Samsung eröffnet erstes Geschäft auf Kuba

Das erste Samsung-Geschäft in Havannas Stadtteil Playa (Quelle: Radiohabana)

Der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung hat vergangene Woche seinen ersten Laden im sozialistischen Kuba eröffnet. Das Geschäft befindet sich im Kaufhaus „3ra y 70“ in Havannas Stadtteil Playa und stellt eine Auswahl aus dem aktuellen Portfolio des Konzerns aus. Neben Handys, Tablets und Fernseher können auch Kühlschränke, Klimaanlagen und Waschmaschinen erworben werden.

„Noch vor 10 Jahren hatte Marketing eine geringe Bedeutung auf Kuba. Aber die Kunden haben heute ein Interesse an Marken gewonnen während die Wirtschaft auf Kuba sich entwickelt, also haben wir einen Markenshop eröffnet um die Kubaner mit Samsung vertraut zu machen“, sagte ein Sprecher der Firma gegenüber dem südkoreanischen Medium Hankyoreh.

Die Eröffnung eines eigenen Shops für ausländische Hersteller ist keineswegs neu auf Kuba. Auch andere bekannte Marken wie Adidas und Nike betreiben schon seit längerem Geschäfte auf Kuba. Zuletzt haben in der Mall des jüngst fertiggestellten Hotels „Manzana Gómez“ Geschäfte der Edelmarken L’Occitane, Mont Blanc und Lacoste eröffnet. Auch der Internetriese Google stellt schon seit einigen Jahren auf dem Gelände des Künstlers „Kcho“ seine Produkte aus, zusammen mit kostenlosem Internetzugang.

Die Eröffnung solcher Geschäfte ist an die Zusammenarbeit mit staatlichen kubanischen Handelskonzernen geknüpft. Samsung, genauso wie die anderen genannten Marken, kooperieren dabei mit der Einzelhandelskette „TRD Caribe“, welche von den kubanischen Streitkräften betrieben wird und rund 50 Prozent des Markts für Elektrogeräte auf der Insel kontrolliert. Die Eröffnung des Samsung-Geschäfts wurde bereits auf der Handelsmesse FIHAV vergangenen November angekündigt.

Viele Kubaner nahmen die Eröffnung des Geschäfts offenbar positiv auf, da Samsung-Produkte einen guten Ruf auf der Insel genießen. Die Preise, welche sich auf international überdurchschnittlichem Niveau bewegen, dürften jedoch auf viele potentielle Kunden abschreckend wirken und eher eine kleine Käuferschaft ansprechen.


Der neue Samsung-Laden in Havanna:

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ETECSA reduziert Preise für Mobilfunk, 38.000 private Internetanschlüsse für 2017 geplant

Mit dem „Plan Amigos“ reduzieren sich die Preise für eine Gesprächsminute für ausgewählte Nummern (Quelle: Cubadebate)

Kubas staatliche Telefongesellschaft ETECSA hat ein neues Preismodell für Mobilfunkkunden eingeführt, welches die Preise für Anrufe von 0,35 auf 0,20 CUC pro Minute reduziert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, in den kommenden Monaten 38.000 neue Internetanschlüsse in Privathaushalten legen zu wollen, die Preise starten bei monatlich 15 CUC. Auch das mobile Datennetz mit 3G-Geschwindigkeit soll dieses Jahr weiter ausgebaut werden.

Mit dem „Plan Amigos“ sollen ETECSA-Kunden für Handytelefonate bis zu 40 Prozent sparen können. Im Rahmen des neuen Dienstes können Nutzer bis zu drei Nummern (mobil oder Festnetz) eintragen, für die dann lediglich 0,20 CUC pro Minute fällig werden. Zwischen 23 und 6 Uhr Morgens gilt wie bisher für alle der Nachttarif von 0,10 CUC pro Minute. Verwaltet werden kann das neue Angebot über das Handy, indem über die Wahlkombination *133# das entsprechende Menü geöffnet wird, der aktuelle Status lässt sich mittels *222*264# überprüfen. Die Aktivierung des Dienstes kostet einmalig 1 CUC, danach werden monatlich 0,50 CUC fällig. Der „Plan Amigos“ lohnt sich bereits für alle, die mehr als 4 Minuten pro Monat mit einer bestimmten Nummer telefonieren.

Preise und Geschwindigkeit für private Internetanschlüsse. Rechte Spalte: nach geplanter Preissenkung in diesem Jahr (Quelle: Cubadebate)

Nachdem die Pilotphase für private Internetnanschlüsse in Havanna vor wenigen Wochen zu Ende ging, soll das Angebot in diesem Jahr weiter ausgedehnt werden. Nach internen Umfragen waren 94 Prozent der zufällig ausgewählten Teilnehmer mit dem Dienst zufrieden. In diesem Jahr plant ETECSA, bis zu 38.000 private Internetleitungen zu aktivieren. Die Installation (inklusive Router) kostet einmalig 29 CUC, danach stehen verschiedene Tarife zur Auswahl, die ab 15 CUC pro Monat für ein Kontingent von 30 Stunden beginnen.

Für das günstigste Paket (15 CUC und 30 Stunden) bekommt der Nutzer derzeit lediglich eine DSL-Verbindung mit 128 Kbit Downstream. Im Laufe des Jahres sollen diese Verträge jedoch bei gleichem Preis auf 256 Kbit-Leitungen aufgerüstet werden. Die Kosten für die anderen Tarife werden entsprechend angepasst. Die schnellste Verbindung (2 Mbit), wird dann statt bisher 115 nur noch 70 CUC pro Monat kosten. An den maximal 30 Stunden Internetzeit pro Monat soll sich jedoch erstmal nichts ändern.

Auch das kubanische Handynetz soll weiter ausgebaut werden. UMTS-Abdeckung (3G), also eine schnelle mobile Datenverbindung, existiert derzeit nur in Havanna und einigen Provinzhauptstädten. Im Rahmen eines „Nauta„-Accounts können Nutzer in Matanzas und Villa Clara seit kurzem ihre eMails auch mit 3G-Geschwindigkeit empfangen, Havanna soll in Kürze nachziehen. Kuba verfügt derzeit über 5,32 Mio. Telefonleitungen, davon sind rund 4 Millionen Mobilfunknummern. Landesweit stehen inzwischen 1058 Handymasten, davon sind  rund 20 Prozent 3G-fähig. Sie decken über 90 Prozent des Archipels mit GSM-Netz ab.

Karte mit Netzabdeckung für Mobildaten in Kuba. Dunkelgrün: 3G (Quelle: Cubadebate)

 

Private Internetanschlüsse sollen zwischen 15 und 115 CUC pro Monat kosten

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Kubas Telefongesellschaft ETECSA bringt Internet in die Haushalte. Die Loginmaske erinnert an bereits bekannte Produkte der Firma (Quelle: Progreso Semanal)

Private Internetanschlüsse kommen bald auch nach Kuba. Nach Informationen aus Kreisen des staatlichen Internetversorgers, wird ETECSA Pakete von 30 Stunden pro Monat für Preise ab 15 CUC anbieten. Die Firma führt seit Dezember ein Pilotprojekt in der Altstadt von Havanna durch, bei dem 2.000 Haushalte einen kostenlosen Internetanschluss erhielten. Nach dem Ende der Pilotphase am 28. Februar soll es den Kunden dann offen stehen, den Internetanschluss gegen Bezahlung zu behalten.

Chinesische Technik frei Haus

Das Onlinemagazin „Progreso Semanal“ berichtete jüngst über den Verlauf des Projekts und hat hierzu mit Teilnehmern gesprochen. „In meinem Gebäude, wurde jeder, der ein Telefon hat, mit dem Internet verbunden. 15 Leute insgesamt“, sagte Ángel Castillo (37), der als Journalist und Berater für lokale Projekte arbeitet.

Die Bewohner für die Pilotphase wurden zufällig ausgewählt und leben in den Vierteln Catedral und Plaza Vieja, die sich im Herzen von Havannas Altstadt befinden. Das Gebiet wurde aufgrund seiner hohen Geschäftsaktivität und den staatlichen Einrichtungen, die ebenfalls von den in den Vorjahren extra verlegten Glasfaserleitungen profitieren, als Versuchszone für die ersten „regulären“ Heimanschlüsse ausgewählt.

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Ángel Castillo (37) zählt zu den ausgewählten Nutzern für die Pilotphase. Mit seinem DSL-Anschluss in den eigenen vier Wänden ist er einer der ersten seiner Art auf Kuba. (Quelle: Progreso Semanal)

Nach Angaben von Benutzern lässt sich jede beliebige Internetseite öffnen. Auch US-amerikanische Nachrichtenseiten sind abrufbar, ebenso wie die sozialen Netzwerke samt YouTube. Die Router stammen vom chinesischem Hersteller TP-Link und wurden ebenfalls von ETECSA gestellt. Mit ihnen lässt sich auch ein privates WiFi-Heimnetz schaffen mit dem sich mehrere Geräte gleichzeitig verbinden können. Nach Ende der kostenlosen Pilotphase lässt sich der Internetanschluss dann über einen regulären Vertrag beibehalten.

Gezahlt wird nach Geschwindigkeit

Nach Angaben von „Progreso Semanal“ sollen folgende monatliche Tarife angeboten werden, die allesamt über ein Zeitkontingent von 30 Stunden verfügen:

  • 256 Kbps: 15 CUC (= 0,5 CUC pro Stunde)
  • 512 Kbps: 50 CUC  (= 1,6 CUC pro Stunde)
  • 1 MBit: 70 CUC (= 2,3 CUC pro Stunde)
  • 2 MBit: 115 CUC (= 3,8 CUC pro Stunde)

Darüber hinaus lässt sich zu regulären Nauta-Tarifen für 1,50 CUC pro Stunde bzw. dem eigenen Nauta-Account das Zeitkontingent unbegrenzt erweitern. Auch Aufladungen aus dem Ausland sollen angeboten werden, ähnlich wie bereits heute bei den Handyverträgen.

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Technisch basieren die neuen Anschlüsse auf ADSL-Technik. Im Paket inbegriffen ist ein Router der Marke TP-Link (Quelle: Progreso Semanal)

Bisher haben auf Kuba lediglich einige Journalisten, Mediziner und andere Fachkräfte einen eigenen Internetzugang zu Hause. Deren Verbindungen basieren allerdings meist auf Modem bzw. ISDN-Technik und sind sehr langsam. Der jetzige Pilotversuch arbeitet mit Glasfaser und ADSL.

Wann die Vermarktung von privaten Internetanschlüssen auf andere Teile des Landes ausgedehnt wird, ist noch unklar. Vielerorts fehlt bislang schlichtweg die nötige Infrastruktur, um Geschwindigkeiten im DSL-Bereich anzubieten. Doch gerade in urbanen Gegenden könnte sich der Ausbau schnell als rentabel erweisen. In Zusammenarbeit mit den privaten Zimmervermietern (Casa particulares) könnte sich ETECSA im Tourismussektor leicht eine neue Einnahmequelle erschließen.

Die bisherigen Preise sind nach wie vor teuer, allerdings hat ETECSA die Preise für eine Stunde Internetzugang seit 2013 schrittweise um rund zwei Drittel gesenkt, zuletzt kurz vor Beginn des Pilotprojekts im Dezember von 2 auf 1,50 CUC. Noch vor wenigen Jahren kostete die „Surfstunde“ auf Kuba zwischen 5 und 9 CUC – bei deutlicher langsamerer Verbindung. Das niedrigste der neuen Tarifmodelle mit 256 Kbps könnte heute für einige interessant sein, da hier eine Stunde lediglich 0,5 CUC (ca. 0,47 €) kosten soll – im Unterschied zu den 1,5 CUC, welche bisher an den WiFi-Hotspots verlangt werden.


Interview mit Ángel Castillo über die neuen Internetanschlüsse.

Kuba zählt fast 4 Millionen Handynutzer

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ETECSA-Vertreter präsentieren bei einem Meeting die neuen Zahlen (Quelle: Trabajadores)

Nach Angaben der kubanischen Telekommunikationsgesellschaft ETECSA zählt das Land heute 3,94 Millionen Mobilfunkverträge – mit steigender Tendenz. Dies meldete jüngst die kubanische Tageszeitung „Trabajadores„. Den Angaben zu Folge nutzt derzeit jeder dritte Kubaner ein Handy.

Laut dem zuständigen Fachbereichsleiter von ETECSA, Luis Manuel Díaz Naranjo, kämen täglich etwa 2.000 neue Anmeldungen hinzu, so dass bis zum Ende des Jahres die Marke von 4 Millionen geknackt wird.

Ursprünglich rechnete die Firme in diesem Jahr mit einem Wachstum von 500.000 neuen Mobilfunkverträgen, tatsächlich seien bis heute schon 700.000 Neuanmeldungen hinzugekommen. Im Vergleich zum März 2014 hat sich die Anzahl der Handynutzer damit praktisch verdoppelt. Damals nutzten rund 2 Millionen Kubaner ein Mobiltelefon.

Obwohl die Kosten mit 35 US-Cent pro Gesprächsminute noch sind, haben viele Kubaner seit der Legalisierung privater Handyverträge im Jahr 2008 von dem Angebot des staatlichen Anbieters Gebrauch gemacht. ETECSA begründet die vergleichsweise hohen Minutenpreise mit der begrenzten Kapazität der Netze. Tatsächlich ist das Netz von ETECSA für seine Fehleranfälligkeit bekannt, immer wieder kommt es zu kurzzeitigen Pannen.

Jeder zweite kubanische Haushalt soll bis 2020 am Netz hängen

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Internetcafé in Santiago de Cuba (Quelle: Martí Noticias)

Die kubanische Regierung arbeitet derzeit an einem Programm, um das Internet in den nächsten fünf Jahren für alle Kubaner „verfügbar und erschwinglich“ zu machen, sagte vor wenigen Tagen der zuständige Funktionär des Kommunikationsministeriums in einem Interview mit dem Onlinemagazin Cubadebate. Kuba will im Rahmen der UN bis zum Jahr 2020 konkrete Ziele zur Verbesserung des Zugangs zu Informationstechnologien erreichen.

Agenda im Rahmen der Vereinten Nationen

Im Rahmen der Agenda „Connect 2020“ sollen die beteiligten Länder sicherstellen, dass bis zum Jahr 2020 mindestens 50 Prozent der Haushalte über Internetzugang verfügen. Dieser darf zudem maximal fünf Prozent des monatlichen Durchschnittslohns kosten. 60 Prozent der Haushalte sollen bis dahin ebenfalls über Zugang zu Mobiltelefonen verfügen. Das Programm wird von der internationalen Telekommunikationsunion (ITU) getragen, deren Mitglied Kuba ist. Die ITU ist Teil der Vereinten Nationen.

Im Ranking der ITU über die Entwicklung der Telekommunikationstechnologien belegt Kuba den Ranglistenplatz 125 von 166 untersuchten Ländern. Lediglich 25 Prozent der Kubaner nutzen derzeit das Internet (Privatanschlüsse: ca. 3-5 Prozent), 22 Prozent sind Handynutzer. Ein Sprecher des Kommunikationsministeriums räumte indes ein, dass die Politik bisher kein langfristiges Entwicklungsprogramm zur Digitalisierung der Gesellschaft entworfen hat.

Die letzten November entwickelten Ziele der UN werden jedoch mitgetragen und sollen als Grundlage für das Konzept dienen. Es werde derzeit „an den Vorbereitungen und strategischen Planungen zur Erreichung dieser Ziele gearbeitet“, sagte Ernesto Rodríguez Hernández, Leiter der IT-Abteilung beim kubanischen Kommunikationsministerium. Begleitet werden sollen die Maßnahmen von neuen Inhalten und Dienstleistungen, auch eine Ausweitung des mobilen Datennetzes ist geplant.

Ende März traf erstmals eine US-Delegation in Havanna ein, um die Kubaner über die neuen Regeln für den Export von IT-Ausrüstung zu informieren. Im Zuge der diplomatischen Wiederannäherung mit den Vereinigten Staaten im vergangenen Dezember hatte US-Präsident Obama die Wirtschaftsblockade gegen Kuba in einigen Bereichen gelockert, darunter auch IT- und Telekommunikationstechnik. „Es herrscht ein richtiges Potential hier, wenn es den Willen von kubanischer Seite her gibt“, sagte ein Sprecher des US-State Department gegenüber Reuters.

Das Internet als ein „Recht aller“

Über die Erreichung der UN-Ziele kommentierte er: „Ich denke sie [die Kubaner] sind sehr eifrig dabei, diese umzusetzen. Sie bleiben zurück, und das heißt sie versperren ihren Leuten den Zugang zu Wissen und zur Möglichkeit sowohl als Volk als auch als Wirtschaft zu wachsen, und sie sind sich dessen bewusst.“ Kubas Regierung würde nach Mechanismen suchen, um die Konnektivität zu verbessern und gleichzeitig die Kontrolle über den Markt zu behalten.

Bereits im Februar betonte Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel auf einem Informatikkongress in Havanna, das Internet sei „ein Recht aller“. Wenige Wochen später eröffnete in Havanna der erste kostenlose und öffentliche WiFi-Zugangspunkt. Seit kurzem können Internetnutzer in der Hauptstadt gegen Bezahlung auch auf die WiFi-Netze in den Touristenhotels zugreifen. Díaz-Canel forderte auf dem Kongress unter anderem die Entwicklung einer systematischen Politik zum Ausbau des Internetzugangs auf der Insel, nannte aber keine genauen Indikatoren. Es ist das erste Mal, dass sich Kuba jetzt im Rahmen eines UN-Programms konkrete Ziele zur Entwicklung des Internetzugangs setzt.

Kuba entwickelt neue Internetpolitik

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Die I. Konferenz zum Thema Informatisierung und Cybersicherheit in Havanna hatte Kubas Umgang mit Internet und IT-Technik zum Thema (Quelle: Cubadebate)

Mehr als 11.000 Informatiker in ganz Kuba folgten den Debatten, als am 18. Januar in Havanna der landesweit erste Kongress über „Informatisierung und Cybersichherheit“ begann. Die dreitägige Veranstaltung diskutierte vor allem die Bedeutung der IT-Technik  für die Entwicklung des kubanischen Modells. Auch die angekündigte Gründung einer Berufsvereinigung für die Informatiker auf der Insel war Teil der Diskussionen. Ziel ist, damit die Grundlagen für eine längerfristige Strategie im Umgang mit dem Internet in Kuba zu legen.

Das Internet als Wirtschaftsmotor

Die Gästeliste für die Veranstaltung umfasste nicht nur die IT-Experten, sondern auch die zuständigen Minister und Vertreter staatlicher Unternehmen. Getagt wurde ab vergangenen Mittwoch im „Palacio de las Convenciones“ in Havanna, dem größten Konferenzzentrum des Landes. In dutzenden weiteren Einrichtungen wurden landesweit Videoübertragungen eingerichtet, so dass tausende weitere Teilnehmer die Konferenz live verfolgen konnten.

Währenddessen wurde für zwei Tage ein Onlineforum auf der Seite des Kommunikationsministeriums eingerichtet, um die Diskussion über die IT-Politik des Landes auch im Internet zu starten. Neben der IT-Technologie ging es bei der Konferenz vor allem auch um die Frage, welche Rolle das Internet in der kubanischen Gesellschaft in Zukunft einnehmen wird und wie die Informatisierung des Landes vorangetrieben werden soll.

Kuba hat dabei auch das Potential der digitalen Ära für die Entwicklung seiner Wirtschaft erkannt. Was Studien unlängst belegen, wurde auch in Havanna erörtert: Der Zusammenhang zwischen Internetzugang und Wirtschaftswachstum. In einen „Motor für die Ökonomie“ sollen sich die IT-Technologien künftig verwandeln, forderte die Granma. Insbesondere die Entwicklung und der Export von Software soll vorangetrieben werden. Die kubanische Wirtschaft müsse in Zukunft das Potential einer modernen, wissensbasierten Ökonomie voll ausnutzen.

Allerdings könne die aktuelle Situation auf dem Gebiet „keine Antworten auf viele Bedürfnisse der Bevölkerung liefern, und man kann auf einigen Gebieten nur geringe Fortschritte bei der Anwendung der Informationstechnologien erkennen“, räumte der Vizeminister des Kommunikationsministeriums, Wilfredo González Vidal, ein.

Neue Berufsorganisation der Informatiker

Deshalb müsste eine politische Strategie entwickelt werden, um die Informatik in einen „strategischen Entwicklungssektor“ der kubanischen Wirtschaft zu verwandeln. Gónzalez zu Folge sollen neue Indikatoren entwickelt werden, um die Durchdringung der Gesellschaft mit IT-Technologie besser messen zu können. Außerdem sollen staatliche Firmen in Zukunft verstärkt private Dienstleister auf diesem Gebiet in Anspruch nehmen können.

Einige der ersten Schritte in in diesem Jahr soll die Ausdehnung des Internetzugangs auf weitere Staatseinrichtungen sowie die stärkere Verbreitung von EC-Karten zur bargeldlosen Bezahlung sein. Kuba müsse vor allem auf sein umfassendes Humankapital zurückgreifen und zusammen mit den Experten des Landes eine kohärente Informationspolitik entwickeln. Der Export von Softwareprodukten in die USA ist bereits möglich, sofern die Produzenten keine Staatsbetriebe sind. Bisher wird in Kuba entwickelte Software unter anderem nach Venezuela und Spanien verkauft.

Die Gründung einer Berufsorganisation für Informatiker, die künftige „Unión de Informáticos de Cuba (UIC)“, zählt zu den wichtigsten Ergebnissen des Kongresses. Sie ermöglicht es Kubas Informatikern, ähnlich wie bereits den Journalisten und Künstlern, sich in einer eigenen Vereinigung zu vernetzen, um gemeinsam Einfluß geltend zu machen und Diskussionsprozesse zu gestalten. In regelmäßigen Abständen soll die Organisation nationale Kongresse abhalten und könnte so künftig als „Think Thank“ für eine neue Internet- und Informationspolitik dienen.

„Recht auf Internet“ – Kubas Vizepräsident bezieht Stellung

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Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel während seiner Rede auf der Konferenz (Quelle: Cubadebate)

Klare Worte fand am letzten Tag der Konferenz Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel, der sich in seiner Rede ganz dem Thema Internet widmete: „Es gibt den politischen Willen der Partei und der kubanischen Regierung, die Informatisierung der Gesellschaft zu fördern und das Internet in die Dienste aller zu stellen“, sagte der designierte Nachfolger Raúl Castros. Auch er gab zu: „Es wurde viel getan, allerdings nicht immer das was wir brauchen und auch nicht immer in einer kohärenten Weise.“

Der Zugang zum Internet sei „ein Recht aller“, dem das fundamentale Recht auf Information zu Grunde liege, erklärte Díaz-Canel und versicherte ungewohnt deutlich: „Der Staat wird daran arbeiten, dass diese Ressource verfügbar, erreichbar und für alle erschwinglich sein wird.“ Das Internet allein löse nicht alle Probleme und müsse im Rahmen der Gesetze eingesetzt werden, allerdings könne es einen wichtigen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leisten.

Der Kongress habe hierzu eine „ehrliche, ernsthafte und kritische Debatte“ geliefert. Die grundlegenden Probleme der kubanischen Gesellschaft würden einen „kreativen und intensiven Einsatz des Internets“ verlangen, so Díaz-Canel. In seiner Rede machte er anhand einiger Beispiele die Möglichkeiten des Internets in Kuba deutlich. Der Zugang zum Internet sei eine „notwendige Voraussetzung“ für entwickelte Gesellschaften und werde zur sozialen und politischen Partizipation im Sozialismus beitragen.

Gleichzeitig hob er die Bedeutung des Internets als Kulturgut und Instrument zur Wissensvermittlung hervor. Von der beruflichen Fortbildung bis zum globalen Austausch sei das Internet heute unverzichtbar für Innovation und Vernetzung, erklärte Kubas Vizepräsident. Die bisherige Internetpolitik des Landes sei wenig systematisch gewesen, sagte Díaz-Canel und führte gleich eine ganze Liste mit Kritikpunkten ins Feld.

Demnach sei der Ausbau des Netzes bisher langsam und die Verwendung der Mittel intransparent, die angebotenen Dienstleistungen ineffizient, das Personal zu wenig geschult, die Entwicklung zu zentralisiert und ohne rechtlichen Rahmen. Es gebe eine „unzureichende Dynamik bei der Entwicklung von neuen Dienstleistungen und Inhalten.“ Außerdem kritisierte er die Hemmnisse bei der Beantragung eines Anschlusses, welche gleichermaßen für Institutionen und Privatpersonen gelten.

Eine neue Internetpolitik für Kuba

Die zu entwickelnde Internetpolitik Kubas solle systematisch an den Ausbau der Netzinfrastruktur herangehen und sowohl die Wirtschaft als auch die Gesellschaft als Gesamtsystem voran bringen, „mit allen und für das Wohl aller“. Díaz-Canel entpuppt sich damit als Fürsprecher eines umfassenden Internetausbaus in einem Land, in dem weniger als ein Viertel der Bevölkerung Zugang zum Netz hat – die meisten davon auf dem Arbeitsplatz bzw. in der Universität. Die Preise von 4,50 US$ pro Stunde sind angesichts des durchschnittlichen Monatslohns von 20 Dollar für die meisten Kubaner noch immer unerschwinglich.

In den letzten Jahren sorgte das Mismanagement beim staatlichen Telekommunikationsanbieter ETECSA zudem für heftige Kritik in weiten Teilen der Bevölkerung. So kam es nach der Inbetriebnahme des mobilen Datennetzes im vergangenen Frühjahr zu mehrmonatigen Betriebsstörungen und auch die teuren Internetcafés sind oftmals in schlechtem technischen Zustand und überfüllt. Die Nachfrage nach Internet übersteigt derzeit bei weitem das Angebot in Kuba, was das Erarbeiten einer wirksamen Strategie unabdingbar macht.

Dabei hat ETECSA bereits angekündigt, die Anzahl der Internetcafés in diesem Jahr von 155 auf 300 zu verdoppeln. Neu ist, dass die Firma nun offenbar auch die Einrichtung öffentlicher WiFi-Netze plant. Entsprechende Gerüchte sind in der Vergangenheit dementiert worden, nun traut sich das Unternehmen selbst damit an die Öffentlichkeit. In den kommenden Wochen soll in der westlichen Provinz Artemisa erstmals ein Internetcafé um ein drahtloses Netz erweitert werden.

Noch ist unklar, in welchem Umfang der Ausbau des Internets voran getrieben wird. Die bisherige Preispolitik und das Fehlen von Privatanschlüssen stellen derzeit wohl die größten Hindernisse auf dem Weg zur informatisierten Gesellschaft dar, wie sie von den Kongressteilnehmern einhellig gefordert wurde. Die letzten Jahre waren dabei – trotz des neuen Unterseekabels aus Venezuela – von fehlenden Investitionen und einer taktierenden Haltung Seitens ETECSA gekennzeichnet.

Fazit

Mit der Konferenz und der Gründung der Berufsvereinigung hat Kuba den Stein für eine längst überfällige Debatte ins Rollen gebracht. Das Recht auf Internetzugang wurde dabei durch Díaz-Canel erstmals von höchster Regierungsstelle anerkannt. Die Botschaft des Kongresses war klar: Das Internet und seine Rolle im künftigen Kuba ist ein Thema, dass von der gesamten Gesellschaft diskutiert werden muss; es ist zu wichtig um es den internen Planungen von ETECSA überlassen zu können. Der Weg den Kuba hierbei zu gehen hat ist lang und beschwerlich. Mit dem Kongress hat die Regierung jedoch ihre Bereitschaft bekräftigt, die ersten Schritte zu tun.

Kuba hat das Internet als Teil der gesellschaftlichen Wirklichkeit akzeptiert und versucht gleichzeitig seine soziale und koordinierte Nutzung zu fördern. Das Internet soll nicht nur passiver Informationslieferant sein, sondern aktiv zur Stärkung der staatlichen Institutionen und der Verbesserung ihrer Dienstleistungen eingesetzt werden. Die Politik scheint erkannt zu haben, dass nicht nur die heranwachsende Generation das Internet braucht, um an den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts teilhaben zu können.

Denn auch den zahlreichen Privatbetrieben, Kooperativen und ausgebildeten IT-Spezialisten des Landes ist umfassender Internetzugang ein wichtiges Anliegen für die Zukunft ihrer wirtschaftlichen Existenz. Die Frage nach dem Ausbau des Internetzugangs in Kuba richtet sich heute nicht mehr nach dem „ob“. Gefordert ist deshalb ein umfassender Meinungsaustausch, an dessen Ende eine ausgewogene Strategie steht, die für die nächsten Jahre auch eine Antwort nach dem „wann“ und „wie“ geben kann.

Kuba baut 2015 Internet und Mobilfunk weiter aus

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Internetcafé in Kuba (Quelle: Martí Noticias)

Havanna. Die kubanische Telefongesellschaft Etecsa hat angekündigt, das Internet im kommenden Jahr massiv auszubauen. Geplant sei, die Anzahl der Zugänge in Internetcafes zu erhöhen, berichtet die kubanische Tageszeitung Juventud Rebelde unter Berufung auf Funktionäre der Etecsa. Zudem könnten 2015 erstmals öffentliche WLAN-Zugänge eingerichtet werden. Die Pläne seien Teil der staatlichen Politik, die auf einen verbesserten Internetzugang abzielt, heißt es in dem Blatt weiter.

Vertreter der Telefongesellschaft bekräftigten, dass man die „kollektiven Zugangspunkte (für das Internet) ausbauen“ wolle. Derzeit seien 154 Internetcafes in Betrieb, nachdem im Jahr 2013 die ersten 118 dieser Einrichtungen eingeweiht worden waren.

In der staatlichen Tageszeitung kündigten Etecsa-Vertreter diese Woche auch an, die sogenannten Computerclubs auszubauen. Diese Einrichtungen mit Internetzugängen sind in erster Linie für die Nutzung durch Jugendliche vorgesehen.

Im vergangenen März hatte die staatliche Telefon- und Internetgesellschaft erstmals einen privaten E-Mail-Service angeboten, der auch von Handys genutzt werden kann. Nach offiziellen Angaben verfügen bereits 460.000 Nutzer über ein entsprechendes lokales E-Mail-Konto.

Die massive Zunahme der Nutzer hatte die vorhandenen Kapazitäten jedoch überlastet. Nun kündigte die Telefongesellschaft an, die technischen Netzwerke „zu modernisieren und auszubauen“, heißt es bei Juventud Rebelde. Dies gelte auch für das Mobilfunknetz.

Im kommenden Jahr sollen 800.000 weitere Mobilfunkverbindungen geschaffen werden, womit sich die Gesamtzahl der Endkunden auf rund drei Millionen erhöhen würde. Seit 2008 können Kubaner offiziell Handyverträge abschließen. Davor waren die knappen Ressourcen für private Endkunden nicht zugänglich.

Das Internet ist für private Nutzer von zu Hause aus nach wie vor sehr begrenzt zugänglich. Allerdings hat die Etecsa angekündigt, die Ressourcen auch in diesem Bereich weiter auszubauen. Bislang haben bestimmte Berufsgruppen, staatliche Institutionen und Bildungseinrichtungen Vorrang.

2011 war ein Internetkabel aus Venezuela nach Kuba verlegt worden. Die neue Verbindung hat eine Länge von 1.630 Kilometern und eine Übertragungskapazität von 640 Gigabytes. Die Verlegung wurde von einem kubanisch-venezolanischen Mischunternehmen durchgeführt, die Kosten beliefen sich auf 72 Millionen US-Dollar. In einer zweiten Phase ist der Anschluss der Datennetzwerke in Haiti und der Dominikanischen Republik geplant. Das Problem bleibt aber weiterhin das veralterte Leitungsnetz auf der Insel.

von Harald Neuber / Amerika21