Kuba beginnt den Wiederaufbau

Krisenstab zur Wiederherstellung des Stromnetzes, welches landesweit kollabiert ist (Quelle: Cubadebate)

Während noch immer starke Winde und Wellen die kubanische Nordküste heimsuchten, begannen bereits am Sonntag die ersten Arbeiten des Wiederaufbaus. Nachdem Hurrikan „Irma“ drei Tage lang mit hohen Windstärken über die Insel hinweggefegt war sind laut Berichten des Zivilschutzes insgesamt 10 Menschen ums Leben gekommen, tausende Gebäude wurden ganz oder teilweise zerstört. Zwar haben noch immer weite Teile des Landes weder Strom noch Wasser, doch die ersten Straßenzüge leuchten bereits wieder. Bis Ende der Woche soll an vielen Orten wieder so etwas wie Normalität zurückkehren.

Viel zu tun im ganzen Land

Der Kategorie-5 Sturm „verursachte dem Lande schwere Schäden, die gerade wegen ihres Ausmaßes noch nicht quantifiziert werden konnten“, sagte Präsident Raúl Castro in einem „Aufruf an das kämpfende Volk„, der ab Sonntag in den Medien verlesen wurde. Er lobte die Solidarität und gegenseitige Hilfsbereitschaft der Kubaner. „Es waren harte Tage für unser Volk, das in wenigen Stunden sehen musste, wie das unter Anstrengung Aufgebaute von einem verheerenden Hurrikan zerstört wurde“, so Castro. Trotz der Evakuierung von rund 2 Millionen Menschen kam es auf Kuba zu 10 Todesfällen, davon 7 allein in Havanna.

In allen betroffenen Provinzen hat der Wiederaufbau begonnen, hier in Santa Clara (Quelle: Cubadebate)

Etwa zur selben Zeit, als „Irma“ bereits gen Florida abzog, wurde der Hurrikan-Alarm am Sonntag Abend auf der Insel offiziell aufgehoben. Mit Ausnahme der Provinzen Santiago de Cuba, Pinar del Río und der Insel der Jugend, die keine nennenswerten Schäden zu beklagen haben, befindet sich das Land seitdem in der Phase des Wiederaufbaus. Tausende Wohnhäuser, insbesondere entlang der Nordküste, wurden zerstört. Vor allem die Stromversorgung, welche derzeit durch beschädigte Kraftwerke und Stromleitungen im ganzen Land danieder liegt, soll baldmöglichst wieder funktionieren. Raúl Castro ließ die Brigaden des Energieversorgers per Dekret verstärken.

In Havanna fängt die Schule wieder an

Diese sind rund um die Uhr im Einsatz, räumen umgefallene Bäume weg, richten Strommasten wieder auf und ziehen neue Leitungen durch die Straßen. Bis Montag Abend konnten so immerhin 128 der 302 Stromkreise Havannas wieder zum Laufen gebracht werden, mehr als eine halbe Million Menschen sollen inzwischen wieder Strom haben. Die schwersten Schäden gab es laut dem Sprecher des Energieversorgers in den Municipios Playa, Plaza, Habana del Este und Cerro. Auf letztere Gemeinde konzentrieren sich derzeit noch die Arbeiten, da sich hier eine wichtige Wasserpumpe befindet, die den Großteil der Bevölkerung schon bald wieder versorgen könnte. Bis Ende der Woche sollen in Havanna in jedem Haus wieder die Lampen leuchten und das Wasser fließen.

Nachdem das Hochwasser aus den meisten Straßen verschwunden ist, machen die Aufbauarbeiten in Havanna gute Fortschritte. Noch immer müssen Keller ausgepumpt werden und zahlreiche Kubaner stehen Schlange bei den Stromgeneratoren des Zivilschutzes, um ihr Handy aufzuladen. Doch bereits am Dienstag soll überall der Schul- und Universitätsbetrieb weitergehen. Die Schulgebäude und Krankenhäuser wurden in Havanna wenig beschädigt, letztere haben unlängst wieder Strom. Auch der Hauptstadtflughafen „José Martí“ wird in den Mittagsstunden des 12. Septembers wieder in Betrieb gehen. In den Morgenstunden des selben Tages soll auch das Bussystem sowie der Fährbetrieb zur Insel der Jugend wieder aufgenommen werden. Zunächst werden dabei alte Reservierungen abgearbeitet. Wer seine bereits bezahlte Fahrt jetzt doch nicht antritt, kann innerhalb von zwei Wochen das Geld für sein Ticket zurückerhalten.

Die Schäden in Havanna werden mit Unterstützung des Militärs beseitigt (Quelle: Cubadebate)

Schwieriger gestaltet sich der Aufbau entlang der schwer verwüsteten Nordküste in Zentralkuba. Der Flughafen „Jardines del Rey“ sowie viele Hotels des gleichnahmigen Tourismus-Hotspots wurde von den Winden praktisch zerlegt, die Verbindungsstraße zum Festland abgeschnitten. Sie wird zur Stunde provisorisch repariert. „Die Schäden werden vor dem Beginn der Hochsaison behoben werden“, versprach Präsident Raúl Castro. In der Provinz Matanzas hingegen wurden die meisten Hotels am Strand von Varadero nur leicht beschädigt, der reguläre Betrieb wird weitergehen, genauso wie auch an den Stränden von Guardalavace in Holguín, wo ebenfalls nur geringe Schäden an der Hotelinfrastruktur gemeldet wurden.

Empfindliche Schäden am Stromnetz

Im Westen des Landes bereiten die Kraftwerke Probleme bei der Stromversorgung. Obwohl das Stromnetz in Cienfuegos und Matanzas nur mäßig beschädigt wurde, sorgt der Ausfall zweier thermoelektrischer Kraftwerke dafür, dass große Teile Zentralkubas dunkel bleiben. Im Falle des Kraftwerks „Antonio Guiteras“ in Matanzas, das sich für ein Viertel der gesamten Stromproduktion Kubas verantwortlich zeigt, ist die Lage besonders schwierig: hier wurde das Kühl- und Pumpenhaus völlig zerstört, erst in rund zwei Wochen kann das Kraftwerk wieder den vollen Betrieb aufnehmen. Der Ausfall kostet das Land jeden Tag rund 100.000 US-Dollar. Die historisch schweren Schäden an der zentralen Ost-West-Stromtrasse sorgen zudem dafür, dass viele Provinzen bei der Stromerzeugung derzeit auf sich allein gestellt sind. Hier erweisen sich die im Rahmen der „Energierevolution“ ab 2006 angeschafften Dieselgeneratoren als nützliche Stütze, so lange das nationale Netz noch nicht im Verbund funktioniert.

Dennoch konnte in Teilen von Havanna, Camagüey, Granma und Ciego de Ávila der Strom wiederhergestellt werden. Reparaturbrigaden aus den beiden verschonten Provinzen Pinar del Río und Santiago de Cuba sind inzwischen an ihren Einsatzorten angekommen. In einer Krisensitzung erläuterte der technische Direkter des Energieversorgers UNE die Komplexität der Lage: „Während es früher [bei anderen Stürmen, Anm. des Autors] darum ging die Übertragungs- und Verteilungsleitungen wiederherzustellen, reden wir heute davon, das gesamte Stromnetz von Null auf Neuzustarten.“ Die Neusynchronisation des Netzes soll in einigen Tagen erfolgen können, da andere beschädigte Kraftwerke zur Stunde wieder hochgefahren werden.

Auch bei der Landwirtschaft hinterließ „Irma“ schwere Schäden. 40 der 56 Zuckermühlen des Landes erlitten Schäden an den Dächern der Gebäude. Mehr als 300.000 Hektar Zuckerrohrfelder, über ein Drittel der Anbaufläche, wurden beschädigt. Wie schwer es die übrigen Bereiche der Landwirtschaft getroffen hat, ist zur Zeit noch nicht bekannt.

Kubas Regierung plant die schwersten Schäden im Land noch innerhalb dieses Jahres zu beseitigen. Bis Ende der Woche soll in vielen Gemeinden wieder so etwas wie Normalität herrschen. Hierfür arbeiten derzeit tausende offizielle und freiwillige Helfer ohne Unterbrechung in allen betroffenen Provinzen. Auch wenn die Arbeiten komplexer als sonst, die Organisation umfangreicher ist, bleibt laut Raúl Castro ein Prinzip unverändert: „Die Revolution wird niemanden schutzlos lassen und es werden bereits Maßnahmen ergriffen, damit keine kubanische Familie ihrem Schicksal überlassen bleibt.“


Wiederaufbau in Havanna

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Hurrikan „Irma“ hinterlässt auf Kuba Spur der Zerstörung

Im überfluteten Havanna laufen zur Stunde noch immer Rettungs- und Bergungsarbeiten (Quelle: Cibercuba)

Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern zog Hurrikan „Irma“ seit Freitagabend über Kuba hinweg. Während die letzten Ausläufer des Sturms zur Stunde über dem Nordwesten der Insel nach Florida abdriften, tritt das Ausmaß der Schäden langsam zu Tage. Noch immer sind die meisten Provinzen ohne Strom- und Wasserversorgung, darunter auch die Hauptstadt Havanna, die von weitflächigen Überschwemmungen heimgesucht wird. Dennoch kam nach jüngsten Berichten offenbar kein Mensch bei der Katastrophe auf Kuba ums Leben.

Kurz vor seinem ersten Landgang auf Cayo Romano an der zentralkubanischen Nordküste in der Nacht zum Samstag, wurde „Irma“ wieder auf einen Kategorie-5-Sturm hochgestuft. Als solcher richtete er von Havanna bis Camagüey immense Schäden an, vor allem die Provinzen Matanzas und Santa Clara wurden schwer getroffen. Anders als in ersten Prognosen erwartet, hielt sich Irma deutlich näher entlang der kubanischen Nordküste auf und hat sich langsamer als prognostiziert über die Insel bewegt. Bis zu sieben Meter hohe Wellen sorgten vielerorts für Überflutungen. Die Hotelpools auf Cayo Coco und Cayo Guillermo sowie den anderen Inseln im Norden dürften großflächig zerstört worden sein. Insgesamt wurden mehr als zwei Millionen Menschen im Vorfeld des Sturms evakuiert.

Küstenstädte wie Morón (Ciego de Ávila), Caibarién, Remedios (Villa Clara), Matanzas sowie viele kleinere Ortschaften wurden weitflächig verwüstet. Doch auch größere Städte wie Camagüey sowie zahlreiche landwirtschaftliche Flächen im Landesinneren hatten unter „Irma“ zu leiden. Dächer und ganze Häuser wurden von den Starkwinden zerstört, Strommasten und Bäume knickten wie Streichhölzer auf die Straßen. Derzeit sind die meisten der betroffenen Gebiete inklusive der Hauptstadt ohne Strom, weshalb das gesamte Ausmaß der Schäden wohl erst in einigen Tagen beziffert werden kann.

Der Flugverkehr der Insel ist indes bis auf weiteres unterbrochen. Fluggesellschaften wie Condor und Eurowings haben anstehende Flüge auf den Montag verschoben, noch immer gilt auf der gesamten Landesfläche mit Ausnahme der Insel der Jugend der Alarmzustand. Die südlich vorgelagerte Insel ist neben den östlichen Provinzen Guantánamo, Granma und Santiago de Cuba das einzige Gebiet des Landes, welches nur geringe bis keinerlei Schäden zu vermelden hatte.


Erste Bilder aus den betroffenen Gebieten auf Kuba

Auch wenn die Stromversorgung funktioniert in vielen Teilen des Landes noch nicht funktioniert, hat mancherorts wie hier in Matanzas bereits der Wiederaufbau begonnen(Quelle: Granma)

Matanzas: zahlreiche Straßen und Verkehrswege sind zur Stunde blockiert (Quelle: Granma)

Die Hauptstadt Havanna hat mit weitflächigen Überflutungen zu kämpfen (Quelle: Granma)

Havannas „Parque Central“ wurde schwer mitgenommen (Quelle: Cubadebate)

Große Teile der Hauptstadt Havanna stehen seit Samstagabend unter Wasser (Quelle: Cubadebate)

Entlang von Havannas Uferpromenade Malecón wurden mehrere tausend Einwohner evakuiert (Quelle: Cubadebate)

Verwüstungen in Santa Clara (Quelle: Granma)

Insbesondere entlang der Küste (hier: Santa Clara) wurden viele Gebäude zerstört (Quelle: Granma)

Santa Clara: für viele Einwohner dürfte es ein bitteres Erwachen gegeben haben (Quelle: Granma)

Camagüey: auch weiter im Landesinneren kam es zu schweren Schäden (Quelle: Granma)

Viele der großten Hotels entlang der Nordküste von Ciego de Ávila sind nicht wieder zu erkennen (Quelle: Granma)

Überflutungen entlang der Küste in der Provinz Holguín (Quelle: Cubadebate)