Havanna bekommt bis Dezember 500 neue Linientaxis

Die neuen Linientaxis sind an ihrer gelben Lackierung und dem Schriftzug „Taxi Rutero“ zu erkennen. Eine Fahrt kostet für die gesamte Strecke maximal 15 CUP (Quelle: Cubadebate)

Nachdem seit Ende Mai probeweise 60 neue Linientaxis für die Verstärkung des Personentransports in Kubas Hauptstadt Havanna eingesetzt werden, wird das neue Angebot derzeit massiv erweitert. Am gestrigen Montag nahmen zwei neue Linien der „Taxi Ruteros“ ihren Betrieb auf. Sie werden von im Jahr 2013 gegründeten Genossenschaften betrieben und sollen sich als günstige Alternative zu den privaten Taxis etablieren.

Seit dem 3. Juli wird nun eine neue Linie vom Krankenhaus Calixto García (Vedado) bis ins Reparto Eléctrico bedient. Der erste Abschnitt bis Diez de Octubre kostet 5 Pesos. Dort kommen zunächst 88 Fahrzeuge zum Einsatz, die meisten der Marken Lada und Geely. Auch die Linie entlang der Avenida 51 wird mit mehr Fahrzeugen versehen. Am 15. Juli soll eine neue Route nach Guanabacoa hinzukommen. Die erste Sekretärin der PCC in Havanna, Mercedes López-Acea, kündigte an, die Flotte bis Ende des Jahres auf 500 Fahrzeuge aufstocken zu wollen.

Neben den Bussen sind in den letzten Jahren private Sammel- oder Linientaxis, sogenannte „Taxi ruteros“ oder „Colectivos“ genannt, zu einer wichtigen Ergänzung von Havannas überlastetem Transportsystem geworden. Die meisten der 5.000 lizenzierten Fahrer arbeiten auf eigene Rechnung im Privatsektor. Nach der Einführung von Preisobergrenzen und eines abschnittsweiser Tarifsystems zum Vorteil der Kunden vergangenen August, kam es zeitweilig zu einem passiven Streik der Taxifahrer welche sich teilweise weigerten die neuen Regulierungen zu akzeptieren (Cuba heute berichtete mehrfach).

In der Folge begann der Staat ab Ende Mai ein günstigeres Konkurrenzangebot auf genossenschaftlicher Basis zu zu starten. Zunächst wurde im Rahmen des Pilotprojekts die Route La Lisa – Parque Fraternidad mit 60 Fahrzeugen bedient. Die Fahrzeuge werden zum Großteil von zwei im Jahr 2013 gegründeten Genossenschaften unterhalten, die Steuern an den Staat entrichten und Zugang zu subventionierten Treibstoffkontingenten erhalten. Im Unterschied zu den privaten Taxis wird jeder Haltepunkt einzeln mit 5 CUP (ca. 0,20 €) berechnet, die gesamte Strecke kostet immer maximal 15 Pesos (Privatsektor: in der Regel 20 Pesos).

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Neue Sammeltaxi-Kooperativen sind „gekommen, um zu bleiben“

60 neue Fahrzeuge der Marken Lada und Hyundai sind seit vergangenem Montag in Havanna als Sammeltaxi im Einsatz (Quelle: Juventud Rebelde)

Mit neuen Sammeltaxis will Kubas Regierung den privaten Dienstleistern Konkurrenz machen, und damit die Transportsituation in der Hauptstadt Havanna verbessern. Die neuen „Taxi ruteros“ (zu deutsch etwa „Routentaxis“) fahren wie die privaten Sammeltaxis feste Linien entlang des Busnetzes ab, der Preis ist mit 5 Pesos pro Zwischenhalt jedoch deutlich moderater. Vergangenen Montag nahm der neue Service in einer ersten Teststrecke den Betrieb auf.

Ergänzung zum Bussystem, Konkurrenz zum Privatsektor

„Diese neue Option ist gekommen, um zu bleiben“, sagte Kubas Vizeministerin für Transport, Marta Oramas Rivero, auf einer Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Sammeltaxis. Zwei Kooperativen kümmern sich seit letzter Woche darum, die häufig frequentierte Route vom Stadtteil „La Lisa“ (Terminal San Augustín) bis zur Altstadt-Haltestelle „Parque de la Fraternidad“ zu bedienen. Für einen beliebigen Zwischenhalt werden unabhängig vom Ort des Einsteigens 5 Pesos (ca. 0,20 Euro) fällig, die gesamte Strecke kostet 15 Pesos und ist damit mindestens ein Viertel günstiger als die Preise der privaten Dienstleister, die in der Regel bei 10 Pesos für einen Streckenabschnitt beginnen.

Die Route der neuen Taxi-Kooperativen verläuft entlang der Buslinie P-14 von La Lisa bis zum Parque de la Fraternidad und kostet insgesamt 15 Pesos (Quelle: Granma)

Die Route La Lisa – Parque Fraternidad wurde aufgrund des großen Passagieraufkommens ausgewählt. Bisher verkehren dort etwa 10 Busse in einer Frequenz von 7 bis 12 Minuten, was allerdings nicht annähernd ausreicht um die zahlreichen wartenden Passagiere mitzunehmen. Die neuen Routentaxis sind vor allem als Ergänzung des Busnetzes und Konkurrenz zu den privaten Dienstleistern gedacht, die in jüngster Zeit in einen Preiskampf mit der Regierung gerieten.

Sensible Preise und Preisobergrenzen

Nach der Einführung von Preisobergrenzen für private Taxidienstleister im August 2016 wurden die Preise im Februar dieses Jahres nochmals fast auf das Niveau der neuen Kooperativen-Taxis festgelegt, wonach 5 Pesos pro Zwischenhalt und maximal 20 Pesos für die gesamte Strecke fällig werden dürfen. Viele Sammeltaxifahrer übten sich daraufhin in Folge der verstärkten Kontrollen in passivem Streik oder versuchten trotz allem mit den alten Preisen von 10 bis 20 Pesos pro Zwischenhalt weiterzuarbeiten. Die Taxifahrer beklagten sich vor allem über die teuren Kraftstoffpreise sowie die schlechte Versorgung mit Ersatzteilen. Insgesamt wurden in den letzten Monaten rund 100 der 5.000 Taxifahrer Havannas mit zeitweisem Lizenzentzug bestraft.

Auch wenn 10 bis 20 Pesos pro Fahrt (ca. 40 bis 80 Eurocent) für mitteleuropäische Ohren günstig klingen, kann die Mehrzahl der Hauptstadtbewohner diese Preise nicht regelmäßig bezahlen und ist auf das stark subventionierte Busnetz angewiesen. Hier kostet eine Fahrt 0,40 Pesos (ca. 1,5 Eurocent). Mit den neuen Tarifen von 5 Pesos pro Zwischenhalt für die Sammeltaxis hat das Transportministerium Preise geschaffen, die in Relation zum gebotenen Komfort stehen. Ausreichend Sitzplätze und Klimaanlage sind in den überfüllten Bussen nämlich nicht gegeben, was vor allem in den Sommermonaten insbesondere für ältere Fahrgäste eine große Belastung ist.

Klare Vorteile für Genossenschaften

Die Taxis auf genossenschaftlicher Basis dürften trotz niedrigen Festpreisen rentabel arbeiten können, da für sie andere Regeln gelten als für private Dienstleister. Der Staat verkauft den Kooperativen Benzin zu subventionierten Preisen, zudem genießen sie steuerliche Vorteile gegenüber reinen Privatbetrieben. Die beiden involvierten Transportkooperativen stellen zunächst 60 PKW der Marken Lada und Hyundai sowie 5 chinesische Kleinbusse mit je 11 Sitzplätzen zu Verfügung, welche allesamt die Route La Lisa (Calle 272) über den Plaza de Marianao (51 y 124), Avenida 51 y 26, Calzada de Cerro bis zum Parque Fraternidad bedienen.

Genossenschaftliche Ladas ziehen in die Konkurrenz zu den privaten Sammeltaxis, auch „Maquinas“ genannt, welche häufig US-amerikanische Oldtimer sind (Quelle: Cubadebate)

Mit dem neuen Service will das Transportministerium nicht nur die Situation mit den Sammeltaxis entschärfen, sondern auch die „guten Sitten“ in diesem Geschäft fördern. Unfreundlichkeit, Feilscherei und mangelnde Professionalität charakterisieren schon lange den privaten Transportsektor auf Kuba, mit dem genossenschaftlichen Angebot will das Ministerium wieder eine „Kultur des Respekts“ etablieren.

„Wir setzen auf die Mitarbeit der Bevölkerung“, sagt die Vizeministerin Oramas Rivero. Bei Problemen oder Fehlverhalten sei das Ministerium für jeden Hinweis dankbar, der an die eigens eingerichtete Telefonnummer 18820 gerichtet werden kann. Obwohl derzeit nur eine Route in der Zeit von 6 Uhr morgens bis 20 Uhr Abends bedient wird, arbeite man bereits an der Ausdehnung des Service auf andere Strecken – im Sommer ist die Eröffnung einer weiteren Route über Diez de Octubre bis ins Reparto Eléctrico geplant und auch die Einbeziehung Vedados ist im Gespräch. Die privaten Taxidienstleister sollen indes nicht nur neue Regeln, sondern in absehbarer Zeit auch Zugang zu günstigeren Kraftstoffkontingenten und neu eingerichtete Sammelpunkte erhalten.

Obwohl die Transportsituation Havannas noch immer eine Baustelle bleibt, ist mit den Linientaxis erstmals seit Jahren wieder ein neuer Akteur auf den Platz getreten. Bisher haben die beiden 2014 gegründeten Kooperativen lediglich einige Kleinbusse unterhalten, das Sammeltaxigeschäft, welches rund ein Drittel aller Fahrten ausmacht, wurde indes dem Privatsektor überlassen. Wenn die neuen Dienste der Kooperativen tatsächlich gekommen sind, um zu bleiben, dürfte das die Karten für alle beteiligten Akteure nochmals neu mischen. Genossenschaftliche Konkurrenz belebt auf staatliche Initiative hin den eingeschlafenen freien Markt – doch diesmal zu Gunsten der Fahrgäste. „Das muss ein Service von Qualität und Exzellenz sein“, formulierte der Präsident der „Cooperativa 2“, Martin José Betancourt, die Ansprüche der Kooperative.


Bericht des kubanischen Fernsehens über die neuen Sammeltaxis:

Neue Reform für Havannas ÖPNV-Problem

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Seit einigen Jahren zählen auch moderne chineische Busse zur ÖPNV-Flotte der kubanischen Hauptstadt (Quelle: Greenparty)

Dass Kubas Hauptstadt ein Transportproblem hat, ist nicht neu. Im letzten Jahr konnte der Transportplan nur zu 77 Prozent erfüllt werden, es mangelt an Kapazitäten für über 220.000 Passagiere. Entsprechend überfüllt sind die Busse der kubanischen Hauptstadt, viele Linien werden seit der Sonderperiode nur noch unregelmäßig oder gar nicht mehr befahren. Zwar konnte die Situation durch den Import zahlreicher chinesischer Yutong-Busse ab 2008 ein wenig gemildert werden, dennoch herrscht heute beim öffentlichen Verkehr in Havanna, wie auch im Rest des Landes, Unterkapazität.

Viele Busse sind in schlechtem technischen Zustand und fallen oft wegen Wartung aus. Der Fahrpreis von einem Peso Nacional wird oft gar nicht erst entrichtet, da die Fahrer ohnehin keine Kontrollen durchführen können. So hat Havannas Busflotte alle Mühe, die  knapp eine Millionen Passagiere jeden Tag zu befördern. Um die Situation nachhaltig zu ändern, wurde bereits letztes Jahr ein neues Management-Modell in den staatlichen Transportunternehmen angekündigt. Ab Oktober soll das Projekt in die Pilotphase gehen, berichtete Radio Relde.

Die Busfahrer dürfen dann einen Kassierer beschäftigen, der für die ordnungsgemäße Bezahlung sorgt. Im Gegenzug müssen 10 Prozent der Tageseinnahmen direkt an das Busunternehmen abgegeben werden. Der Rest bleibt als Lohn. Die Busfahrer erhalten so einen semi-autonomen Status: Sie müssen selbst für ihr Einkomen sorgen, sind aber weiterhin beim staatlichen Mutterkonzern beschäftigt. Dieser soll durch die gesunkenen Personalkosten Investitionsmittel für neue Fahrzeuge und Erstzteile erwirtschaften.

In diesem Jahr wurde die Busflotte der Hauptstadt bereits um etwa 10-15 Einheiten auf 560 Fahrzeuge aufgestockt. Über 100 Busse sollen noch 2014 einer Generalüberholung unterzogen werden, bisher wurden 47 davon fertiggestellt. Vor der Sonderperiode zählte die Hauptstadt um die tausend Omnibusse. Um die notwendigen größeren Investitionen zu tätigen, bräuchten Kubas Transportunternehmer allerdings deutlich mehr Mittel.

Das neue Modell kann langfristig zu einem besseren ÖPNV beitragen. Bisher ist seine Reichweite allerdings allerdongs noch bei weitem zu gering. Wie jede Reform in Kuba wird auch diese zuerst in sehr kleinem Maßstab geprüft, ehe sie auf das ganze Land übertragen wird. Je nach Erfolg kann sich dieser Vorgang teilweise über mehrere Jahre hinziehen und über den Zwischenschritt der Provinzebene erfolgen. Auf die schnelle werden Havannas Transportprobleme also nicht zu lösen ein. Ab Oktober startet jedoch immerhin ein vielversprechender Ansatz, von dem man sicher hören wird.

54 Fahrzeuge in sechs Monaten

Peugeot-Cuba

Peugeot-Autohaus in Havanna (Quelle: Nydailynews)

Bereits seit Januar dürfen Kubaner ohne vorherige Genehmigung durch den Staat in einem der 11 Autohäuser des Landes Neuwagen und Gebrauchtfahrzeuge erwerben. Auf diesem Wege wurden im ersten Halbjahr 50 Autos und vier Motorräder verkauft, berichteten gestern die kubanischen Medien. Vor dem neuen Gesetz wurden Autos meist zu subventionierten Preisen an verdienstvolle Staatsangestellte abgegeben, indem sie eine „Genehmigungskarte“ erhielten.

Dieser bürokratische Prozess, der die Arbeiter des Privatsektors vom Neuwagenerwerb ausschloss, ist nun vollständig entfallen. Die frei verkäuflichen Neu- und Gebrauchtwagen der Autohäuser sind allerdings mit einer hohen Gewinnsteuer belegt, 75% dieser Einnahmen kommen einem Fond zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu Gute. Bereits bei der Veröffentlichung des Gesetzes wurden die astronomisch hohen Preise kritisiert. Der günstigste Neuwagen, ein Peugeot 206, kostet beispielsweise 91.113 US$ (ca. 66.584 €). Ein Peugeot 508, der in Deutschland ab etwa 25.000€ erhältlich ist, kostet in Kuba 263.000 CUC.

Die 54 verkauften Fahrzeuge hatten einen Wert von 1,28 Millionen US$. Der durchschnittliche Preis von 23.800 US$ pro Fahrzeug lässt darauf schließen, dass vor allem Gebrauchtwagen darunter waren, die bereits ab 14.500 US$ (BMW Smod 1997) erhältlich sind. Auch dürften die meisten Verkäufe in Havanna getätigt worden sein, in den Provinzen Guantánamo, Granma, Las Tunas, Sancti Spíritus und Pinar del Río funktionieren die Verkaufsstrukturen noch nicht. Von dem freien Erwerb von Autos können auch juristische Personen wie z.B. Kooperativen gebrauch machen.

Autopreise sorgen für Irritation in Kuba

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Ungläubige Kubaner fotografierten am Wochenende das Angebot bei den Autohändlern Havannas. (Quelle: BBC).

Als vergangenen Freitag das neue Gesetz über den erleichterten Import von Neuwagen in Kraft trat, reichten die Reaktionen der meisten Kubaner von irritiertem Erstaunen bis zu großer Verärgerung: „Das muss ein Witz sein“, sagte ein Kubaner, als er die Preisliste sah, die in den Autohäusern Havannas seit dem 3. Januar aushängt. Der günstigste Neuwagen, ein Peugeot 206, Baujahr 2013, kostet dort 91.113 CUC, was bei einem Durchschnittslohn von umgerechnet etwa 20 CUC durchaus einer phantastischen Summe gleichkommt. Das teuerste Modell, ein Peugeot 508 der bei uns für etwa 25.000 Euro erhältlich ist, wird in Kuba für die sagenhafte Summe von 263.185 CUC angeboten, das entspricht 168.200 Euro. Das selbe Auto ist damit in Kuba um 672 Prozent teurer als in Deutschland.

Neue Zeiten, neue Regeln

Doch wie ist dieser Preisunterschied zu erklären? Was besagt das neue Gesetz genau? Zunächst einmal werden die bestehenden Regelungen von 2011, die den An- und Verkauf von Gebrauchtwagen legalisierten, bekräftigt und präzisiert. Neuwagen wurden bisher noch ausschließlich über spezielle Genehmigungskarten an verdiente Staatsangestellte vergeben. Dies führte zum einen dazu, dass nur im Staatssektor arbeitende Kubaner und Künstler in den Genuss eines Neuwagens kommen durften, zum anderen boten die subventionierten Bezugspreise oft gute Gelegenheit, auf dem Schwarzmarkt schnelles Geld zu machen und sich durch Spekulation zu bereichern. Das alte Gesetz stammt aus dem Jahr 1979 und wird den aktuellen Realitäten in Kuba kaum mehr gerecht. Dem soll Abhilfe geleistet werden, in dem jeder Kubaner nun die Möglichkeit hat, ohne vorherige Genehmigung einen Neu- oder Gebrauchtwagen zu erwerben, in dem er ein Autohaus seiner Wahl aufsucht.

Die Auswahl ist derzeit nicht sehr groß, vor allem asiatische Hersteller wie Geely oder Hyundai sowie Peugeot haben einen Fuß im kubanischen Automarkt und können dank staatlicher Lizenzen eigene Filialen betreiben. Doch nicht nur Autos stehen zum Verkauf, auch Motorräder, Minibusse und Elektrofahrräder dürfen von nun an von Privatleuten und Kooperativen erworben werden, der Handel und Import von Ersatzteilen wurde ebenfalls erleichtert. Die zeitgemäßen Bestimmungen zur Übertragung und Feststellung des Kfz-Eigentums hat das Gesetz klargestellt, deshalb spielen die Autos jetzt auch vor dem Fiskus eine Rolle. Doch genau daher rührt der Ärger um die Bestimmungen: Während die staatlichen Transportgesellschaften ihre Fahrzeuge mit Preisabschlägen erhalten, soll der Einzelhandelspreis für Privatpersonen bis zu 800 Prozent über dem Einkaufspreis liegen. Hinzu kommt eine Sondersteuer von 75 Prozent, sowie die Umsatzsteuer von 10 Prozent. Durch den Verkauf in CUC sollen die Preise nochmals um 20 Prozent angehoben werden, schreibt das Gesetzblatt vor. Durch diese Bestimmungen erklären sich die teils astronomischen Preise des kubanischen Automarkts. Immerhin: Ersatzteile sollen „nur“ um 220 Prozent über dem Einkaufspreis abgegeben werden und nach einigen Jahren dürfen Neuwagen schrittweise mit bis zu 40 Prozent Preisnachlass verkauft werden, um die Importe im Zaun zu halten.

„Eine Respektlosigkeit gegenüber allen Kubanern“

Dies dürfte für die Kubaner allerdings nur ein schwacher Trost sein, schließlich kennen die meisten die Preise auf den amerikanischen und europäischen Automärkten. Die „Peugeot-Ferraris“ sind längst zum Gespött in Havanna geworden, doch viele Kubaner können über die neuen Regeln wenig lachen, obwohl die Einnahmen aus den Steuern einem Fond zur Sanierung des öffentlichen Nahverkehrs zu Gute kommen werden. Auf Facebook kommentierte ein Kubaner, dass die Regierung das Transportproblem offensichtlich mit dem Verkauf eines einzigen Autos lösen will. In Kuba gibt es derzeit etwa 650.000 Fahrzeuge, davon sind etwa 400.000 in Privatbesitz. BBC-Korrespondent Fernando Ravsberg rechnet richtig vor, dass der Verkauf von 2.000 Neufahrzeugen den Erwerb von 4.000 Bussen sicherstellen könnte, was das Transportproblem des Landes binnen kurzer Zeit lösen würde. Bis so viele Verkäufe erreicht werden, könnte unter den jetzigen Umständen allerdings lange Zeit dauern, zu groß ist die Diskrepanz zwischen der realen Kaufkraft und den vorgelegten Preisen. Statt eines Neuwagens werden die meisten ohnehin einen gebrauchten Lada oder Renault bevorzugen, der „schon“ ab 15.000 CUC erhältlich ist.

Erstaunlich ist, wie deutlich die Kubaner ihren Unmut über das Gesetz zum Ausdruck bringen: „Mit diesen Preisen kann ich nicht nur kein Auto kaufen, ich kann nicht einmal davon träumen“, sagte der kubanische Musiker Alfred Thompson gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auch der Künstler Cesar Perez brachte seine Wut gegenüber Reuters offen zum Ausdruck: „Diese Preise sind eine Respektlosigkeit gegenüber allen Kubanern“. Ausländische Firmen und die Kooperativen werden von dem neuen Gesetz ebenfalls kaum begeistert sein, dringend benötigte Transportfahrzeuge bleiben gerade für kleinere Genossenschaften unerschwinglich. Während dieser Tage der Unmut auf den Straßen und im Internet wächst, hüllen sich die kubanischen Medien bei der Debatte in Schweigen. Mit 213 Kommentaren innerhalb der ersten vier Tage wurde der Artikel über die neuen Preise auf dem Internetportal „Cubadebate“ heiß diskutiert. Nach dem Verbot der privaten 3D-Kinos im letzten Jahr, stößt das neue Gesetz auf weitaus weniger Verständnis und wird von vielen als grober Fehlschlag wahrgenommen. Kommentare wie „Viva el mercado negro!“ (Es lebe der Schwarzmarkt) und „Me quedé sin palabras…“ (Ich bin sprachlos) sind die Regel.

Offenbar wollte die kubanische Regierung mit den krassen Preisen dem Automarkt eine Art „Luxussteuer“ auferlegen, was viele Kubaner verärgert, die sich ein Fahrzeug für 15.000 CUC, nicht jedoch für 100.000 CUC leisten können. Was also tun? Zunächst ist interessant, dass der Preisaufschlag für alle Autoklassen relativ gleichmäßig ausfällt, wobei besonders Neuwagen teuer gelistet sind. Der Aufschlag variiert zwischen 500 und 800 Prozent. Hier könnte eine einfache Ausnahmeregelung geschaffen werden, damit ein oder zwei ausgewählte, günstige und möglichst verbrauchsarme Kleinwagen, zu erschwinglichen Bedingungen angeboten werden – während Mittelklasse und teure Luxusmodelle weiterhin der hohen Besteuerung unterliegen. Damit könnte das automobile Bedürfnis der meisten Kubaner befriedigt und gleichzeitig Steuereinnahmen durch steigende Verkaufszahlen erzielt werden. Nur noch die wirklichen Reichen, die schon vergangenes Wochenende die ersten Autos für über 100.000 CUC erworben haben, müssten dann eine Luxussteuer bezahlen.

Die Lösung kommt aus China

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Geely-Stand auf der internationalen Handelsmesse in Havanna, November 2013 (Quelle: CubaStandard).

Allerdings gibt es bereits einen Lichtblick: Die chinesische Autofirma „Geely“ wird in diesem Jahr eine Fabrik in der Sonderwirtschaftszone Mariel eröffnen. Deren Fahrzeuge sind bereits auf kubanischen Straßen erprobt, sie kommen vor allem als Polizeifahrzeuge zum Einsatz, wurden aber auch an Privatleute vergeben. Insgesamt gibt es 10.000 Geelys in Kuba, sie machen heute 50 Prozent aller Fahrzeugimporte der Insel aus und werden seit 2007 importiert. Die neue Fabrik soll mit einer jährlichen Kapazität von 20.000 Autos von Kuba aus die Märkte in Brasilien, Uruguay und Argentinien versorgen. Dabei könnte wohl auch der kubanische Markt locker durch die Fabrik bedient werden. Nur 7 Prozent der Kapazität würden benötigt, um die durchschnittlichen Importe von 1400 Geelys pro Jahr durch eigene Produktion zu ersetzen. Die kubanische Regierung täte gut daran, möglichst bald lokal produzierte Geelys zu erschwinglichen Preisen in die kubanischen Autohäuser zu bringen. Damit könnten die Kubaner endlich von den geringen Löhnen profitieren, in dem die Fahrzeuge genauso günstig in Kuba verkauft werden, wie sie dort hergestellt werden können.

Eine Überarbeitung des Gesetzes ist dringend notwendig. Ohne entsprechende Ausnahmeregelungen für Kleinwagen, wird der PKW-Markt in Kuba künftig genauso wenig vorankommen wie die Sanierung des öffentlichen Nahverkehrs. Eine realistische Steuer für Kleinwagen und Luxusabgaben für Luxusautos wäre die richtige Vorgehensweise, um Einnahmen zu generieren und die soziale Gerechtigkeit zu sichern. Die neue Geely-Fabrik in Mariel bietet sich dabei geradezu dafür an, einen günstigen und heimisch produzierten  „Volkswagen“ für alle Kubaner auf den Markt zu bringen. Ein neuer Geely CK kostet in Uruguay, in dem bereits eine Fabrik steht, knapp 13.000 US$ (ca. 9.500 Euro). Mit der Fabrik in Mariel könnten diese Preise locker unterboten werden. Selbst mit einer geringen Steuer wäre ein neuer Geely dann günstiger als ein 20 Jahre alter Lada – und könnte sich damit rasch größter Beliebtheit erfreuen. Das käme nicht nur der heiminischen Industrie zu Gute, sondern würde auch eine langsame Normalisierung der Gebrauchtpreise einleiten. Es bleibt zu hoffen, dass die Regierung von dieser historischen Option Gebrauch machen wird.

Neuer Geely

Kubas neuer Volkswagen? Geely CK in Kuba (Quelle: Flickr).

Auszug aus der Preisliste:

Neuwagen von Peugeot in Peso Convertible (CUC)
(1.00 US Dollar = 0.87 CUC)

PEUGEOT EXPERT TEPEE 2013 …212,940.00
PEUGEOT 4008 2013 ………………….239,250.00
PANEL PEUGEOT PARTNER TEPEE 2013…. 145,612.50
PEUGEOT 206+ 2013 …………….. 91,113.00
PEUGEOT 301 2013 ……………… 108,084.00
PEUGEOT 301 2013 ……………… 109,684.00
PEUGEOT 301 2013 ……………… 109,699.00
PEUGEOT 5008 2013 …………….. 232,193.50
PEUGEOT 508 2013 ……………… 263,185.50

Neuwagen anderer Marken und Produktionsjahre in CUC

GEELY CK T/A 2010 …………….. 26,550.00
GEELY CK T/M 2009 …………….. 25,950.00
GEELY FC 2009 ………………… 37,500.00
GEELY MK 2009 ………………… 30,000.00
HYUNDAI ACCENT T/A 2011 ……….. 45,000.00
HYUNDAI ACCENT T/A 2009-2010 …… 37,500.00
HYUNDAI ATOS 2009 …………….. 21,450.00
HYUNDAI 110 T/A 2009 ………….. 29,250.00
HYUNDAI 110 T/A 2009 ………….. 31,500.00
HYUNDAI 110 T/M 2009 ………….. 25,000.00
HYUNDAI 110 T/M 2009 ………….. 28,500.00
KIA RIO 2011 …………………. 42,000.00
SEAT ALTEA 2008 ………………. 45,000.00
VW JETTA 2010 ………………… 51,000.00

Gebrauchtwagen in CUC

MICROBUS HYUNDAI TQ12 2009-2010 … 110,000.00
JEEP SUZUKI JIMNY 2008 ………… 30,000.00
AUDI A4 2000 …………………. 45,000.00
BMW SMOD 1997 ………………… 14,457.60
CITROEN C3 2008 ………………. 46,025.10
DAIHATSU GRAND MOVE 2000 ………. 22,000.00
FIAT PUNTO 2008 ………………. 28,950.00
FIAT UNO 2002 ………………… 18,000.00
GEELY CK 2010 ………………… 26,150.10
HYUNDAI ACCENT T/M 2007 ……….. 35,000.00
HYUNDAI SONATA 2009-2010 ………. 60,000.00
KIA PICANTO 2011 ……………… 38,285.40
MERCEDES BENZ 2006 ……………. 60,000.00
MITSUBISHI LANCER 1997 ………… 20,000.00
PEUGEOT 106 2003 ……………… 16,222.95
PEUGEOT 206 2008 ……………… 85,227.60
PEUGEOT 407 2004 ……………… 30,000.00
PEUGEOT PARTNER 2008 ………….. 25,600.00
RENAULT CLIO 2005 …………….. 25,000.00
SEAT CORDOVA 2008 …………….. 31,500.00
TOYOTA COROLA 2006 ……………. 39,224.80
TOYOTA YARIS 2003 …………….. 25,000.00
VW JETTA 2010 ………………… 51,000.00
VW PASSAT 2008 ……………….. 54,000.00
VW POLO 2007 …………………. 25,000.00