Spanische Firma will neue Käsefabrik auf Kuba errichten

Produkte der „Grupo TGT“, welche derzeit bereits an den kubanischen Tourismussektor geliefert werden (Quelle: Cibercuba)

Der kubanische Minsterrat hat jüngst die Errichtung einer neuen Fabrik für Käse in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) gebilligt. Die Anlage wird von der spanischen Firma „Grupo TGP“ betrieben, die ihren Sitz in Barcelona hat. Die Käsefabrik ist eines von 24 Projekten, welche sich bereits in der neuen Sonderwirtschaftszone ansiedeln.

Mit der neuen Fabrik will Kuba vor allem die derzeit schwierige Versorgung mit Milch- und Käseerzeugnissen verbessern. Sie wird eine Produktionskapazität von Anfangs 15.000 Tonnen Käse pro Tag haben, wovon knapp die Hälfte für den Export bestimmt ist. Grupo TGT unterhält bereits ähnliche Projekte in 17 Ländern und liefert seine Produkte seit mehreren Jahren an Hotels und Restaurants auf Kuba.

Das Projekt hat eine Investitionssumme von rund 23 Millionen US-Dollar, im Jahr 2019 soll die Fabrik ihre Funktion aufnehmen. Kuba sucht derzeit Investoren für knapp 400 Projekte mit ausländischem Kapital, welche eine Gesamtsumme von 9,5 Milliarden US-Dollar umfassen. Laut Schätzungen des Wirtschaftsministeriums braucht das Land jedes Jahr ausländische Investitionen von 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar, um seine selbst gesteckten Wachstumsziele von 5 bis 7 Prozent erreichen zu können. Derzeit beträgt die gesamte Investitionssumme aller genehmigten Projekte in Mariel rund 1 Mrd. US-Dollar, zudem sollen rund 4.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

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Kubas erstes Luxushotel öffnet seine Pforten

Das „Gran Hotel Manzana“ empfängt seit gestern die ersten Gäste (Quelle: Granma)

Am gestrigen Mittwoch eröffnete in Kubas Hauptstadt Havanna mit dem „Gran Hotel Manzana“ das erste Luxushotel der Insel. Das Fünfstern-Superior-Hotel wird als das luxuriöseste und modernste des Landes beworben und beherbergt neben 246 Unterkünften auch eine öffentliche Einkaufsmall mit Markenläden. Bei der feierlichen Eröffnung waren neben Kubas Tourismusminister Manuel Marrero auch Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal sowie Markus Semer, CEO der Kempinski-Gruppe, anwesend.

Das „Gran Hotel Manzana“ gehört auf kubanischer Seite zur „Grupo Gaviota“, Kubas größtem Tourismusunternehmen, welches den Streitkräften (FAR) unterstellt ist. Betrieben wird es jedoch von der Schweizer Firma Kempinski, Europas älteste Luxushotelgruppe. Die Renovierung des Gebäude, welches aus dem frühen 20. Jahrhundert stammt, begann im Jahr 2012 in Zusammenarbeit mit der französischen Baufirma „Bouygues Construction„. 2014 stieg Kempinski in das Projekt ein. Neben kubanischen Arbeitern waren auch mehr als 360 Inder an dem Bau beteiligt.

Im Kempinski soll es den Gästen an nichts fehlen. Neben einem Spa- und Saunabereich mit Wasserspielen verfügt das Hotel über mehrere Bars, Räume für Geschäftstreffen, eine Zigarrenlounge mit eigens angestelltem Sommelier. Der Pool auf dem Dach des Gebäudes verfügt als erster in einem kubanischen Hotel über kostenloses WiFi. Zudem steht den Gästen ein persönlicher Service zur Verfügung, der vom Taxi bis zum Tagesausflug allerlei Dienste für die Hotelgäste erledigen wird. Die Preise für eine Nacht reichen von 360 US-Dollar für ein kleines Zimmer in der Nebensaison bis hin zu 5.000 US-Dollar für die Präsidentensuite.

Die Mall im Innenhof (Quelle: Tripadvisor)

In der Mall befinden sich 16 Devisenläden, die von der kubanischen Handelskette „TRD Caribe“ in Zusammenarbeit mit ausländischen Edelmarken betrieben werden. Hier können unter anderem Produkte der Marken L’Occitane, Lacoste und Mont Blanc erworben werden. Der „Guardian“ nennt einige Preisbeispiele: So sind zur Eröffnung etwa eine Bulgari-Uhr für 10.200 US-Dollar sowie eine Anti-Aging-Creme für 162,40 US-Dollar im Sortiment. Ein Acacia-Gesichtswasser wandert dort für schlappe 95,20 US-Dollar über die Ladentheke.

Die Einwohner Havannas nahmen die Wiedereröffnung der einstigen Ruine mit gemischten Gefühlen wahr. „Sie haben der Altstadt ihren Glanz zurückgegeben“, kommentierte der Lehrer Abraham Rodriguez (45) gegenüber Reuters. Andere sehen zwar die Vorteile der Tourismuseinnahmen für das Land, wünschen sich allerdings mehr Wohnungsbau. Einige junge Kubaner nutzten die Eröffnung, um Selfies von sich vor den Geschäften zu machen. „Das ist ein High-end spot, sehr schön! Etwas, das wir so noch nicht gesehen haben“, sagt ein junger Kubaner gegenüber dem „Guardian“.

Viele waren offenbar gekommen, um sich in den neuen Läden der Einkaufsmall im Innenhof umzusehen. „Das tut weh, denn ich kann hier überhaupt nichts kaufen“, sagte der 71-jährige Rentner Rodolfo Hernandez Torres gegenüber dem britischen Medium und fügt hinzu: „Es gibt Leute, die hierherkommen um Dinge zu kaufen, aber das kann vielleicht einer von zehn“.


Vorstellung des Hotels in den kubanischen Nachrichten:

US-Regierung überprüft Kuba-Politik, American Airlines eröffnet Büro in Havanna

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„Wir können nicht spekulieren, was Trumps nächster Schritt sein wird“: American Airlines hat in Kubas Hauptstadt vergangene Woche ein Büro eröffnet (Quelle: Prensa Latina)

Washington/Havanna. Der Pressesprecher der US-Regierung, Sean Spicer, hat erklärt, dass Präsident Donald Trump derzeit die gesamten Politiken gegenüber Kuba einer Überprüfung und Neueinschätzung unterzieht. Dies war von Trump bereits im Wahlkampf angekündigt worden. Spicer sagte: „Der Präsident sieht sich einer Agenda verpflichtet, die Menschenrechte für alle Bürger auf der Welt zu sichern. Und bei unserer Evaluation dieser Frage in Kuba wird das die Kampflinie in den Diskussionen über unsere künftige Politik sein.“

Wie andere Ankündigungen von Trump stoßen auch diese Äußerungen aus seinem Umfeld auf Widerspruch, besonders aus verschiedenen Wirtschaftsbranchen. Hier äußern sich vor allem Fluggesellschaften deutlich und führen ihre Geschäftsaktivitäten mit Kuba weiter.

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Nach der Rezession plant Kuba 2 Prozent Wachstum mit Haushaltsdefizit

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Ein Stuhl bleibt frei: Die erste Parlamentssitzung ohne Fidel Castro (Quelle: Cubadebate)

Kubas Wirtschaft schloss im Jahr 2016 mit einem Minus von 0,9 Prozent. Damit erlebte die sozialistische Insel vergangenes Jahr die erste Rezession seit 1993. Kubas Präsident Raúl Castro nannte auf der Parlamentssitzung Ende Dezember zwei Prozent als Wachstumsziel für dieses Jahr. Erreicht werden soll dies vor allem durch mehr ausländisches Kapital und ein nationales Investitionsprogramm das durch ein hohes Haushaltsdefizit finanziert wird. Zurückgehende Öllieferungen aus Venezuela haben die ökonomische Situation Kuba zuletzt deutlich erschwert.

Weniger Öl aus Venezuela zwingt Kuba zum sparen

Das Kubas Wirtschaftsplaner letztes Jahr keine großen Sprünge würden verkünden können, war spätestens klar als Präsident Castro vergangenen Sommer ein Sparprogramm ankündigte, welches zurückgehenden Öllieferungen aus Venezuela mit einer drastischen Reduzierung von Importen und Primärenergieträgern zu begegnet versucht. Damals wurde bereits, nach einem Plus von vier Prozent des BIP im Jahr 2015, die Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert.

Abermals wandte sich Castro in der jüngsten Parlamentssitzung, welche am 27. Dezember in Havanna stattfand, direkt an ausländische Geldgeber und Handelspartner. In Bezug auf Kubas Zahlungsrückstände sagte er: „Ich danke einmal mehr den Geschäftspartnern für ihr Verständnis und das Vertrauen in Kuba und wiederhole den Willen der Regierung, in diesem wichtigen Bereich allmählich zur Normalität zurückzukehren und die Grundlagen dafür zu schaffen, dass es in der Zukunft keine Wiederholung dessen gibt.“

Trotz der schwierigen Liquiditätssituation sieht der Haushalt für 2017 eine deutliche Steigerung der Investitionen um fast 50 Prozent vor. Wie in den vergangenen Jahren werden die Sozialausgaben in einem Bereich von rund 51 Prozent der gesamten Staatsausgaben beibehalten, während gleichzeitig stärkere Investitionen in strategische Sektoren wie Infrastruktur, Zuckerindustrie, Tourismus und Telekommunikation erfolgen sollen.

Höchstes Haushaltsdefizit seit 1993 soll für Wachstum sorgen

Um die Mehrausgaben zu stemmen, wird das Haushaltsdefizit in diesem Jahr bei rund 11,5 Milliarden Dollar oder 12 Prozent des BIPs liegen – und ist damit das höchste je beschlossene Haushaltsdefizit seit 1993. Finanziert werden soll der Fehlbetrag durch staatliche Bonds, die von der Zentralbank aufgekauft werden. „Das letzte Jahr unter Raúl Castro wird das schwierigste in Bezug auf seine Wirtschaftspolitik sein“, kommentierte der kubanische Ökonom Pavel Vidal den Entwurf für den neuen Haushalt, welcher im Dezember verabschiedet wurde.

Zur Finanzierung der Investitionen will Kuba in Zukunft verstärkt auf ausländisches Kapital setzen. Bisher würde dies lediglich 6,5 Prozent der Gesamtinvestitionen ausmachen kritisierte Wirtschaftsminister Ricardo Cabrisas. Auch Raúl Castro nahm zu dem Thema Stellung: „Ich gebe zu, dass wir mit diesem Bereich nicht zufrieden sind und dass es häufig zu übermäßigen Aufschüben im Verhandlungsprozess gekommen ist. Es ist erforderlich, ein für allemal mit der rückständigen und vorurteilsbehafteten Denkweise gegen die ausländischen Investitionen Schluss zu machen.“

Castro: „Angst vor ausländischen Investitionen überwinden“

Kuba werde nicht zum Kapitalismus übergehen, dennoch sei es erforderlich sich von „unbegründeter Angst“ gegenüber ausländischen Investitionen zu befreien, sagte Castro vor den rund 600 Delegierten. Seit Mai 2014 hat Kuba rund 1,5 Milliarden US-Dollar an neuen ausländischen Investitionen erhalten. Um die selbstgesteckten Wachstumsziele von rund 5 Prozent zu erreichen sind jedoch jährliche Auslandsinvestitionen von 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar von Nöten, wie kubanische Ökonomen immer wieder betonen.

Kuba plant in diesem Jahr ein starkes Wachstum der Zuckerindustrie, diese soll ihren Output um 30 Prozent erhöhen. Der Hotel- und Restaurantsektor soll um 8 Prozent zulegen. Vergangenes Jahr konnte Kuba einen neuen Besucherrekord von über 4 Millionen Touristen verzeichnen, gut 16 Prozent mehr als noch 2015. Die Nahrungsmittelimporte werden sich mit 1,75 Mrd. US-Dollar in einem ähnlichen Bereich wie 2016 bewegen.

Neben Wirtschaftsfragen wurde auf der Parlamentssitzung auch ein neues Gesetz verabschiedet, dass die Verwendung des Namens und der Darstellung von Fidel Castro regelt und unter anderem das Aufstellen von Statuen und Büsten sowie die Benennung von Straßen und Institutionen nach dem verstorbenen Revolutionsführer verbietet. Zu Beginn der Sitzung legten die über 600 Parlamentarier eine Schweigeminute in Gedenken an den langjährigen Staatschef ein.

Kuba veröffentlicht neue Zahlen zu Auslandsinvestitionen

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In Kubas neuer Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) sollen zahlreiche neue Fabriken eröffnen (Quelle: ZEDMariel)

Havanna. Die Behörden in Kuba haben neue Zahlen zu ausländischen Direktinvestitionen auf der Insel bekanntgegeben. So meldete die Leiterin der 2014 gegründeten Sonderwirtschaftszone in Mariel, Ana Teresa Igarza, dass derzeit 19 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 900 Millionen US-Dollar für Mariel genehmigt wurden. Insgesamt konnte Kuba seit Verabschiedung des neuen Gesetzes über ausländische Direktinvestitionen vor zwei Jahren über 1,3 Milliarden US-Dollar an Investitionen gewinnen.

Von den 83 neuen Projekten seien 15 in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) angesiedelt, der Rest beziehe sich auf bereits bestehende Fabriken in anderen Teilen des Landes. Zu den prominentesten Vorhaben zählt die Eröffnung einer neuen Fabrik für Hygieneartikel in Zusammenarbeit mit dem internationalen Konsortium Unilever. Die Fabrik soll 300 Arbeiter in Mariel beschäftigen und im Jahr 2018 eröffnen.

Das brasilianisch-kubanische Joint-Venture Brascuba zeigt sich bereits seit 1993 für den Großteil der Zigarettenproduktion auf der Insel verantwortlich. Im Rahmen der Ende Oktober gestarteten Internationalen Handelsmesse (FIHAV) wurde der erste Grundstein für eine neue Fabrik in der Sonderwirtschaftszone gelegt. Das Joint Venture plant hierfür 100 Millionen US-Dollar zu investieren, die Pforten der neuen Anlage sollen ebenfalls 2018 geöffnet werden.

Kuba sucht derzeit noch nach weiteren Investoren für zahlreiche Projekte. Das neue Investitionsportfolio, das im Rahmen der FIHAV vorgestellt wurde, beinhaltet über 395 Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 9,5 Milliarden US-Dollar. Vor allem im Tourismussektor wird aufgrund des aktuellen Booms dringend nach neuen Partnern gesucht, um die bestehenden Kapazitäten zu erweitern.

Über 85 Prozent der Vier- und Fünf-Sterne Hotels werden derzeit im Rahmen von internationalen Verträgen durch ausländische Unternehmen verwaltet. Dennoch bleibt ein guter Teil der touristischen Infrastruktur weiterhin in den Händen des Staates, für die Altstadt von Havanna kündigte Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca nun einen Stopp für neue Projekte mit ausländischen Partnern an. Stattdessen sollen bisher wenig entwickelte Urlaubszentren ausgebaut werden.

Kubas Regierung plant, jedes Jahr zwischen zwei und drei Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen ins Land zu holen. Dies sei notwendig, um die selbstgesteckten Wachstumsziele von mindestens fünf Prozent pro Jahr zu erreichen und damit aus der aktuellen Wirtschaftskrise zu gelangen. Aufgrund der schwierigen Situation in Venezuela, Kubas wichtigstem Handelspartner und engem Verbündeten, kündigte die Regierung diesen Sommer ein Sparprogramm an. Laut Minister Malmierca wird das BIP-Wachstum in diesem Jahr gegen Null gehen.

von Marcel Kunzmann / Amerika21

Tourismus im Aufwind: Rund 80 Prozent mehr US-Besucher auf Kuba

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„Cuba es de moda“ – immer mehr US-Amerikaner finden ihren Weg nach Kuba (Quelle: Cartasdesdecuba)

Im ersten Halbjahr dieses Jahres besuchten 136.913 US-Amerikaner das sozialistische Kuba, rund 80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dies meldete die kubanische Statistikbehörde ONE in ihrer jüngsten Publikation. Insgesamt konnte die Anzahl der Besucher um 11,7 Prozent zulegen, bis Ende Juni besuchten 2,1 Millionen Touristen die Insel. Die Einnahmen aus dem Tourismussektor stiegen um 15 Prozent auf 1,2 Mrd. US-Dollar. Damit bleibt der Tourismus nach den Dienstleistungsexporten die zweitwichtigste Einnahmequelle des Landes.

Die Hauptgruppe der Kuba-Touristen macht mit Abstand noch immer Kanada aus. Mehr als 777.000 Kanadier statteten der Insel zwischen Januar und Juni dieses Jahres einen Besuch ab. Auf dem zweiten Platz folgt mit 187.000 Besuchern die kubanische Exilgemeinde, die meist zwecks Familienbesuchen auf der Insel zu Gast ist. Mit 136.913 Besuchern machen die US-Amerikaner in diesem Jahr erstmals die drittgrößte Gruppe aus, Deutschland liegt mit 125.438 Gästen auf dem vierten Platz. Der deutsche Tourismus legte im Vergleich zum Vorjahr um gut 45 Prozent zu.

Der US-Tourismus könnte in der aktuell laufenden Hochsaison noch eine weitaus größere Rolle einnehmen. Die drei Fluglinien American Airlines, JetBlue und Delta Air kündigten an, bereits im nächsten Monat reguläre Linienflüge zwischen den USA und Kuba einzurichten. Neben Havanna sollen dabei auch andere Destinationen angesteuert werden. JetBlue plant demnächst Santiago de Cuba anzusteuern. Die Preise sollen im moderaten Bereich zwischen 100 und 200 US-Dollar liegen. Die bisher üblichen Charterflüge können mit bis zu 500 US-Dollar zu Buche schlagen.

Auch der Tourismus auf Kreuzfahrtschiffen befindet sich im Aufwind. Seit dem letzten Jahr steuern immer mehr Kreuzfahrtlinien die kubanische Hauptstadt an, unter anderem die US-Linie Carnival. Kuba plant, den Hafen von Havanna in einen rein touristischen Hafen umzubauen und bessere Infrastruktur für Kreuzfahrtschiffe sowie potentielle Fähren zwischen Kuba und den USA zu schaffen. Der Frachtverkehr wird derzeit schrittweise auf den neuen Containerhafen in Mariel übertragen.

Trotz des Booms der US-Besucher und der seit Dezember 2014 eingeleiteten Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten bleibt „normaler“ Kuba-Tourismus für US-Amerikaner noch immer verboten. US-Amerikaner müssen sich in einer von 12 legalen Kategorien anmelden, um die Insel besuchen zu dürfen. Neben journalistischen Aufenthalten und religiösen Pilgerreisen zählen vor allem die sogenannten „People-to-people“-Tours zu den am häufigsten gewählten Kategorien. Diese geführten Reisegruppen versuchen einen Einblick in die kubanische Kultur zu geben. Reiner Sonne- und Strand-Tourismus sowie individuelle Reisen, die einen weitaus größeren Marktanteil in den USA abschöpfen könnten, bleiben weiterhin verboten.

Keine Bank für deutsches Startup in Havanna – wie das US-Embargo Kuba noch immer ausbremst

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Eigentlich sollten die Bedingungen für Geschäfte mit Kuba langsam besser werden, dachte sich Oliver Doehring, als er nach gut sechsmonatiger Vorbereitungszeit am 1. Juli dieses Jahres zusammen mit Kollegen sein Startup „oldcarshavana.com“ auf den Weg brachte. Über die Webseite lassen sich Rundfahrten mit alten US-Schlitten auf Kuba buchen. Schnell und unkompliziert, mit fairen Preisen und großer Auswahl, verspricht Doehring. Bereits nach wenigen Wochen ging die Anzahl der Buchungen durch die Decke. Noch immer steht das Geschäft jedoch vor großen Hindernissen, die nicht zuletzt auf die Wirtschaftsblockade gegen die Insel zurückzuführen sind.

Startup-Boom in Havanna

Aktuell vermitteln Doehring und seine Crew über 40 Fahrzeuge in Havanna und Varadero. Vom 48’er Buick bis hin zum ausgefallenen Cadillac Meteor von 1952 bleiben dabei kaum Wünsche offen. „Bei den Fahrzeugen hat die Medaille die berühmten 2 Seiten: Einerseits ist es grandios wie sich diese alten amerikanischen Schlitten in Kuba gehalten haben, auf der anderen Seite sind fehlende Ersatzteile und mangelndes Arbeitsgerät natürlich immer noch ein Problem. Viele Fahrzeuge bewegen sich auf Kuba nur, weil es (ähnlich wie im damaligen Osten) die Menschen gelernt haben Mängel mit viel Zeit und ‚Tüftel-Kunst‘ zu beheben“, sagt Doehring gegenüber „Cubaheute“.

Online lassen sich dabei verschiedene Touren buchen. Von der zweistündigen Stadtrundfahrt für 60 CUC bis hin zur 10-Stunden „Havana-Varadero-Tour“ ist alles dabei. Doehring bereist die Insel bereits seit über 10 Jahren, zusammen mit seinem kubanischen Freund Alejandro hat er das Startup gegründet. „Die Idee zu „oldcarshavana.com“ hat Alejandro an uns herangetragen. Zum einen ist er stolzer Besitzer eines BUICK von 1948, zum anderen ist er tatsächlich eine dieser Persönlichkeiten die (wie wir Deutschen sagen) den ‚Hintern dreht‘ um Geld zu verdienen“, berichtet Doehring. Mittlerweile haben die beiden mehrere Fahrer und einen deutschen Kfz-Mechaniker unter Vertrag, der den Zustand der Autos überprüft.

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Mehr als 40 verschiedene Autos lassen sich von Doehrings Website aus buchen (Quelle: oldcarshavana.com)

Das Geschäft läuft gut. Zwischen 20 und 30 Touren werden jeden Monat gefahren, die meisten Kunden kommen aus Kanada, Europa und den USA. Trotz Reiseeinschränkungen für US-Bürger „Der US-amerikanische Tourismus ist im vollen Gange und wächst nahezu täglich“, meint Doehring. Doch das über 50 Jahre alte Wirtschaftsembargo macht dem jungen Startup bis heute schwer zu schaffen. Die größten Schwierigkeiten bereite ihnen dabei nicht die kubanische Seite, sondern deutsche Banken.

Keine Überweisungen von Deutschland nach Kuba

Eines der größten Hindernisse: Überweisungen von Deutschland aus nach Kuba sind derzeit nicht über deutsche Banken zu realisieren. „Hier ist es leider so, dass die letzten deutschen Banken jede Geschäftsmöglichkeit in Richtung Kuba im Februar diesen Jahres eingestellt haben. Begründet wurde das telefonisch mit dem bestehenden Bankenembargo der USA“, erklärt Doehring. Er ist dabei bei weitem nicht allein,viele deutsche Mittelständler klagen bereits seit Jahren über ähnliche Probleme bei Investitionen auf Kuba. Trotz des Besuchs von Bundeswirtschaftsminister Gabriel Ende 2015 habe sich an der Situation nichts geändert. Das angekündigte deutsche Wirtschaftsbüro existiert bis heute nicht, stattdessen hat sich sogar die einzige im Kuba-Geschäft verbliebene deutsche Bank mittlerweile zurückgezogen.

Doehring und sein Team, das von Geschäftswegen auf stabile Bankverbindungen mit der Insel angewiesen ist, wollten das natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Ohne Bankverbindung, können die Kunden keine Vorauszahlungen leisten, was auch für das Startup zu mehr Aufwand führt – zweimal im Jahr müssen die Einnahmen aus Kuba „ausgeflogen“ werden. Doch auch ein Anruf beim Bundeswirtschaftsministerium führte nicht zum Erfolg. Im Gegenteil, „dort wusste man noch gar nichts davon, dass deutsche Banken die Geschäftsmöglichkeit in Richtung Kuba eingestellt hat“, berichtet Doehring gegenüber „Cubaheute“.

Immerhin hat sich nun ein Mitglied der künftigen deutschen Wirtschaftsdelegation der Sache angenommen, die Beantwortung einer Anfrage beim zuständigen Staatssekretär steht noch aus. Nach letzten Informationen der deutschen Botschaft arbeiten von deutscher Seite lediglich die DZ Bank sowie die hessische Landesbank überhaupt noch mit Kuba zusammen, daran werde sich auch nichts ändern, so lange die USA kein klares Statement ausgeben, das mit Blick auf Kuba Rechtssicherheit für die Banken schafft.

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Sanktionen gegen Banken, die mit Kuba Geschäfte machen. Zuletzt wurden die französische BNP Paribas sowie die deutsche Commerzbank wegen Geschäften mit Iran und Kuba zu Strafzahlungen in Milliardenhöhe verdonnert. Trotz der Wiederannäherung zwischen Kuba und den USA sowie den ersten Lockerungen der Blockade (so sind nun Zahlungen in US-Dollar offizieller wieder erlaubt), halten sich die praktischen Auswirkungen in engen Grenzen, viele Banken fürchten sich noch immer vor hohen Strafzahlungen. „Leider ist es so, dass, sollte sich die Einstellung unserer Banken nicht ändern, deutsche Unternehmen beim wirtschaftlichen Aufbau Kubas nur eine höchst untergeordnete Rolle spielen können“, urteilt Doehring.

Da „oldcarshavana“ nicht länger auf die deutschen Banken warten kann, versucht das Team derzeit seine Transaktionen auf eine spanische Bank auszulagern. Für den Journalisten Doehring, der seit 1992 selbstständig ist, ist dieser Umweg dabei alles andere als optimal: „Fakt ist, Kuba öffnet sich Stück für Stück und immer mehr. Dieser Prozess ist im vollen Gange und wir sind gerade dabei die Entwicklung im Bereich ‚internationale Wirtschaftsbeziehung mit Kuba‘ zu verschlafen. Da werden Chinesen und Amerikaner erheblich schneller sein.“