Auf Kuba kehrt der Strom zurück

Arbeiter bei der Wiederherstellung der Stromversorgung (Quelle: Cubadebate)

Drei Tage nachdem Hurrikan „Irma“ auf Kuba das gesamte Elektrizitätsnetz zum kollabieren brachte, kehrt vielerorts wieder der Strom zurück. In Havanna sind inzwischen mehr als drei Viertel der Hauptleitungen wiederhergestellt. Auch in anderen Provinzen wurde es wieder Licht, nachdem das landesweit verbundene Stromnetzes am Mittwochabend erfolgreich wieder hochgefahren werden konnte. Bis Ende der Woche will die Insel vielerorts wieder bereit für Touristen sein.

Nach drei Tagen ohne Strom und Wasser war die Situation in Folgen des Jahrhundertsturms „Irma“ auf Kuba angespannt. Die Reparaturbrigaden des Stromversorgers arbeiteten seit Sonntag mit Hochdruck an der Wiederherstellung der Stromversorgung, während Kadetten des Militärs die Straßen von heruntergefallenen Bäumen und Müll säuberten. Der Schulbetrieb ist inzwischen angelaufen, während Havannas Universitäten schrittweise ihre Kurse wieder aufnehmen.

Auch der Tourismus kehrt wieder nach Kuba zurück. Während im Badeort Varadero die allermeisten Hotels nur leichte Schäden erlitten haben, sind mit 29 davon die Mehrzahl weiterhin offen. Alle internationalen Flughäfen, mit Ausnahme von „Jardines del Rey“ auf Cayo Coco, haben seit Dienstag Mittag den Normalbetrieb wieder aufgenommen, so auch Havanna, Varadero und Camagüey. In der Hauptstadt gab die zuständige Tourismus-Beauftragte Entwarnung: Bis Ende der Woche sei die Stadt bereit für Touristen, die meisten Hotels hätten dann wieder regulär geöffnet. Bis zum Beginn der Hochsaison am 15. November sollen in Varadero und anderen Touristenpools die restlichen Schäden beseitigt sein.

Kubas Vizepräsident Miguel Díaz-Canel macht sich ein Bild von dem beschädigten Kraftwerk „Antonio Guiteras“ in Matanzas (Quelle: Giron)

Die Priorität liegt jedoch zunächst bei bei der Wiederherstellung des Stromnetzes, denn davon hängt auch die Wasserversorgung ab. Präsident Raúl Castro orderte alsbald nach dem Sturm die Verstärkung der Reparaturbrigaden an, weniger stark betroffene Provinzen wie Granma, Santiago und Pinar del Río schickten Spezialisten in die Hauptstadt und andere Gebiete. Noch immer dauern die Reparaturen am Kraftwerk „Antonio Guiteras“ in der Provinz Matanzas an. Das 1988 errichtete Schwerölkraftwerk kommt mit einer Leistung von rund 250 MW für ein Viertel des kubanischen Elektrizitätsbedarfs auf. „Irma“ hinterließ schwere Schäden an der Anlage, die voraussichtlich erst in einigen Tagen wieder teilweise hochgefahren werden kann.

Die anderen Kraftwerke, von denen viele ebenfalls beschädigt wurden, sind jedoch wieder mit voller Leistung ans Netz zurückgekehrt. Inzwischen sollen rund 75 Prozent der Leitungen auf der Insel wieder unter Strom stehen. Von den 2300 Hauptstromkreisen des Landes müssen noch 644 wiederhergestellt werden. Der staatliche Energieversorger „UNE“ gab am Mittwochabend einen Überblick über den Stand der Wiederherstellung der Stromversorgung in den einzelnen Provinzen:

  • Pinar del Río: 99 %
  • Artemisa: 94%
  • La Habana: 77 %
  • Mayabeque: 82 %
  • Matanzas: 34 %
  • Villa Clara: 30 %
  • Cienfuegos: 72 %
  • Sancti Spíritus: 47 %
  • Ciego de Ávila: 20 %
  • Camagüey: 73 %
  • Las Tunas: 74 %
  • Holguín: 92 %
  • Granma: 100 %
  • Santiago de Cuba: 99.9%
  • Guantánamo: 99.4 %

 

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Schnellzug Havanna–Varadero geplant

Russischer Schienenbus auf Kuba (Quelle: Cartasdesdecuba)

Kuba plant die Modernisierung der Zugstrecke Havanna–Varadero, um beide Orte mit einem neuen Schnellzug besser zu verbinden. Varadero ist eines der wichtigsten Touristenzentren des Landes und wird derzeit vor allem mit Bussen und Taxis von Havanna aus angesteuert.

Die Modernisierung der Zugstrecke ist Teil eines umfassenden Programms, das vorsieht die kubanische Eisenbahn bis zum Jahr 2030 mit russischer Hilfe zu modernisieren. Federführend beteiligt ist dabei die russische Zuggesellschaft „RZD International“ mit Sitz in Moskau.

Derzeit wird bereits an der Erneuerung der Hauptstrecke gearbeitet, welche Havanna mit der östlichen Metropole Santiago de Cuba verbindet. Dabei wird neben den Schienen auch die gesamte Signaltechnik ausgetauscht und auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Auch die Strecke Santa Clara–Cienfuegos wird derzeit entsprechend modernisiert.

Kuba plant in den nächsten Jahren wieder deutlich mehr Passagiere und Waren über die Schiene zu transportieren. Das Eisenbahnnetz ist theoretisch gut ausgebaut, allerdings mangelt es dem Land vor allem an neuem Rollmaterial und moderner Technik. Auch hier will Kuba in den nächsten Jahren mit dem Import von 60 neuen Dieselloks und 300 Schienenbussen aus Russland Abhilfe schaffen. Insgesamt will Kuba bis 2030 über eine Milliarde US-Dollar in die Modernisierung des Schienennetzes und die Anschaffung neuer Züge investieren.

Kuba im Fokus der Investoren

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New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo (3. von links) in der Sonderwirtschaftszone von Mariel (Quelle: Voice of America)

Zahlreiche internationale Handelsdelegationen waren in den vergangenen Wochen in Kuba zu Gast. Vor allem Russland, Spanien, Großbritannien und Japan wollen die Zusammenarbeit mit der sozialistischen Insel in den kommenden Jahren massiv ausbauen – aber auch Unternehmer aus den USA möchten nicht länger außen vor bleiben. Gut ein Jahr nach der Eröffnung der neuen Sonderwirtschaftszone von Mariel (ZEDM) scheinen die ausländischen Investoren in großer Zahl nach Kuba zurückzukehren.

Delegationen aus New York und Texas zu Gast in Havanna

Ende April stattete der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, der Insel einen Besuch ab. Begleitet wurde er von 20 amerikanischen Unternehmern, darunter Vertreter von Mastercard, der Fluggesellschaft JetBlue sowie des Pharmakonzerns Pfitzer. Trotz der weiterhin bestehenden US-Blockade konnten bereits erste Geschäftsabschlüsse verkündet werden. So will das New Yorker Roswell Park Cancer Institute zusammen mit dem kubanischen Zentrum für Molekularimmonulogie (CIM) einen Impfstoff gegen Lungenkrebs entwickeln, der auch in den USA zum Einsatz kommen soll.

Die amerikanische Softwarefirma Infor schloss einen Vertrag mit dem kubanischen Informatikunternehmen Desoft ab, der den Aufbau einer Medizindatenbank zum Ziel hat. Zudem will Infor die kubanischen Universitäten mit Fortbildungskursen und neuer Software ausstatten. „Wir waren vom Stand ihrer Gesundheitstechnologie überrascht und beeindruckt“, kommentierte der Infor-Geschäftsführer, Charles Philipps, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch eine texanische Unternehmerdelegation war Ende April in Havanna zu Gast, allerdings ging es für die Südstaatler zunächst vor allem um Informationen, konkrete Verträge wurden nicht abgeschlossen. Texas exportiert jährlich Lebensmittel im Wert von ca. 25 Mio. US$ nach Kuba. Kurz nach der Rückkehr der Handelsdelegationen, genehmigten die amerikanischen Behörden zum ersten Mal seit 1959 die Aufnahme von regulären Fährverbindungen nach Kuba.

Großbritannien will Golfplatz bei Varadero errichten

Fast zeitgleich mit den Amerikanern war auch eine Geschäftsdelegation in Vertretung von 32 britischen Unternehmern in Kuba, wobei Verträge im Wert von über 400 Millionen US$ unterzeichnet wurden. „Es war eine sehr erfolgreiche Mission, ich denke es gibt gute Möglichkeiten in Kuba“, kommentierte der Leiter der Delegation, Lord Hutton. Während ihres dreitägigen Besuchs trafen die britischen Unternehmer unter anderem auf Kubas Außenhandelsminister Rodrigo Malmierca, sowie den Minister für Energie und Bergbau, Alfredo Lopez.

Die britische Firma Esencia Hotels gab indes bekannt, einen Golfplatz mit zugehörigem Luxusresort in Kuba errichten zu wollen. Das Projekt soll bei Varadero, etwa 140 Kilometer östlich von Havanna, entstehen und 350 Millionen US-Dollar kosten. Allein in diesem Jahr besuchten bereits über 40.000 britische Touristen die Insel, womit das Vereinigte Königreich nach Deutschland und Frankreich an dritter Stelle des europäischen Besucheraufkommens steht.

Kuba als neues Zentrum für russische Technik in Amerika

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Treffen der russisch-kubanischen Geschäftsdelegation am 23. April in Kazan (Quelle: Progreso Weekly)

In Kazan, der Hauptstadt der russischen Republik Tatarstan, trafen am 23. April Vertreter von Russland und Kuba zusammen, um die gemeinsame Entwicklungsstrategie bis 2020 zu besprechen. Russland will sich unter anderem bei der Modernisierung der kubanischen Streitkräfte einbringen und die Insel mit Ansat-Leichthubschraubern versorgen. Der Hersteller Kazan Helicopters will in Kuba zudem ein Servicezentrum für den Export nach Lateinamerika errichten.

Die russischen Vertreter bestätigten, Kuba weiterhin mit Kamaz-LKWs sowie Baufahrzeugen und Zügen zu versorgen, wobei auch in diesem Bereich die sozialistische Insel zu einer Service- und Distributionszentrale für den amerikanischen Kontinent ausgebaut werden soll. Kuba wiederum plant den Export von pharmazeutischen Produkten in die Russische Föderation. Neben der weiteren Zusammenarbeit beim Transportsektor, der Industrie und der Energieversorgung wurde auch die Eröffnung einer GLONASS-Bodenstation in Kuba besprochen.

Nach Angaben des kubanischen Wirtschaftsministeriums benötigt Kuba jährlich mindestens 2 Milliarden US$ an ausländischen Direktinvestitionen, um die Wirtschaftsreformen umzusetzen und das geplante Wachstumsziel von 5 bis 7 Prozent pro Jahr zu erreichen. Insbesondere der Sonderwirtschaftszone von Mariel kommt hierbei eine Schlüsselrolle zu. Nach unbestätigten Angaben aus Ministeriumskreisen stehen dort bereits über 100 Projekte kurz vor der Umsetzung.