Kuba will mehr Öl aus Russland: eine Frage des Geldes

Trotz guter Beziehungen zu Russland muss auch Kuba heute zu Weltmarktkonditionen für Öllieferungen bezahlen (Quelle: Veteranstoday)

Das sozialistische Kuba will offenbar seine Ölimporte aus Russland weiter erhöhen. Dies sagte der russische Energieminister Alexander Novak gegenüber der Nachrichtenagentur TASS. „Kuba will wirklich mehr Lieferungen, aber die Frage liegt bei den Quellen der Finanzierung“, wird der Minister von der russischen Agentur zitiert.

Nach zurückgehenden Lieferungen aus Venezuela hat Kuba zuletzt in diesem Jahr einen neuen Deal mit Russland ausgehandelt, der Lieferungen von schätzungsweise 1,86 Millionen Barrel umfasst. Die erste Charge aus 249.000 Barrel an Treibstoff und Ölderivaten traf Anfang des Monats auf Kuba ein. Es handelt sich dabei um die umfangreichsten Öllieferungen aus dem eurasischen Land seit Auflösung der Sowjetunion 1992.

Gleichzeitig wurde spekuliert, ob Russland wie einst zu Sowjetzeiten wieder Öl zu subventionierten Preisen nach Kuba liefere. Diesen Spekulationen setzte der russischer Minister nun ein Ende. „Wenn die finanziellen Ressourcen gefunden sind, werden die Firmen liefern. Es geht hier nicht um Wohltätigkeit“, so Novak.

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Russland liefert wieder Öl im großen Stil nach Kuba

Russland zählt seit kurzem wieder zu den wichtigsten Öllieferanten Kubas (Quelle: TV6)

Russland hat offenbar jüngst damit begonnen, zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges wieder größere Mengen Öl nach Kuba zu liefern. Wie Reuters meldet, ist am gestrigen Mittwoch die erste Lieferung von 249.000 Barrel Öl und Dieseltreibstoff auf der Insel eingetroffen. Gleichzeitig hat Kubas engster Verbündeter Venezuela die Belieferung der Insel mit Leichtöl nach achtmonatiger Pause wieder aufgenommen. Grund zur Entwarnung gibt es trotzdem nicht, wie auf der jüngsten Ministerratssitzung bekannt wurde.

Juli 2016: Raúl Castro schraubt die Wirtschaft auf Sparflamme

Seit Sommer letzten Jahres steckt Kuba in einer schweren Energiekrise. Nach dem Rückgang der venezolanischen Ölimporte um gut ein Drittel, verabschiedete Kubas Regierung im vergangenen Jahr ein Sparprogramm, das unter anderem Einschnitte bei den Importen, der Strom- und Kraftstoffversorgung im Staatssektor sowie beim öffentlichen Transport vorsieht. Nicht zuletzt aufgrund der Krise in Venezuela rutschte Kuba 2016 mit einem Negativwachstum von 0,9 Prozent zum ersten Mal seit 1994 wieder in die Rezession.

Kuba muss rund die Hälfte seines Erdöl- und Treibstoffbedarfs aus Importen decken. Trotz der laufenden Energiewende wird noch immer mehr als 80 Prozent der Stromversorgung mittels sowjetischer Schwerölkraftwerke bewerkstelligt. Nach dem Lieferengpass aus Venezuela musste offenbar sogar Kubas größte Raffinerie in Cienfuegos für acht Monate stillgelegt werden. Die Anlage wurde 2008 mit venezolanischer Hilfe umfassend modernisiert und ist darauf ausgelegt, täglich rund 65.000 Liter Rohöl zu verarbeiten.

Zusätzlich zur Deckung des eigenen Bedarfs konnte Kuba in den vergangenen Jahren wichtige Devisen durch den Export von auf der Insel veredelten Rohölprodukten generieren. Diese Exporteinnahmen gingen jedoch aufgrund der schwindenden Lieferungen aus Venezuela und dem gefallenen Ölpreis von mehr als 500 Millionen US-Dollar im Jahr 2013 auf lediglich 15,4 Mio. US-Dollar im vergangenen Jahr zurück.

Vorzugskonditionen aus Russland?

Nachdem in den vergangenen Wochen weitere Engpässe bei der Ausgabe von Premium-Kraftstoff höherer Oktanzahl bekannt wurden (die jedoch vor allem Touristen und Diplomaten betreffen), gibt es nun erstmals seit Beginn der Krise wieder ein Zeichen der Beruhigung: Offenbar hat Russlands Präsident Wladimir Putin reagiert, nachdem Raúl Castro ihn vergangenen September angeblich persönlich in einem Brief um ein Angebot bezüglich neuer Öllieferungen ersuchte.

Nach Schätzungen des Ökonomen Jorge Pinon, eines Rohstoffexperten der Universität von Texas, dürfte der Deal mit Russland Lieferungen von insgesamt 1,86 Millionen Barrel umfassen, die einen Marktwert von schätzungsweise 105 Millionen US-Dollar haben. Ob Kuba zu Weltmarktpreisen bezahlt, oder wie zu Sowjetzeiten subventionierte Lieferungen erhält, ist indes nicht bekannt. Bestimmte Vorzüge bei den Vertragskonditionen dürften aufgrund der anhaltenden Devisenknappheit Kubas jedoch wahrscheinlich sein.

Keine Entwarnung auf der Sitzung des Ministerrats

Venezuela nahm im März indes die Lieferung von Leichtöl wieder auf, das als Rohstoff für die Herstellung von Diesel und Benzin benötigt wird. In diesem Monat wurden bereits 1,39 Millionen Barrel in drei Lieferungen in die kubanische Hafenstadt Matanzas verschifft, während in den Vormonaten laut Dokumenten die Reuters vorliegen lediglich 500.000 bis 600.000 Barrel pro Monat geliefert wurden. Um seine Wirtschaft am laufen zu halten benötigt Kuba jeden Monat knapp fünf Millionen Barrel an fossilen Brennstoffen. Das sind rund 160.000 Barrel an Ölprodukten pro Tag, davon mindestens 22.000 Barrel Dieselkraftstoff.

Angesichts der akuten Krise in Venezuela, die in dem Land selbst bereits zu Energieknappheit geführt hat, versucht Kuba derzeit das Portfolio möglicher Handelspartner zu diversifizieren. Neben Russland waren auch Öllieferungen aus Tunesien und dem Iran im Gespräch. Nach der Auflösung der Sowjetunion bezog Kuba weiterhin Öl aus Russland, der jetzige Vertrag bedeutet für das eurasische Land jedoch die umfangreichsten Lieferungen an die Insel seit Ende des Kalten Krieges.

Dennoch bedeuten die neuen Lieferungen keine Entwarnung bei der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Situation. Es bleibt abzuwarten, wie langfristig die russischen Lieferungen angelegt sind. Kubas Wirtschaftsminister geht jedenfalls nicht davon aus, dass das Land im nächsten Jahr große Sprünge machen wird. Auf der jüngsten Sitzung des kubanischen Ministerrats, die Ende April stattfand und in den kubanischen Medien ein ungewöhnlich schwaches Echo erfuhr, wurden die Grundzüge des Wirtschaftsplans 2018 abgesteckt: die Mittel werden sich auf strategische Projekte und den Erhalt der Sozialsysteme konzentrieren, insgesamt sollen die Staatsausgaben im Vergleich zum laufenden Jahr zurückgehen.

Australische Firma meldet neue Ölfunde auf Kuba und plant Bohrungen

Der für Melbana interessante Block 9 an der kubanischen Nordküste (Quelle: Melbana.com)

Der australische Energiekonzern Melbana Energy Ltd. plant nächstes Jahr zwei Ölbohrungen auf Kuba durchzuführen. „Die notwendigen Komponenten für ein beschleunigtes Bohrverfahren sind bereits aktiv“, heißt es in einem Statement des Unternehmens. Die Firma gab in ihrem jüngsten Quartalsbericht eine positive Einschätzung für Block 9 an der kubanischen Nordküste ab, der „einer der weltweit spannendsten Erkundungsstellen“ sei, wie es in dem Bericht heißt.

In dem 2.380 Quadratkilometer großen Gebiet in der Nähe des Touristenhotspots Varadero wird bereits seit über zwei Dekaden Öl gefördert. Melbana geht davon aus, dass in bisher noch nicht erschlossenen Stellen bis zu 637 Mio. Barrel Öl zur Förderung bereit liegen. 2018 will die Firma daher an den Borhstellen „Alameda-1“ und „Zapato“ mit zwei Testbohrungen beginnen, die zwischen 20 und 30 Millionen US-Dollar kosten dürften.

Melbana-interner Zeitplan der Erkundungsbohrungen (Quelle: Melbana.com)

Melbana ist derzeit die einzige australische Firma, die auf Kuba präsent ist. Das Unternehmen ist mit einem Marktkapitalwert von rund 25 Mio. US-Dollar einer der kleineren Energiekonzerne. Für die Kuba-Erkundungen stehen dem Unternehmen derzeit 2,7 Mio. US-Dollar zu Verfügung, für die Finanzierung der beiden Erkundungsbohrungen werden daher noch Investoren gesucht.

Das Unternehmen plant, seine Anstrengungen in den kommenden Monaten auf Kuba zu fokussieren. Die Bewertung der Perspektiven von Block 9 wurden im jüngsten Quartalsbericht bereits um 50 Prozent nach oben korrigiert. Das Unternehmen geht davon aus, dass bis nächstes Jahr Technik und Personal zur Durchführung der geplanten Bohrungen bereit sein werden.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Berichte über neue Ölfunde vor der kubanischen Küste und an Festland, mehrere Erkundungsbohrungen verliefen jedoch Ergebnislos. Derzeit kann die Insel rund 50 Prozent ihres benötigten Erdölbedarfs aus eigener Produktion mit Hilfe der bereits erschlossenen Ölfelder an der Nordküste decken. Das dort geförderte Öl ist jedoch stark schwefelhaltig und kann nur bedingt weiterverarbeitet werden. Die neuen Fundstellen in Block 9 sollen laut Melbana „potentiell hochwertiges Leichtöl“ beinhalten.

Kuba setzt verstärkt auf eigenes Öl

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Kubanische Erdölraffinerie (Quelle: Cartasdesdecuba)

Im Zuge zurückgehender Lieferungen aus Venezuela orientiert sich Kuba derzeit immer stärker an den eigenen Ölvorkommen. Im nächsten Jahr wollen die russische Firma Rosneft und das australische Unternehmen Melbana die kubanischen Vorkommen in der Nähe der Nordküste bei Varadero weiter erkunden. Seit 2013 haben sich die Erdöllieferungen aus Venezuela mehr als halbiert und müssen derzeit durch Zukäufe auf dem Weltmarkt kompensiert werden.

Die ökonomische Krise in Venezuela betrifft spätestens seit diesem Jahr auch die kubanische Wirtschaft. Auf der Parlamentssitzung im Juli kündigte Präsident Raúl Castro ein Sparprogramm an, das Einsparungen von rund einem Drittel bei den fossilen Brennstoffen vorsieht. Kuba bezog rund die Hälfte seines Erdölbedarfs aus dem befreundeten Land, im Gegenzug arbeiteten zu hochzeiten rund 40.000 kubanische Ärzte in Venezuela.

Statt den üblichen 100.000 Barrel täglich kommen derzeit weniger als 50.000 Barrel venezolanisches Öl in Kuba an, wie das Wall Street Journal berichtet. Zudem ist das gelieferte Öl meist von schlechterer Qualität, weshalb Kuba erstmals seit über 12 Jahren wieder auf dem Weltmarkt zukaufen muss. Aus diesem Grund will Kuba verstärkt auf eigene Kapazitäten setzen.

So meldete die Raffinerie Sergio Soto, Kubas wichtigste Raffinerie für die Verarbeitung von einheimischem Öl, eine Zunahme der Produktion von 50.500 Tonnen im Jahr 2014 auf über 72.000 Tonnen in diesem Jahr. Dies deutet auf einer verstärkte Nutzung der eigenen Reserven hin. Kubas verfügt über erschlossene Ölfelder an Land entlang der Nordküste, das dort gewonnene Öl ist jedoch von niedriger Qualität und eignet sich vor allem zur Stromerzeugung.

Da derzeit noch immer über 80 Prozent der elektrischen Energie auf der Insel mittels Schwerölkraftwerken und dezentralen Generatoren gewonnen wird, kann die weitere Förderung der eigenen Ölfelder zu einer Linderung der aktuellen Energiekrise beitragen. Bisherige Offshore-Bohrungen verliefen erfolglos, die beiden Unternehmen aus Australien und Russland wollen jedoch zunächst vor allem die bereits erschlossenen Felder an Land weiter ausbauen. Startschuss für die weiteren Erkundungen ist November 2017.

Russland hilft Kuba bei der Ölförderung und plant neuen Flughafen

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Kubanische Ölfelder im Norden der Provinz Matanzas (Quelle: TheCubanEconomy)

Russische und kubanische Spezialisten arbeiten derzeit an der Modernisierung alter Ölpumpen, um die kubanische Erdölproduktion mit neuer Technik zu verbessern. Im Rahmen eines 2014 geschlossenen Vertrags zwischen der kubanischen Ölgesellschaft CUPET und dem russischen Staatsunternehmen Zarubezhneft, könnte die kubanische Erdölproduktion um bis zu 25.000 Barrel pro Tag gesteigert werden. Gleichzeitig sind russische Unternehmen auf der Suche nach Investoren für einen geplanten Flughafen in der Provinz Artemisa.

Thermische Methode verspricht schnelle Erfolge

Kuba verfügt über einige Ölfelder auf dem Festland und fördert heute ca. 50.000 Barrel pro Tag, was etwa 40 Prozent des Eigenbedarfs entspricht. Den Rest importiert das Land aus Venezuela im Austausch für medizinische Dienstleistungen. Aufgrund seiner schlechten Qualität kann das kubanische Erdöl nicht zu Benzin weiterverarbeitet werden, sondern wird vor allem zur Stromerzeugung sowie zur Herstellung von Zement und Asphalt genutzt.

Im Rahmen des Deals mit Zarubezhneft wird eine neue thermische Fördermethode angewandt, die auf Kuba erstmals zum Einsatz kommt. Sie hat die Senkung der Viskosität des Erdöls mit Hilfe von Wasserdampf zum Ziel, um so das Öl mit einer geringeren Dichte an die Oberfläche zu befördern. Die Technik wird derzeit in einem Testgebiet erprobt. „Im Moment benutzen wir sie um Ölquellen zu aktivieren, die bereits verbraucht waren“, sagte der Direkter der russischen Firma, Andrey Grebenev, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Methode würde Kuba „in kurzer Zeit“ neue Möglichkeiten für seine Ölindustrie eröffnen, meint der Branchenexpoerte Jorge Piñón, von der Universität Austin in Texas. Piñón schätzt, dass Kuba auf diese Weise seine tägliche Ölfördermenge um gut 50 Prozent auf 70.000 bis 75.000 Barrel steigern könnte. Auch die Erkundung der Ölreserven jenseits des Festlands steht auf der Agenda. Vier Offshore-Bohrversuche im Golf von Mexiko gingen in den letzten Jahren leer aus, allerdings ist Kuba an weiteren Bohrungen interessiert.

Russland plant neuen Flughafen für 200 Mio. US$

In Abu Dabi war der russische Handels- und Industrieminister Denis Manturov derweil auf der Suche nach möglichen Investitionspartnern für einen geplanten Flughafenneubau in der kubanischen Provinz Artemisa. „Wir sind tief in diese Verhandlungen eingestiegen“, sagte Manturov gegenüber einer Zeitung in den Emiraten. Kuba über mehrere internationale Flughäfen, der 1930 eröffnete „José Martí“ südlich der Hauptstadt ist die wichtigste Plattform für den Flugverkehr des Landes.

Der Neubau soll nur zehn Kilometer weiter südlich in der Stadt San Antonio de los Baños stattfinden, wo ein ehemaliger Militärflugplatz als Grundlage dient. Kuba will dort eine „große Drehscheibe für den Flugverkehr in Lateinamerika“ errichten, sagte Manturov. Der geplante Flughafen soll über die Schiene mit dem neu eröffneten Containerport von Mariel verbunden werden und ein eigenes Frachtterminal erhalten. Das Projekt wurde bereits beim Besuch Vladimir Putins in Havanna vergangenen Sommer angekündigt. Russland plant mindestens 200 Millionen US$ für den Neubau zu investieren.

Kuba präsentiert Energieplan bis 2030

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Funktionäre des kubanischen Energie- und Landwirtschaftsministeriums sowie der staatlichen Zuckergesellschaft AZCUBA waren federführend an der Erarbeitung des Programms beteiligt (Quelle: Cubadebate).

Die Zukunft der Stromerzeugung in Kuba verspricht vielfältig und grün zu werden, das hat die Regierung des Landes schon mehr als einmal bekräftigt. Vergangene Woche wurde nun erstmals ein detaillerter Plan vorgestellt, der den systematischen Ausbau erneuerbarer Energien auf der Insel skizziert. Er ist zugleich der erste fertige Teil des Perspektivplans 2030, mit dem die Vision einer „wohlhabenden und nachhaltigen sozialistischen Gesellschaft“ beschrieben werden soll.

Die Förderung von Offshore-Ölvorkommen wurde von den kubanischen Planern dabei fürs erste zurückgestellt – aus mangelndem Interesse ausländischer Investoren, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Die 20 Millionen Barrel Rohöl, die vor der kubanischen Nordküste vermutet werden, sind nach Informationen aus Branchenkreisen derzeit nicht gewinnbringend zu fördern. Stattdessen konzentriert man sich auf den Ausbau und die Erneuerung bestehender Anlagen an Land, die Schweröl von niedriger Qualität herstellen und die Hälfte des heimischen Bedarfs zur Energieerzeugung decken.

Um aber auch bei steigendem Verbrauch nachhaltigen und günstigen Strom erzeugen zu können, muss das Land schrittweise weg von den fossilen Brennstoffen. 2012 wurde deshalb eine Expertenkomission mit der Erarbeitung eines Plans über die langfristige Entwicklung der kubanischen Energiematrix beauftragt. Die Ergebnisse der von Bau- und Industrieminister Ramiro Valdés geleiteten Gruppe, wurden am 12. August im kubanischen Fernsehen zur besten Sendezeit in der Sendung „Mesa Redonda“ vorgestellt.

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Abb. 1: Kubanischer Strommix heute: 48 Prozent stammt aus Schwerölkraftwerken, dezentrale Generatoren (Diesel oder Benzin) machen 18,5 Prozent aus. Bis auf Biomasse spielen erneuerbare Energien eine kaum messbare Rolle (Quelle: Cubadebate).

Derzeit bezieht Kuba nur 4,6 Prozent der erzeugten Elektrizität aus erneuerbaren Quellen, den Löwenanteil (48 Prozent) bei der Energieerzeugung machen stationäre Schwerölkraftwerke aus, die neben Erdgasturbinen und lokalen Benzingeneratoren die wichtigste Rolle im kubanischen Energiemix spielen (Abb. 1). Obwohl gut die Hälfte des in den Schwerölkraftwerken verbrannten Materials aus eigener Produktion gedeckt werden kann, bringt diese Form der Stromerzeugung für Kuba eine große Abhängigkeit von Importprodukten, hohe Kosten und eine verhältnismäßig starke Umweltverschmutzung mit sich.

Die niedrige Effizienz der großen Kraftwerke und die Verteilungsverluste in den veralteten Netzen machen der kubanischen Energiewirtschaft dabei zusätzlich zu schaffen. Eine Kilowattstunde Strom kostet den kubanischen Staat derzeit 21,1 US-Cent. Private Verbraucher kommen dabei nur für etwa 20 Prozent der Selbstkosten auf.

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Abb. 2: Derzeitige und geplante Kosten pro Megawattstunde in US$ (Quelle: Cubadebate)

Um die Versorgungssicherheit mit Strom nachhaltig zu garantieren, wurde beschlossen die 2005 begonnene „Energierevolution“ in ein langfristiges Projekt umzuwandeln und folgende Ziele für das Jahr 2030 formuliert:

  • Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 24 Prozent bei einer Steigerung der Stromproduktion von 18.000 GW/h auf 30.000 GW/h pro Jahr bis 2030.
  • Keine prozentuale Erhöhung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zur Energieerzeugung
  • Kostensenkung der Stromerzeugung
  • Reduzierung der Umweltbelastung (CO2 pro erzeugter Kilowattstunde)

Um diese Ziele zu erreichen, so wird vorgerechnet, sind Investitionen in Höhe von 3,7 Milliarden US$ von Nöten. Diese sollen durch Kredite befreundeter Regierungen und ausländische Privatinvestoren erbracht werden. Kernstück ist der Aufbau eines breit gefächerten Energiemixes erneuerbarer Träger, der sich aus folgenden Quellen zusammensetzen soll:

Biomasse

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Abb. 3: Karte der geplanten Biomasseanlagen (Quelle: Cubadebate)

Die Stromerzeugung durch Biomasse macht mit 3,5 Prozent derzeit den stärksten Einzelanteil bei den erneuerbaren Energien in Kuba aus. Dies kommt nicht von ungefähr, denn die Zuckerindustrie liefert als Nebenprodukt die notwendige Bagasse. Für Kuba ist Biomasse daher eine praktikable und günstige Option, deren Anteil bis 2030 auf 14 Prozent ausgedehnt werden soll. Hierfür sollen entsprechende Anlagen in 19 Zuckermühlen des Landes installiert werden, die 755.000 kW pro Jahr erzeugen sollen. Die notwendigen Investitionen werden auf 1,29 Mrd. US$ beziffert, mit einer Amortisationsdauer von 6 bis 8 Jahren. Bereits in den kommenden Jahren werden die ersten drei Zuckeranlagen aufgerüstet, um dann 140.000 kW Strom pro Jahr erzeugen zu können. Eine kleinere Anlage, zur Gaserzeugung aus den Nebenprodukten des Reisanbaus, wird derzeit mit deutscher Hilfe in der Provinz Sancti Spíritus installiert.

Windenergie

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Abb. 4: Karte der geplanten Windparks (Quelle: Cubadebate)

Derzeit gibt es in Kuba vier Windparks, die jährlich mit 11.700 kW zur Stromerzeugung beitragen, was 0,1% des Gesamtanteils ausmacht. Die Anlagen befinden sich vor allem im Norden und Osten der Insel, den Gebieten mit dem größten Potential für diese Energieform. In Zukunft sollen 633.000 kW durch 13 Windanlagen an verschiedenen Orten der Insel erzeugt werden. Derzeit wird in der Provinz Las Tunas ein erster Windpark mit einer Kapazität von 51.000 kW errichtet. Bis 2030 soll der Anteil der Windenergie 5,4 Prozent betragen. Dafür sind Investitionen in Höhe von 1,12 Mrd. US$ notwendig, die sich nach 4 bis 6 Jahren amortisiert haben.

Solarenergie

Bereits 2005 wurde im Rahmen der Energierevolution mit der Errichtung dezentraler Solaranlagen in entlegenen Gebieten begonnen. In den letzten zwei Jahren wurden die ersten acht Solarkraftwerke auf der Insel errichtet, die derzeit zu Spitzenzeiten 12.000 kW erzeugen. Kuba bietet ein gutes Potential für Sonnenenergie, welches auf der gesamten Landesfläche gleichmäßig bei 5 kW/h pro Quadratmeter und Tag liegt (in Deutschland schwankt dieser Wert zwischen 1 und 3). Noch vor Ende März 2015 werden weitere Anlagen mit insgesamt 10.000 kW folgen. Bis 2030 soll dann die installierte Leistung der kubanischen Solarkraftwerke auf 700.000 kW erhöht werden, etwa 3,5 Prozent des gesamten Strommixes. In der Provinz Pinar del Río steht Kubas einzige Fabrik für Solarpaneele, die weiter ausgebaut werden soll. Die notwendigen Investitionen für den Ausbau der Solarenergie betragen insgesamt 1 Milliarde US$, sie sollen sich innerhalb von 11 bis 13 Jahren amortisieren.

Wasserkraft

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Abb. 5: Ausbau der Wasserkraftwerke bis 2030 (Quelle: Cubadebate)

Heute gibt es in Kuba 147 Wasserkraftanlagen, von denen die meisten zur kommunalen oder privaten Stromerzeugung genutzt werden. Sie versorgen über 8.400 Wohnhäuser mit Elektrizität, allerdings sind lediglich 30 von ihnen als Einspeiser im staatlichen Stromnetz registriert. In den kommenden Jahren soll eine Leistung von 100.000 kW durch Wasserkraft abgedeckt werden, etwa 1 Prozent des erzeugten Stroms (heute: 43.000 kW, 0,7 Prozent). Dafür sind Investitionen in Höhe von 110.000 US$ notwendig, die sich nach 4 bis 6 Jahren amortisiert haben werden. Die heimische Industrie kann auch bei der Entwicklung dieser Energiequelle helfen, da sie in der Lage ist, Turbinen mit einer Kapazität von bis zu 325 kW im Land zu fertigen.

Energieeffizienz

Nicht nur durch die Erzeugung zusätzlichen Stroms, sondern auch durch die Steigerung der Energieeffizienz sollen die Ziele des Perspektivplans bis 2030 erreicht werden. Bereits in den vergangenen Jahren wurden über 4,4 Millionen veraltete Haushaltsgeräte (davon 2,6 Millionen Kühlschränke) durch sparsamere und modernere Modelle ausgetauscht. Mehr als 9,4 Millionen Glühbirnen wurden durch Leuchtstoffröhren ersetzt.

In Zukunft sollen verstärkt LEDs für die öffentliche Beleuchtung und in Privathaushalten zum Einsatz kommen. Die Verbreitung von elektrischen Induktionsherden wird staatlicherseits gefördert, ebenso wie der Aufbau von privaten Solaranlagen zur Wassererwärmung und Stromerzeugung. Im gewerblichen Sektor soll mit der Modernisierung von Verteilstationen und der Einführung energieeffizienter Produktionsprozesse zusätzlich Strom eingespart werden.

Fazit

Ziel ist es, durch die Kombination all dieser Maßnahmen bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien auf insgesamt 24 Prozent zu steigern, wobei der Anteil der Schwerölkraftwerke um 16 Prozent zurückgehen soll. Kuba setzt dabei bewusst nicht nur auf eine Technologie, sondern versucht durch die Kombination verschiedener Arten der Stromerzeugung seine Energiematrix zu diversifizieren. Der Nutzung von Biomasse dürfte dabei eine Schlüsselrolle zukommen, da diese gleichzeitig an die weitere Entwicklung der Zuckerindustrie gekoppelt ist und für Kuba eine naheliegende Lösung darstellt.

Insgesamt sollen in den kommenden 16 Jahren gut 2,1 Gigawatt an regenerativen Energien installiert werden, die sich das Land 172 US$ pro installiertem Kilowatt kosten lässt. Dafür sollen die Kosten bei der Energieerzeung für den Staat von derzeit 0,21 US$ pro Kilowattstunde auf unter 0,18 US$ bis zum Jahr 2020 fallen. Mit zusätzlichen Anreizen zum Erwerb energieeffizienter Haushaltegeräte dürfte sich der Hunger nach elektrischer Energie zumindest etwas bremsen lassen, dennoch wird die absolute Stromerzeugung in diesem Zeitraum laut Plan um 40 Prozent gesteigert.

Mit diesem Vorhaben macht Kuba einen großen Schritt nach vorn in Richtung einer nachhaltigen Stromwirtschaft und beweist dabei gleichzeitig seine Kontinuität als „Leuchtturm der Nachhaltigkeit“ im lateinamerikanischen Umfeld. Zwar ist ein Anteil von 24 Prozent erneuerbaren Energien noch immer verhältnismäßig gering – er liegt etwa auf dem deutschen Niveau dieser Tage – dennoch scheint das Ziel im Rahmen von Kubas wirtschaftlichen Möglichkeiten absolut angemessen und realistisch.

Das ökologische Potential der Insel ist damit jedoch noch lange nicht ausgeschöpft. Gerade im Bereich der Landwirtschaft werden sich auch in Zukunft vielfältige neue technologische Ansätze ergeben, deren Nutzung noch in den Sternen steht. Die kubanische Energierevolution bis 2030 ist mit veranschlagten Kosten von 3,7 Mrd. US$ zwar verhältnisweise günstig, dennoch muss das Land nun aktiv nach ausländischen Kooperationspartnern suchen, um die formulierten Ziele zu erreichen. Die laufenden und bereits realisierten Projekte auf diesem Gebiet lassen immerhin keine Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Unterfangens aufkommen.

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Abb. 6: Geplanter kubanischer Strommix 2030 (Quelle: Cubadebate)
Schweröl: 32 Prozent
andere fossile Brennstoffe: 21 Prozent
Biomasse: 14 Prozent
dezentrale Benzin- und Dieselgeneratoren: 10 Prozent
Gas-Begleitstoffe: 8 Prozent
Windenergie: 6 Prozent
Erdgas: 5 Prozent
Solarenergie: 3 Prozent
Wasserkraft: 1 Prozent