch immer dauern die Reparaturen am Kraftwerk „Antonio Guiteras“ in der Provinz Matanzas an. Das 1988 errichtete Schwerölkraftwerk kommt mit einer Leistung von rund 250 MW für ein Viertel des kubanischen Elektrizitätsbedarfs auf. „Irma“ hinterließ schwere Schäden an der Anlage, die voraussichtlich erst in einigen Tagen wieder teilweise hochgefahren werden kann.

Die anderen Kraftwerke, von denen viele ebenfalls beschädigt wurden, sind jedoch wieder mit voller Leistung ans Netz zurückgekehrt. Inzwischen sollen rund 75 Prozent der Leitungen auf der Insel wieder unter Strom stehen. Von den 2300 Hauptstromkreisen des Landes müssen noch 644 wiederhergestellt werden. Der staatliche Energieversorger „UNE“ gab am Mittwochabend einen Überblick über den Stand der Wiederherstellung der Stromversorgung in den einzelnen Provinzen:

  • Pinar del Río: 99 %
  • Artemisa: 94%
  • La Habana: 77 %
  • Mayabeque: 82 %
  • Matanzas: 34 %
  • Villa Clara: 30 %
  • Cienfuegos: 72 %
  • Sancti Spíritus: 47 %
  • Ciego de Ávila: 20 %
  • Camagüey: 73 %
  • Las Tunas: 74 %
  • Holguín: 92 %
  • Granma: 100 %
  • Santiago de Cuba: 99.9%
  • Guantánamo: 99.4 %

 

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Kuba beginnt den Wiederaufbau

Krisenstab zur Wiederherstellung des Stromnetzes, welches landesweit kollabiert ist (Quelle: Cubadebate)

Während noch immer starke Winde und Wellen die kubanische Nordküste heimsuchten, begannen bereits am Sonntag die ersten Arbeiten des Wiederaufbaus. Nachdem Hurrikan „Irma“ drei Tage lang mit hohen Windstärken über die Insel hinweggefegt war sind laut Berichten des Zivilschutzes insgesamt 10 Menschen ums Leben gekommen, tausende Gebäude wurden ganz oder teilweise zerstört. Zwar haben noch immer weite Teile des Landes weder Strom noch Wasser, doch die ersten Straßenzüge leuchten bereits wieder. Bis Ende der Woche soll an vielen Orten wieder so etwas wie Normalität zurückkehren.

Viel zu tun im ganzen Land

Der Kategorie-5 Sturm „verursachte dem Lande schwere Schäden, die gerade wegen ihres Ausmaßes noch nicht quantifiziert werden konnten“, sagte Präsident Raúl Castro in einem „Aufruf an das kämpfende Volk„, der ab Sonntag in den Medien verlesen wurde. Er lobte die Solidarität und gegenseitige Hilfsbereitschaft der Kubaner. „Es waren harte Tage für unser Volk, das in wenigen Stunden sehen musste, wie das unter Anstrengung Aufgebaute von einem verheerenden Hurrikan zerstört wurde“, so Castro. Trotz der Evakuierung von rund 2 Millionen Menschen kam es auf Kuba zu 10 Todesfällen, davon 7 allein in Havanna.

In allen betroffenen Provinzen hat der Wiederaufbau begonnen, hier in Santa Clara (Quelle: Cubadebate)

Etwa zur selben Zeit, als „Irma“ bereits gen Florida abzog, wurde der Hurrikan-Alarm am Sonntag Abend auf der Insel offiziell aufgehoben. Mit Ausnahme der Provinzen Santiago de Cuba, Pinar del Río und der Insel der Jugend, die keine nennenswerten Schäden zu beklagen haben, befindet sich das Land seitdem in der Phase des Wiederaufbaus. Tausende Wohnhäuser, insbesondere entlang der Nordküste, wurden zerstört. Vor allem die Stromversorgung, welche derzeit durch beschädigte Kraftwerke und Stromleitungen im ganzen Land danieder liegt, soll baldmöglichst wieder funktionieren. Raúl Castro ließ die Brigaden des Energieversorgers per Dekret verstärken.

In Havanna fängt die Schule wieder an

Diese sind rund um die Uhr im Einsatz, räumen umgefallene Bäume weg, richten Strommasten wieder auf und ziehen neue Leitungen durch die Straßen. Bis Montag Abend konnten so immerhin 128 der 302 Stromkreise Havannas wieder zum Laufen gebracht werden, mehr als eine halbe Million Menschen sollen inzwischen wieder Strom haben. Die schwersten Schäden gab es laut dem Sprecher des Energieversorgers in den Municipios Playa, Plaza, Habana del Este und Cerro. Auf letztere Gemeinde konzentrieren sich derzeit noch die Arbeiten, da sich hier eine wichtige Wasserpumpe befindet, die den Großteil der Bevölkerung schon bald wieder versorgen könnte. Bis Ende der Woche sollen in Havanna in jedem Haus wieder die Lampen leuchten und das Wasser fließen.

Nachdem das Hochwasser aus den meisten Straßen verschwunden ist, machen die Aufbauarbeiten in Havanna gute Fortschritte. Noch immer müssen Keller ausgepumpt werden und zahlreiche Kubaner stehen Schlange bei den Stromgeneratoren des Zivilschutzes, um ihr Handy aufzuladen. Doch bereits am Dienstag soll überall der Schul- und Universitätsbetrieb weitergehen. Die Schulgebäude und Krankenhäuser wurden in Havanna wenig beschädigt, letztere haben unlängst wieder Strom. Auch der Hauptstadtflughafen „José Martí“ wird in den Mittagsstunden des 12. Septembers wieder in Betrieb gehen. In den Morgenstunden des selben Tages soll auch das Bussystem sowie der Fährbetrieb zur Insel der Jugend wieder aufgenommen werden. Zunächst werden dabei alte Reservierungen abgearbeitet. Wer seine bereits bezahlte Fahrt jetzt doch nicht antritt, kann innerhalb von zwei Wochen das Geld für sein Ticket zurückerhalten.

Die Schäden in Havanna werden mit Unterstützung des Militärs beseitigt (Quelle: Cubadebate)

Schwieriger gestaltet sich der Aufbau entlang der schwer verwüsteten Nordküste in Zentralkuba. Der Flughafen „Jardines del Rey“ sowie viele Hotels des gleichnahmigen Tourismus-Hotspots wurde von den Winden praktisch zerlegt, die Verbindungsstraße zum Festland abgeschnitten. Sie wird zur Stunde provisorisch repariert. „Die Schäden werden vor dem Beginn der Hochsaison behoben werden“, versprach Präsident Raúl Castro. In der Provinz Matanzas hingegen wurden die meisten Hotels am Strand von Varadero nur leicht beschädigt, der reguläre Betrieb wird weitergehen, genauso wie auch an den Stränden von Guardalavace in Holguín, wo ebenfalls nur geringe Schäden an der Hotelinfrastruktur gemeldet wurden.

Empfindliche Schäden am Stromnetz

Im Westen des Landes bereiten die Kraftwerke Probleme bei der Stromversorgung. Obwohl das Stromnetz in Cienfuegos und Matanzas nur mäßig beschädigt wurde, sorgt der Ausfall zweier thermoelektrischer Kraftwerke dafür, dass große Teile Zentralkubas dunkel bleiben. Im Falle des Kraftwerks „Antonio Guiteras“ in Matanzas, das sich für ein Viertel der gesamten Stromproduktion Kubas verantwortlich zeigt, ist die Lage besonders schwierig: hier wurde das Kühl- und Pumpenhaus völlig zerstört, erst in rund zwei Wochen kann das Kraftwerk wieder den vollen Betrieb aufnehmen. Der Ausfall kostet das Land jeden Tag rund 100.000 US-Dollar. Die historisch schweren Schäden an der zentralen Ost-West-Stromtrasse sorgen zudem dafür, dass viele Provinzen bei der Stromerzeugung derzeit auf sich allein gestellt sind. Hier erweisen sich die im Rahmen der „Energierevolution“ ab 2006 angeschafften Dieselgeneratoren als nützliche Stütze, so lange das nationale Netz noch nicht im Verbund funktioniert.

Dennoch konnte in Teilen von Havanna, Camagüey, Granma und Ciego de Ávila der Strom wiederhergestellt werden. Reparaturbrigaden aus den beiden verschonten Provinzen Pinar del Río und Santiago de Cuba sind inzwischen an ihren Einsatzorten angekommen. In einer Krisensitzung erläuterte der technische Direkter des Energieversorgers UNE die Komplexität der Lage: „Während es früher [bei anderen Stürmen, Anm. des Autors] darum ging die Übertragungs- und Verteilungsleitungen wiederherzustellen, reden wir heute davon, das gesamte Stromnetz von Null auf Neuzustarten.“ Die Neusynchronisation des Netzes soll in einigen Tagen erfolgen können, da andere beschädigte Kraftwerke zur Stunde wieder hochgefahren werden.

Auch bei der Landwirtschaft hinterließ „Irma“ schwere Schäden. 40 der 56 Zuckermühlen des Landes erlitten Schäden an den Dächern der Gebäude. Mehr als 300.000 Hektar Zuckerrohrfelder, über ein Drittel der Anbaufläche, wurden beschädigt. Wie schwer es die übrigen Bereiche der Landwirtschaft getroffen hat, ist zur Zeit noch nicht bekannt.

Kubas Regierung plant die schwersten Schäden im Land noch innerhalb dieses Jahres zu beseitigen. Bis Ende der Woche soll in vielen Gemeinden wieder so etwas wie Normalität herrschen. Hierfür arbeiten derzeit tausende offizielle und freiwillige Helfer ohne Unterbrechung in allen betroffenen Provinzen. Auch wenn die Arbeiten komplexer als sonst, die Organisation umfangreicher ist, bleibt laut Raúl Castro ein Prinzip unverändert: „Die Revolution wird niemanden schutzlos lassen und es werden bereits Maßnahmen ergriffen, damit keine kubanische Familie ihrem Schicksal überlassen bleibt.“


Wiederaufbau in Havanna

Hurrikan „Irma“ hinterlässt auf Kuba Spur der Zerstörung

Im überfluteten Havanna laufen zur Stunde noch immer Rettungs- und Bergungsarbeiten (Quelle: Cibercuba)

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern zog Hurrikan „Irma“ seit Freitagabend über Kuba hinweg. Während die letzten Ausläufer des Sturms zur Stunde über dem Nordwesten der Insel nach Florida abdriften, tritt das Ausmaß der Schäden langsam zu Tage. Noch immer sind die meisten Provinzen ohne Strom- und Wasserversorgung, darunter auch die Hauptstadt Havanna, die von weitflächigen Überschwemmungen heimgesucht wird. Dennoch kam nach jüngsten Berichten offenbar kein Mensch bei der Katastrophe auf Kuba ums Leben.

Kurz vor seinem ersten Landgang auf Cayo Romano an der zentralkubanischen Nordküste in der Nacht zum Samstag, wurde „Irma“ wieder auf einen Kategorie-5-Sturm hochgestuft. Als solcher richtete er von Havanna bis Camagüey immense Schäden an, vor allem die Provinzen Matanzas und Santa Clara wurden schwer getroffen. Anders als in ersten Prognosen erwartet, hielt sich Irma deutlich näher entlang der kubanischen Nordküste auf und hat sich langsamer als prognostiziert über die Insel bewegt. Bis zu sieben Meter hohe Wellen sorgten vielerorts für Überflutungen. Die Hotelpools auf Cayo Coco und Cayo Guillermo sowie den anderen Inseln im Norden dürften großflächig zerstört worden sein. Insgesamt wurden mehr als zwei Millionen Menschen im Vorfeld des Sturms evakuiert.

Küstenstädte wie Morón (Ciego de Ávila), Caibarién, Remedios (Villa Clara), Matanzas sowie viele kleinere Ortschaften wurden weitflächig verwüstet. Doch auch größere Städte wie Camagüey sowie zahlreiche landwirtschaftliche Flächen im Landesinneren hatten unter „Irma“ zu leiden. Dächer und ganze Häuser wurden von den Starkwinden zerstört, Strommasten und Bäume knickten wie Streichhölzer auf die Straßen. Derzeit sind die meisten der betroffenen Gebiete inklusive der Hauptstadt ohne Strom, weshalb das gesamte Ausmaß der Schäden wohl erst in einigen Tagen beziffert werden kann.

Der Flugverkehr der Insel ist indes bis auf weiteres unterbrochen. Fluggesellschaften wie Condor und Eurowings haben anstehende Flüge auf den Montag verschoben, noch immer gilt auf der gesamten Landesfläche mit Ausnahme der Insel der Jugend der Alarmzustand. Die südlich vorgelagerte Insel ist neben den östlichen Provinzen Guantánamo, Granma und Santiago de Cuba das einzige Gebiet des Landes, welches nur geringe bis keinerlei Schäden zu vermelden hatte.


Erste Bilder aus den betroffenen Gebieten auf Kuba

Auch wenn die Stromversorgung funktioniert in vielen Teilen des Landes noch nicht funktioniert, hat mancherorts wie hier in Matanzas bereits der Wiederaufbau begonnen(Quelle: Granma)

Matanzas: zahlreiche Straßen und Verkehrswege sind zur Stunde blockiert (Quelle: Granma)

Die Hauptstadt Havanna hat mit weitflächigen Überflutungen zu kämpfen (Quelle: Granma)

Havannas „Parque Central“ wurde schwer mitgenommen (Quelle: Cubadebate)

Große Teile der Hauptstadt Havanna stehen seit Samstagabend unter Wasser (Quelle: Cubadebate)

Entlang von Havannas Uferpromenade Malecón wurden mehrere tausend Einwohner evakuiert (Quelle: Cubadebate)

Verwüstungen in Santa Clara (Quelle: Granma)

Insbesondere entlang der Küste (hier: Santa Clara) wurden viele Gebäude zerstört (Quelle: Granma)

Santa Clara: für viele Einwohner dürfte es ein bitteres Erwachen gegeben haben (Quelle: Granma)

Camagüey: auch weiter im Landesinneren kam es zu schweren Schäden (Quelle: Granma)

Viele der großten Hotels entlang der Nordküste von Ciego de Ávila sind nicht wieder zu erkennen (Quelle: Granma)

Überflutungen entlang der Küste in der Provinz Holguín (Quelle: Cubadebate)

„Irma“ erreicht Kuba

Hurrikan Irma wird voraussichtlich in Zentralkuba und entlang der Nordküste schwere Verwüstungen anrichten, im Bild die Prognose für Samstag Morgen (Quelle: Windy)

Nachdem bereits am Donnerstag erste Ausläufer des Sturms im Osten der Insel zu spüren waren, zieht Hurrikan „Irma“ zur Stunde über die kubanische Nordküste hinweg. Erste Bilder aus Baracoa zeigen das Ausmaß der Zerstörungen, die der Kategorie-5-Sturm bereits angerichtet hat. Während der Osten der Insel diesmal noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein scheint, müssen sich die Provinzen Matanzas, Santa Clara, Sancti Spíritus, Ciego de Ávila und Camagüey auf das Schlimmste gefasst machen.

Der kubanische Katastrophenschutz hat sich indes auf die neuesten Prognosen eingestellt. Es werden weitflächige Zerstörungen in Zentralkuba sowie entlang der Nordküste erwartet, während der Osten der Insel zur Stunde offenbar mit einem blauen Augen davongekommen zu sein scheint. Alle Provinzen östlich von Artemisa sind derzeit in höchster Alarmbereitschaft, während mittlerweile auch für Havanna, Artemisa und Mayabeque die Sturmwarnung erhöht wurde. Noch bis Sonntag wird das Tropentief über die Insel hinwegfegen.

Nach dem letzten Stand der Prognosen wird „Irma“ als Kategorie fünf Sturm mit Windgeschwindigkeiten von über 250 Stundenkilometern entlang der kubanischen Nordküste ziehen, wobei Teile des Sturms bis tief ins Landesinnere der Provinzen Santa Clara, Sancti Spíritus, Ciego de Ávila und Camagüey reichen sollen. Am Sonntag soll „Irma“ leicht schwächer werdend über Matanzas weiter nach Florida ziehen, wo ebenfalls schwerste Verwüstungen erwartet werden.

Erste Bilder von den Verwüstungen aus Baracoa wurden bereits am Freitag veröffentlicht (Quelle: Radio Baracoa)

Noch immer sind Ausläufer des Sturms über dem Osten der Insel zu spüren, der sich zur Stunde von Holguín auf Camagüey zubewegt. Den ersten Bildern des lokalen Senders „Radio Baracoa“ zu Folge wurden einige Einrichtungen und Wohngebäude der Stadt zerstört, welche erst im letzten Herbst von Sturm „Matthew“ schwer verwüstet wurde. Auch wenn sich die bisherigen Schäden noch nicht beziffern lassen, scheint der Osten der Insel vergleichsweise glimpflich davonzukommen, während sich Zentralkuba auf das schlimmste gefasst macht.


 

Der Erste Mai im Zeichen Fidels

Hauptkundgebung in Havanna (Quelle: Cubadebate)

Millionen Kubaner versammelten sich auch in diesem Jahr wieder zur traditionellen Maikundgebung am Tag der Arbeit. In Havanna wurden wieder mehr als 800.000 Teilnehmer auf der gut anderthalbstündigen Demonstration gezählt. Dieses Jahr lautete das Motto „unsere Stärke ist die Einheit“, die Kundgebungen standen entsprechend ganz im Zeichen des verstorbenen Revolutionsführers Fidel Castro und der Solidarität mit Venezuela.

Der Generalsekretär des kubanischen Gewerkschaftsverbands (CTC), Ulises Guilarte de Nacimiento, eröffnete den Festzug am frühen Morgen mit einer Rede, in der er das Bekenntnis der Kubaner zu den Ideen Fidel Castros bekräftigte und mit Blick auf die USA die Rückgabe der Marinebasis von Guantánamo verlangte. Mehr als 1.600 geladene Gäste standen neben Präsident Raúl Castro, dem ersten Vizepräsidenten Miguel Díaz-Canel und anderen Politbüromitgliedern auf der Tribüne des Revolutionsplatzes in Havanna.

Besondere Aufmerksamkeit sollte auf der diesjährigen Kundgebung der Jugend geschenkt werden. Mehr als 50.000 Vertreter des kommunistischen Jugendverbands UJC, der in diesem Jahr sein 55. Jubiläum feiert, bildeten die Spitze des Demonstrationszugs. Zusätzlich zur TV-Ausstrahlung schaltete das Nachrichtenportal „Cubadebate“ in diesem Jahr einen Livestream, mit dem die weltweit größte Maikundgebung in Echtzeit auf Facebook übertragen wurde.

Auch in anderen Städten wurden wieder ähnlich viele Kubaner wie in den Vorjahren mobilisiert. In Santiago de Cuba wurden rund 300.000 Teilnehmer gezählt, die dortige Demonstration wurde vom Politbüromitglied Machado Ventura eröffnet. In Camagüey gab es 215.000 Teilnehmer, deutlich weniger Vergleich zu 2014 als noch 400.000 Personen gezählt wurden, aber mehr als 2015 als lokale Medien von lediglich 200.000 Teilnehmern sprachen. Mit 200.000 Teilnehmern in Las Tunas und 280.000 in der Provinz Holguín fiel die Maikundgebung in den östlichen Provinzen wieder ähnlich aus wie in den Vorjahren.

Der erste Mai in Santiago de Cuba (Quelle: Juventud Rebelde)

Kuba bereitet sich auf Hurrikan „Matthew“ vor – Raúl Castro in Santiago

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Prognose des kubanischen Wetterdienstes vom 2. Oktober 12h Mittags zu Hurrikan Matthews weiteren Verlauf (Quelle: met.inf.cu)

Fünf der 16 kubanischen Provinzen haben bereits den Alarmstatus des Zivilschutzes ausgerufen. Der tropische Wirbelsturm „Matthew“ bewegt sich derzeit auf die Insel zu, mit Windgeschwindigkeiten von 240 km/h handelt es sich bei Matthew um einen Hurrikan der Kategorie 4. Vor wenigen Tagen erreichte der Sturm zeitweise sogar die Kategorie 5 und gilt damit als bisher schwerster Sturm der Karibik seit Hurrikan Felix im Jahr 2007. Es wird damit gerechnet, dass Matthew zwischen Montag und Dienstag im Ostteil der Insel auf Land treffen wird.

In Kuba starten derweil die Vorbereitungen auf den bevorstehenden Landgang des Wetterphänomens. In allen fünf östlichen Provinzen, beginnend mit Camagüey, gilt derzeit der Alarmzustand. Präsident Raúl Castro traf am Samstag zusammen mit mehreren Ministern in der östlichen Metropole Santiago de Cuba ein, um die Vorbereitung des Katastrophenschutzes persönlich zu überwachen.

Im Jahr 2012 wurde die Stadt bereits von Hurrikan Sandy schwer verwüstet. Damals starben 11 Menschen, mehr als 600.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört. Die Sachschäden werden auf über 4 Milliarden US-Dollar beziffert. Auch Matthew droht vor allem in den Provinzen Santiago de Cuba und Guantánamo die schwersten Schäden anzurichten. „Dies ist ein Hurrikan, auf den man sich vorbereiten muss, als ob er doppelt so stark wie Sandy wäre“, sagte Kubas Präsident Raúl Castro am Samstag.

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Gebäudeschutz in der Provinz Holguín (Quelle: Cubadebate)

Man müsse aus den Erfahrungen von Sandy lernen und sich gut auf den Sturm vorbereiten, ermahnte Castro, der derzeit auch dem Rat für Zivilschutz von Santiago temporär vorsteht. Die Vorbereitungen laufen unterdessen in allen betroffenen Provinzen auf Hochtouren: Unter Koordinierung des Zivilschutzes werden Wasservorräte angelegt, Notunterkünfte bereitgehalten und Gebäude gesichert. Ziel der Maßnahmen ist es, menschliche Verluste so gering wie möglich zu halten, die wirtschaftlichen Schäden zu minimieren und die Versorgung der Bevölkerung in den Tagen nach dem Sturm zu garantieren.

Freiwillige gehen derzeit in den betroffenen Provinzen von Haus zu Haus, um die Bevölkerung vor dem Sturm zu warnen. „Wir müssen intensiv arbeiten“, betonte Lázaro Expósito, der erste Parteisekretär der Provinz Santiago de Cuba. Alle öffentlichen Einrichtungen, beginnend von Partei- und Regierungsgebäuden stünden als Notunterkünfte zu Verfügung. Die Anwohner werden dazu aufgerufen, Vorräte anzulegen und ihre Häuser baulich zu sichern. Auch der öffentliche Raum wird präpariert: lose Äste werden von den Bäumen entfernt, da diese bei hohen Windgeschwindigkeiten gefährlich werden können. Ampeln, Schilder und andere gefährdete Teile werden demontiert, um sie vor Schäden zu bewahren.

Ein weiterer Vorsorgeschwerpunkt bildet die Landwirtschaft. Durch Sandy waren zuletzt große Teile der Ernte im Osten Kubas zerstört worden, viele Nutztiere verendeten an den Folgen des Sturms. Durch die Evakuierung der Tiere und das frühere Einbringen der Ernte versucht das Landwirtschaftsministerium die erwartbaren Schäden zu minimieren. Durch das Verteilen von Kochgeräten die ohne Strom funktionieren soll zudem die Ernährungssituation stabil gehalten werden. 2012 war die Stromversorgung in Santiago und anderen Städten für mehrere Wochen lang ganz oder teilweise unterbrochen, auch die Wasserpumpen waren davon betroffen.

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Auch Ampeln werden vorsorglich abmontiert, wie hier in der Provinz Las Tunas (Quelle: Cubadebate)

Um die Erstversorgung nach dem Sturm zu garantieren, werden darüber hinaus zusätzliche Nahrungsrationen ausgegeben und Tanklastwagen vorbereitet, die im Falle eines Zusammenbruchs der Trinkwasserversorgung übernehmen können. Die Schüler und Lehrer der Landschulen wurden unterdessen bereits nach Hause geschickt. Auch der Transport steht still: Der gesamte Zugverkehr wurde heute in den östlichen Provinzen bis auf weiteres unterbrochen, wie die kubanische Bahn FCC heute bekannt gab. Der Zivilschutz rief die Bevölkerung dazu auf, die Medien genau zu verfolgen und sich verantwortungsvoll und diszipliniert zu verhalten.

Auch in anderen Ländern bereitet man sich auf Matthew vor. In Haiti, wo bereits schwere Regenfälle auftreten, wurden bereits erste Gebiete evakuiert. In Jamaica wurden einige Tausend Notunterkünfte von der Regierung bereitgestellt. Die USA evakuierten derweil den Großteil des Personals auf ihrer Marinebasis in Guantánamo Bay. Die wenigen verbliebenen Soldaten finden in speziellen Schutzunterkünften auf der Basis Unterschlupf.

Aktuelle Infos zu Hurrikan Matthew sowie die letzte Prognose finden Sie hier. Die letzten Warnungen des kubanischen Wetterdienstes können auf dieser Seite aufgerufen werden.

ETECSA schafft neue WiFi-Netze und senkt die Preise

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In vielen kubanischen Städten werden derzeit WiFi-Netze eingerichtet (Quelle: Cartasdesdecuba)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA installiert derzeit im ganzen Land neue WiFi-Netze mit öffentlichem Internetzugang. Der Preis für eine Stunde Internet wurde für die drahtlosen Netze auf 2,25 CUC halbiert. Neben der Hauptstadt Havanna profitieren  vor allem kleinere Städte in Zentral- und Ostkuba von dem günstigeren Internetzugang. Doch auch die vier größten Hochschulen des Landes sollen noch in diesem Jahr über einen besseren Zugang zum weltweite Netz verfügen.

Ende letzten Jahres kündigte die Telefongesellschaft an, den Ausbau von WiFi-Netzen auf der Insel massiv beschleunigen zu wollen. Den Anfang machte dabei die Touristenhochburg Trinidad, wo seit April dieses Jahres eine 2 Mbps-Leitung den Parque Céspedes mit drahtlosem Internet versorgt. Derzeit werden vergleichbare Angebote in den Städten San José de las Lajas, Güines, Sancti Spíritus, Camagüey, Baracoa und Guantánamo eingerichtet. Sie sollen innerhalb der nächsten Wochen ihren Dienst aufnehmen.

Entsprechende Antennen werden ebenso in der belebten Avenida 23 („La Rampa“) in Havanna installiert, so dass in der Nähe der Uferpromenade Malecón das drahtlose surfen im Netz schon bald möglich sein sollte. Nach Informationen von „Martí Noticias“ wurde der übliche Preis von 4,50 CUC pro Stunde bei den WiFi-Netzen offenbar dauerhaft auf 2,25 CUC reduziert. Noch im Jahr 2013 lag der Preis für eine Stunde Internetzugang landesweit bei mindestens 6 CUC, was etwa einem Drittel des durchschnittlichen Monatslohns entsprach.

Auch der Internetzugang an den vier größten Hochschulen des Landes wird derzeit massiv erweitert. So ging vor wenigen Wochen das erste WiFi-Netz auf dem Campus der Universität von Havanna (UH) in Betrieb. Die Inbetriebnahme von drahtlosen Netzen ist des weiteren an der Universidad de Oriente (UO) in Santiago, der Informatikhochschule (UCI) sowie an der Polytechnischen Hochschule CUJAE (beide in Havanna) geplant. Kubas Hochschulminister Rodolfo Alarcón Ortiz kündigte darüber hinaus an, Forscher und Universitätsdozenten verstärkt mit Internetanschlüssen in ihren Privatwohnungen versorgen zu wollen.