Millionen nehmen Abschied von Fidel Castro

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Hunderttausende pilgerten in den vergangenen Stunden auf den Revolutionsplatz in Havanna, um Fidel Castro die letzte Ehre zu erweisen (Quelle: Granma)

Die Schlange vor dem Denkmal José Martís auf Havannas Revolutionsplatz scheint nicht abzureißen. Hunderttausende Bewohner der Hauptstadt haben sich gestern und heute aufgemacht, um ihrem am Freitag verstorbenen Revolutionsführer die letzte Ehre zu erweisen und sich im Kondolenzbuch einzutragen. Doch nicht nur in Havanna war der Andrang groß, im ganzen Land fanden sich bis gestern fast zwei Millionen Menschen an einem der über 11.000 eigens eingerichteten Gedenkschreine ein, die bis 22 Uhr geöffnet waren.

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Gedenkschrein in Guantánamo, rechts auf der Tafel: Fidels „Konzept der Revolution“ (Quelle: Venceremos)

Das Parteiorgan „Granma“ schrieb, die Einheit der Kubaner sei jetzt „die beste Art, ihm Ehre zu erweisen.“ Und so nimmt es nicht Wunder, dass viele Personen der Aufforderung nachkamen, das von Fidel einst im Jahr 2000 formulierte Revolutionskonzept, ein kurzer Auszug aus der Rede zum damaligen ersten Mai, zu unterzeichnen. Pioniergruppen und ganze Betriebskollektive marschierten geschlossen und in langen Schlangen zu den Trauerschreinen, viele ältere Menschen hatten unter der tropischen Hitze mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und wurden von den Sicherheitsleuten vorgelassen.

Heute Abend soll nun die zentrale Gedenkkundgebung auf Havannas Revolutionsplatz stattfinden, bevor Fidels Urne am Mittwoch in einem mehrtägigen Zug, der die historische Route der Revolutionäre rückwärts beschreibt, nach Santiago de Cuba gebracht werden soll. Die Beisetzung ist für Sonntag Morgen auf dem Friedhof Santa Ifigenia am Stadtrand von Santiago geplant, wo auch Kubas Nationalheld José Martí seine letzte Ruhe gefunden hat. Während der neuntägigen Staatstrauer werden zwischen 9 und 18 Uhr stündlich Artilleriesalven zeitgleich in Havanna und Santiago de Cuba abgefeuert. Der Verkauf von Alkohol und das spielen von lauter Musik sind verboten. Alle offiziellen Veranstaltungen wurden abgesagt oder verschoben, die Schulen und Universitäten blieben heute geschlossen.

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Die kubanische Botschaft in Washington (Quelle: Cubadebate)

Die Gästeliste für die heutige Kundgebung in Havanna ist lang, zahlreiche ausländische Staats- und Regierungschefs sind bereits in Havanna eingetroffen, darunter Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und der bolivianische Regierungschef Evo Morales. Beide Länder zählen zu Kubas engsten Verbündeten. Zahlreiche Gäste stammen aus Afrika und Lateinamerika. Südafrikas Präsident Jacob Zuma hat seine Teilnahme angekündigt, Simbabwes Staatschef Robert Mugabe ist bereits in Havanna eingetroffen. Aus Lateinamerika haben darüber hinaus die Präsidenten Daniel Ortega (Nicaragua), Raphael Correa (Ecuador) und Peña Nieto (Mexiko) fest zugesagt.

Eine Absage musste Havanna hingegen aus Russland hinnehmen. Wladimir Putin sei aus terminlichen Gründen verhindert, hieß es aus dem Kreml. Zuvor würdigte Putin Castro in einem Telegramm als „wahren Freund Russlands.“ Das Weiße Haus gab heute bekannt, nicht mit einer präsidentiellen Delegation teilzunehmen. Stattdessen soll Jeffrey DeLauris, Chefdiplomat der US-Botschaft in Havanna, an der Zeremonie teilnehmen. China schickte Vizepräsident Li Yuachao nach Havanna, Präsident Xi Jinping fand jedoch Gelegenheit sich ins Kondolenzbuch der kubanischen Botschaft in Peking einzutragen.

Die Bundesrepublik wird bei der Trauerfeier von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) vertreten, der mittlerweile in Havanna eingetroffen ist. Spanien wird durch den früheren König Juan Carlos vertreten sein. Griechenlands Premier Alexis Tsipras wird wohl als einziger europäischer Regierungschef anreisen. Zahlreiche Länder haben aus Respekt gegenüber Castro eine mehrtägige Staatstrauer angeordnet, darunter Venezuela, Bolivien, Nicaragua, Uruguay, Vietnam, Nordkorea und Saudi-Arabien.

Zahlreiche Menschen in aller Welt nehmen in diesen Tagen Abschied vom „ewig jungen Revolutionär“ Fidel Castro, wie ihn Nicolás Maduro in seinem Beileidsschreiben bezeichnete. Die kubanischen Botschaften sind vielerorts von Blumen und Kerzen gesäumt, in den sozialen Medien bringen Menschen unter dem Hashtag #HastaSiempreComandante ihre Trauer zum Ausdruck.

Auch führende kubanische Politiker haben sich mittlerweile öffentlich von Fidel verabschiedet. Allen voran Raúl Castro, der sich zusammen mit weiteren Regierungsmitgliedern im Festsaal des Verteidigungsministeriums vor der Urne seines Bruders versammelte. An der anschließenden Ehrenwache nahmen neben Castro auch der zweite Parteisekretär Machado Ventura, der Comandante der Revolution Ramiro Valdés sowie der erste Vizepräsident des Staatsrats Miguel Díaz-Canel teil.

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Raúl Castro trifft in Moskau ein

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Kubas Präsident Raúl Castro kam am 5. Mai in Moskau an (Quelle: Trabajadores)

Kubas Präsident Raúl Castro traf am gestrigen Dienstag in Moskau ein, wo er auf Einladung Wladimir Putins den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Sieges über Nazideutschland beiwohnen wird. Russland plant hierzu am 9. Mai die größte Militärparade seiner Geschichte abzuhalten. Im Anschluss an den Besuch wird sich der kubanische Präsident am Sonntag zu einer privaten Audienz mit Papst Franziskus im Vatikan treffen.

Begleitet wird Raúl Castro unter anderem von Kubas Außenminister Bruno Rodríguez sowie Verteidigungsminister Leopoldo Cintra Frías. Vor der Ankunft in Moskau war die Delegation drei Tage auf Visite in Algerien. Am Mittwoch und Donnerstag wird Castro mit dem russischen Premierminister Dimitri Medwedew sowie Präsident Wladimir Putin zusammentreffen. Dieser war vergangenen Sommer in Havanna zu Gast, während Raúl Castro zuletzt 2009 und 2012 in Moskau weilte.

Russland und Kuba diskutieren gemeinsame Projekte

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Ricardo Cabrisas (rechts) und Russlands Vizeaußenminister Wassili Nebensja vergangene Woche in Havanna (Quelle: Escambray)

Havanna. Russland und Kuba haben bei einem Treffen von Regierungsvertretern in der kubanischen Hauptstadt die Umsetzung gemeinsamer Investitionsvorhaben und den Stand der bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern besprochen. An der Zusammenkunft vergangene Woche nahmen Kubas Außenminister Bruno Rodríguez, der Vizepräsident des Staatsrates, Ricardo Cabrisas, und der russische Vizeaußenminister Wassili Nebensja teil. Darüber hinaus fanden mehrere Treffen von Experten der Außen- und Handelsministerien beider Länder statt.

Nach dem Besuch von Präsident Wladimir Putin in Kuba im vergangenen Sommer plant Russland, in den kommenden Jahren wichtige Industrieprojekte in Kuba auf den Weg zu bringen. Zu den besprochenen Vorhaben zählt unter anderem die Errichtung eines Kraftwerks zur Stromerzeugung in der Sonderwirtschaftszone von Mariel, mit einer Kapazität von 800 Megawatt. Auch die Erneuerung eines Stahlwerks in Havanna sowie die Beteiligung des russischen Energiekonzerns Sarubeschneft bei Offshore-Ölbohrungen wurde erörtert.

Die russischen Vertreter beglückwünschten die Kubaner zu ihrem „diplomatischen Erfolg“ bei den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Die Wiederherstellung der Beziehungen mit den USA stelle einen „politischen Sieg des kubanischen Volkes“ dar, allerdings könne dies nur der Beginn eines langen Weges sein. Die Gäste betonten ebenfalls den „exzellenten Stand“ der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und Russland und bekräftigten den beiderseitigen Willen zur Umsetzung der Projekte, die beim Besuch Putins besprochen wurden.

von Marcel Kunzmann / Amerika21